Wappen

Brasília

Flagge

Portrait

Brasília ist die Hauptstadt Brasiliens. Sie liegt im Distrito Federal do Brasil (Bundesdistrikt) und hat rund 200.000 Einwohner sowie eine Fläche von 472,12 Quadratkilometer.

In der Metropolregion, die identisch ist mit der Bodenfläche des Bundesdistriktes, leben rund 2,3 Millionen Menschen auf einer Fläche von 5.822 Quadratkilometer. Die Bevölkerungsdichte beträgt 403 Einwohner je Quadratkilometer.

Der Bundesdistrikt stellt kein zusammenhängendes Stadtgebiet dar, sondern wäre - mit seiner recht geringen Bevölkerungsdichte und den dominierenden Agrarflächen - eher mit einem kleinen Bundesstaat vergleichbar.

Geografische Lage

Die Hauptstadt befindet sich auf dem zentralen Hochplateau des Landes in 1.158 m Höhe nahe der Wasserscheide zwischen den Flüssen, die einerseits nach Norden zum Amazonas und andererseits nach Süden zum Río de la Plata fließen, in der Mitte Brasiliens, aber weit entfernt von den anderen Zentren wie São Paulo (872 km), Rio de Janeiro (934 km), Recife (1.653 km) und Belém (1.599 km).

Klima

Brasília liegt in der tropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnitts-Temperatur der Stadt beträgt 20,7 Grad Celsius, die Jahresniederschlagssumme 1.555 Millimeter. Die monatlichen Durchschnittswerte der Temperatur unterscheiden sich kaum. So beträgt der Mittelwert für den wärmsten Monat September 21,7 Grad Celsius und der Durchschnittswert für den kältesten Monat Juli 18,5 Grad Celsius.

 

Der meiste Niederschlag fällt während der Regenzeit zwischen Oktober und April mit 121 bis 246 Millimeter im Monatsmittel, der wenigste in der Trockenzeit zwischen Mai und September mit acht bis 56 Millimeter im monatlichen Durchschnitt.

Geschichte

1891 wurde der Beschluss, eine neue Hauptstadt für Brasilien zu bauen, in der Verfassung verankert. 1893 grenzte man dann ein 14.400 Quadratkilometer großes Gebiet für deren Bau ab. Am 7. September 1922 fand die Grundsteinlegung für Brasília in der Nähe der Stadt Planaltina statt. Der weitere Ausbau der Stadt zur neuen Hauptstadt von Brasilien wurde durch den Präsidenten Juscelino Kubitschek (1902–1976) angeordnet. Anlass war der Bedarf nach einer neutralen föderalen Hauptstadt. Durch die Lage nahe dem geografischen Zentrum des brasilianischen Staatsgebiets sollte die Entwicklung der Infrastruktur des Binnenlandes gefördert werden.

 

Im Jahr 1956 befand sich die Gegend weitab von der Zivilisation. Die Stadt Belem war 2.120 Kilometer entfernt und Rio de Janeiro 1.148 Kilometer. Die nächste Eisenbahnstation lag 125 Kilometer weg, die nächste befestigte Straße war 640 Kilometer entfernt, und der nächste Flugplatz lag in 190 Kilometer Entfernung. Sand und Kies waren zwar verfügbar, aber Bauholz musste aus 1.200 Kilometer und Baustahl aus 1.600 Kilometer Entfernung geholt werden.

Mit der Umgestaltung wurde am 22. Oktober 1956 begonnen. Als erstes Gebäude wurde ein provisorischer Präsidentenpalast gebaut (der sog. "Catetinho"). Bereits am 21. April 1960 war die Planhauptstadt fertiggestellt und wurde von Präsident Kubitschek eingeweiht. Brasília löste damit Rio de Janeiro als neue Hauptstadt des Landes ab. Verantwortlicher Stadtplaner war Lúcio Costa. Der Architekt Oscar Niemeyer trug als Chef des staatlichen Bauamtes die Verantwortung für das Projekt Brasília und entwarf die öffentlichen Gebäude. Als Grundriss für die Stadt wurde die Form eines Flugzeuges gewählt. Sie wird architektonisch von der Kathedrale und dem Parlamentsgebäude geprägt. Dieses Projekt trug damals den Namen „plano piloto“.

Zunächst wurden die Ministerien errichtet. Dann sollten andere zentrale Institutionen übersiedeln. Die Angehörigen der alten Familien, die seit Generationen in Rio de Janeiro wohnten, widersetzten sich jedoch dem Umzug nach Brasilia. Die Regierung setzte deshalb den 7. September 1972 als Datum fest, bis zu dem jeder Staatsbeamte bei Strafe des Verlustes seiner Stellung und jeder Diplomat bei Androhung des Verlustes seiner Immunität in Brasilia Wohnung zu nehmen hatte. Dies führte im letzten Augenblick zu einem Wettrennen um die wenigen leeren Wohnungen.

Am 21. April 1962 wurde die Universität von Brasília eröffnet. Wenig später, am 31. Mai, wurde nach zehn Jahren Aufbau die Kathedrale eingeweiht. 1967 wurde der Fernsehturm fertiggestellt, 1977 das Postamt, 1978 der Stadtpark und 1981 die Zentralbank.

