Stadt

Venedig

Flagge
Venedig

Portrait

Venedig (ital. Venezia) ist eine Stadt im Nordosten Italiens an der adriatischen Küste, Hauptstadt der Region Venetien und der Provinz Venedig.

Bauweise und Bausubstanz

Venedig ist eine Stadt im Wasser. Sie wurde auf Millionen von Eichen-, Lärchen- und Ulmenpfählen gebaut, die man in den sandigen und schlammigen Untergrund rammte. Je höher und schwerer die Häuser waren, um so sorgfältiger musste der Boden vorbereitet werden. Man hatte früh entdeckt, dass sich unter der Schlammablagerung fester Lehmboden, der caranto, befand, und dass sich auf Pfählen, die man in diese Schicht hineinrammte, hohe Gebäude errichten ließen. Dazu benutzte man die Stämme von Bäumen aus dem benachbarten Istrien. Die vorbereiteten Stämme wurden durch Bänder, Öl und Teer miteinander verbunden und auf diese Weise konserviert.

Die Zwischenräume wurden mit Lehm verfüllt. Auf dieser ersten Ebene ruhte der sog. Zattaron, eine Art Ponton aus zwei Schichten von Lärchenbohlen, die mit Backsteinen befestigt wurden. Auf den Zattaron stützen sich die Grundmauern und schließlich das oberirdische Mauerwerk. Nur diejenigen Bodenfläche eines Hauses wurde mit Baumstämmen abgesichert, auf die tragende Mauern aufgesetzt wurden. Solange die Stämme luftdicht von Wasser umgeben waren, wurde der Verfall des Holzes verhindert. Die Bauten selbst wurden, um Gewicht zu sparen, mit leichten, hohlen Tonziegeln, den mattoni erbaut. Um die Illusion von Marmor oder istrischem Stein zu erzeugen, wurden Wände bei Bedarf mit einem besonderen Putz versehen.

Um eine ungefähre Vorstellung davon zu geben, wie viele Stämme als Grundlage für größere Gebäude nötig waren: die Rialtobrücke ruht angeblich auf 12.000, der Campanile von San Marco auf 100.000 Stämmen. Die Kirche Santa Maria della Salute steht auf rund 1,1 Millionen Pfählen. Die Angaben in der Literatur zur Anzahl der verwendeten Stämme gehen allerdings auseinander, da sich eine genaue Zahl heute kaum noch ermitteln lässt.

Viele venezianische Kirchen und Paläste sind von schlechtem baulichen Zustand und müssten dringend renoviert werden, um sie vor einem endgültigen Zerfall zu bewahren. Gründe dafür liegen zum einen dem seit Jahren steigenden Wasserspiegel, der viele der unteren Geschosse unbewohnbar macht. Zum anderen liegt es daran, dass seit dem Ende der Republik Venedig die seit Jahrhunderten üblichen sorgfältigen Pflegemassnahmen an Bauten und Kanälen vernachlässigt wurden. Das Strömungsverhalten von Ebbe und Flut wurde zusätzlich durch das Ausbaggern tiefer Fahrrinnen für die Überseeschiffe, die den Hafen von Venedig ansteuern, ungünstig beeinflusst, so dass Fundamente unterspült wurden. Eine Reihe von Häusern und Palästen fiel dadurch in sich zusammen.

Straßen und Plätze

Neben unzähligen Gassen, Gässchen, Sackgassen, Durchgängen und Uferstreifen, die als calli, salizzade, rughe, liste, rami, sottoporteghi, rii terrà und fondamenta bezeichnet werden, sowie Plätzen und Plätzchen mit der Bezeichnung campi und campielli gibt es in Venedig auch eine strada (Strada Nova) und drei vie (Via 25 aprile, Via Vittorio Emanuele und Via Garibaldi) in der Stadt. Nur der Markusplatz wird piazza (Platz) genannt, der Bahnhofsvorplatz heißt piazzale Roma. Viele dieser Verkehrswege haben als Namen die Bezeichnung der ehemaligen, dort ansässigen Gewerbe, bzw. Berufsvereinigungen.

Die Straßen haben besondere Namen. Die Hauptstraßen „rughe“ (vom französischen „rue“) und die „salizade“ von „selciate“, d.h. die ersten mit richtigem Pflaster, sind in ihrer Anzahl begrenzt. „Cale“ oder „calle“ werden die engeren Straßen genannt, und „fundamenta“ heißen die Straßen längs der Kanäle, die auch als Fundament für die Bauten dienen. „Lista“ ist das Stück Weg in der Nähe der wichtigen Paläste und der Botschaften, die eine besondere Immunität genossen. Die „Mercerie“ sind die Straßen mit den Geschäften (merce = Ware), die „rive“ (Ufer) verlaufen längs der Seitenkanäle, sind oft auch nur Treppen, die zum Wasser hinunterführen. Die „rii tera“ sind die aufgeschütteten Kanäle, die „rami“ (Zweige) kurze Straßen, die von einer calle oder einem campiello ausgehen. Der „campo“ ist der Platz, an dem eine Kirche steht, ein größerer Freiraum, der früher Gemüsegarten oder Weideland für die Pferde war. „Campiello“ ist der von Häusern umgebene Platz, auf den die calli münden, „corti“ sind die Innenhöfe der Häuser. „Paludo“ erinnert daran, dass diese Gegend früher versumpft war, anstelle der „pissine“ befanden sich Teiche, wo man baden und fischen konnte. Das „sotoportego“ geht unter den Häusern durch und verbindet calli, campielli und corti.

Kanäle

Venedig besitzt ca. 175 Kanäle mit einer Gesamtlänge von ca. 38 km. Noch heute werden sie in erheblichem Umfang für den Warentransport genutzt. Wasserbusse (vaporetti) wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Für ihren Betrieb zeichnet heute die städtische Verkehrsgesellschaft ACTV (Azienda del Consorzio Trasporti Veneziano) verantwortlich.

Das Wasser in den Kanälen stand früher einmal nicht still, sondern hob und senkte sich alle sechs Stunden wie bei jeder Stadt am Meer. Der Gezeitenunterschied betrug allerdings nur 60 cm. Durch ein sehr raffiniertes, aber auch personalintensives System von Wasserregulationen wurde eine ständige Zirkulation gewährleistet, die die Stadt und das Wasser auch reinigte. Heute ist das Wasser der Kanäle aus mehreren Gründen kaum mehr in Bewegung - abgesehen von der wechselnden Höhe der Hochwasser.

Die Kanäle waren ursprünglich ausgelegt auf ca. 1,85 Meter Tiefe. Seit der Zeit der Dogen wurden sie nicht mehr gereinigt, d.h. seit dem ausgehenden 18. Jh. Es sammelte sich natürlich Schlamm an bis zu einer Tiefe von einem Meter. Das führt nicht nur zu einem unangenehmen Geruch, besonders wenn der Wasserspiegel sinkt. Sondern schlimmer ist, dass dadurch die alten Kanalisationsanlagen blockiert werden. Die Kanäle verlieren ihre reinigende Wirkung und die Schadstoffe bleiben im Schlamm, obwohl es Vorrichtungen an den Häusern gibt, um die Kanäle zur Reinigung absperren zu können.

Die Regulierung des Wassers, der Flüsse und Kanäle wurde in der Anfangszeit Venedigs zu einer lebenswichtigen Aufgabe der aufstrebenden Kommune und förderte die Ausbildung einer effektiven Verwaltung.

Nicht weniger wichtig als die vorgenannten Landverkehrswege sind die Verbindungen derselben, die angeblich vierhundertvierundvierzig Brücken von Venedig. Bis 1480 waren diese aus Holz, später wurden sie durch Steinbrücken ersetzt. Die meisten Kanäle kann man als Fußgänger nur überqueren, nicht begleiten. Über den 3,6 km langen, so genannten Ponte della Libertà (Brücke der Freiheit) für KFZ und Eisenbahn ist die Altstadt an das Festland angebunden.

Nach den Informationen aus einer Fernsehsendung vom 5. Dezember 1990 im dritten Programm des Bayerischen Rundfunks zu schließen, ist das Wasser der Kanäle nicht mehr in Bewegung. Eine chemische Analyse des Schlammes, die das zuständige Laboratorium in Maghera durchführte, ergab folgende Werte: Stickstoff total 5.600 Mg/Kg; Phosphor total 2.500; C.O.D. 286.000; Quecksilber 291; Cadmium 1.4; Blei 720; Arsen 177; Zink 2080; Chrom total 96; Kupfer 192; Nickel 136; Öle und Fette 8.000; Zahl in 100 ccm: Colibazillen total 920.000; Colibazillen Fäkalien 550.000; Streptokokken 170.000.

Textquelle: Artikel Venedig. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 31. Oktober 2006, 13:08 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 31. Oktober 2006, 20:37 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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