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Südafrika

Afrika

Probleme des Landes

Trotz der Aufwärtstendenz in Südafrika seit den Wahlen 1994 gibt es noch immer sehr große soziale Probleme. So werden Schwarze auch nach dem Ende der Apartheid meist immer noch weitaus schlechter bezahlt als Weiße. Große Teile der Bevölkerung leben in Townships außerhalb der Städte. Dabei handelt es sich um Wohnviertel, in denen trotz positiver Entwicklung der Lebensstandard auch heute noch sehr niedrig ist. Die Spanne zwischen armer und reicher Bevölkerung ist nach wie vor groß. Während die reichen Einwohner des Landes, nach wie vor vorwiegend Weiße, aber mittlerweile auch zunehmend Schwarze, in abgeschlossenen Wohnsiedlungen leben, die oft von Zäunen und Sicherheitspersonal umgeben sind, wohnt die Mehrzahl der Armen, hauptsächlich schwarze Bürger, in den Townships und findet nur schwer Anschluss an die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten des südafrikanischen Staates. Aids ist trotz der Bemühungen seitens der Regierung weiterhin ein Hauptproblem. Ein weiteres großes Problem ist die enorm hohe Kriminalitätsrate und die Brutalität der Verbrechen, die sich besonders in den großen Städten manifestiert hat.

Homelands und Townships

Townships dienten während der Apartheid in Südafrika als Wohngegenden für die schwarze, die farbige (Coloureds) oder die indische Bevölkerung. Sie konnten Ausmaße einer ganzen Stadt annehmen. Ein typisches Beispiel ist Soweto (South Western Townships), ein Stadtteil von Johannesburg in der Provinz Gauteng im nordöstlichen Teil des Landes.

Als Homelands wurden während der Apartheid die Stammesgebiete der Schwarzen in Südafrika bezeichnet, die von den weißen Apartheidsführern abwertend Bantustans genannt wurden. Mit der Homeland-Politik sollten die Rassentrennung der Apartheid unter dem Motto der „separaten Entwicklung“ auch territorial durchgesetzt werden. Ein großer Teil der Schwarzen wurde aus dem Staat Südafrika ausgegliedert, nicht zuletzt um einen von Schwarzen beherrschten Einheitsstaat zu verhindern. Homelands sollten formell unabhängige Staaten werden, deren Bewohnern die (Schein-)Unabhängigkeit zugestanden werden sollte. Die Homelands waren ökonomisch, finanziell und militärisch jedoch vollständig von Südafrika abhängig. De facto stellten sie lediglich vom übrigen Staatsgebiet abgetrennte Reservate dar. Von den zehn Homelands, die während der Apartheid installiert wurden, erhielten nur vier die Unabhängigkeit. Die Transkei wurde 1976 zuerst für quasi-unabhängig erklärt, ein Jahr später folgte Bophuthatswana, Venda 1979 und Ciskei 1981. Nach dem Ende des Apartheidsregimes wurden die Homelands wieder in die neun neuen und umorganisierten Provinzen der Republik Südafrika integriert.

Südafrika hat heute noch mit den Auswirkungen dieser getrennten Entwicklung zu kämpfen. Die Gebiete der ehemaligen Homelands sind am wenigsten entwickelt, haben die größten Bevölkerungsdichten und das geringste Pro-Kopf-Einkommen. So ist beispielsweise die Provinz Ostkap, in die die größten und bevölkerungsreichsten Homelands Transkei und Ciskei integriert wurden, die ärmste und wirtschaftsschwächste Provinz. Durch den niedrigen Lebensstandard in den ehemaligen Homeland und großen Teilen der Townships ist hier auch das Krankheitsrisiko höher und die Lebenserwartung geringer.

Gesundheit

Zu den größten Gesundheitsproblemen Südafrikas gehört Aids, das als „tickende Zeitbombe“ des Landes gilt. Im Jahr 2004 waren offiziellen Schätzungen zufolge etwa 21,5 % der südafrikanischen Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren mit dem HI-Virus infiziert. Damit liegt die Quote international auf einem der vorderen Plätze nach Swasiland mit geschätzten 40 %. Die offizielle Anzahl der Infizierten ist mit etwa 5,2 Millionen in Südafrika weltweit am zweithöchsten, direkt nach Indien. Diese Entwicklung und die weitere Ausbreitung der Krankheit haben dramatische demografische Folgen für das Land: die Lebenserwartung nahm in den letzten 15 Jahren um rund 20 Jahre ab, von knapp 65 Jahren 1990 auf 43 Jahre 2005.

Die Ursachen für die immer noch stetige Ausbreitung von HIV/Aids liegen gemäß UNAIDS an der frühen sexuellen Aktivität der Jugendlichen (das Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr beträgt bei Männern 16,4 Jahre und bei Frauen 17 Jahre) in Zusammenhang mit schlechter bzw. schlicht nicht vorhandener Präventionsaufklärung. Bei den Fünfzehn- bis Neunzehnjährigen sind 4,8 % infiziert, bei den Zwanzig- bis Vierundzwanzigjährigen bereits 16,5 %. Auch sexuelle Gewalt scheint in Südafrika eine große Rolle zu spielen: etwa 28 % der Frauen geben an, schon mindestens einmal gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gedrängt worden zu sein. Das Land weist die höchste Rate an Vergewaltigungen in der Welt auf. Rund 52.000 Fälle werden jedes Jahr registriert (Stand 2005). Die Dunkelziffer wird von Menschenrechtsorganisationen um ein Vielfaches höher eingeschätzt und reichen bis zu 1,5 Millionen pro Jahr.[16] Nach einer Studie der Vereinten Nationen belegte das Land im Zeitraum 1998–2000 den weltweit ersten Platz bei der Anzahl der Vergewaltigungen pro Einwohner. Im UNAIDS-Bericht 2006 wird geschätzt, dass 2005 in Südafrika 320.000 Menschen im Zusammenhang mit AIDS starben. 2004 lag die Säuglingssterblichkeit in Südafrika bei 54 pro 1000 Geburten.  2006 betrugen die Gesundheitsausgaben 8,6 % des BIP. 

Kriminalität

Die Kriminalität ist trotz ständiger Bemühungen der Regierung und der Polizei nach wie vor ein sehr großes Problem. Trotz seit Jahren sinkender Trends hat Südafrika unter den Ländern, in denen zuverlässige Polizeistatistiken existieren, die höchste Verbrechensrate.

In den zwölf Jahren zwischen dem Ende der Apartheid 1994 und 2006 wurden Südafrikas Polizei zufolge mehr als 420.000 Menschen getötet und mehr als 650.000 Vergewaltigungen (55.000 Vergewaltigungen in 2007) angezeigt; die Dunkelziffer liegt Schätzungen zufolge bis zu zwanzigfach höher. Bei einer in den Provinzen Eastern Cape und Kwazulu-Natal durchgeführten Studie gaben 27,6 % aller befragten Männer an, schon mindestens einmal eine Frau vergewaltigt zu haben, die Hälfte davon gab mehrere Vergewaltigungen zu. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl kann somit mit vielen Millionen Vergewaltigungen in den letzten Jahrzehnten gerechnet werden. Statistisch muss jede zweite Südafrikanerin damit rechnen, einmal in ihrem Leben vergewaltigt zu werden. Damit ist es für einer Frau wahrscheinlicher, vergewaltigt zu werden als lesen zu lernen. Eine Besonderheit stellen die so genannten Corrective rapes dar, bei denen lesbische Frauen durch Männer mit dem vorgeblichen Ziel, die sexuelle Orientierung des Opfers zu ändern, vergewaltigt werden. Zwischen 1994 und 2001 wurden bei mehr als 5500 Überfällen auf zumeist abgelegene Farmen über 1100 Weiße umgebracht.

In der Bevölkerung hat sich inzwischen ein Gefühl der Gleichgültigkeit breit gemacht. Nur noch besonders brutale Morde und Vergewaltigungen oder Prominente, die Opfer von Straftaten werden sorgen für einen kurzen Aufschrei von Empörung und Entsetzen. Gleichzeitig versucht die Politik das Problem kleinzureden: Staatspräsident Jacob Zuma erklärte, die Medien erzeugten nur den Eindruck einer hohen Kriminalität, der ehemalige Präsident Thabo Mbeki sprach von einen „Wahrnehmungsproblem“.

Zwar verzeichnet das Land deutliche Fortschritte (Rückgang der Morde um 8,5%, der Körperverletzungen um 31,4 %, der Raubüberfälle um 38,0%, aber ein Anstieg der Sexualverbrechen um 8,2 % und der Drogendelikte gar um 86,9%  im Zeitraum von 2003 bis 2009), das aus New York bekannte Zero-Tolerance-Konzept soll dabei mitgeholfen haben. Damit wird das 2004 gesteckte Ziel der Regierung, die Zahl schwerer Verbrechen jedes Jahr um 7-10 % zu senken in einigen Bereichen erreicht werden, in anderen aber nicht.

Nach wie vor stellen vor allem die hohen Mord- und Vergewaltigungsraten eine große Bedrohung für die Bevölkerung dar. Das führt inzwischen dazu, dass gerade wohlhabende Südafrikaner aller Hautfarben in Compounds genannte Vororte ziehen. Solche Wohnviertel haben eine eigene Infrastruktur mit Geschäften, Schulen etc, sind rundum mit hohen Zäunen abgesperrt und werden rund um die Uhr von privaten Sicherheitsdiensten bewacht. Diese Maßnahmen bieten einen gewissen Schutz vor Überfällen und ermöglichen ein Leben in (relativer) Sicherheit.

Die Ursachen für die enorm hohe Kriminalität sind vielfältig: Seit Jahrhunderten herrscht in Südafrika eine Gesellschaft, die Gewalt nicht nur akzeptiert, sondern sogar befürwortet und als normales Zeichen von Männlichkeit betrachtet. Hinzu kommt das System der Apartheid, das die traditionellen Gesellschaften der Schwarzen zerstört hat und heute zu zerrütteten Familien und häuslicher Gewalt führt, die an die Kinder weitergegeben wird.

Ebenso bedeutsam sind wirtschaftliche Gründe: Nach wie vor ist die Masse der Bevölkerung sehr arm und die Arbeitslosigkeit ist, vor allem in der jungen, schwarzen Bevölkerung, hoch. Langeweile und Perspektivlosigkeit entlädt sich dabei oft in Gewalt. Dazu kommt die große soziale Ungleichheit mit ihren extremen Gegensätzen von armen (meist schwarzen) und reichen Bürgern in den Städten Südafrikas, die, wie auch in den Ländern Lateinamerikas, aufgrund von Neid, Gier und Hass der unteren Schichten zu hoher Kriminalität führt. Während sich reiche Südafrikaner dagegen schützen können, trifft dies auf die zahlreichen illegalen Einwanderer aus ärmeren afrikanischen Staaten nicht zu, sodass vor allem sie, die von armen Südafrikanern als unliebsame Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt angesehen werden, besonders häufig Opfer von Übergriffen und Pogromen werden.

Ineffizienz und Korruption in Polizei und Justiz sind ebenfalls ein großes Problem: Viele Straftäter werden trotz Anzeige nicht zur Rechenschaft gezogen, häufig werden Gerichtsverfahren (vor allem bei Vergewaltigungsfällen) aus Mangel an Beweisen eingestellt.


Berge in Südafrika

[B] Bushveld-Komplex

[D] Drakensberge

Textquelle: Seite „Südafrika“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. März 2010, 10:45 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 1. April 2010, 21:48 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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