Mykenische Kultur

Mykenische Kultur

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  • Mykenische Vase: Spätmykenischer Stil, 1300-1200 v. Chr. (Staatliche Antikensammlungen, München)
  • Goldener Brustpanzer und Becher, Mykene, 16. Jh. v.Chr. (Archäologisches Nationalmuseum in Athen).
  • Mykenischer Schmuck, Mykene, 16. Jh. v.Chr. (Archäologisches Nationalmuseum, Athen.)
  • Mykene Loewentor mit Doerpfeld und Schliemann (1884/1885)

Als mykenische Kultur (auch mykenische Zeit oder mykenische Periode) wird die festlandsgriechische Kultur der Späten Bronzezeit (Späthelladikum) bezeichnet, die circa 1700 v. Chr. auftrat und bis ins 11. Jahrhundert v. Chr. hinein bestand. Einige Forscher nehmen an, dass das mykenische Griechenland mit dem in hethitischen Quellen genannten Land Achijawa gleichzusetzen ist, was sich durch die homerischen Bezeichnung „Achaier” für die Griechen herleiten lässt, doch ist diese These sehr umstritten.

Geschichte

Die Bezeichnungen Mykener und mykenisch sind moderne Prägungen, die im Zusammenhang mit den Ausgrabungen, die unter anderem Heinrich Schliemann in der bronzezeitlichen Anlage Mykene durchführte, üblich wurden. Die Eigenbezeichnung der frühgriechischen Bevölkerung des Ägäisraums ist unbekannt, wenngleich teils vermutet wird, sie habe sich in den Achaiern Homers erhalten (s. o.). Die mykenische Periode wird auch in Frühmykenisch, Mittelmykenisch und Spätmykenisch unterteilt, was den späthelladischen Hauptphasen (SH I, II und III) entspricht. Auf den Inseln der Kykladen entspricht die mykenische Zeit der spätkykladischen Zeit innerhalb der Kykladenkultur.

Frühzeit

Die mykenische wird als die erste Hochkultur des europäischen Festlandes angesehen. Im Gegensatz zu den Trägern der minoischen Kultur auf der Insel Kreta sprechen die Bewohner des griechischen Festlandes, wie man erst seit der Entzifferung der Linear B-Schrift in den 1950er Jahren weiß, eine frühe Form des Griechisch. Die mykenische Kultur tritt nach einer Periode kulturellen Rückgangs im Mittelhelladikum fast unvermittelt ab dem späten 17. Jh. v. Chr. (nach traditioneller Chronologie; bzw. ca. 1750 v. Chr., wenn man die auf die Neudatierung der minoischen Eruption basierende Chronologie zugrunde legt) in Form von sehr reich ausgestatteten Schachtgräbern in Messenien, Attika und Böotien sowie in der Argolis, vor allem Mykene, und auf den Inseln Ägina und Keos hervor. Auch in anderen Gegenden Griechenlands werden Tote bald mit sehr reichen Grabbeigaben bestattet. Außerdem tritt zu Beginn des Späthelladikums erstmals mykenische Keramik auf. Sie ist hellgrundig mit dunklem Firnis. Sie löst die mittelhelladische graue minysche Ware ab, die allerdings in SH I noch vorkommt. Zunächst findet sich ein sehr starker "minoischer" Einfluss. Kontakte gibt es aber nicht nur mit Kreta, sondern auch mit Ägypten.

Mittlere Zeit

In der mittelmykenischen Zeit (SH II, etwa 1500-1400) werden die Schachtgräber teilweise von Tholos-Gräbern abgelöst. In dieser Phase wird Kreta offenbar von Festlandsgriechen erobert, so dass die Träger der mykenischen Kultur die ganze Inselwelt mit Rhodos sowie Milet an der kleinasiatischen Westküste kontrollieren. Es ist nicht klar, ob – und wenn ja, zu welcher Zeit – ein größeres mykenisches Reich existierte oder ob es, was wahrscheinlicher ist, mehrere voneinander unabhängige mykenische Kleinstaaten mit zugehörigen Palastzentren bzw. Festungen gab. Nach Ausweis von Tontafeln in Linear-B-Schrift einer Silbenschrift, die aus der kretischen Schrift entwickelt wurde (siehe Linearschrift A), gab es um 1200 v. Chr. auf dem Festland mehrere unabhängige "Staaten" (beispielsweise Pylos, Theben, Athen und Mykene). In der Regel nimmt man an, dass diese "Staaten" monarchisch organisiert waren, doch sind an dieser Position jüngst Zweifel geäußert worden. So hat etwa der Althistoriker Tassilo Schmitt 2009 die These publiziert, wa-na-ka sei nicht, wie meist vermutet, der Titel eines mykenischen Monarchen, sondern vielmehr der Name einer Gottheit gewesen.

