Stadt

Kalkutta (Kolkata)

Flagge

Geschichte

Ursprung 

Der Name der Stadt leitet sich von dem Fischerdorf Kalikata her, welches 1495 vom bengalischen Dichter Bipradas Pipilai zum ersten Mal erwähnt wird. Der Name bedeutet „schwarzes Tor“ oder „Tor der Göttin Kali“. 1596 berichtet der Historiker Abul Fazl (1551–1602) in seinem Werk „Ain-i-Akabari“ über den Ort.

Als der Brite Job Charnock (1630–1692), Direktor der Britischen Ostindien-Kompanie, am 24. August 1690 das Hauptquartier der Gesellschaft in Sutanuti am Ostufer des Hugli gründete, war das Flussufer bereits von den Handelsniederlassungen anderer europäischer Länder gesäumt. Neben den Briten, deren Basis zuvor in dem Ort Hugli am Westufer lag, hatten sich die Franzosen in Chandannagar, die Niederländer und Armenier in Chunchura, die Dänen in Serampore, die Portugiesen in Bandel, die Griechen in Rishra und die Deutschen in Bhadreswar eingerichtet. Gleichwohl berühmten sich die Briten mit Charnock lange Zeit der Gründung der Stadt.

Mit armenischer finanzieller Unterstützung kaufte die Ostindien-Kompanie Land um Sutanuti und stellte im Jahre 1699 ihre erste Festung in der Region fertig, genannt Fort William, nach dem König von England und Schottland, William III. (1650–1702). Nur wenige Jahre später legte die Ostindien-Kompanie Sutanuti und zwei weitere Dörfer zur Stadt Kalkutta zusammen. 1715 handelte eine Delegation am Mogulhof in Delhi weitere Handelsrechte und die Übernahme mehrerer Dörfer und Städte an beiden Ufern des Hugli aus.

Aufstieg und Blütezeit

Am 19. Juni 1756 eroberte der Nawab von Murshidabad, Siraj-ud-Daula (1733–1757) die Stadt und das Fort, welches erst ein Jahr später, am 23. Juni 1757, nach der Schlacht bei Plassey durch die Rückeroberung unter Robert Clive (1725–1774) wieder an die East India Company zurückging.

Nachdem das Parlament in London im Jahre 1773 das Handelsmonopol der Gesellschaft anerkannt hatte, verlegte diese Bengalens Hauptstadt von Murshidabad nach Kalkutta. 1781 wurde das heutige Fort William fertiggestellt, das nie verteidigt werden musste. Kalkutta war fortan Umschlagplatz vieler Handelssparten, zu denen auch der lukrative Opiumexport nach China gehörte. Die Ostindienkompanie schaffte britische Junggesellen ins Land und machte sie zu Beamten. Die so genannten writers („Schreiber“) lebten unter spartanischen Umständen in einfachen Lehmhütten, bis sie das eigens für sie errichtete Writers Building beziehen konnten. Die jungen Männer passten sich den einheimischen Lebensgewohnheiten an und heirateten indische Frauen. So entstand eine neue euro-asiatische Gesellschaft.

Als das Parlament das Monopol der Ostindien-Kompanie nach dem Sepoy-Aufstand aufhob und die Türen des Handels öffnete, trafen zahlreiche Kaufleute und Abenteurer aus allen Teilen der Welt ein, darunter Parsen, Juden aus Bagdad, Afghanen und Inder aus anderen Landesteilen. Prächtige Bauwerke, wie Court House, Government House und St Paul's Cathedral trugen Kalkutta im 19. Jahrhundert den Namen „Stadt der Paläste“ ein, doch das unangenehme feuchte Klima, die modrigen Salzsümpfe und die schäbigen Hütten, die rund um die Stadt errichtet wurden, sorgten für unhygienische Verhältnisse und waren eine Quelle der Armut und Krankheit.

Die wohlhabende Elite der Stadt, zu der auch bengalische Kaufleute gehörten, erhielt das Etikett bhadra lok, die „guten Leute“. Rudyard Kipling, der Autor des Dschungelbuches, verzerrte diese Bezeichnung in seiner Darstellung der bandar lok („Affenmenschen“). Eben diese Schicht war für die kulturelle Blüte des 19. Jahrhunderts verantwortlich, die man Bengalische Renaissance nennt.

Bis 1911 war Kalkutta Hauptstadt der Kolonie Britisch-Indien und Sitz des Generalgouverneurs der East India Company, der ab 1858 zugleich das neu geschaffene Amt des britischen Vizekönigs innehatte. 1813 wurde auch ein Bischofssitz ins Leben gerufen.

Niedergang

Kalkuttas Bedeutung als internationaler Hafen schwand mit der Eröffnung des Sueskanals 1869, mit dem Aufstieg Mumbais und mit dem Ende des Opiumhandels. 1911 fand die glorreiche Zeit ihr definitives Ende, als Indiens Hauptstadt nach Delhi verlegt wurde. Seit dem 15. August 1947, dem Tag der Unabhängigkeit Indiens, ist Kalkutta Hauptstadt des Bundesstaates Westbengalen.

Seitdem wurde die städtische Infrastruktur wiederholt nach inneren Unruhen und Aufständen durch Masseneinwanderung besitzloser Flüchtlinge bis an die Grenzen belastet. Die daraus resultierenden Missstände und auch die Arbeit von Mutter Teresa, die die weltweite Aufmerksamkeit auf die Opfer richtete, haben Kalkutta den Ruf eines Armenhauses beschert, den die Stadtbewohner selbst nicht für gerechtfertigt halten.

Als 1984 Indiens erste U-Bahn eröffnet wurde, war von einem neuen wirtschaftlichen Beginn die Rede, aber im Laufe der Jahre hat die Stadt gegen aufstrebende Wirtschaftszentren in anderen Teilen des Landes (zum Beispiel Hyderabad oder Bangalore) beträchtlich an Boden verloren.

Textquelle: Seite „Kalkutta“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. Januar 2011, 09:02 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 8. Januar 2011, 22:35 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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