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Ägypten

Afrika
Karte von Ägypten

Wirtschaft

Die Wirtschaft Ägyptens

Die liberale Wirtschaftspolitik unter Präsident Anwar as-Sadat führte in den 70er Jahren zu einer Lockerung der zuvor weitgehend sozialistischen Planwirtschaft Ägyptens und zur Öffnung nach außen. Zwar ist Ägypten heute nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land Afrikas, doch ist die Landwirtschaft nach wie vor eine wichtige Grundlage der Wirtschaft. Die Haupteinnahmequellen Ägyptens sind der Erlös aus dem Erdölexport und der Benutzung des Sueskanals sowie die Gastarbeiterüberweisungen und der Tourismus. Ein gravierendes Problem ist die hohe Auslandsverschuldung.

Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Nutzfläche (rund 3 % der Staatsfläche) ist auf das Niltal und das Nildelta sowie einige Oasen begrenzt. Die Bauern (Fellachen) bewirtschaften das Land mit teilweise jahrtausendealten Anbau- und Bewässerungsmethoden. Dabei hat sich der landwirtschaftliche Anbau von einer Subsistenz- zu einer Exportorientierung gewandelt, so dass relativ betrachtet weniger landestypische Nahrungsmittel wie Hirse, Saubohnen und Kohl geerntet werden. Um die stark wachsende Bevölkerung zu ernähren, müssen große Mengen importiert werden – im Jahr 1980 wurden über 5 Mio. Tonnen Weizen aus dem Ausland eingeführt bzw. dreimal soviel, wie in Ägypten selbst angebaut wurde. Da weite Teile Ägyptens – mit Ausnahme der bereits genutzten Flächen – sehr arid sind, kaum Wasserquellen für eine künstliche Bewässerung existieren und eine landwirtschaftliche Nutzung daher nicht möglich ist, ist ein Ende der hohen Zahl an Exporten nicht in Sicht. Der Assuan-Staudamm sorgte zudem dafür, dass die Überflutung des Nil fast nicht mehr existiert und somit die Ernten bzw. Ernteflächen kleiner und wegen fehlendem Nilschlamm unfruchtbarer wurden, nun jedoch mehrmals im Jahr geerntet werden kann. Zurzeit werden jedoch im Rahmen des Toshka-Projekts Teile der ägyptischen Wüste westlich des Nil für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Das traditionell bedeutendste Produkt ist die Baumwolle. Außerdem werden Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Hirse, Kartoffeln, Obst und Gemüse angebaut. Die Viehhaltung ist aus Mangel an Dauergrünland auf Futtermittelanbau angewiesen. Rinder und Büffel dienen als Last- und Arbeitstiere sowie neben Schafen und Ziegen der Fleisch- und Milchgewinnung.

Bodenschätze, Energie

Der bedeutendste Bodenschatz ist das Erdöl, das vor allem im Golf von Sues, in der Kattarasenke und auf der Sinai-Halbinsel gefördert wird. Außerdem werden Rohphosphate, Eisen- und Manganerze sowie Salz gewonnen. Meist noch unerschlossen sind die Vorkommen von Asbest, Schwefel, Buntmetallen und Uranerzen. Das seit 1975 geförderte Erdgas wird ausschließlich im Inland zur Energieerzeugung und für die Düngemittelproduktion verwendet. Der Bau mehrerer Wärmekraftwerke auf Erdgasbasis sowie einiger Kernkraftwerke ist geplant. Die zwei Wasserkraftwerke am alten Assuan-Staudamm sowie am neuen Hochdamm erzeugen etwa 15 % des ägyptischen Stroms; senkt sich der Wasserspiegel des Nassersees jedoch weiter, ist die Stromerzeugung gefährdet.

Industrie

Größere Industriebetriebe sind meist verstaatlicht; die Zahl privater Unternehmen, zum Teil mit ausländischer Beteiligung wie z. B. im Fahrzeugbau, hat seit den 70er Jahren deutlich zugenommen. Die ältesten Gewerbezweige sind die Verarbeitung von Baumwolle, Zucker und anderen Agrarprodukten. Später kamen Zement-, Düngemittel-, Eisen-, Stahl- und Aluminiumerzeugung, Elektro- und chemisch-pharmazeutische Industrie, Erdölverarbeitung sowie Maschinen- und Fahrzeugbau hinzu. Eines der größten Privatunternehmen ist die Firma Asfour Crystal International (ca. 23.000 Mitarbeiter in Kairo – el Shobra), die auf dem Gebiet der Erzeugung von Bleikristall mit über 30 % Bleigehalt und damit mit der Erzeugung von Kristalllustern für den Privatgebrauch wie auch für die industrielle Nutzung Weltmarktführer sind. Seit 2001 ist das Unternehmen unter anderem auch Weltmarktführer von kristallenen Schmucksteinen und Kristallfiguren.

Außenhandel


Die Außenhandelsbilanz ist schon seit Jahren defizitär. Die Einfuhren können bei weitem nicht durch die Exporteinnahmen finanziert werden, was zu einer enormen Auslandsverschuldung geführt hat. Importiert wurden 2004 Güter im Wert von 19,8 Mrd. US$, darunter 18 % Nahrungsmittel, 17 % Maschinen und Fahrzeuge, 13 % industrielle Vorerzeugnisse, 11 % chemische Erzeugnisse, 8 % Rohstoffe und 8 % Brennstoffe. Die Waren stammten zu 13 % aus den USA, 7 % aus Deutschland, 7 % Italien, 5 % Frankreich, 5 % VR China, 5 % Großbritannien, 4 % Saudi-Arabien und 3 % Spanien.

Exportiert wurden im gleichen Zeitraum Güter im Wert von 10,4 Mrd. US$, darunter 40 % Brennstoffe und technische Öle, 20 % industrielle Vorerzeugnisse, 9 % Nahrungsmittel, 8 % Rohstoffe, 5 % chemische Erzeugnisse und 4 % Fertigerzeugnisse. Hauptabnehmer waren zu 13 % Italien, 12 % USA, 7 % Großbritannien, 5 % Deutschland, 5 % Spanien, 4 % Frankreich, 3 % Niederlande, 2 % Jordanien, 2 % Türkei, 2 % Rep. Korea und 2 % Saudi-Arabien.

Textquelle: Seite „Ägypten“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. April 2009, 21:12 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 3. Mai 2009, 22:26 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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