Stadt

Korça (Korce)

Flagge

Portrait

Korça (albanisch auch Korçë, griechisch: Κορυτσά, Korytsá, italienisch: Corizza, aromunisch: Curceaua) ist eine Stadt im Südosten Albaniens. Die Stadt hat etwa 86.176 Einwohner (2007)[1] und liegt in einer fruchtbaren Hochebene auf rund 850 m ü. d. M. umgeben von annähernd doppelt so hohen Bergen. Das Klima im Sommer ist mit maximal 26 °C angenehm warm, die Winter sind hingegen mit -3 °C bis +4 °C im Januar recht kalt.

In Korça haben die Behörden des gleichnamigen Qarks und des Kreises (rrethi) ihren Sitz. Eine neu gebaute Schnellstraße nach Osten über Bilisht verbindet Korça mit dem rund 30 Kilometer entfernten Griechenland. Eine weitere wichtige Straße führt in nördlicher Richtung nach Pogradec und von dort weiter nach Mittelalbanien oder ins mazedonische Ohrid.

Gesellschaft

Während die ländliche Umgebung Korças mehrheitlich von sunnitischen Muslimen und Bektaschis bewohnt wird, sind in der Stadt selbst die orthodoxen Christen stark vertreten. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts waren von 10.000 Einwohnern rund 90 Prozent Christen. Auch 1918 besaß Korça den höchsten Anteil orthodoxer Bevölkerung aller albanischen Städte. In diesem Jahr wurden 17.779 orthodoxe Albaner und 5.464 Moslems gezählt. Korça ist Sitz eines orthodoxen Bischofs. Die 1992-1995 erbaute neue Kathedrale ist der Auferstehung Christi (alb. Ringjallja e Krishtit) geweiht. Sie gilt als das größte Gotteshaus Albaniens.

Neben Albanern gehören als Minderheiten über 1000 slawische Mazedonier, zahlreiche Aromunen (Walachen), sowie eine größere Gruppe Roma zu den Einwohnern. Aromunen gehörten zu den ältesten Siedlern in der Stadt. Viele sind auch Ende des 18. Jahrhunderts aus dem etwa 20 Kilometer westlich gelegenen Bergort Voskopoja (aromunisch: Moscopole) zugezogen.

Die Stadt hat ein Theater und ein landesweit bekanntes Gymnasium mit musikalischer Spezialausbildung.

Der lokale Fußballklub KS Skënderbeu Korça spielt in der Saison 2009/10 in der höchsten Liga.

Geschichte

Die Gegend um das heutige Korça gehört zu den frühen Siedlungszentren Südosteuropas, in denen seit der Bronzezeit Kupfer abgebaut wurde. An mehreren Stellen im Umkreis wurden eisenzeitliche Hügelgräber und Befestigungsmauern der Illyrer ausgegraben.

Die Stadt selbst ist eine relativ junge Gründung. Um 1280 wurde erstmals eine Siedlung erwähnt, etwa zur selben Zeit wie auch Voskopoja. Zu Zeiten des Sultans Murad I. (1359–1389) drangen türkische Truppen erstmals in das Gebiet um Korça vor. 1440 soll die ursprüngliche Siedlung von den Türken zerstört worden sein.

Die Stadtgründung erfolgte nach der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der osmanische Sultan Murad II. (1421–1451) schenkte Iljaz Bey Mirahori, einem verdienstvollen Mitglied seines Janitscharenkorps, ein Gebiet um Korça. Als Iljaz Hoxha in Panarit geboren, war er als Sklave an den Hof von Edirne verschleppt worden. Mit den Titeln Bey und Mirahor versehen, kehrte er in seine Heimat zurück und gründete die Stadt. Als Symbol der Stadtsgründung gilt der von ihm veranlasste Bau der Mirahor-Moschee.

Es entstand ein blühendes Handelszentrum, dessen Bedeutung besonders nach dem Niedergang Voskopojas gegen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs. In den Jahren 1769 und 1789 gab es gegen die orthodoxen Bewohner Voskopojas Strafaktionen der Türken, die den Kirchenbau einschränkende Gesetze nicht eingehalten sahen. Häuser wurden in Brand gesetzt. Die Einwohner flüchteten vor allem nach Korça. 1783 gelangte die Stadt zum Herrschaftsbereich von Ali Pascha Tepelena.

