Stadt

Eriwan

Flagge
Eriwan

Geschichte

Vorgeschichte und Antike

Das Gebiet Eriwans ist seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Befestigte Siedlungen aus der Bronzezeit kann man in Shengavit, Tsitsernakaberd, Karmir Blur, Arin Berd, Karmir Berd und Berdadzor finden. Die urartäische Siedlung namens Erebuni ist seit 782 v. Chr. nachweisbar. Sie wurde von dem König Argišti I. gegründet, um die Reichsgrenze im Norden gegen den Kaukasus zu schützen. Die Urartäer bauten auch Bewässerungsanlagen und Speicherbecken. 585 v. Chr. wurde die urartäische Festung Teischebani durch Skythen und Meder zerstört.

Zwischen dem 6. und 4. Jh. v. Chr. war Eriwan eines der Zentren der Satrapie Armenien im Achämenidenreich. Die erste Kirche in Eriwan war die St. Peter und Paul Kirche, die im 5. Jh. gegründet und 1931 beschädigt wurde.

Muslimische Herrschaft

Eriwan wurde im Jahr 658 durch die Araber erobert. Seit dem war es strategisch wichtig als Schnittpunkt der Karawanenrouten zwischen Indien und Europa. Zwischen dem 9. und 11. Jh. war Eriwan ein Teil des Reiches der Bagratiden, bevor es von den Seldschuken überrannt worden ist. Im Jahre 1387 eroberten die Truppen des Timur Lenk Eriwan. Wegen seiner strategischen Wichtigkeit wurde Eriwan zu einem Zankapfel zwischen Persien und den Osmanen.

Auf dem Höhepunkt dieser Kämpfe wechselte Eriwan in den Jahren 1513 und 1737 14-mal zwischen den beiden Reichen hin und her. 1604 wurden zehntausende Armenier und somit auch Einwohner Eriwans auf Befehl des persischen Schahs Abbas I. nach Persien deportiert. Als Konsequenz machten die Armenier später im Khanat Eriwan nur noch 20 % aus, während 80 % Muslime (Perser, Türken, Kurden) waren. Die Muslime waren entweder sesshaft oder nomadisch. Die Armenier lebten in Eriwan oder den Dörfern. Sie dominierten in der Region verschiedene Berufe und den Handel, so dass sie ökonomisch gesehen für die Perser wichtig waren. Die Osmanen, Safawiden und Ilchane hatten Münzprägestätte in Eriwan. In den 1670ern besuchte der französische Reisende Jean Chardin die Stadt.

Am 7. Juni 1679 zerstörte ein verheerendes Erdbeben die Stadt. Während der Safawiden waren Eriwan und die umliegenden Gebiete Teil des Chukhursaad Beglerbegs. Seit 1747 war es Teil des Khanat Eriwans, das ein muslimisches Fürstentum unter persischer Oberherrschaft war. Dies blieb so, bis General Graf Iwan Fjodorowitsch Paskewitsch am 13. Oktober 1827 die Stadt für das Zarenreich Russland einnahm. Mit dem Frieden von Turkmantschai ging es in russischen Besitz über.

Russische Herrschaft

Die russische Regierung unterstützte armenische Siedler aus der Türkei und Persien, sodass die Bevölkerung Anfang des 20. Jh. auf 29.000 anstieg, wobei 49 % Aserbaidschaner/Tataren, 48 % Armenier und 2 % Russen waren. Eriwan war der Sitz des neu gegründeten Oblast Armeniens und nachher des Gouvernements Eriwan.

Die ökonomische und politische Bedeutung der Stadt wuchs und alte Häuser wurden durch neue Gebäude im europäischen Stil ersetzt. 1829 wurden armenische Rückkehrer aus Persien in einem neuen Stadtviertel angesiedelt. Als der Zar Nikolaus I. 1837 Eriwan besuchte, wurde die Stadt zu einem Ujesd erhoben.

1854 wurden die beiden Frauenhochschulen St. Hripsime and St. Gayane eröffnet und 1874 eröffnete Zacharia Gevorkian die erste Druckerei. Das erste Theater der Stadt wurde 1879 eröffnet. Anfang des 20. Jh. verband eine Bahnlinie Eriwan mit Alexandropol, Tiflis und Dschulfa. Gleichzeitig war die erste öffentliche Bücherei in Eriwan eröffnet. 1913 ging ein Telefonnetz mit 80 Teilnehmern in Betrieb. Ein Großneffe des Napoléons I. namens Louis Joseph Jérôme Napoléon war im frühen 20. Jh. Gouverneur der Provinz Eriwan.

Kurze Unabhängigkeit

1917 ging das Zarenreich mit der Oktoberrevolution unter. Die Völker des Kaukasus' erklärten sich für unabhängig und gründeten die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik. Doch nach nur einem Monat zerbrach die Föderative Republik und Eriwan wurde Hauptstadt der Demokratischen Republik Armenien. Am 29. November 1920 besetzte die 11. Rote Armee Eriwan während des russischen Bürgerkrieges. Nachdem die Nationalisten die im Februar 1921 zurück eroberten, ging sie am 2. April 1921 wieder verloren.

Sowjetunion

Eriwan wurde zur Hauptstadt der Armenischen SSR und machte eine große Entwicklung durch. Unter dem Architekten Alexander Tamanian wurde das Stadtbild radikal geändert. Viele historische Gebäude, wie Kirchen, Moscheen, die persische Festung, Bäder, Bazare und Karawansereien wurden abgerissen. Viele Stadtdistrikte wurden nach den alten armenischen Heimatorten des osmanischen Reiches benannt. So wurden die Distrikte Arabkir, Malatya-Sebastia und Nork Marash nach den heute türkischen Städten Arapgir, Malatya, Sivas und Marasch benannt. In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 115 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs. Die Kriegsgefangenen wurden beim Bau von Gebäuden und Brücken eingesetzt.

Zum 50. Jahrestag des Armenischen Völkermordes fanden 1965 in Eriwan antisowjetische Proteste statt, die darauf zielten, die Sowjetunion zu Anerkennung des Völkermordes zu bewegen. 1968 wurde der 2750. Jahrestag der Stadt begangen.

Eriwan spielte eine Schlüsselrolle in der armenischen nationalen demokratischen Bewegung, die in der Regierungszeit des Michail Gorbatschows entstand. Die Reformen im Zuge der Glasnost und Perestroika ermöglichten es über Fragen und Themen wie den Status Bergkarabachs, Umwelt, Russifizierung, Korruption, Demokratie und eine eventuelle Unabhängigkeit.

Seit 1991

Seit 1991 ist Eriwan die Hauptstadt des unabhängigen Armeniens.

Textquelle: Seite „Eriwan“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. August 2009, 12:08 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 14. Oktober 2009, 19:24 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden