Neue Nationalgalerie

Neue Nationalgalerie

Neue Nationalgalerie

Architekt: Ludwig Mies van der Rohe
Bauzeit: 1968 (1965-68)
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Adresse: Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin (Mitte)
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Web: http://www.neue-nationalgal...

Architektur

Die Neue Nationalgalerie ist das einzige Bauwerk, das Ludwig Mies van der Rohe nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland umsetzen durfte. Im Jahre 1962 erhielt er im hohen Alter von 76 Jahren den Auftrag, ein Museum zu errichten. Der Bau wurde 1968, ein Jahr vor Mies´ Tod, fertiggestellt. Die Neue Nationalgalerie war das erste Museum, das am neu entstehenden Kulturforum Berlin-Tiergarten unweit des Potsdamer Platzes, eröffnet wurde. In direkter Nachbarschaft befinden sich Hans Scharouns Staatsbibliothek und Philharmonie.

Mit der Neuen Nationalgalerie realisierte Mies in eindringlicher Weise den von ihm entwickelten Gedanken des Universalraums. Auf einer 105 x 110 Meter großen Granitterrasse, die den leichten Abhang am Ufer des Landwehrkanals ausgleicht, setzt der quadratische Pavillon aus Stahl auf. Die Kantenlänge des den Bau dominierenden Daches beträgt 64,8 Meter, und die umschließenden Glaswände sind um 7,2 Meter zurückgesetzt und bilden so die Haupthalle. Da das Dach von je zwei Stahlsäulen an jeder Kante getragen wird, ist die Haupthalle ein einheitlicher, großer Raum, der nur von zwei freistehenden Kernen und mehreren Treppen ins Untergeschoss strukturiert wird. Im Untergeschoss befinden sich die eigentlichen Ausstellungsräume an die im Westen des Gebäudes ein ummauerter Skulpturengarten anschließt. Durch die ungewöhnliche Raumaufteilung im Untergeschoss und die Monumentalität der Haupthalle ist die Nutzung des Gebäudes für Ausstellungen nicht unproblematisch.

Museum

Die Neue Nationalgalerie beherbergt die Bestände der Staatlichen Museen zu Berlin im Bereich der Malerei und Plastik des 20. Jahrhunderts, von der klassischen Moderne bis zur Kunst der 1960er Jahre. Sie knüpft ausdrücklich an die Tradition der Neuen Abteilung im Kronprinzenpalais an, die unter der Leitung von Ludwig Justi von 1919 bis 1937 aufgebaut worden war, bis sie durch die Aktion Entartete Kunst zerstört wurde.

Vorgeschichte

Noch 1945 beschloss der Magistrat von Berlin die Gründung einer Sammlung des 20. Jahrhunderts. Die treibenden Kräfte dabei waren Adolf Jannasch und abermals Ludwig Justi. Es dauerte aber noch bis 1947, ehe sich die Ankaufkommission zusammenfand. Sie bestand aus 3 Stadtverordneten der CDU, der SPD und der SED, 3 Kunsthistorikern und 3 Künstlern. Der inzwischen 69jährige Justi war zum Generaldirektor der ehemaligen Staatlichen Museen ernannt worden. Er wollte zunächst die Lücken im Bereich des Expressionismus durch den Ankauf einiger Hauptwerke füllen, kollidierte damit aber mit Strömungen, die die aktuelle Nachkriegskunst dokumentieren wollten. Ausstellungen fanden zu dieser Zeit im Staatsratssaal des Stadtschlosses statt.

Alle weiteren Bemühungen waren mit der Spaltung des Magistrats im November 1948 und der Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 obsolet. Deshalb wurde die Galerie des 20. Jahrhunderts 1949 in West-Berlin ein zweites Mal als städtische Galerie gegründet und musste ihren Bestand erneut aufbauen. Nach wie vor sah sie sich in der Tradition des Kronprinzenpalais und versuchte, um die Kontinuität sichtbar zu machen, wann immer möglich, verlorene Werke zurückzuerwerben - was allerdings nur vereinzelt gelang, wie bei Noldes Christus und die Samariterin. Insbesondere die Lücke, die durch den Verlust der Werke des Blauen Reiters entstanden war, war auch langfristig nicht angemessen zu schließen. Ausstellungsort der Galerie war zunächst das ehemalige Landwehrkasino an der Jebensstraße hinter dem Bahnhof Zoo, wo sich auch die Kunstbibliothek befand und heute das Museum für Fotografie und die Helmut Newton-Stiftung untergebracht sind. 1953 kehrten auch die im Westen ausgelagerten Bestände der Nationalgalerie nach West-Berlin zurück und wurden zunächst in Dahlem, ab 1959 im Schloss Charlottenburg ausgestellt. Beide Institutionen bemühten sich parallel, die Lücken im Bereich der klassischen Moderne wieder zu schließen. Nachdem 1957 die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegründet worden war, wurde es leichter, die Ankaufspolitik der Nationalgalerie enger mit der der städtischen Galerie des 20. Jahrhunderts zu koordinieren und als 1961 mit dem Bau der Mauer klar wurde, dass eine Zusammenführung der Bestände aus Ost und West auf lange Sicht nicht mehr möglich sein würde, entschloss man sich zur Vereinigung der beiden Rumpfsammlungen und zu dem repräsentativen Neubau am neu gegründeten Kulturforum, mit dem Mies van der Rohe beauftragt wurde.