Im 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts war Korça ein wichtiges Zentrum der albanischen Nationalbewegung. So wurde hier 1887 die erste Volksschule des Landes (Mesenjtorja) eröffnet, in der auf Albanisch unterrichtet wurde. Die erste albanische Mädchenschule öffnete 1891 ebenfalls in Korça ihre Pforten. Das Gebäude wurde 1968 als Museum für Erziehung eingerichtet.

Das Osmanische Reich befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Krise. Zu Gewaltakten von Räuberbanden und Regierungstruppen kamen ab 1906 Befreiungskämpfe albanischer Patrioten. 1907 wurde der griechische Bischof von Korça ermordet. Zu Beginn des Ersten Balkankrieges 1912 wurden der Epirus und die Stadt von Griechen besetzt. Es herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände, die viele Einwohner zur Auswanderung trieb. Ein großer Teil der albanischen Gemeinschaft in den USA stammt aus Korça. Umgekehrt war die Stadt in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg das Ziel evangelischer Missionare aus den Vereinigten Staaten, die hier eine kleine Gemeinde etablieren konnten.

Nach der albanischen Unabhängigkeit beanspruchte Griechenland Korça für sich und ließ seine Truppen im März 1913 in die Stadt einrücken. Im Dezember 1913 legten die Großmächte die internationalen Grenzen Albaniens fest und Korça kam zu Albanien. Einige Monate später zogen die Griechen auf Druck der Großmächte ab und es bildete sich in Korça eine eigenständige Regionalregierung. Von Oktober 1914 bis zum Sommer 1916 gab es erneut eine griechische Besatzung. Während des Ersten Weltkriegs war das neutrale Albanien von den verschiedenen kriegführenden Mächten besetzt; in Korça löste 1916–1918 ein französisches Protektorat die griechische Besatzung ab. Davon zeugt am Stadtrand ein französischer Militärfriedhof. Die französischen Truppen waren hier stationiert, um die Saloniki-Front gegen Österreicher und Deutsche zu stabilisieren. Die Franzosen ließen eine eigene Republik ausrufen, die 1920 wieder mit Albanien vereinigt wurde. Griechenland wollte damals erneut Korça annektieren, hatte mit diesem Bestreben aber keinen Erfolg.

Während der angespannten Wirtschaftslage unter König Zogu verringerte sich die Bevölkerungszahl der Stadt von 25.600 Einwohnern im Jahr 1923 auf 21.220 Einwohner 1938. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs begann 1939 mit der Besetzung Albaniens durch italienische Truppen, die im Süden des Landes nach kurzer Zeit durch den Einmarsch griechischer Truppen zurückgeschlagen wurden. Korça war vom November 1940 bis April 1941 nochmals griechisch besetzt. 1943 wurde die italienische Besatzung von der deutschen Wehrmacht abgelöst. Im September 1944 befreiten albanische Partisanen Korça.

In den 1990er Jahren erlebte Korça wiederum einen deutlichen Rückgang der Bevölkerung, als viele Bewohner ins Ausland oder in andere Regionen Albaniens zogen. Erst in der heutigen Zeit erfährt die Stadt wieder eine Zuwanderung.

Stadtbild

Zentrum des Geschäftslebens ist der um 1900 mit Lindenbäumen und breiten Gehwegen angelegte Bulevardi Republika, an dessen Südende sich die Kathedrale befindet. Damals war die Stadt auch ein überregional bedeutendes Handelszentrum. Der enge Kontakt zu Mitteleuropa und der Einfluss der zurückgekehrten Auswanderer nach Amerika ist noch heute im Stadtbild zu erkennen, denn viele vermögende Bürger ließen sich Wohnhäuser im Stil der Gründerzeit errichten, wie sie vor allem in Deutschland und Österreich verbreitet waren. Die reichen Kaufleute aus Korça waren regelmäßig auf den Messen in Leipzig und Wien vertreten. An den ebenfalls als Alleen angelegten Nebenstraßen und in dem Viertel südlich der Kathedrale sind noch zahlreiche dieser mehrstöckigen Häuser und durch Vorgärten von der Straße zurückgesetzte Villen erhalten. Es finden sich Bauformen des Klassizismus (Kapitelle, Faszien) und sogar Detailformen des Jugendstils. Solange sie noch bewohnt werden, sind es die relativ am besten erhaltenen Gebäude der Stadt.

Mirahor-Moschee

Einen halben Kilometer westlich liegt die Mirahor-Moschee (Moschee des Stallmeisters). Gestiftet laut Inschrift von Ilyas Bey 1484 (andere Datierung 1496). Sie ist das früheste erhaltene Beispiel einer Einkuppelmoschee in Albanien. Die Außenmauern des quadratischen Hauptraumes sind durch Fensteröffnungen und Profile sorgfältig proportioniert. Im Südwesten ist ein Minarett angebaut. Die von drei Kuppeln überwölbte Vorhalle war vor kurzem noch offen. Sie wird optisch beeinträchtigt durch die neu hinzu gefügte Verglasung.

Basar

Ebenfalls im Westen und weiter nördlich liegt das einst von der übrigen Wohnbebauung abgetrennte osmanische Basarviertel. Teilweise noch gepflasterte Gassen sind außerhalb des Rechtecks angelegt. Die zwei- bis dreistockigen Häuser besaßen im Erdgeschoss Läden und Werkstätten, darüber Wohnungen. Von den einst 16 überlieferten Han (persisch/türkisch hhan, „Haus“), die als Unterkünfte für Karawanen und als Marktplätze dienten, sind noch zwei vorhanden. Davon ist einer durch moderne Umbauten zu einer Ladenpassage kaum mehr erkennbar. In schlechtem Zustand erhalten geblieben ist der Han i Elbasanit aus dem 19. Jahrhundert (oder früher). Das Gebäude umgibt einen fünfeckigen Innenhof mit Brunnen. Dieser diente als Standplatz für Pferde und als Markt. Das Erdgeschoss diente als Lagerraum. Darüber befindet sich eine hölzerne Galerie mit Zugang zu den Kammern. Letztere sind noch bedingt als Unterkunft nutzbar.

Jeden Vormittag findet in den Gassen ein Markt statt. Die Ruhe nachmittags hängt auch damit zusammen, dass etliche der Häuser nicht mehr bewohnt werden können. In einigen Bauruinen sind Roma-Familien eingezogen. Eine Sanierung des Viertels hätte häufig mit abbruchreifer Bausubstanz zu kämpfen. Das touristische Potential wird nicht erkannt.

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Nationalmuseum für mittelalterliche albanische Kunst: Östlich der Kathedrale in einer ehemaligen Kirche gelegen, bietet das Museum eine große Sammlung von Ikonen, Architekturfragmenten und anderer religiöser Kunst. Der Schwerpunkt der Ausstellung bildet das 16. Jahrhundert mit Werken von Onufri und Nikolla.
  • Archäologisches Museum: Wenig südlich der Kathedrale werden in einem Gebäude aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts Exponate der umliegenden Gebiete aus prähistorischer bis griechischer Epoche ausgestellt.

Universität

1992 wurde die Fan S. Noli-Universität mit den Studienfächern Agrarwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft gegründet. Angegliedert ist eine Krankenpflegeschule. 2010 werden etwa 4000 Studenten ausgebildet.

Wirtschaft

Ende des 19. Jahrhunderts wurden vor allem Wolle, Filz und Teppiche hergestellt. In den 1920er Jahren gab es Kleinfabriken für Strickwaren, Mehl, Seife, Zigaretten, eine Druckerpresse und ein Sägewerk. 1926 wurde die Braunkohleförderung bei Mborje aufgenommen.

In der Zeit der kommunistischen Herrschaft wurde die Stadt zu einem industriellen Zentrum. Es entstanden ein Kohlekraftwerk zur Nutzung der nahe gelegenen Braunkohlevorkommen, die Textil- und Teppichproduktion wurde industrialisiert, gebaut wurden auch eine Anlage zur Kupferverarbeitung und eine im ganzen Land bekannte Brauerei.

Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1990 kam die Schwerindustrie wegen veralteter Produktionstechniken und der Randlage der Stadt innerhalb Albaniens annähernd zum Erliegen. Weitläufige Stadtviertel im Norden mit Industriebrachen zeugen davon.

Textquelle: Seite „Korça“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. November 2010, 14:13 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 28. Dezember 2010, 15:16 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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