Stadt

Kairo

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Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Kairo wurde durch die verkehrsgünstige Lage an der Drehscheibe zwischen Südeuropa, Orient und Schwarzafrika schon früh ein wichtiges Handelszentrum. Bedeutendste Produktionszweige sind die Metallverarbeitung, die Zementindustrie, die Herstellung von Möbeln, Schuhen, Tabakwaren und Textilien sowie das Druckgewerbe. Die Stadt ist als wichtigstes Geschäftszentrum des Nahen Ostens Sitz zahlreicher Konzerne und Wirtschaftsorganisationen. Der größte Wirtschaftsbereich der Stadt ist der öffentliche Sektor, einschließlich der Regierung, der öffentlichen Einrichtungen und des Militärs. Darüber hinaus ist der Fremdenverkehr von herausragender Bedeutung. Kairo ist das touristische Zentrum des Landes und dessen größte Deviseneinnahmequelle. Etwa ein Drittel aller ägyptischen Industriebetriebe sind im Raum von Kairo angesiedelt. Die Stadt ist das bedeutendste Verlagszentrum im Nahen Osten.

Die so genannte Informelle Wirtschaft macht in Kairo ungefähr ein Viertel der gesamten wirtschaftlichen Aktivität aus. Der Einzelhandel, das Handwerk, aber auch die Infrastruktur sind sehr stark davon abhängig. In diesem Bereich, in dem es keine soziale Absicherung gibt und die Arbeitsbedingungen katastrophal sind, arbeiten immer mehr Frauen und auch kriminelle Kinderarbeit hat dort ihre größte Verbreitung. Die Liberalisierung in der Wirtschaft, zu der auch der Abbau von Subventionen gehörte, hat die sozialen Lebensumstände verschlechtert. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Zu den von der Regierung angegebenen rund zehn Prozent Arbeitslosen kommen noch zahlreiche nicht registrierte Erwerbslose hinzu. So gehen Schätzungen von einer Rate über 20 Prozent aus. Ein Drittel der Bevölkerung Kairos lebt unterhalb der Armutsgrenze, die Familien können sich ein Minimum an Nahrung und Obdach nicht leisten. Die im Stadtgebiet lebenden Menschen sind relativ gesehen heute ärmer als im Jahre 1958.

Probleme bereiten die unzureichende Infrastruktur und die, bedingt durch die Landflucht, außerordentlich große Wohnungsnot. Die Strom- und Wasserversorgung befindet sich in einem desolaten Zustand und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht baufällige Häuser einstürzen. In der Industrie, die sich in der Metropolregion Kairo konzentriert, bestehen nur ungenügende Entsorgungs- und Reinigungskapazitäten für Abwässer, Abgase und Abfälle. Zu den Infektionserkrankungen wie Cholera, Diarrhöe und Typhus, die durch unzureichende hygienische Bedingungen verbreitet werden, kommen so Atemwegs- und Hauterkrankungen aufgrund der giftigen Emissionen der vielen Industriebetriebe und des Kraftfahrzeugverkehrs. Besondere Probleme ergeben sich aus der oft direkten Nachbarschaft ärmerer Wohngebiete und der Industrie. Die Luftverschmutzung und die Zersiedlung historisch bedeutender Areale zerstören viele Kulturdenkmäler Kairos. Die Stadtverwaltung Kairos versucht dem entgegen zu wirken. So dürfen keine Industriebetriebe mehr in der Stadt angesiedelt werden und der Bau von Hochhäusern und großen Hotels soll gestoppt werden.

Des weiteren existiert in Kairo der Automobilhersteller Speranza, welcher Fahrzeuge aus den Häusern Daewoo und Chery herstellt. Im Nutzfahrzeugsektor hingegen ist in Kairo die MCV Corporate Group ansässig, welche der Daimler AG angehört und sich mittlerweile zu einer eigenen Marke und einem weltweit agierenden Unternehmen entwickelte. Aber auch der älteste und größte Fahrzeughersteller des Nahen Ostens, die Ghabbour Group hat hier seinen Sitz und ist mit 25 Prozent Marktanteil für die Hyundai Motor Company und auch Volvo Trucks sowie die Fuso von wichtigen Stellenwert. Dahinter rangiert die General Motors Egypt mit den Marken Chevrolet, Isuzu und Opel. Ein weiteres in Kairo ansässiger Automobilhersteller ist das zu Chrysler gehörige Unternehmen Arab American Vehicles. Nahezu unbekannte Automobilhersteller Kairos, stellt zum einen die Seoudi Group dar, welche für Suzuki, Nissan und auch den Fiat-Konzern Fahrzeuge produziert. Ein anderer Hersteller, der hauptsächlich im Nutzfahrzeugsektor rangiert ist das Projekt Mod Car. Ein neuerer Automobilhersteller der Stadt ist die Egy-Tech Engineering, die sich auf dreirädrige Kleinstfahrzeuge spezialisiert hat. Ein mittlerweile erloschener Hersteller ist die Egyptian Light Transport Manufacturing Company, welche damals den NSU Prinz unter dem Markennamen Ramses für den ägyptischen Markt montierte.

Verkehr

Fernverkehr

Ein ausgedehntes Straßennetz verbindet die ägyptische Hauptstadt mit allen größeren Städten des Landes. Die wichtigsten Verbindungen von Kairo in nordwestliche Richtung nach Alexandria und an die Mittelmeerküste sind die Autobahn Nr. 1 durch das Nildelta und die Wüstenautobahn Nr. 11. In südliche Richtung am Nil entlang nach Luxor verläuft die Autobahn Nr. 2, in nordöstliche Richtung nach Port Said die Autobahn Nr. 3 und in östliche Richtung nach Sues die Autobahn Nr. 33.

Der internationale Flughafen Kairo liegt in Heliopolis, 22 Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums von Kairo. Die nicht sehr zuverlässigen Inlandsflüge werden von EgyptAir und kleinen nationalen Linien angeboten, die jedoch alle über EgyptAir gebucht werden können. Man kann nach Alexandria, Assuan, Luxor, Taba, Abu Simbel, Kharga, Sharm el Shaikh und Hurghada fliegen. Mit der neu gegründeten Tochtergesellschaft Egypt Air Express mit einer neuen Flotte von Embraer ERJ170 Maschinen hat sich die Situation bei den Inlandsflügen wesentlich verbessert.

Das ägyptische Niltal kann von Alexandria im Norden bis Assuan im Süden mit der Eisenbahn befahren werden. Die Bahn ist für afrikanische Verhältnisse komfortabel und schnell. Sie befördert den Reisenden vom Ramses-Bahnhof nach Alexandria, an den Sueskanal und entlang des Nils nach Süden. Ansonsten ist das gesamte Land von Kairo aus mit Fernbussen zu erreichen.

Der zentrale Busbahnhof Turgoman liegt in der Nähe des Ramses-Bahnhofs. Von dort fahren die meisten Busse in alle Richtungen ab. In Heliopolis halten fast alle Busse, die Richtung Norden oder Sinai fahren, noch einmal. Wer hier wohnt kann auch erst dort zusteigen. Rund um den Ramses-Bahnhof gibt es außerdem ein paar weitere kleine Busbahnhöfe. Minibusse nach El-Fayum fahren nördlich des Midan Ulali ab, Minibusse nach Port Said und Ismailiya direkt südlich des Ramses-Bahnhofs an der Straße Richtung Midan Ulali.

Nahverkehr

Rund zwei Millionen Autos fahren in der sehr dicht besiedelten Stadt. Probleme bereiten die täglichen Staus und die hohe Umweltverschmutzung.

Die Cairo Transport Authority betreibt in Kairo und Heliopolis auf einer Länge von 30 Kilometern zwei miteinander verbundene meterspurige Straßenbahnnetze. Seit der Übernahme der früher selbständigen Heliopolis-Gesellschaft im Jahre 1991 unterstehen alle Strecken der CTA. Am 12. August 1896 wurde in Kairo die erste Straßenbahnstrecke eröffnet, in Heliopolis am 5. September 1908. Isoliert vom Netz in Kairo und Heliopolis betreibt die CTA seit dem 19. Februar 1981 auch einige neu aufgebaute Straßenbahnstrecken in der südlich von Kairo gelegenen Industriestadt Helwan mit zusätzlich 16 Kilometern Länge.

Die 2.600 Omnibusse der Gesellschaft befördern pro Jahr 1,3 Milliarden Fahrgäste. Die Busse verkehren auf 450 Linien mit einer Länge von 8.460 Kilometern. Das nahe gelegene Gizeh kann mit Minibussen vom nördlich des Midan Ulali gelegenen Busbahnhof erreicht werden. Der erste Oberleitungsbus fuhr 1950 in der Stadt. Nach 31 Jahren Betrieb wurde dieser am 22. Oktober 1981 eingestellt.

  • Linie 1 führt in Nord-Süd-Richtung von New El Marg (‏المرج الجديدةel-Marg el-dschadīda) nach Helwān (‏حلوان‎). Sie besteht aus zwei Vorortlinien, die bis 1989 durch einen Innenstadttunnel miteinander verbunden wurden.
  • Linie 2 ist im Gegensatz dazu eine Voll-U-Bahn: sie wurde in den 1990er Jahren gebaut und verläuft in der Innenstadt unterirdisch, in den Außenbezirken oberirdisch. Ein Tunnelabschnitt verläuft unter dem Nil. Die Linienführung ist ebenfalls Nord-Süd – von Shubra (‏شبرا الخيمةShobrā el-Chēma) nach Giza Suburban (‏ضواحي الجيزةDawāhī el-Gīzā) – jedoch verläuft sie in der Innenstadt in Ost-West-Richtung. Sie kreuzt zweimal die Linie 1 (Stationen ‏أنور الساداتAnwar as-Sādāt und ‏حسني مباركHosnī Mubārak).
  • Linie 3 wird gerade gebaut. Sie verläuft in Ost-West-Richtung und soll im Nordosten den Flughafen anbinden. Auch hier ist eine Untertunnelung des Nils geplant. Der erste von vier Bauabschnitten soll 2011 fertiggestellt sein.

Bildung

Die Metropolregion Kairo beherbergt zahlreiche Universitäten, Hoch- und Fachschulen, Akademien, Forschungsinstitute sowie Bibliotheken.

Die Al-Azhar-Universität ist die berühmteste islamische Bildungseinrichtung der Stadt sowie eine der ältesten und angesehensten Bildungsinstitutionen der muslimischen Welt. Gleichzeitig besitzt sie eine hohe Autorität in islamischen Rechtsfragen (Schari'a) für die sunnitische Glaubensrichtung, der 85 Prozent aller Muslime angehören. Oberhaupt der Universität war bis 2010 Scheich Muhammad Sayyid Tantawi. Die Bedeutung der Universität lässt sich auch an der Zahl der Studierenden ablesen, die völlig außerhalb dessen steht, was an US-amerikanischen oder europäischen Universitäten üblich ist: Im Jahr 2004 waren an der Azhar etwa 375.000 Studenten eingeschrieben, davon mit 150.000 fast die Hälfte Frauen. Rund 16.000 Dozenten lehren an der Al-Azhar.

Weitere Universitäten in der Region sind die German University in Cairo, die Ain Shams University, die American University in Cairo, die Cairo University, die South Valley University und die University of New Brunswick (alle in Kairo), die Misr University for Science & Technology (in 6th of October City), die Modern Sciences & Arts University (in Gizeh), The Arab Open University – Cairo Branch (in Nasr City) sowie The British University in Egypt (in El Shorouk City).

Weitere bedeutende Bildungseinrichtungen sind die Arab Academy for Science & Technology & Maritime Transport, das Cairo American College, das Canadian International College, die Khedeve Ismail Secondary School, die Modern Academy, die Police Academy und die Sadat Academy for Management & Computer Sciences (alle in Kairo), die El Shorouk Academy (in El Shorouk City), das High Cinema Institute – Haram (in Gizeh), das Higher Technological Institute (in 10th of Ramadan City), die Modern Academy for Engineering & Technology (in Maadi) sowie das St Clare's College und das St George's College (beide in Heliopolis).

Für die Allgemeinbildung in Kairo sorgen rund 1.000 Schulen. Die Schulbildung in Ägypten ist als Grundrecht in der Verfassung verbürgt. Die seit 1923 bestehende sechsjährige allgemeine Schulpflicht ab sechs Jahren wurde wegen Lehrermangels 1991 auf fünf Jahre verkürzt. Zum Hochschulzugang berechtigt die anschließende sechs Jahre dauernde Sekundarstufe. Grund- und Sekundarstufe sind generell kostenfrei. Die Anstrengungen im Bildungswesen führten in der Statistik zu einer Einschulungsrate von beinahe 100 Prozent für die Grundschule. Immerhin noch 75 Prozent der Kinder im entsprechenden Alter werden für die Sekundarschule angemeldet. Doch diese Zahlen verschleiern ein wenig die Realität an den Kairoer Schulen, denn es gibt zahlreiche Schulabbrecher (bis zu 30 Prozent). Oft haben Kinder keine Zeit für die Schule, denn, obwohl verboten, arbeiten viele Kinder, um zum Lebensunterhalt der Familien, meist in den ärmeren Stadtvierteln und informellen Siedlungen am Stadtrand lebend, beizutragen. Auch die Qualität der Schulbildung lässt zu wünschen übrig. Klassen mit mehr als 70 Schülern sind keine Seltenheit. Die schlecht bezahlten Lehrer sind unmotiviert, da sie von ihrem Gehalt kaum leben können.

Obwohl Ägypten im Jahre 1998 den UNESCO-Preis für die Bekämpfung des Analphabetentums erhielt, liegt die Analphabetenrate in Kairo noch sehr hoch. Vor allen Dingen für Erwachsene ab 15 Jahren liegen die Schätzungen zwischen 40 bis 50 Prozent. Dabei liegt die Rate bei den Frauen um über zehn Prozent höher als bei Männern, da die Ausbildung von Mädchen von konservativen Familien teils noch immer als sekundär betrachtet wird .

Textquelle: Seite „Kairo“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Januar 2011, 20:25 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 1. Januar 2011, 21:39 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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