Stadt

Kabul

Flagge
Kabul

Portrait

Kabul (persisch کابل‎) ist die Hauptstadt und mit 3.043.589 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005) auch die größte Stadt Afghanistans und sowohl das ökonomische wie auch kulturelle Zentrum des Landes.

Geografie

Die strategische Bedeutung der Stadt ist auf die Nähe zum Khyber-Pass, einer wichtigen Verbindung zwischen Afghanistan und Pakistan, Indien, zurückzuführen. Die Stadt wird vom Fluss Kabul mit Wasser versorgt und verfügt über kein eigenes Kanalsystem.

Geschichte

Die antike Stadt Kabura wurde vor mehr als 2500 Jahren im Tal des Hindukusch von iranischen Stämmen gegründet. Während der Herrschaft der Achämeniden gehörte Kabul zur Satrapie Gandhara und war neben der Hauptstadt Taxila ein wichtiger Handelsknotenpunkt am Hindukusch.

Unter den Kuschanen wurde Kabul ein Zentrum der buddhistisch-iranischen Kultur der Region, wurde aber wenig später von den Sassaniden erobert und wieder dem Perserreich einverleibt.

Kabul wurde im 7. Jahrhundert von den Arabern eingenommen. Vom 7. Jahrhundert bis zum 11. Jahrhundert n. Chr. regierten die hinduistischen Kabulschahian (Könige von Kabul) bzw. Hindushahi (Hindu-Dynastie). Die Islamisierung von Kabul begann mit dem Sendungsbewusstsein der Ghaznawiden im 11. Jahrhundert. 1504 wurde Kabul von Babur (1483-1530) zur Hauptstadt des Mogulreiches gemacht. Nadir Schah von Persien (1688-1747) nahm die Stadt 1738 ein, und sie wurde erst unter Timur Schah, dem zweiten Sohn Ahmad Shah Durranis (der Begründer Afghanistans), im Jahre 1776 zur Hauptstadt von Afghanistan – davor war Kandahar die Hauptstadt des Landes.

Kabul wurde von den Briten 1839 während der afghanischen Kriege eingenommen und 1842 aus Rache teilweise niedergebrannt. Die Briten nahmen die Stadt 1879 nach einem Massaker an britischen Beamten erneut ein.

Die Sowjetunion besetzte die Stadt am 23. Dezember 1979 und machte sie zu ihrem Hauptquartier während des zehnjährigen Konflikts zwischen der mit der Sowjetunion verbündeten Regierung und den Mujahedeen-Rebellen. Siehe auch Afghanischer Bürgerkrieg und sowjetische Invasion

Nach dem Zusammenbruch des Mujahedeen-Regimes 1992 wurde in Kabul einer der längsten und blutigsten Bürgerkriege (1992-1994) in der Geschichte des Landes ausgefochten. In dieser Zeit verloren in den Straßen von Kabul über 50.000 Menschen ihr Leben. Zeitweilig kontrollierten Truppen aus Tadschikistan die Stadt.

1994 bedrohten paschtunische Kämpfer die Stadt. 1995 stehen die von Pakistan unterstützten Taliban-Milizen bis 15 Kilometer vor der Stadtgrenze und erobern Kabul im darauffolgenden Jahr. Die Taliban rufen in Kabul mit seinen 1,2 Millionen Einwohnern einen streng islamischen Staat aus.

Am 12. November 2001 übernahm die Nordallianz die Stadt, nachdem sich die Taliban aus Kabul zurückgezogen hatten.

Derzeit befindet sich die Stadt unter der Kontrolle der UNO, die zusammen mit der ISAF die Sicherheit der Bevölkerung und den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur zum Ziel hat.

Bevölkerung

Kabul ist die wichtigste Siedlung der Tadschiken in Afghanistan. Ihre Sprache, der Kabuler-Dialekt des Persischen (lokal auch Dari genannt), ist die Regierungs- und Wirtschaftssprache des Landes und hat alle anderen Sprachen und Dialekte des Landes maßgeblich geprägt. Die Tadschiken stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung Kabuls, gefolgt von Hazara (ca. 25%) und Paschtunen (ca. 20%). Daneben finden sich noch viele kleinere Gemeinden der Sikhs, Hindus und Usbeken.

Wirtschaft

In Kabul werden hauptsächlich Kleidung, Möbel und Rübenzucker hergestellt, aber die kontinuierliche Kriegsführung seit 1979 hat die ökonomische Produktivität der Stadt stark eingeschränkt.

Verkehr

In der Stadt befindet sich der Kabul International Airport.

Beim Eisenbahnbau in Afghanistan in den 1930er Jahren spielten deutsche Konstrukteure, Baufirmen und Maschinen eine herausragende Rolle. Die Verbindung Dschalalabad - Kabul wurde vom deutschen Konsortium Lenz, Berlin, geplant, existiert heute jedoch nicht mehr.

Die 7 km lange Tram (Straßenbahn) Kabul - Darulaman von 1923 wurde ebenfalls mit deutschen Lokomotiven der Marke Henschel, Kassel betrieben. Während der Talibanzeit wurden die Schienen jedoch abgebaut und als Metallschrott ins Ausland verkauft.

In Kabul war vor dem Bürgerkrieg der Bau einer Metro (U-Bahn) geplant, welcher jedoch nicht umgesetzt werden konnte, da am 27. April 1978 der damalige Ministerpräsident Mohammed Daoud Khan im Zuge eines Staatsstreichs ums Leben kam.

Textquelle: Artikel Kabul. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. November 2007, 23:53 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 1. Dezember 2007, 23:13 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden