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Libyen

Afrika

Wirtschaft

Libyen gehörte 2007 zu den korruptesten Ländern der Erde (Rang 131 von 180) auf einem Niveau mit Burundi, Honduras, Iran, Nepal, und Yemen. Die libysche Wirtschaft ist bis heute stark geprägt von Kommandowirtschaft mit Importverboten, Preiskontrollen und staatlich kontrollierter Verteilung. Seit 2002 verfolgt die libysche Regierung jedoch einen vorsichtigen Kurs der Liberalisierung, der sich in einem deutlich steigenden Wachstum bemerkbar macht. So liegt das reale Wirtschaftswachstum seit 2003 regelmäßig über 5 %. 2005 betrug das reale Wachstum 6,3 %, das vorläufige Wachstum 2006 wird mit 5,6 % angegeben für 2007 werden 9,2 % geschätzt und für 2008 werden 8,8 % erwartet. Nicht zuletzt die deutliche Zunahme des Ölpreises erlaubt es der Regierung die Reformen zu beschleunigen. Da das Land über reiche Erdölvorkommen verfügt, erfolgten 70 % der BIP Entstehung 2005 im Bereich Erdöl und Erdgas. Alle anderen Wirtschaftszweige spielen dementsprechend nur eine untergeordnete Rolle: Landwirtschaft 2,9 %, Bergbau 0,8 %, verarbeitendes Gewerbe 1,4 %, Elektrizität, Gas, Wasser 0,7 %, Bau 3,3 %, Handel, Hotellerie und Gaststättengewerbe 5,3 %, Transport, Lagerhaltung und Kommunikation 3,7 %, öffentliche Dienstleistungen 8,6 %.

Die Arbeitslosenquote wurde im Juli 2006 mit 25% angegeben. Die Inflationsrate 2006 bei 3,4 %.

2004 wurden 2,8 % des BIP für Gesundheitsaufgaben und 2004/2005 2 % für das Militär aufgewendet. Ende März 2007 wurde in Bengasi die erste Börse Libyens eröffnet. Die Regierung privatisierte die staatliche Sahara-Bank und beschloss weitere Privatisierungsmaßnahmen im Wirtschaftsbereich.

Landwirtschaft

In den wenigen landwirtschaftlich nutzbaren Gegenden an der Küste werden vor allem Weizen, Gerste, Gemüse, Oliven, Mandeln, Zitrusfrüchte und Datteln angebaut. Trotz der geringen landwirtschaftlichen Nutzfläche hat Libyens Dattelanbau an der Weltproduktion einen Anteil von 2–5%. Auch der Olivenanbau hat an der Weltproduktion einen Anteil von 1–3% (Stand 2006).

Industrie

Die größten Zementfabriken Libyens sind die Werke von LCC und ACC. Nach Beendigung des US-Embargos im Jahre 2004 wurden in Libyen Niederlassungen von ABB, Siemens und von anderen internationalen Firmen wieder geöffnet. Durch die Erdölförderung befinden sich außerdem vor allem an den Küstengebieten zahlreiche Raffinerien, sowie Textil- und Nahrungsmittelindustrie.

Handel

Die weitgehend verstaatlichte Wirtschaft Libyens basiert auf den reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen, durch die 2005 97 % der Exporterlöse (nach Italien 38 %, Deutschland 15 %, Spanien 9 %, Türkei 6 %, Frankreich 6 % und USA 5 %) in Höhe von 35,9 Mrd. US-$ erzielt wurden. Die weitere Industrie ist auf den Chemie-, Textil-, Möbel- und Baustoffsektor beschränkt. Eingeführt (aus Italien 21 %, Deutschland 10 %, Tunesien 6 %, Vereinigtes Königreich 5 %, Türkei 5 %, Frankreich 5 %, Republik Korea 5 % und Volksrepublik China 5 %) wurden zu 18 % Maschinen, 14 % Nahrungsmittel, 11 % Eisen und Stahl und zu 10 % Kraftfahrzeuge im Gesamtwert von 14,5 Mrd. US-$. Wegen seiner politischen Stabilität im Gegensatz zu anderen Staaten im Nahen Osten ist Libyen in letzter Zeit ein attraktiver Geschäftspartner für westliche Ölkonzerne geworden.

Tourismus

Aufgrund der politischen Isolation in der Vergangenheit ist der Tourismus unbedeutend, aber im Aufwind begriffen.

Verkehr

Libyen verfügt über Häfen in Tobruk (Naturhafen), Tripolis, Benghazi, Misurata, Mersa Brega sowie über mehrere Erdölverschiffungshäfen.

Internationale Flughäfen gibt es in Tripolis und Bengasi. Das Land hat etwa 47.600 km asphaltierte Straßen und etwa 35.600 km Pisten.

Zwei existierende Schmalspurstrecken in Tripolis und Benghazi wurden 1965 eingestellt. Aktuell wird in Libyen ein völlig neues Schienennetz als Normalspurgleis errichtet, das langfristig küstennah die Lücke im Schienennetz Nordafrikas zwischen Tunesien und Ägypten schließen soll. Zunächst wird der Abschnitt zwischen Sirte und Benghazi zweigleisig gebaut, auf dem zuerst dieselgetriebene Züge verkehren sollen; später soll die Strecke elektrifiziert werden. Die Strecke soll mit ETCS ausgerüstet werden. Neben der Küstenbahn wird eine fast 1.000  km lange Strecke in Richtung Sudan gebaut.

Bewässerungsprojekt

1984 begann Libyen mit der systematischen Förderung der eiszeitlichen Süßwasservorkommen in der Sahara. Mit dem Great-Man-Made-River-Projekt startete das bisher größte Süßwasserprojekt der Welt. Damit möchte sich das Land nicht nur von Lebensmittelimporten unabhängig machen, sondern auch zu einem Agrarexportstaat werden. Laut Gaddafi gibt es zum GMMR-Projekt für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung keine Alternative. Fraglich ist jedoch die mittelfristige Kostenentwicklung angesichts der enormen Bau- und Wartungskosten. Unstrittig ist, dass das GMMR-Projekt eine gewaltige Bildungs- und Infrastrukturmaßnahme darstellt und Libyens ökonomische Stabilität nach Versiegen der Ölquellen gewährleistet, wobei bis heute ungewiss ist, wie groß die unterirdischen Süßwasservorkommen sind und somit die Dauer und das Funktionieren des Projekts.

Atomprogramm

In den 1970er Jahren wollte Libyen einen Reaktor von der Sowjetunion kaufen und das Kernkraftwerk Sirt bauen lassen. Die Planungen wurden jedoch gestoppt.

Abdul Kadir Khan, der „Vater der Atombombe“ und Chefentwickler des pakistanischen Atomwaffenprogramms hatte 2004 gestanden, geheime Atomwaffenpläne an Libyen verkauft zu haben.

Im Juli 2007 unterzeichneten der Staatspräsident von Frankreich Nicolas Sarkozy und der libysche Staatschef Gaddafi eine Absichtserklärung über den Bau eines Kernkraftwerks.

Textquelle: Seite „Libyen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 17. Dezember 2009, 00:07 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 17. Dezember 2009, 22:12 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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