Stadt

Rotterdam

Flagge

Stadtbild

Bis Ende 19. Jahrhundert

Wasser und Wasserbau spielte in der Stadt seit ihrer Gründung eine starke Rolle. Ursprünglich entstand die Stadt an den Ufern der Rotte und wuchs entlang dieser bis zur Mündung der Rotte in die Nieuewe Maas. Da die Einwohner immer weitere Bereiche des Mündungsbereichs eindeichten und entwässerten entstand so ein dreieckiger Bereich, der die ehemalige Mündung der Rotte in die Nieuwe Maas abdeckte. Nachdem Rotterdam 1340 das Stadtrecht erhalten hatte, bekam die Stadt 1359 ihre erste Stadtmauer. Deren Umriss determinierte die Stadtgestalt für die nächsten 500 Jahre. Bis auf zusätzliches Land, das die Bürger innerhalb der Mauern in der Nieuwe Maas gewonnen, blieb Rotterdam bis 1875 auf das Gebiet von 1360 beschränkt.

1900 bis 1940

Am Ende des 19. Jahrhunderts begann ein rapider Ausbau der Hafenanlagen und eine Ausdehnung des Stadtgebiets erst nach Süden über die Nieuwe Maas, dann nach Westen zur Nordsee hin.

Rotterdam wuchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark und setzte zu dieser Zeit auch auf neue architektonische Formen. Das sogenannte Weiße Haus von 1898 war bei seiner Fertigstellung das höchste Bürogebäude Europas.

Der starke Zuzug von Arbeitskräften, die sich direkt außerhalb der Altstadt ansiedelten, zwang die Stadtverwaltung zur Umsiedlung. Es entstanden große Arbeitersiedlungen, die Stadt versuchte den Wohnbedingungen dort beispielsweise mit kommunalen Gärten in Spangen aufzuhelfen. 1918 bis 1933 war der Architekt Jacobus Johannes Pieter Oud Stadtbaumeister in Rotterdam. Durch die Wohnanlagen und Siedlungen, die er in den zwanziger Jahren in Rotterdam errichtete, wurde Rotterdam ein Zentrum der modernen Architektur. Kiefhoek war einer der ersten Stadtteile, in denen bewusst moderne, funktionale Architektur eingesetzt wurde.

Andere moderne Bauten dieser Zeit sind die Van Nelle Fabriek von 1929 sowie das Feijenoord-Stadion von 1936, beide entworfen von dem Architekturbüro Brinkman en Van der Vlugt.

Stadtplaner wie Willem Nicolaas Rose und Gerrit Johannes de Jongh versorgten die zahlreichen Kanäle in der Stadt mit frischem Wasser aus dem Rhein und konnten so die Zahl der Choleraepidemien stark eingrenzen.

1940 bis heute

Nachdem 1940 die deutsche Luftwaffe im Zuge des Überfalls auf die Niederlande (West-Feldzug) das gesamte Stadtzentrum, den alten Hafen und West-Kralingen durch Bombardierungen und durch sie erzeugte Großbrände zerstört hatte, beschloss die Stadt nach 1945 einen grundlegenden städtebaulichen Neubeginn für das alte Zentrum. Die Grundstücksbesitzer in der Stadtmitte wurden gegen Entschädigung enteignet, der Boden aufgegraben und sämtliche Leitungen, Abwasserkanäle etc. entfernt, um wirklich einen kompletten Neubeginn in der Stadt zu ermöglichen.

Rotterdam: Montevideo Tower
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Rotterdam: Montevideo Tower

Im Stadtzentrum selbst stehen von den Gebäuden, die vor dem 20. Jahrhundert errichtet wurden, nur noch die Laurenskerk (Laurentiuskirche) und Het Schielandshuis (heute ein Museum; hier ist auch die Sammlung Atlas Van Stolk zur Geschichte der Niederlande zu sehen). Andere alte Gebäude sind:

  • Provenierswijk - ein letzter Rest des Vorkriegs-Rotterdam, zentral gelegen hinter dem Hauptbahnhof;
  • Rathaus - errichtet zwischen 1914 und 1920;
  • Historisch Delfshaven - alter Stadtteil mit Hafen, als Vorhafen der Stadt Delft gegründet und mit dieser durch den Delftse Schie Kanal verbunden;
  • Hotel New York - im Gebäude der ehemaligen Holland America Lijn. Von hier aus brachen viele Amerika-Auswanderer auf.