Die Sammlung seit 1968

Dieser wurde 1968 mit einer Mondrian-Ausstellung eingeweiht. Erster Direktor wurde Werner Haftmann, der daran ging, der Öffentlichkeit aus beiden Rumpfsammlungen eine geschlossene Sammlung vorzulügen, wie er selbst sagte. In den Bau zogen zunächst die Galerie des 20. Jahrhunderts und alle Werke der Nationalgalerie, bis 1986, eher aus Platzmangel, die Galerie der Romantik zurück ins Schloss Charlottenburg kehrte, so dass die ständige Ausstellung erst jetzt auf die Kunst des 20. Jahrhunderts konzentriert war. Der Ankaufetat der Neuen Nationalgalerie war von Anfang an eher gering. Ende der 60er Betrug er etwa 200.000 DM gegenüber 10 Mio., die z. B. der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zur Verfügung standen. Viele Bilder konnten aber mit Hilfe der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und ab 1977 durch die Unterstützung der Freunde der Nationalgalerie erworben werden.

Die Museumskonzeption und die Ankaufspolitik waren oft von heftiger öffentlicher Anteilnahme geprägt. Haftmann gelang es, der immer noch rudimentären Sammlung eine profilierte Kontur zu geben und sie in einen internationalen Kontext zu stellen. Nach 1968 gab es trotzdem schwere Auseinandersetzungen, als sich Haftmann gegen Grenzüberschreitende Happenings und Installationen wandte. In der aufgeheizten Lage wurden teilweise die Glasscheiben des Mies-Baus eingeschlagen und sogar zerschossen.

1982 begegnete die Boulevardpresse dem Ankauf von Barnett Newmans Who´s Afraid of Red, Yellow and Blue IV mit lautstarkem Unverständnis, in deren Folge es zu Morddrohungen gegen den Direktor Dieter Honisch kam und ein Student das Bild schließlich zerstörte. Honisch hatte die Galerie der amerikanischen Malerei geöffnet und zwar insbesondere der Farbfeldmalerei in bewusstem Gegensatz zur Pop Art, die das Museum Ludwig in Köln sammelte.

Die Sammlung seit 1990

Mit der Wiedervereinigung veränderte auch die Neue Nationalgalerie ihr Gesicht. Sie wurde wieder Teil der Nationalgalerie auf der Museumsinsel und 1993 kam es zur Neuordnung der Bestände. Während die Galerie der Romantik aus dem Schloss Charlottenburg problemlos mit den Altbeständen vereinigt werden konnte und die klassische Moderne einen Zugewinn verbuchte, war die Integration der Nachkriegskunst aus der DDR in die des Westens sehr viel schwieriger. Die neue Hängung rief heftigsten Widerspruch hervor und über ein Jahr lang wurde ein sogenannter Deutsch-deutscher Bilderstreit ausgefochten, der vor allem von den Verletzungen nichtstaatlicher Künstler aus der DDR und der Empörung der CDU getragen wurde. Inzwischen ist die DDR-Kunst kaum noch vertreten.

Seit der Einrichtung des Hamburger Bahnhofs 1996 nach der Schenkung der Sammlung Marx wurde die Neue Nationalgalerie eine reine Präsentation der Klassischen Moderne bis in die beginnenden 1970er Jahre. Darüber hinaus geht sie nur noch mit den zahlreichen und oft spektakulären Sonderausstellungen im Glaspavillon, die meist aber auch retrospektiven Charakter haben. Von Februar bis September 2004 waren Werke aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) unter dem Slogan Das Moma in Berlin in der Nationalgalerie ausgestellt. Die zweite große Vorzugserwerbung der Nationalgalerie, die Sammlung Berggruen ergänzt den Bestand der Neuen Nationalgalerie. Wenn auch allgemeine Begeisterung über den Zugewinn herrscht, so sind doch nicht alle über die neuerliche Teilung der Kunst des 20. Jahrhunderts auf drei Häuser glücklich.

Textquelle: Artikel Neue Nationalgalerie. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. September 2006, 18:16 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 24. Oktober 2006, 10:09 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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