Stadt

Baku

Flagge

Portrait

Karte von Aserbaidschan mit Baku
Golbez (CC|by-sa|2.5)

Karte von Aserbaidschan mit Baku

Baku (aserbaidschan. Bakı/ باکی; russ. Баку/Baku) ist die Hauptstadt Aserbaidschans. Mit zwei Millionen Einwohnern in der Stadtprovinz ist Baku die bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt des Landes und des gesamten Kaukasus. Die Stadt an der Küste des Kaspischen Meeres ist Verkehrsknotenpunkt sowie Wirtschafts- und Kulturzentrum mit mehreren Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen. Durch die Lage innerhalb eines Erdölfördergebiets ist Baku der Knotenpunkt mehrerer Erdölleitungen und besitzt einen bedeutenden Erdölhafen. Baku kann aufgrund seiner günstigen Lage an mehreren historischen Handelswegen auf eine reiche Stadtgeschichte zurückblicken. In der Altstadt, die seit 2000 den Status eines UNESCO-Welterbes hat, sind zahlreiche Paläste, Moscheen und Festungsbauten erhalten geblieben.

Geografische Lage

Hafen in Baku, Aserbaidschan
Public Domain

Hafen in Baku, Aserbaidschan

Baku liegt knapp unter dem Meeresspiegel, südlich auf der Apscheron-Halbinsel an der Westküste des Kaspischen Meeres. Die Stadt ist von mehreren Süßwasserseen umgeben, darunter der Boyukshorsee, der mit zehn Qudratkilometern der zweitgrößte See des Landes ist. Im Westen und vereinzelt im Osten erhebt sich eine Hügellandschaft bis 200 Meter Höhe über Normalnull. Baku gilt als südöstlichste Hauptstadt Europas.

Stadtgliederung

Baku ist in elf Bezirke (Binəqədi, Əzizbəyov, Xətai, Qaradağ, Nərimanov, Nəsimi, Nizami, Sabunçu, Səbail, Suraxanı, Yasamal) und 48 Stadtgemeinden eingeteilt. Dazu zählen Gemeinden auf Inseln und Inseln auf Stützen, die so genannten Ölfelsen, teilweise 100 Kilometer von Baku entfernt im Kaspischen Meer.

Klima

Baku panorama

Baku panorama

Das Klima ist sonnig und trocken mit gelegentlich aufkommenden orkanartigen Winden. In den Wintermonaten (Dezember bis Februar) können die Temperaturen kaum unter den Gefrierpunkt absinken. Im Sommer – besonders in den Monaten Juli und August – sind Temperaturen von über 40 Grad Celsius keine Seltenheit. Regen ist im Sommer kaum zu erwarten.

Name

Es gibt verschiedene Theorien über die Herkunft des Namens Baku, die populärste ist die Ableitung von persisch bad kube (windig; persisch bad = Wind, kube = schlagend), was so viel wie Stadt der Winde bedeutet.

Geschichte

Archäologen datierten erste Funde einer Siedlung auf das Jahr 8000 vor Christus.

Im 12. Jahrhundert machte einer der damaligen Lokalherrscher, der Schirwanschah Ahistan I., Baku zu seiner Hauptstadt, nachdem die alte Hauptstadt Shamakha von einem Erdbeben zerstört wurde.

Baku besteht aus drei Stadtteilen:

  • der Altstadt (aserbaidschanisch İçəri Şəhər),
  • der Gründerzeitstadt,
  • der sowjetischen Stadt.

Die Altstadt liegt im Zentrum Bakus und ist gleichzeitig eine Festung. Im Jahr 2000 wurde das Viertel innerhalb der Festungsmauern zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. Die meisten Mauern und Türme, die nach der russischen Eroberung 1806 verstärkt wurden, stehen seit persischer Zeit. Das Viertel mit einem Labyrinth aus engen Straßen und alten Häusern ist pittoresk. Weltberühmt sind der Palast der Khane von Schirwan, die Karawansereien, der Jungfrauenturm aus dem 11. Jahrhundert, die Bäder und die Djuma Moschee. Die Altstadt hat dutzende kleiner Moscheen, oft ohne ein Zeichen, das sie von anderen Gebäuden unterscheidet.

Die Gründerzeitstadt im Süden der Altstadt wurde nach dem enormen Ölboom zum Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. 1873 kam Robert Nobel nach Baku. Der ältere Bruder von Ludvig und Alfred Nobel gründete in Baku die Ölgesellschaft Nobel Brothers Petroleum Producing Company. Die Firma wurde in wenigen Jahren das führende Unternehmen auf dem Weltmarkt. Die Ölkönige von Baku ließen sich neugotische und Jugendstilpaläste von westeuropäischen Architekten erbauen.

Von 1898 bis 1902 war der in Aserbaidschan geborene deutsche Ingenieur Nikolaus von der Nonne Oberbürgermeister von Baku. Zur Bekräftigung der russischen Herrschaft entstand 1888-1898 die monumentale Alexander-Newski-Kathedrale (Baku), die während der Phase des militanten Atheismus unter Stalin 1935 abgerissen wurde.

Der Ölboom endete nach der russischen Revolution 1917. Wütende Arbeiter randalierten in Baku. Nach dem Sieg der Bolschewiki wurden die Ölkönige enteignet, die Nobels mussten Aserbaidschan verlassen. In den Millionärsanwesen sind heute vor allem Kunst-, Geschichts- und Literaturmuseen untergebracht. Manche befinden sich aber auch in Privatbesitz und sind an Ausländer vermietet. Andere haben in den Zeiten des Umsturzes 1992/1993 den Besitzer gewechselt und bieten Verwandten der herrschenden Əliyev-Familie ein angenehmes Leben.

Baku wurde im September 1918 zur Hauptstadt der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik. Der Regierungssitz befand sich bis zum 28. April 1920 in Baku. Am 27. April 1920 marschierten die bolschewistischen Truppen in die aserbaidschanische Hauptstadt ein und okkupierten das Land. Hauptziel der Sowjetunion unter Lenin war auch hier, direkt an die Erdölvorräte zu kommen. Die nationale Regierung begab sich ins Exil, zuerst nach Polen und Deutschland, später in die Türkei. Baku wurde Hauptstadt der Aserbaidschanischen SSR, die mit der Auflösung der UdSSR 1991 unabhängig wurde. Einige Monate vor der Unabhängigkeitserklärung kam es in Baku zu einem Pogrom an dort lebenden Armeniern, das eine Fluchtwelle nationaler Minderheiten auslöste.

Im November 2000 traf ein Erdbeben mit der Stärke 6,7 auf der Richterskala die Stadt und beschädigte auch die Baudenkmäler der Altstadt. 2003 setzte deshalb das Welterbekomitee diese auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Diese Eintragung wird seitdem dadurch gefährdet, dass die Regierung keinen ausreichenden Plan zum Schutz der Altstadt vor unkontrollierten Bautätigkeiten vorlegen kann. Die Bauspekulation, selbst auf historisch wertvollen Grundstücken, hat sich auch der Altstadt bemächtigt, zum Beispiel mit dem Bau von hochpreisigen, oft hoch aufragenden Wohn- und Bürokomplexen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Die Altstadt wird von einem Festungsring umgeben, in dem zahlreiche historische Bauwerke erhalten geblieben sind. Ein markantes Bauwerk der Stadtbefestigung ist die Burg Dschebachan aus dem 14. Jahrhundert, die seit dem 20. Jahrhundert freigelegt und erforscht wird. In der südlichen Altstadt liegt der Palast der Schirwanschahs, ein Gebäudeensemble mit Wohnpalast, Mausoleum, dem so genannten Jungfrauenturm (siehe Qız Qalası), die Schah-Moschee, das Murad-Tor, die Key-Gubad-Moschee, Versammlungshaus und Badehaus. Zu den zahlreichen moslemischen und jüdischen Sakralbauten Bakus gehört die Mohammed-Moschee aus dem 11. Jahrhundert und der ehemalige Feuertempel Ateschgah. Außerhalb der Altstadt wird die Stadtsilhouette von Wohn- und Geschäftshochhäusern und dem 310 m hohen Fernsehturm Azeri dominiert. Parallel zur Meeresküste verläuft der Baku Boulevard, der als Parkanlage ausgestaltet wurde und dessen Ursprünge bis in das 19. Jahrhundert reichen.

Museen

Das größte Kunstmuseum Aserbaidschans ist das Rustam Mustafayev Staatsmuseum der Künste in Baku. Seit seiner Gründung im Jahr 1936 werden über 3000 Exponate in 60 Räumen gezeigt, die sich auf zwei Gebäude verteilen. Schwerpunkte der Sammlung liegen bei aserbaidschanischer, russischer und europäischer Kunst, ferner bei persischen, türkischen, chinesischen und japanischen Künstlern.

Weitere erwähnenswerte Museen sind das Museum für angewandte Kunst und Nizami-Museum für aserbaidschanische Literatur. In der Hügellandschaft südlich der Altstadt liegt der Märtyrerfriedhof. Er ist dem Andenken jener gewidmet, die ihr Leben im Krieg mit Armenien verloren haben, aber auch jener 137 Menschen, die am 19. und 20. Januar 1990 getötet wurden, als sowjetische Panzer die Straßen von Baku einnahmen.

Theater, Musik und Nachtleben

Bakus Kleinkunstbühnen, Musik- und Schauspieltheater bieten ein großes Repertoire an internationalen und nationalen Bühnenstücken und Aufführungen. Das Staatliche Akademische Theater für Oper und Ballett (Axundov adına Azərbaycan Dövlət Akademik Opera və Balet Teatrı) zeigt Opern, Operetten und Balletts. Das renommierte Theaterhaus wurde von dem armenischen Architekten Nikolai Bayev entworfen und 1911 eröffnet. Die Staatliche Philharmonie (Maqomayev adına Azərbaycan Dövlət Filarmoniyası) ist die wichtigste Konzerthalle Aserbaidschans und gilt wegen ihrer ausgezeichneten Akustik als vorbildlich. Gebaut wurde sie von 1910–1912 als Clubhaus im Stil der italienischen Renaissance, nach 1936 begann der Umbau zu einem Konzerthaus. Heute ist sie die Heimspielstätte von sieben Orchestern und Chören, darunter das Staatliche Aserbaidschanische Sinfonieorchester. Eine große Veranstaltungshalle ist außerdem der Heydar-Aliyev-Palast, in dem regelmäßig Konzerte stattfinden.

Baku ist für sein pulsierendes Nachtleben bekannt. In einem Ranking des Reiseführers Lonely Planet kam Baku in die Top 10 der weltweit besten Ziele für städtisches Nachtleben. Zahlreiche Clubs, Bars, Restaurants und Cafés konzentrieren sich um den Fontain Square.

Verkehr

Baku ist mit dem Heydar Aliyev International Airport ein regionales Drehkreuz des internationalen Luftverkehrs. Der Flughafen ist mit einer Schnellstraße mit dem 25 km westlich liegendem Stadtzentrum verbunden. Es ist der Heimatflughafen der Azerbaijan Airlines, außerdem wird er unter anderem von British Airways, Lufthansa und Turkish Airlines bedient.

Nahezu alle wichtigen Autobahnen und Schnellstraßen in Aserbaidschan führen auf Baku zu und münden in die Izmirstraße im Westen der Stadt: M1 von Westen, M2 von Norden und M3 von Süden. Über das Kaspische Meer fahren Fähren nach Turkmenistan und in den Iran. Regionale und überregionale Eisenbahnverbindungen bestehen vom Hauptbahnhof Baku nördlich der Altstadt aus. Im Oktober 2007 begann der Bau der Bahnstrecke Kars–Achalkalaki–Tiflis–Baku, die Aserbaidschan nach Fertigstellung an das europäische Eisenbahnnetz unter Umgehung Russlands anschließen wird.

Der öffentliche Personennahverkehr stützt sich auf eine U-Bahn und Stadtbusse. Die Metro Baku ist 1967 eröffnet worden und umfasst ein Betriebsnetz von 21 Stationen auf zwei Linien mit einer Gesamtlänge von 32,1 Kilometern. Einige U-Bahnhöfe sind opulent gestaltet, etwa mit Mosaiken.

Wirtschaft

Die Grundlage der Wirtschaft von Baku ist das Erdöl. Die Existenz des Erdöls ist seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Im 15. Jahrhundert wurde das Öl für Lampen von Quellen entnommen, die an die Oberfläche traten. Bereits 1848 fand in Baku die erste Ölbohrung der Welt statt. Die wirtschaftliche Ausbeutung des Erdöls begann 1872 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Ölfelder von Baku die größten der Welt. Sie erbrachten damals die Hälfte der Welterdölproduktion. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren die Ölreserven an Land jedoch erschöpft und die Bohrungen wurden in das Kaspische Meer ausgedehnt. Am 25. Mai 2006 wurde die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline in Betrieb genommen, mit 1.760 Kilometern Länge die längste und technisch aufwändigste Pipeline der Welt. Nach den Plänen des amerikanischen Kaspischen Pipeline-Konsortiums CPC sollten außerdem zwei weitere Ölpipelines von Baku nach Supsa sowie nach Noworossijsk gebaut werden, um u.a. das Tengis-Ölfeld im nordwestlichen Kasachstan mit dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk zu verbinden.

Baku ist eines der bedeutendsten Zentren für die Produktion von Ausrüstungen für die Ölindustrie. Im Zweiten Weltkrieg ging es bei der Schlacht um Stalingrad um die Kontrolle über die Ölfelder von Baku.

Wissenschaft und Bildung

Als einer der bedeutenden Bildungs- und Wissenschaftszentren der Kaukasus-Region beherbergt Baku mehrere Universitäten, Hochschulen, Berufsschulen und Institute. Die Universität von Baku (Bakı Dövlət Universiteti) wurde 1919 als erste Hochschule gegründet. Weitere Hochschulen sind die Technische Universität, Staatliche Erdölakademie, Musikhochschule, Baku-Slavic-Universität sowie sechs weitere öffentliche Universitäten und Akademien. Nach der Unabhängigkeit Aserbaidschans entstanden ab 1991 weitere private Hochschulen und Universitäten. Baku ist außerdem Sitz des Aserbaidschanischen Institut der Wissenschaften, das 1945 gegründet wurde.

Textquelle: Seite „Baku“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. November 2010, 20:01 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 27. November 2010, 23:17 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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