Spätzeit

Die Zeit der ersten beiden Phasen der spätmykenischen Zeit (SH IIIA und SH IIIB; circa 1400 - 1200) stellt den Höhepunkt der mykenischen Kultur dar. Mykenische Keramik und andere Waren des Späthelladikums werden in viele Gegenden des Mittelmeerraums exportiert.

Kurz nach 1200 v. Chr. (am Ende von Spätmykenisch B SH III B) werden viele der bisher bekannten Siedlungen, vor allem die Oberstädte der mykenischen Zentren, zerstört. Die Ursachen hierfür sind nach wie vor ungeklärt. Die früher vertretene Theorie, die eine massive gewaltsame Einwanderung der Dorer für die Zerstörungen verantwortlich machte, kann heute ziemlich sicher ausgeschlossen werden. Denn in der Phase SH III C setzt sich die mykenische Kultur - wenn auch auf niedrigerem Niveau - eindeutig fort. Vor allem in der mykenischen Keramik wird die Tradition bruchlos fortgesetzt, und nicht alle Zentren wurden zerstört. Zudem gibt es für diese Zeit keine klaren Indizien für zugewanderte Bevölkerung. Zumindest zeitgleich werden zahlreiche Reiche des östlichen Mittelmeers von den "Seevölkern" aus den Lukka-Ländern meist sehr erfolgreich angegriffen und zum Teil vernichtet. Ein entsprechender Zusammenhang mit beobachteten Zerstörungen der mykenischen Zentren wäre somit denkbar – möglich wäre, so neuere Theorien, dass die Unruhephase im Orient zu einer Ressourcenknappheit im Ägäisraum und dann zu Verteilungskämpfen und inneren Kriegen geführt haben könnte. Pylos allerdings scheint nach Ausweis der Linear B-Tafeln von See aus von äußeren Feinden zerstört worden zu sein. In der Forschung dominiert daher derzeit die Annahme, eine Vielzahl von einander verstärkenden inneren und äußeren Faktoren, darunter etwa ein Erdbeben, habe zum weitgehenden Zusammenbruch im 12. Jahrhundert geführt.

Auch im Laufe der Phase SH III C kommt es auf dem Festland immer wieder zu Zerstörungen. Teilweise werden Siedlungen an unwirtlichen, aber gut geschützten Orten angelegt. Daneben werden auch die meisten Palastzentren, wie Tiryns und Mykene weiterbesiedelt. Vermutlich lebte in den Palästen eine neue Aristokratenschicht. Schriftfunde aus dieser Zeit sind bislang nicht ans Licht gekommen, abgesehen von Linear B- Zeichen auf einem einzelnen Gefäß, gefunden bei Milet, das in diese Phase datiert wird. Daher meinen viele Althistoriker und Archäologen, dass die Schriftlichkeit mit der Zerstörung der Zentren um 1190 v. Chr. verloren gegangen sei. Die Bedeutung der Phase SH III C tritt erst seit wenigen Jahrzehnten zu Tage. Jüngst wurden Vasenmalereien aus dieser Periode gefunden, die große Schiffe wiedergeben. Seehandel oder Unternehmungen zu See hat es in jener Zeit demnach gegeben. Einige Gelehrte vertreten die Auffassung, dass die Phase SH III C einen gewichtigen Einfluss auf die Ausbildung eines Teils der griechischen Sagen, so die Werke Homers, hatte.

Folgezeit

Zwischen etwa 1075 und 1025 v. Chr. geht die Periode SH III C in die submykenische Periode und dann in die protogeometrische Periode über. Gleichzeitig geht man immer mehr zur Brandbestattung über. In einigen Regionen Griechenlands ist die submykenische Periode nicht fassbar, dort folgt der späten SH III C-Phase direkt die protogeometrische Periode.

Textquelle: Seite „Mykenische Kultur“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. April 2011, 14:54 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 12. April 2011, 21:28 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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