Abu Simbel, Verlegung der Sitzbilder

Abu Simbel, Verlegung der Sitzbilder

  • Bild

Abu Simbel, Verlegung der Sitzbilder

Verlegung der beiden Tempel von Abu Simbel

In den 1950er Jahren bedrohte der geplante Bau des Assuan-Hochdamms die Existenz der beiden Tempel Ramses II. in Abu Simbel. Sie wären neben den Tempeln von Philae, Kalabscha und anderen im angestauten Nassersee versunken. Bereits 1955 wurde ein internationales Dokumentationszentrum mit dem Ziel gegründet, das Gebiet von Assuan bis über die Grenze des Sudan aufzunehmen. Am 8. März 1960 bat die UNESCO um internationale Hilfe zur Rettung der Tempelanlagen. Unter den zahlreichen Vorschlägen und Plänen zur Rettung der Bauwerke erhielt im Juni 1963 ein schwedisches Projekt die Zustimmung; es sah die Zerlegung der Tempel, die Abfuhr der gesamten Felsmasse und den Wiederaufbau an einem höher gelegenen Ort vor.

Die Verlegung der beiden Tempel von Abu Simbel erfolgte dann zwischen November 1963 und September 1968 als weltweites Gemeinschaftsprojekt. Die Arbeit wurde von ägyptischen, deutschen, französischen, italienischen und schwedischen Baufirmen durchgeführt. Am 22. September 1968 wurde die geglückte Verlagerung offiziell gefeiert.

Zur Einweihung des Staudamms am 15. Januar 1971 würdigte der damalige ägyptische Staatspräsident Anwar as-Sadat die Verlegung der insgesamt 23 nubischen Tempel und Schreine: „Völker können Wunder vollbringen, wenn sie für einen guten Zweck zusammenarbeiten.“

Für den Abtransport und den Wiederaufbau bohrte man zunächst 17.000 Löcher in den Fels, um das Gestein mit 33 Tonnen Epoxidharz zu verfestigen. Zusätzlich dienten Eisenklammern der Stabilisierung. Danach wurden die Tempel von Abu Simbel mittels einer Seilsäge in 1036 Blöcke zerschnitten, deren jeweiliges Gewicht zwischen 7 und maximal 30 Tonnen betrug. Die Schnitte der einzelnen Blöcke sind heute äußerlich sichtbar. Ihr neuer Standort sollte etwa 180 Meter nordwestlich und 64 Meter über dem Niveau des alten Tempelareals liegen, wobei man besonderen Wert auf die exakte originale Orientierung (Ausrichtung) der Tempel legte. Der erste Block wurde am 12. Mai 1965 mit der Nummer GA 1A01 verladen. Neben den Blöcken der Tempel kamen 1112 Felsstücke aus der unmittelbaren Umgebung zur originalgetreuen Nachgestaltung der Tempelansicht bei der Verlegung hinzu.

Das Innere der Tempel wird – teilweise hängend – von darüber befindlichen Stahlbetonkuppeln gehalten, die des Großen Tempels misst 140 Meter. Es handelt sich hierbei also nicht mehr um wirkliche Höhlentempel. Die Kuppel wird äußerlich durch aufgeschütteten Sand, Geröll und Original-Felsen (darunter die Originalfassade) verborgen, wodurch der ursprüngliche Eindruck eines Felsentempels gewahrt bleibt. Für die damalige Zeit stellte dies eine bautechnische Leistung dar, die vereinzelt mit dem Bau der Tempel durch Ramses II. verglichen wird. Die Kosten für die Tempelverlegung beliefen sich auf etwa 80 Millionen US-Dollar, die von über 50 Ländern gespendet wurden. Abu Simbel wurde zu einem der Anlässe für die Verabschiedung der UNESCO-Welterbekonvention von 1972 und der Aufstellung der Liste des UNESCO-Welterbes.

Textquelle: Seite „Tempel von Abu Simbel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 9. Juli 2013, 22:01 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 3. September 2013, 11:12 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden