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Bratislava

Flagge
Bratislava

Portrait

Bratislava [ˈbracɪslava] (deutsch: Pressburg, ungarisch: Pozsony, weiteres siehe hier) ist die Hauptstadt der Slowakei und mit rund 425.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Sie liegt im äußersten Südwesten in einem Dreiländereck beidseits der Donau, an der Grenze zu Österreich und zu Ungarn. Es ist die einzige Hauptstadt der Welt, die direkt an zwei andere Staaten grenzt.

Das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes ist Sitz der Verfassungsorgane des slowakischen Staatswesens mitsamt deren Ministerien und Verwaltungen sowie Standort mehrerer Universitäten, Museen, Theater und anderer wirtschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Institutionen.

Die Geschichte der Stadt wurde von zahlreichen Ethnien geprägt, wie Kelten, Römer, Awaren, Deutschen (bzw. Österreicher), Magyaren, Juden und Slowaken. Bratislava war im Laufe ihrer Geschichte eines der wichtigsten wirtschaftlichen und administrativen Zentren Großmährens, des Königreichs Ungarn (auch im Rahmen der Österreichischen Monarchie bzw. Österreich-Ungarns), des Königlichen Ungarns und der Tschechoslowakei. Sie war von 1536 bis 1783/1848 Hauptstadt des Königlichen Ungarns bzw. Königreich Ungarns sowie 1939-1945 und seit 1968 Hauptstadt der Slowakei.

Lage

Die Stadt liegt im Südwesten des Landes im Bratislavský kraj. Ihre Lage an der Grenze zu Österreich und zu Ungarn macht Bratislava zur einzigen Hauptstadt der Welt, die unmittelbar an zwei andere Länder grenzt. Die Grenze zu Tschechien liegt 62 km nördlich. Wien, die Hauptstadt Österreichs, befindet sich 60 km westlich von Bratislava. Beide Städte werden neuerdings zusammen auch als Twin City (Zwillingsstadt) bezeichnet und bilden den Mittelpunkt der Europaregion Centrope.

Bratislava befindet sich beiderseits der Donau (slowak. Dunaj), welche das Stadtgebiet von West nach Südost durchfließt. Im Westen des Stadtgebiets liegt die Thebener Pforte (Devínska brána), das Durchbruchstal zwischen dem Braunsberg am südlichen und dem Devínska Kobyla (Thebener Kogel) am nördlichen Ufer. An dieser Stelle mündet die March (Morava) in die Donau; der Mündungsbereich der March umfasst einen kleinen Anteil der Landschaft Záhorie. Die Burg Bratislava in der Mitte der Stadt markiert den Beginn der (slowakischen) Donautiefebene (Podunajská nížina), auf der sich der östliche Teil des Stadtgebiets erstreckt. An der östlichen Stadtgrenze zweigt die Kleine Donau (Malý Dunaj) ab, ein rechter Seitenarm der Donau in der Donautiefebene.

Der Gebirgszug der Karpaten beginnt im Stadtgebiet von Bratislava mit den Devínske Karpaty (Thebener Karpaten), dem südwestlichsten Abschnitt der Kleinen Karpaten (Malé Karpaty). Die Stadt bedeckt eine Fläche von 367,58 km², womit sie hinter Vysoké Tatry die flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde des Landes ist. Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt auf 126 m ü. HN an der Donau, die höchstgelegene Stelle ist der Gipfel des Devínska Kobyla auf 514 m ü. HN.

Bratislava grenzt an folgende Gemeinden: Stupava, Borinka und Svätý Jur im Norden, Ivanka pri Dunaji und Most pri Bratislave im Osten, Rovinka, Dunajská Lužná und Šamorín im Südosten, das ungarische Rajka im Süden sowie die österreichischen Gemeinden Deutsch Jahrndorf, Pama, Kittsee, Wolfsthal, Hainburg an der Donau, Engelhartstetten und Marchegg im Westen.

Klima

Bratislava liegt in der gemäßigten Zone und im Bereich des Kontinentalklimas mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Die Sommer sind in der Regel warm und trocken, die Winter kalt und feucht. Insgesamt weist Bratislava mit jährlich 667 mm nur geringe Niederschlagsmengen auf. Es verzeichnet zudem längere Trockenperioden und liegt in einer der wärmsten und trockensten Gegenden des Landes. Die mittlere Lufttemperatur beträgt im Stadtzentrum durchschnittlich 10,7 °C. Die Übergangszeit im Frühling und Herbst ist meist nur kurz. Devín und Devínska Nová Ves sind regelmäßig durch Überschwemmungen gefährdet.

Bevölkerung

Laut der Volkszählung 2001 hatte die Stadt 428 672 Einwohner (für das Jahr 2005 lautet die Schätzung auf 425 459). Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrug 1157 Einw./km². Der bevölkerungsreichste der fünf Bezirke ist Bratislava V mit 121 259 Einwohnern, gefolgt von Bratislava II mit 108 139, Bratislava IV mit 93 058, Bratislava III mit 61 418 und Bratislava I mit 44 798. Die größte Ethnie sind die Slowaken mit 391 767 Einwohnern (91,37 %), gefolgt von Magyaren mit 16 541 (3,84 %), Tschechen mit 7972 (1,86 %) und Deutschen mit 1200 (0,28 %). Weitere ethnische Gruppen sind Mährer (635 Einw.), Kroaten (614 Einw.), Russinen (461 Einw.), Ukrainer (452 Einw.), Roma (417 Einw.) und Polen (339 Einw.).

Im Jahr 2001 waren 243 048 Einwohner (56,7 %) Römisch-Katholiken, 24 810 (5,8 %) Lutheraner, 3163 (0,7 %) Griechisch-Katholiken, 1918 Calvinisten, 1827 Zeugen Jehovas, 1616 Orthodoxe, 748 Juden, 737 Methodisten und 613 Baptisten. 125 729 Einwohner (29,3 %) bezeichneten sich als Atheisten oder machten keine Angaben.
Im Mittelalter wurde die Stadt überwiegend von Slowaken bewohnt. In der Neuzeit, bis weit ins 19. Jahrhundert hinein waren die Deutschen die dominierende ethnische Gruppe der Stadt.[17] Gemäß der Volkszählung von 1850/51 hatte Bratislava 42 238 Einwohner. Davon waren 31 509 (74,59 %) Deutsche, 7586 (17,9 %) Slowaken und 3154 (7,4 %) Magyaren. Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 setzte eine intensive, von der ungarischen Regierung geförderte Magyarisierung ein. 1890 wurden 52 441 Einwohner gezählt, davon 31 404 (59,9 %) Deutsche, 10 433 (33,2 %) Magyaren und 8709 (16,6 %) Slowaken. Unmittelbar nach der Gründung der Tschechoslowakei wurden im August 1919 36 % Deutsche, 33 % Slowaken, 29 % Magyaren und 1,7 % andere gezählt. 1930 wurden bereits 25% Deutsche, 33% Slowaken, 23 % Tschechen, 16 % Magyaren und 3,833 % Juden gezählt, d.h. die Bevölkerungsstruktur wurde vor allem durch Zuzug von Tschechen und Erfassung von Juden verändert. Die Gründung der ersten slowakischen Republik im Jahr 1939 hatte die Ausweisung vieler Tschechen und Juden zur Folge. Vor dem Kriegsende wurden zudem die meisten deutschen Einwohner von den deutschen Behörden evakuiert, die wenigen verbliebenen Deutschen später aufgrund der Beneš-Dekrete vertrieben. Dadurch verlor die Stadt ihren multikulturellen Charakter. Seit den 1950er Jahren bilden die Slowaken die dominierende ethnische Gruppe mit einem Anteil von über 90 %. Nach der Wende 1989/90 und dem Fall des eisernen Vorhangs gewann die deutsche Sprache aufgrund der Lage der Stadt an der Sprachgrenze sowie auch aus wirtschaftlichen und touristischen Gründen wieder an Bedeutung. Die Öffnung nach Westen führte auch zu einem Einzug des Englischen in alle Lebensbereiche, weshalb Bratislava heute teilweise wieder an die mehrsprachige und multikulturelle Tradition seiner Vergangenheit anknüpfen kann.

Textquelle: Artikel Bratislava. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. Dezember 2007, 08:57 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 4. Dezember 2007, 14:54 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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