Stadt

Schaan

Flagge

Portrait

Schaan ist mit rund 5800 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde im Fürstentum Liechtenstein. Der Ort liegt im nördlichen Teil des Landes im Rheintal, nördlich angrenzend an den Hauptort Vaduz und gehört zum Liechtensteinischen Oberland. Im Westen bildet der Rhein die Gemeindegrenze, die hier zugleich Landesgrenze zur Schweiz ist, im Osten wird der Ort von der Bergkette „Drei Schwestern“ beherrscht. In den letzten Jahren entwickelte er sich zum Industriestandort.

Geschichte

Schaan ist seit über 6000 Jahren besiedelt. Archäologische Funde auf Fanola und auf dem Kröppel stammen aus der Jungsteinzeit, andere Funde lassen auf eine lückenlose Besiedlung von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis 354 schliessen. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde «Scana» in der Mitte des 9. Jahrhunderts in einer Zusammenstellung der kaiserlichen Güter. Die eigentliche geschichtliche Zeit beginnt mit der Eroberung des Gebiets durch die Römer im Jahre 15 v. Chr. Die römische Strasse von Augsburg nach Mailand führte durch Schaan. Das bedeutendste römische Bauwerk auf Gemeindeboden ist das im Talgrund errichtete Kastell, das zum Schutz gegen die immer häufiger werdenden alemannischen Einfälle errichtet worden war. Überreste seiner Grundmauern und des Torturms sind bei der St. Peters-Kirche wieder sichtbar. Ein Baptisterium aus dem 5. Jahrhundert, das bei Grabungen im Innern dieser Kirche gefunden wurde, lässt auf eine frühe Christianisierung schliessen. 965 ging Schaan im Ausgleich auf den Verzicht der Insel Ufenau als Schenkung Ottos des Großen an das Damenstift Säckingen.

Zweigeteiltes Dorf: Die alemannische Besiedlung dokumentieren zahlreiche Grabfunde zwischen Specki und Lindenplatz. Damals bestand Schaan aus zwei voneinander getrennten Teilen: Die romanisierten Räter hatten ihr Zentrum beim St. Peter, während die alemannische Bevölkerung im Gebiet der Specki siedelte. Diese Zweiteilung zeigt sich bis heute im Bestehen zweier Alpgenossenschaften, der nördlich-alemannischen Genossenschaft Gritsch und der südlich-rätoromanischen Genossenschaft Guschg.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1584 1812 1901 1930 1945 1991 2000
Einwohner 393 715 917 1’464 2'048 5'035 5'454

Wappen

Das Wappen von Schaan zeigt vorne ein blaues und hinten ein rotes Feld, die durch einen senkrechten silbernen (weißen) Streifen getrennt sind. Im blauen Feld ist eine goldene Ähre zu sehen als Zeichen für die Landwirtschaft, im roten Feld ein vierfach gewellter silberner (weißer) Streifen, der den Rhein symbolisieren soll. Die Farben blau und rot sind die Landesfarben von Liechtenstein. Das Wappen in dieser vereinfachten Form wurde am 26. November 1948 durch Fürst Franz Joseph II. verliehen und ersetzt das ähnliche, aber differenziertere Wappen, das am 12. Juni 1938 von Prinzregent Franz Joseph verliehen worden war.

Politik

Gemeindevorsteher ist Daniel Hilti (VU). Im Gemeinderat mit 12 Sitzen sind seit der letzten Wahl am 26. / 28. Januar 2007 vertreten:

  • die Fortschrittliche Bürgerpartei in Liechtenstein (FBP) mit 6 Sitzen,
  • die Vaterländische Union (VU) 5 Sitzen,
  • die Freie Liste (FL) mit einem Sitz.

Im Liechtensteiner Landtag sind seit der Wahl vom 13. März 2005 sechs Abgeordnete aus Schaan vertreten: drei von der FBP, zwei von der VU und einer von der FL.

Wirtschaft

Mit 7'000 Arbeitsplätzen in etwa 700 Unternehmen ist Schaan ein wichtiger Wirtschaftsstandort für die ganze Region. In Schaan haben u. a. die Hilti AG, die Hilcona AG und die Ivoclar Vivadent AG ihren Stammsitz. Zudem ist die einzige Bierbrauerei im Fürstentum Liechtenstein (Liechtensteiner Brauhaus) in Schaan zu finden.

Schaan ist auch Sitz der Wirtschaftskammer Liechtenstein sowie Standort der Liechtensteinischen Industrie-, Handels- und Gewerbeausstellung (LIHGA)

Verkehr

Durch seine Lage in der Mitte von Liechtenstein ist Schaan besonders betroffen durch die Verkehrsprobleme, die in Liechtenstein bestehen. 32'000 Personen pendeln täglich in oder nach Liechtenstein. Außerdem besteht durch die Industrialisierung ein hohes Aufkommen an Güterverkehr.

In Schaan befindet sich der Bahnhof Schaan-Vaduz an der elektrifizierten ÖBB-Eisenbahnstrecke vom schweizerischen Buchs SG nach Feldkirch in Vorarlberg, die auch von der Montafonerbahn befahren wird. Weitere Stationen an dieser Strecke Richtung Feldkirch sind Forst-Hilti, Nendeln und Schaanwald. Auf der Strecke soll 2013 ein S-Bahn-Verkehr mit 30-Minuten-Takt eingeführt werden, der von Feldkirch über Schaan und Buchs bis nach Sargans führen soll. Nach der für Sommer 2008 geplanten Vereinbarung zwischen dem Fürstentum Liechtenstein, dem Land Vorarlberg und dem Kanton St. Gallen sollen 2010 die nötigen Bauarbeiten und Streckenmodernisierungen beginnen. Ein eigener Güterbahnhof auf dem Gelände von Nendeln ist angedacht und könnte das hohe LKW-Aufkommen um etwa 12'000 Fahrten reduzieren. Bisher müssen für den Güterumschlag die Bahnhöfe im schweizerischen Buchs oder im Vorarlberger Wolfurt in Anspruch genommen werden.

Von Schaan aus wird der ganze Busverkehr im Land gesteuert, der von der Liechtenstein Bus Anstalt (LBA) betrieben wird. 28 der 42 grüngelben Busse sind mit umweltfreundlichen Erdgasmotoren ausgerüstet. Im Februar 2008 wurde mit den Bauarbeiten für einen neuen Busbahnhof begonnen, der im Dezember 2009 in Betrieb gehen soll. 

Im Ort kreuzen sich verschiedene wichtige das Fürstentum durchquerende Strassen. Hier enden bzw. beginnen auch die (schweizer) Hauptstrassen 16 und 28. An der Grenze zur Schweiz besteht ein Grenzübergang, hinter dem unmittelbar die Anschlussstelle Buchs der (schweizer) Autobahn A13 liegt.

Schaan ist Standort der einzigen Jugendherberge des Landes.

Kultur und Sehenswertes

  • Im Theater am Kirchplatz (TaK) werden vielfältige kulturelle Veranstaltungen geboten: Schauspiel, Konzert, Ballett, Tanztheater, Pantomime, Jazz, Chanson, Kabarett, Puppenspiel, Kinder- und Jugendtheater
  • Der nicht-kommerzielle Filmclub im TaKino bietet aktuelles Programmkino für die ganze Umgebung. Es zeigt Filme, die sonst in der Region nicht zu sehen sind, Filme zum Nachdenken und Diskutieren, aber auch zum Geniessen und Lachen.
  • Das DoMuS - Museum und Galerie der Gemeinde Schaan im Rathaus zeigt als Dauer-Ausstellung die Geschichte der Gemeinde Schaan und in Wechselausstellungen künstlerische Werke aus der Region.
  • Im Rechenmaschinen-Museum sind etwa 200 meist historische Stücke zu bewundern, darunter die wahrscheinlich kleinste mechanische Rechenmaschine der Welt.
  • Die Pfarrkirche St. Laurentius mit ihrem weithin sichtbaren Turm ist der Mittelpunkt für die katholische Kirchgemeinde.
  • Bei der St. Peterskirche sind Überreste eines römischen Kastells zu sehen.
  • Die Kapelle St. Maria zum Trost auf Dux mit barockem Marienaltar wurde auf Fundamenten einer früheren Kapelle errichtet und 1743 eingeweiht. Später wurde sie mit Turm und Vorhalle ergänzt und 1997/98 grundlegend restauriert.
  • Seit 1952 richtet die Schaaner Fasnacht Veranstaltungen in der „fünften Jahreszeit“ aus, die im Schaaner Umzug mit internationaler Beteiligung ihren Höhepunkt finden. (siehe auch: Fasnacht in Liechtenstein)
  • Im neu errichteten SAL (Saal am Lindaplatz) werden Veranstaltungen in den Bereichen Kultur und Wirtschaft angeboten, zum Teil durch Drittanbieter, zum Teil durch die Gemeinde selbst.
Textquelle: Seite „Schaan“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Dezember 2010, 07:10 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 27. Dezember 2010, 22:42 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden