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Haiti

Nord-, Mittelamerika

Kultur

Die haitianische Kultur unterscheidet sich sehr stark von derjenigen der umgebenden Länder der Karibik und des amerikanischen Doppelkontinents. Die haitianische Kultur ist durch französische, spanische und afrikanische Einflüsse geprägt.

Samuel Huntington stellt Haiti in seinem Buch Kampf der Kulturen in die von ihm propagierte Kategorie der „einsamen Länder“ ohne Anschluss an einen größeren Kulturkreis und begründet das mit „kreolische[r] Sprache, Wodu-Religion, de[m] revolutionäre[n] Ursprung aus Sklavenaufständen und seine[r] brutale[n] Geschichte“. Zur näheren Begründung verweist er darauf, dass die lateinamerikanischen Länder die Haitikrise 1994 nicht als lateinamerikanisches Problem angesehen und darum – sehr im Unterschied zu Kuba – keine Flüchtlinge ins Land gelassen hätten. „‚In Lateinamerika‘, so der gewählte Präsident Panamas, ‚gilt Haiti nicht als lateinamerikanisches Land. Die Haitianer sprechen eine andere Sprache. Sie haben andere ethnische Wurzeln, eine andere Kultur. Sie sind überhaupt sehr anders.‘ Ebenso getrennt ist Haiti von den englischsprachigen Ländern der Karibik. ‚Haitianer‘, so ein Kommentator, ‚sind für Leute aus Grenada oder Jamaica genauso fremd, wie sie es für Leute aus Iowa oder Montana wären‘. Haiti, ‚der Nachbar, den keiner will‘, ist wahrhaftig ein Land ohne Verwandte.“

Sport und Musik
  • Fußball: 1974 qualifizierte sich Haiti überraschend für die Fußball-WM in Deutschland. Sensationellerweise ging der ‚Fußball-Zwerg‘ im ersten Spiel gegen Vizeweltmeister Italien durch ein Tor von Emmanuel Sanon in Führung, unterlag jedoch am Ende und konnte die erste Runde nicht überstehen. Der Torhüter der Haitianer, Henri Francillon, wurde nach dem Turnier für die Saison 1974/75 vom TSV 1860 München für die 2. Bundesliga verpflichtet.
  • Musik: Der international bekannteste Haitianer ist wohl Wyclef Jean, der mit seinem Cousin Pras Michel (Prakazrel Michel) und mit Lauryn Hill als The Fugees Karriere machte, sowie auch als Solokünstler und in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Santana („Maria Maria“ auf dem Album „Supernatural“, 1999) oder Sarah Connor („One Nite Stand“, 2002).
  • Der bekannteste Deutsche mit haitianischer Abstammung ist der Rapper Torch, Gründungsmitglied der Band Advanced Chemistry, der als Mitbegründer der deutschen Hip-Hop-Szene gilt und unter dem Pseudonym DJ Haitian Star weltweit gebucht ist.
  • Auch die familiären Wurzeln der Multi-Instrumentalistin Régine Chassagne (The Arcade Fire) reichen zurück bis nach Haiti. Sie floh mit ihren Eltern in den 70er Jahren nach Chicago, um dem Regime von Diktator Duvalier zu entkommen. Zum Album „Funeral“ von Arcade Fire gehört ein Lied namens „Haiti“, das die Situation unter der Diktatur Duvaliers schildert.

Den Höhepunkt des Jahres bildet der Karneval (der von der Bevölkerung als Kanaval oder Mardi Gras bezeichnet wird). Dieser wird in weit stärkerem Ausmaß gefeiert als in Deutschland. Das Rara-Fest wird kurz vor Ostern mit Rara-Musik gefeiert. Typisch haitianische Musikrichtungen sind Rara, Mizik Rasin, Compas und Mini-Jazz. Rap-Musik ist in Haiti beliebt und es hat sich eine eigene Stilrichtung (Haitian Rap) gebildet.

Mediale Rezeption

Der britische Schriftsteller Graham Greene schrieb den 1966 erschienenen Roman The Comedians (deutscher Titel: Die Stunde der Komödianten), dessen Handlung im Haiti des Gewaltherrschers Francois „Papa Doc“ Duvalier spielt. Greene beschrieb darin das Terrorregime der Tontons Macoutes und wurde deswegen jahrelang von Duvalier mit Verleumdungen verfolgt. Zur gleichnamigen Verfilmung aus dem Jahr 1967 mit Richard Burton, Elizabeth Taylor, Alec Guinness und Peter Ustinov schrieb Greene auch das Drehbuch.

2007 wurde die Dokumentation Ghosts of Cité Soleil des dänischen Filmemachers Asger Leth veröffentlicht. Im Fokus des Films steht das Leben zweier Brüder, Bily und 2Pac. Diese beherrschten als Bandenführer Teile des ärmsten Viertels von Port-au-Prince. Die Banden des Viertels Cité Soleil, auch Chiméres genannt, galten als die schwer bewaffneten Handlanger Aristides. Das Team um Asger Leth (Sohn des dänischen Filmemachers Jørgen Leth) begleitete diese Herrscher des Ghettos, in der Zeit vor und während des Abgangs Aristides 2004. Dabei gelangen ihnen sehr intime Aufnahmen, in einem der gefährlichsten Viertel der Welt. Wyclef Jean konnte für die Produktion gewonnen werden und steuerte einen großen Teil der Filmmusik bei. Der Film erhielt 2008 einen Preis der Directors Guild of Amerika.

Textquelle: Seite „Haiti“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Januar 2010, 18:00 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 25. Januar 2010, 20:30 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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