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Ägypten

Afrika
Karte von Ägypten

Religionen

Ägypten ist der Verfassung nach ein islamischer Staat und der Islam ist Staatsreligion. Theoretisch gewährt zwar Artikel 18 der ägyptischen Verfassung allen Bürgern Religionsfreiheit, die in der Praxis aber drastisch eingeschränkt wird. So muss auf staatlichen Ausweisen die Religionszugehörigkeit angeführt werden, dabei darf jedoch nur zwischen den drei offiziell anerkannten Religionen Islam, Christentum und Judentum gewählt werden. Angehörige anderer Religionen müssen ihren Glauben entweder verleugnen oder sie erhalten keine Ausweise und verzichten dadurch weitgehend auf ihre Bürgerrechte. Das gleiche trifft auf Moslems zu, die zum Christentum konvertieren, für solche Personen wird von einigen Politikern sogar die Todesstrafe gefordert. Ägypten war 1966 daran beteiligt, die in der Menschenrechtsdeklaration von 1948 enthaltene Formulierung „the freedom to change his religion or belief“ abzuschwächen, so dass es nun in Artikel 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte heißt: „the freedom to have or adopt a religion or belief.“

Besonders in Oberägypten sind die als christliche Minderheit oft benachteiligten Kopten Ziel von Terror und Schutzgelderpressungen radikaler Muslime geworden. Neue koptische Kirchen dürfen nicht gebaut werden, auch kleinere Reparaturen bedürfen eines Präsidialerlasses. Nachdem es bereits im Oktober 2005 in Alexandria vor einer Kirche zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Kopten gekommen war, bei denen drei Menschen den Tod fanden, wurde bei einem Angriff islamischer Extremisten auf koptische Gottesdienste am 14. April 2006 ein Mann christlichen Glaubens getötet, 16 weitere wurden verletzt. Während des Trauerzuges für den Toten am folgenden Tag gingen Hunderte von Muslimen und Christen mit Schlagstöcken aufeinander los; 43 Menschen wurden verletzt und über 100 festgenommen.

Muslime

Etwa 90 % der Einwohner Ägyptens sind sunnitische Muslime. Die Scharia ist die Hauptquelle der Gesetzgebung. Einerseits ist die Auslegung des Islams in Ägypten meist modern und fortschrittlich, insbesondere durch die in der muslimischen Welt führende Al-Azhar-Universität. Andererseits ist Ägypten seit Jahrzehnten (neben Saudi-Arabien) auch ein Zentrum des islamischen Fundamentalismus. So ist die Muslimbruderschaft dort aktiv und in Osama bin Ladens Terrorgruppe al-Qaida fanden sich schon zu Zeiten des 11. September 2001 auch Ägypter in Führungspositionen. Teils stehen sie bis heute mit an der Spitze. Die fundamentalistische Szene sieht Gewalt gegen Westler, wie etwa in Dahab im April 2006, als Bestandteil eines gerechten Kampfes gegen ein ungerechtes System, einen gottlosen Staat und eine westlich-jüdische Verschwörung gegen den Islam an.

Christen

Vor dem Siegeszug des Islam im 7. Jahrhundert waren in Ägypten Christen die dominierende Religion; der Evangelist Markus soll in Ägypten schon um das Jahr 50 missioniert haben. Heute findet man in Kairo und Alexandria, aber auch in Mittel- und Oberägypten (nicht selten in überwiegend christlichen Dörfern) eine christliche Minderheit, die mit anderen Christen zusammen bis zu 15 % der Gesamtbevölkerung Ägyptens umfassen soll. Die staatlichen und kirchlichen Zahlenangaben differieren jedoch stark, daher beruhen auch viele der im folgenden genannten Zahlen nur auf Schätzungen.


Die Mehrheit der ägyptischen Christen trug die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon 451 nicht mit, es kam zur Bildung der Koptischen Kirche, die heute die mit Abstand größte christliche Kirche Ägyptens ist. Nach Angaben eines koptischen Klosters in Deutschland zählt die Koptische Kirche weltweit bis zu 15 Millionen Mitglieder. Andere in Ägypten vertretene altorientalische Kirchen sind die Armenisch-Apostolische Kirche mit rund 15.000 Mitgliedern und die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien mit lediglich rund 500 Mitgliedern.

Besonders die griechisch-stämmige Oberschicht folgte jedoch den Beschlüssen des Konzils von Chalcedon, bis heute besteht die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Alexandria, die mehr als 200 000 Gläubige in Ägypten zählt. Eine weitere orthodoxe Kirche mit Sitz in Ägypten ist die Orthodoxe Kirche am Sinai, der im Katharinenkloster und dessen Umgebung aber nur rund 50 Personen angehören.

Die Römisch-Katholische Kirche (Apostolisches Vikariat von Alexandria) zählt etwa 30 000 Mitglieder, vorwiegend ausländischer Herkunft. Daneben ist es aber zur Bildung einer Reihe von unierten Kirchen gekommen: Die mit Abstand bedeutendste der in Ägypten tätigen mit Rom unierten Kirchen ist die Koptisch-katholische Kirche mit ca. 250 000 Mitgliedern in 7 Diözesen (Alexandria, Gizeh, Luxor, Minya, Assiut, Sohag, Ismayliah). Die Melkitische Griechisch-Katholische Kirche (Erzdiözese von Alexandria) umfasst etwa 35 000 Mitgliedern (Schätzung; die letzte eigene Angabe stammt von 1970: 11 000 Gläubige). Außerdem gibt es die Maronitische Kirche (Eparchat von Kairo), 5000 Gläubige; die Syrisch-katholische Kirche (Eparchat von Kairo), 1700 Gläubige; die Armenisch-Katholische Kirche (Eparchat von Alexandria), 1300 Gläubige; und die Chaldäisch-Katholische Kirche (Eparchat von Kairo), 500 Gläubige.

Die auf die Tätigkeit presbyterianischer Missionare des 19. Jahrhunderts zurückgehende reformierte Evangelische Kirche von Ägypten ist mit etwa 300 000 Mitgliedern die mit Abstand größte protestantische Kirche in Ägypten. Daneben gibt es verschiedene Kirchen der Pfingstbewegung (Assemblies of God, 75 000 Mitglieder; Pentecostal Church of God, 3800 Mitglieder; Church of Grace, 2600 Mitglieder; Church of God (Anderson), 1500 Mitglieder; Pentecostal Holiness, 1400 Mitglieder; Church of God of Prophecy, 1100 Mitglieder), die zur Heiligungsbewegung gehörende Kirche der Evangelikalen Kopten („Free Methodists“) mit 43 000 Mitgliedern, die Brüderbewegung mit 15 000 Mitgliedern, die anglikanische Episkopalkirche von Jerusalem und dem Nahen Osten (Diözese Ägypten) mit 10 000 Mitgliedern, und die baptistische Egyptian Baptist Convention mit etwa 1000 Mitgliedern. Jehovas Zeugen veröffentlichen seit ihrem Verbot im Jahr 1960 keine Daten mehr über ihre Mitgliederzahlen in Ägypten.

Juden

In Ägypten leben nur noch ca. 100 Juden. Zum Vergleich: 1948 waren es noch 75 000. Zu groß angelegten Ausweisungen von Juden kam es 1956 im Zusammenhang mit dem Suezkrieg und 1967 anlässlich des Sechstagekriegs. Seit 1979 der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel abgeschlossen wurde, sind die Juden in Ägypten in ihrer Religionsfreiheit nicht mehr eingeschränkt, sie bilden aber nur mehr eine winzige, überalterte Minderheit.

Sonstige


Rund 2000 Bahai leben in Ägypten. Ihre Institutionen wurden 1960 durch ein Gesetz aufgelöst. Die Bahai kämpfen um ihre Bürgerrechte, weil sie – solange sie sich als Bahai bekennen – keine staatlichen Ausweise erhalten.

Textquelle: Seite „Ägypten“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. April 2009, 21:12 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 3. Mai 2009, 22:26 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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