Nach dem Krieg sah die Stadtverwaltung eine Aufteilung der Stadt in ihre Funktionen vor: die Banken wurden alle in der Nähe der Börse angesiedelt, die Häfen verlegte man weg vom eigentlichen Stadtzentrum westwärts an die Nordsee. Mit der Lijnbaan hatte Rotterdam 1953 eine der ersten für den Autoverkehr geschlossenen Einkaufsstraßen. Wohnsiedlungen entstanden vor allem an den Stadträndern (Overschie, Schiebroek, Lombardijen, Prins Alexander).

Das Stadtbild in der Innenstadt hat so fast gar keine Reminiszenzen mehr an eine klassische alte europäische Stadt, sondern ist gewollt modern und ambitioniert. Das führt dazu, dass sich noch heute viele bekannte Architekturbüros wie Rem Koolhaas, MVRDV und Neutelings & Riedijk in der Stadt angesiedelt haben. Darüber hinaus fanden in der Stadt öffentliche Institutionen, die sich mit Architektur beschäftigen, wie das Berlage Institut oder das NAi (Niederländisches Architektur-Institut), ihren Platz.

Euromast in Rotterdam
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Euromast in Rotterdam

Ein bestimmendes Merkmal des Stadtbilds ist die hohe Anzahl an hohen Gebäuden, wie sie in Europa sonst nur in Frankfurt, Warschau, London und Paris vorkommen. Mit dem Montevideo Tower steht in Rotterdam ebenso das höchste Wohngebäude der Niederlande wie mit dem Delftse Poort, dem Verwaltungsgebäude der Nationale-Nederlanden-Versicherungsgesellschaft, das höchste Bürogebäude des Landes. Der 186 Meter hohe Euromast wurde 1960 mit einer Höhe von 101 Metern errichtet und 1970 aufgestockt und gehört ebenso zu den bekannten Sehenswürdigkeiten. Andere bekannte Gebäude sind:

  • Kubushäuser - originelle Siedlung im Stadtteil Blaak von auf jeweils einer Spitze stehenden würfelförmigen Einzelhäusern. Die 1984 von Piet Blom errichteten Häuser werden von den Rotterdammern als Sechskanthäuser bezeichnet. Unmittelbar daneben befindet sich der architektonisch ungewöhnliche Bahnhof Blaak.
  • Willemsbrug - Die Golden Gate Bridge von Rotterdam gilt als das alte Gegenstück zur Erasmusbrug.
  • Alexandrium - Wohn- und Geschäftsviertel im Osten Rotterdams, das in den 1980er Jahren entstand.

Seit 1980 schließlich begann die Stadt die ehemaligen Hafengebiete in Innenstadtnähe in aufwendigen Stadterneuerungsprogrammen aufzuwerten. Begonnen mit dem Leuvehaven und dem Wijnhaven, die in das Tourismusgebiet Waterstad umgewandelt wurden, ist das aktuelle Prestigeprojekt das Kop van Zuid südlich der Nieuwe Maas. Durch die Erasmusbrug, dem 1996 fertig gestellten neuen Wahrzeichen der Stadt, mit der eigentlichen Innenstadt verbunden, entstanden in dem ehemaligen verfallenen Hafengebiet Museen, öffentliche Bauten, Wohnhochhäuser wie der Montevideo Tower, Bürohochhäuser und Hotels.

Verschiedenes

  • Diergaarde Blijdorp - großer zoologischer Garten mit eindrucksvollem Aquarium
  • Holland Casino
  • Maeslantkering - der Maeslant-Sturmflutwehr, der zu den Deltawerken gehört.
  • Villa Dijkzigt
  • Walk of Fame Europe - das europäische Gegenstück zum Hollywood Walk of Fame
  • KPN-Zendmast Waalhaven
  • Kathedrale von Rotterdam (HH. Laurentius- en Elisabethkathedraal) - römisch-katholische Kathedrale im neuromanischen Stil
  • Essalam-Moschee - größte Moschee der Niederlande und Westeuropas
Textquelle: Seite „Rotterdam“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Dezember 2010, 17:53 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 2. Januar 2011, 20:06 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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