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Tanger

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Tanger: Panorama der Stadt im Nordwesten Marokkos
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Tanger: Panorama der Stadt im Nordwesten Marokkos

Tanger (arabisch ‏طنجة‎ Tandscha, DMG Ṭanǧa, englisch: Tangier, französisch: Tanger, spanisch: Tánger) ist eine marokkanische Stadt mit etwa 700.000 Einwohnern (Stand 2007) (Volkszählung 2008) im Norden des Landes in der Provinz Tanger-Asilah. Sie liegt an der nordafrikanischen Küste, etwas westlich der Straße von Gibraltar. Westlich der Stadt befindet sich der Flughafen Tanger-Boukhalef.

Geschichte

Gegründet wurde Tanger im 5. Jahrhundert v. Chr. von Karthagern. Später geriet die Siedlung Tingis unter römische (siehe auch: Mauretania Tingitana) bzw. byzantinische Herrschaft, bevor sie 702 von den Arabern erobert wurde.

1471 hielten die Portugiesen Einzug, denen 1580 die Spanier und 1661 die Briten folgten – Katharina von Braganza brachte es als Mitgift in die Ehe mit Charles II. ein. Doch schon kurz darauf, 1684, wurde Tanger an Marokko unter den Alaouiten (Alawiden) übergeben.

Die geographische Lage Tangers machte die Stadt zum marokkanischen Zentrum europäischer Diplomatie und Wirtschaft im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Eine internationale Krise löste die Rede Kaiser Wilhelms II. anlässlich seines Besuches der Stadt 1905 aus, in der er eine Erklärung zur fortwährenden Unabhängigkeit Marokkos abgab.

1912 verlor Marokko seine Unabhängigkeit und wurde faktisch zwischen Frankreich und Spanien geteilt, wobei letzteres gleich ganz Nordmarokko und einen Teil der Atlantikküste im Süden besetzte. Der Status von Tanger blieb ungeklärt. 1923 wurde die Stadt und ein kleines Gebiet um sie herum zur Internationalen Zone von Tanger erklärt und von Franzosen, Spaniern, Briten und ab 1928 auch von Italienern verwaltet. Der Hafen von Tanger war zollfrei, der Schmuggel wurde zum einträglichen Geschäft.

Dieser Zustand blieb, mit Ausnahme der Zeit von 1940 bis 1945, als es wegen des Krieges unter alleiniger spanischer Verwaltung stand, bis zum 29. Oktober 1956 erhalten. Die Freizügigkeit der Stadt in den 1940er- und 50er-Jahren machte sie zu einem Magneten für europäische und amerikanische Schriftsteller, für „Aussteiger“ und Außenseiter jeder Art. Am 29. Oktober 1956 jedoch traten die Protokolle von Tanger in Kraft, die die Stadt mit dem wenige Monate zuvor wieder unabhängig gewordenen Staat Marokko wiedervereinigten und ihre Freizügigkeit beendeten. 1956 begann auch der Exodus der bis zu 40.000 Juden oder Hebräer, wie sie sich nannten, aus Tanger.

In den 1960er- und 70er-Jahren erlebte Tanger eine zweite literarische Blüte als „Mekka“ von Schriftstellern der neu entstandenen Popliteratur. Paul Bowles, Jane Bowles, Tennessee Williams, Jack Kerouac, Muhammad Asad, Truman Capote und William S. Burroughs waren nur einige von ihnen. Auch Marokkos wohl berühmtester Schriftsteller, Mohamed Choukri, lebte hier. Er verarbeitete seine Erfahrungen als armer Heranwachsender im Tanger der 50er-Jahre in seinem Roman „Das nackte Brot“ (arabisch „al-Chubs al-hafi“). Auch heute noch leben bekannte Autoren in der Stadt (z.B. Bernard-Henri Lévy).

Kultur

Ende Mai bis Anfang Juni jedes Jahres findet das Jazz-Festival Tanjazz statt.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Ibn Battuta, berberischer Forschungsreisender des 14. Jahrhunderts
  • Hassan Akesbi, marokkanischer Fußballnationalspieler
  • Karim Debbagh, marokkanischer Filmproduzent
  • Hicham Hamdouchi, marokkanischer Schachspieler
  • Jean-Marie Machado, französischer Jazzpianist und Komponist
  • Schlomo Ben Ami, israelischer Diplomat, Historiker und Politiker
  • Hagen Schulze (* 1943), deutscher Historiker
Textquelle: Seite „Tanger“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Oktober 2010, 23:17 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 17. Januar 2011, 15:48 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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