Stadt

Kathmandu

Flagge

Geschichte

Der Ursprung Kathmandus ist legendenumwoben. Die Göttin Mahalakshmi hatte dem König Gunakama Deva etwa 950 n. Chr. im Traum aufgetragen, eine Stadt am Zusammenfluss von Vishnumati und Bagmati zu gründen und Kantipur zu nennen. Die Stelle ist, wie viele andere Zusammenflüsse, heilig, weil man dort Kanesvara, eine Inkarnation Vishnus findet. Es ist aber davon auszugehen, dass die Stadt zu dem Zeitpunkt bereits bestand und es sich eher um eine Neuordnung von Stadtbereichen und Zuordnung von Schutzgöttern handelte. Gunakama Deva verlegte den Königssitz von Patan nach Kantipur, ließ 18.000 Häuser und den goldenen Brunnen Suvarnapranali bauen. Er brachte Schutzgottheiten in die Stadt, Chandesvari, Rakta Kali (Kankeshvari), Pacali Bhairava, Indrayani, Maheshvari und Lomri, die heute noch in Kathmandu verehrt werden.

Die Geschichte Kathmandus ist eng mit der des Tales verwoben. Das Tal war schon 800 v. Chr. bis 300 n. Chr. unter der Herrschaft der Kirati (wahrscheinlich ein Bergvolk aus Ost-Nepal) ein blühendes Handelszentrum. Um 300 n. Chr. fiel die Macht in die Hände der aus Indien stammenden Licchavi-Dynastie, die den Hinduismus und das Kastenwesen mitbrachten. Von Chinesischen Reisenden im 7. Jh. stammen Berichte, dass Buddhismus und Hinduismus friedlich nebeneinander existierten. Der Blütezeit unter den Licchavis folgte eine Zeit der Instabilität über die wenig bekannt ist. Für das 9. Jh. sind im Kathmandutal einige Stadtgründungen belegt.

Im Jahre 1382 gerät das gesamte Tal unter die Herrschaft der Newaren unter Jayastithi Malla, dem Begründer der noch heute verehrten Malla-Dynastie. Drei Generationen später wird das Reich unter drei Brüdern und einer Schwester aufgeteilt, jeweils mit den Hauptstädten Kantipur, Lalitpur, Bhadgaon und dem östlich an das Kathmandutal angrenzende Banepa. Die Konkurrenz unter diesen vier Städten führte zu einer Blüte in der Kunst. In allen drei Städten entstehen, hauptsächlich von Newar-Künstlern, Tempelbezirke mit prächtigen Pagoden und Palästen. Rinnsteine, Wasserbecken und öffentliche Wasserstellen werden angelegt. Der Wohlstand der Stadt beruhte auf den blühenden Handel und Zolleinnahmen.

In der Regierungszeit Mahendra Mallas wird im 16. Jh. der Bereich um den Palast mit bedeutenden, reich verzierten Gebäuden ausgestattet. Um 1560 entsteht mit dem dreigeschossigen, auf einer Stufenpyramide stehenden Taleju-Tempel der erste Monumentalbau im Kathmandutal und Pashupathinath am Bagmatiufer. König Pratapa Malla ließ den Palast zur heutigen Größe ausbauen und u. a. auch den Rani Pokhari anlegen. Pratapa, der sich als König der Poeten betrachtete, ließ 1654 das „Gebet zu Kali“ in 15 Sprachen in einer Wand des Königspalastes meißeln.

1768 wurden Kathmandu und Patan von Truppen des Prithvi Narayan Shah aus Gorkha eingenommen. Der letzte Malla König hatte noch den Schatz von Pashupatinath geraubt, um die Verteidigung zu bezahlen, und vergeblich die Britische Ostindien-Kompanie zu Hilfe gerufen. Ein Jahr später fielen auch Badgaon und Banepa in die Hände der Gurkhas. Kathmandu wurde zur Residenzstadt der Shah-Dynastie. Die Stadt wird ab Mitte des 19. Jh. nach europäischem Vorbild ausgebaut. Der Kantipath entsteht am Ostrand der Stadt entlang der Stadtmauer mit Palästen, Schulen, Krankenhäusern und Kasernen. Heute stellt diese Straße eine wichtige zentrale Nord-Südachse der Stadt dar.

Die Nachfolger Prithvis Narayans annektierten benachbarte Ländereien und dehnten ihr Reich bis 1790 im Osten bis nach Sikkim und im Westen bis zum heutigen Uttar Pradesh aus. 1816 wird infolge einer verlorenen Schlacht gegen die Engländer, die Indien kolonisiert hatten, zum Unmut der Nepali ein Britischer Beobachter in Kathmandu stationiert. In der Folgezeit zieht sich das Land in völlige Isolation zurück; außer Indern darf kein Ausländer die Grenze übertreten. Noch 1948 ist Nepal eines der größten von Europäern unerforschte Länder der Welt.

Bis 1846 folgt eine Zeit der Intrigen, in der alle Premierminister unter den Shahkönigen entweder ermordet werden oder in den Selbstmord getrieben werden.

Im Jahre 1846 kommt der Soldat Jung Bahadur Kunwar durch einen blutigen Staatsstreich an die Macht, bei dem Dutzende Adlige und über hundert Beamte ermordet werden (Kot Massaker). Die Shahs werden entmachtet, fungieren aber weiter bis 1951 als Marionettenkönige. Kunwar ändert seinen Namen in Rana (König) und begründet damit die Rana-Dynastie, die in den folgenden 100 Jahren die Premierminister mit der eigentlichen Macht stellt. Unter den Ranas entstehen riesige Paläste im Stil des europäischen Neoklassizismus, z. B. der Singh Durbar, die größte Privatresidenz Asiens. Mangels einer Straßenanbindung werden alle Güter bis in die 50er Jahre des 20. Jh. nach Kathmandu getragen, so auch die ersten Autos, z. B. den Rolls Royce der Ranas.

Kathmandu wird im Jahre 1934 Opfer eines schweren Erdbebens, bei dem nur wenige Gebäude der Stadt unbeschadet davonkommen. Die Zerstörung nimmt man zum Anlass, die New Road, eine der heutigen Hauptgeschäftsstraßen der Stadt, als Verbindung der Kantpath mit dem Durbar Marg (Tempelbezirk) zu schaffen.

In den 1970er Jahren war Kathmandu Ziel vieler Aussteiger aus westeuropäischen Ländern

Mit Hilfe Indiens kommt König Tribhuvan 1951 wieder an die Macht und unter seinem Sohn Mahendra tritt in Kathmandu 1959 erstmals ein frei gewähltes Parlament zusammen. Der König fürchtete jedoch an Macht einzubüßen und mit der Begründung, dass die Regierung in den vergangenen vier Jahren zehn mal gewechselt hatte, erklärt er 1960 den Ausnahmezustand, löst das Parlament auf und verbietet alle Parteien. Zwei Jahre später führt er das Panchayat ein, eine halb-demokratische Legislative mit wenig faktischer Macht. 1972 besteigt Mahendras Sohn Birendra den Thron. Die Unzufriedenheit im Volk erreicht 1979 einen Höhepunkt und in Kathmandu kommt es erstmals seit Menschengedenken zu gewalttätigen Demonstrationen. Der König gewährte eine Volksabstimmung, in der das Panchayat-System eine knappe Mehrheit erhielt. Auch nachdem es daraufhin 1981 zu Wahlen kommt (ohne Beteiligung von Parteien), behält der König die absolute Macht. In den 80er Jahren kommt es vor allem in Kathmandu zu zahlreichen Demonstrationen und Unruhen, die von der Polizei brutal bekämpft werden. Die Unruhen gipfeln 1990 in einen großen Aufstand, bei dem am 6. April auf dem Tundikhel 200 bis 300 Menschen ums Leben kamen. Unter dem Druck war der König schließlich gezwungen, das Panchayat System aufzuheben und Wahlen zuzulassen, die im Mai 1991 stattfanden.

Im Juni 2001 spielte sich im königlichen Palast eine Tragödie ab. Nach der offiziellen Untersuchung lief der Kronprinz Dipendra Amok und erschoss 11 Mitglieder der Familie, einschließlich seiner Eltern, ehe er die Waffe gegen sich selbst richtete. Nachfolger wurde der im Volk weitgehend unbeliebte Bruder des Königs, Prinz Gyanendra. Dieser setzte unter der Begründung der ständig wechselnden und inkompetenten Regierungen und des eskalierenden Bürgerkrieges (Maoistenaufstand) am 1. Februar 2005 die Regierung ab, erklärte den Notstand und hob alle demokratischen Freiheiten auf. Die Gemeinderatswahlen im Februar 2006 wurden von allen Parteien boykottiert. Generalstreiks und zahlreiche Demonstrationen zwangen Gyanendra, das Parlament wieder einzusetzen. Die Maoisten beteiligten sich an der Interimsregierung, und das Parlament entzog dem König jede Machtbefugnis. Die für Herbst 2007 angesetzten Wahlen wurden verschoben, da über die Zukunft der Monarchie heftig gestritten wird.

Die Wirtschaft der Stadt hat in dieser unsicheren Zeit schwer gelitten. Zu den zahlreichen Demonstrationen und Streiks, in deren Folge das Geschäftsleben völlig zusammenbricht, kamen zeitweise Belagerungen der Stadt durch Maoisten und die Abschnürung von der Außenwelt. Der Tourismus, wichtige Einnahmequelle sowohl der Stadt als auch des ganzen Landes, blieb über Jahre völlig aus.

Textquelle: Seite „Kathmandu“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Dezember 2010, 17:32 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 27. Dezember 2010, 13:21 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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