Seit 1987 steht Brasília auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. 1992 ist mit dem Bau der U-Bahn begonnen worden und am 31. März 2001 konnte der erste Streckenabschnitt offiziell eingeweiht werden.

Einwohnerentwicklung

Die eigentliche Stadt Brasília ist mit etwa 200.000 Einwohnern und einer Fläche von 472,12 Quadratkilometer hinter Ceilândia (348.688 Einwohner) und Taguatinga (259.123 Einwohner) nur die drittgrößte im Bundesdistrikt. Die meisten Bewohner leben in den Vorstädten und ländlichen Regionen außerhalb der Stadt Brasília.

 

Die Bevölkerungsentwicklung in der Metropolregion, die identisch ist mit der Bodenfläche des Distrito Federal do Brasil, nahm in den letzten fünf Jahrzehnten eine rasante Entwicklung. Lebten 1950 erst 36.000 Menschen dort, waren es mit 2.277.259 im Jahre 2005 rund 63mal soviel. Der Bundesdistrikt hat eine Fläche von 5.822 Quadratkilometer. Er ist somit etwas kleiner als der Kanton Bern und ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland. Er hat eine Bevölkerungsdichte von 422 Einwohnern je Quadratkilometer.

Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Der Rückgang der Bevölkerung um über 180.000 Menschen zwischen 1985 und 1991 ist auf administrative Maßnahmen und Zwangsumsiedlungen von Menschen mit niedrigem oder keinem Einkommen in die Satellitenstädte in der Umgebung von Brasília zurückzuführen.

Entwicklung der Wohnsituation

In der Stadt Brasília leben heute vor allem Menschen der Mittel- und Oberschicht. Für die Arbeiter, die überwiegend aus dem Nordosten des Landes kamen und die Hauptstadt aufgebaut haben, war in der Planung kein Platz vorgesehen. Der größte Teil von ihnen lebt heute in den Satellitenstädten rund um Brasília. Die Industrie, für die große Areale des Bundesdistriktes freigehalten worden waren, hat sich nicht angesiedelt.

 

Hohe Arbeitslosigkeit und deren soziale Begleiterscheinungen wie hoher Alkohol- und Drogenkonsum sowie ansteigende Kriminalitätsraten prägen das Bild der Vorstädte. Die Lebensqualität in Brasília mit Grünflächen, Versorgungseinrichtungen und guter Infrastruktur ist für die dort lebenden Menschen im Vergleich zu anderen Städten des Landes hoch.

Der Stadt fehlt aber durch wenig vorhandene soziokulturelle Einrichtungen das pulsierende und kulturelle Leben einer Hauptstadt. Die Politiker, Abgeordneten und Angestellten verbringen das Wochenende lieber in anderen Städten des Landes. Die hypermoderne Hauptstadt mit ihren im extravaganten Stil errichteten Gebäuden ist für Brasilien ein Symbol des Fortschritts und bietet mit ihrer klimatischen Beschaffenheit, Lebensqualität, Landschaftsplanung, reicher Vegetation und entschärfter Verkehrssituation noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Bauwerke in Brasilia

Einen guten Überblick über die futuristische Hauptstadt gewinnt man von der Aussichtsplattform des 218 Meter hohen Fernsehturms, dem höchsten Gebäude der Stadt. Er steht an der Monumentalachse, in der Nähe des alten Busbahnhofes, dort wo sich Rumpf und Flügel treffen.

 

Östlich davon wird die Achse von zwei schlanken Türmen des Parlamentsgebäudes und dem See begrenzt. Westlich davon steht das 1981 fertig gestellte Kubitschek-Denkmal. Im Norden und Süden liegen die Wohnbezirke, Hotels und Einkaufszentren. Etwas außerhalb der dicht bebauten Nord- und Südflügel befinden sich das Sportstadion, das meteorologische Observatorium, das Autodrom, der Campingplatz und der Tierfriedhof.

Die Monumentalachse vom Fernsehturm bis zum „Praça dos Três Poderes“ (Platz der drei Gewalten) ist zu Fuß begehbar. Hinter dem alten Busbahnhof steht links das Nationaltheater und auf der rechten Seite die Kathedrale von Brasilia, (portugiesisch: Catedral Metropolitana Nossa Senhora Aparecida nach der Basilika in Aparecida).

Die „Esplanada dos Ministérios“, die Straße der Ministerien, beginnt hinter der Kathedrale. Der „Palácio do Itamaraty“ spiegelt sich in dem das Gebäude umgebenden Wasserbecken.

Das Parlament, der „Congresso Nacional“, steht am Ende der Monumentalachse. Auf der anderen Seite, am „Praça dos Três Poderes“, befinden sich der Präsidentenpalast, der Oberste Gerichtshof und als neuestes Gebäude ein Pantheon zur Erinnerung an Tancredo Neves (1910–1985) – ein Mahnmal für die Demokratie. Auf der linken Seite des Platzes liegt der Amtssitz des Präsidenten, der „Palácio do Planalto“.

Links vom Fernsehturm steht in einem Wohngebiet die Kirche „Igreja Dom Bosco“. Letztere wurde von der Stadt Brasilia zu Ehren ihres Schutzpatrons Johannes Bosco erbaut.

Textquelle: Artikel Brasília. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. Dezember 2007, 19:16 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 2. Dezember 2007, 20:49 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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