Stadt

Kalkutta (Kolkata)

Flagge

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Die Wirtschaftspolitik der Stadt orientiert sich an der gelenkten Volkswirtschaft, wobei die Wirtschaft seit 1991 zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Der Informelle Sektor hat einen Anteil von 40 Prozent an der erwerbstätigen Bevölkerung der Stadt. Die größten Wachstumssektoren sind die durch Outsourcing, insbesondere US-amerikanischer Unternehmen, prosperierenden Bereiche Hard- und Softwareherstellung, Call-Center, sowie das Verlags- und das Gesundheitswesen.

Den größten Zuwachs im Jahre 2005 verzeichnete der Technologiesektor mit einer Wachstumsrate von 70 Prozent. Zahlreiche Dienstleistungsjobs aus aller Welt wurden in den letzten Jahren nach Kalkutta verlagert. Die Call Center beschäftigen bereits mehrere zehntausend Menschen, mit steigender Tendenz. Alle wichtigen nationalen und internationalen Technologiefirmen haben große Niederlassungen in der Stadt.

Kalkutta besitzt eine vielfältige verarbeitende Industrie mit Jute, Papier, chemischer und petrochemischer Industrie, Schiff- und Maschinenbau. In der Stadt werden Nahrungsmittel, Elektronik- und Transportgeräte, Textilien aus Baumwolle und Seide, Stahl und Gummiprodukte hergestellt.

Bedeutende indische Konzerne und Banken haben in der Stadt ihren Hauptsitz: ITC Limited, Bata India, Birla Corporation, Coal India Limited, United Bank of India, UCO Bank und Allahabad Bank. Auch die zweitgrößte Börse des Landes, die Calcutta Stock Exchange (CSE), hat ihren Sitz in Kalkutta.

Trotz seines Rufes als „Armenhaus“ Indiens bietet die Wirtschaft der Metropole Kalkutta auch den Ärmsten Möglichkeiten. In Mumbai mit seinen ausgedehnten städtischen Slums sind die damit einhergehenden Probleme nicht geringer als in Kalkutta, auch wenn Verfilmungen wie die des Romans „City of Joy“ (Stadt der Freude) einen anderen Eindruck hinterlassen.

Verkehr

Fernverkehr 

Kalkutta ist mit Straßen, Eisenbahnlinien, Überland-Busbahnhof, U-Bahn (bis 2003 Indiens einziges U-Bahn-System), Hafen und internationalem Flughafen der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt der Region.

Der zehn Kilometer nördlich der Stadt in Dum Dum gelegene Flughafen wurde 1924 gegründet und besitzt heute einen nationalen und einen internationalen Teil. Er trägt seit 1995 den Namen Netaji Subhash Chandra Bose International Airport, bekannter ist allerdings die alte Bezeichnung „Dum Dum International Airport“. Kalkutta besitzt ein gutes Netzwerk nationaler Flüge und ist durch einige internationale Verbindungen an nahe und ferne Länder angeschlossen. Seit dem 1. Dezember 2006 fliegt auch die Lufthansa Kalkutta drei Mal in der Woche von Frankfurt/Main aus ohne Zwischenstopp an.

Der Hafen von Kalkutta ist der zweitwichtigste des Landes und liegt 120 Kilometer von der Küste entfernt.

Beide Bahnhöfe Kalkuttas haben keinen U-Bahn-Anschluss. Howrah Station (হাওড়া স্টেসন) – Ankunfsort der wichtigsten Züge von Süden und Westen – befindet sich einige Kilometer westlich des Zentrums am anderen Hugli-Ufer. Der Bahnhof Sealdah Station (শিয়ালদা স্টেসন), Ziel der Züge von Norden, liegt wesentlich günstiger am Ostrand des Zentrums, so dass keine Flussüberquerung nötig ist. An beiden Bahnhöfen befinden sich Vorauszahlungs-Taxistände.

Kalkutta ist das Eingangstor nach Bangladesch. Es gibt mehrere Flüge von Kalkutta nach Dhaka mit Bangladesh Biman Airlines und Indian Airlines. Direkte Zugverbindungen von Kalkutta nach Bangladesch gibt es nicht, doch Züge fahren vom Bahnhof Sealdah bis nach Bongaon, von wo man mit einer Motor-Rikscha ins fünf Kilometer entfernte Haridaspur und weiter mit einer Rikscha nach Benapal an der Grenze gelangt. Dort stehen Unterkünfte zur Verfügung. Nach einer Übernachtung steht eine achtstündige Busfahrt via Jessore nach Dhaka an.

Nahverkehr

Fast alle öffentlichen Transportmittel, dazu gehören Straßenbahnen, Busse, Minibusse, Taxis und Rikschas, tragen auch zum täglichen Verkehrschaos bei. Nur die am 24. Oktober 1984 eröffnete Kolkata Metro, die erste U-Bahn Indiens, stellt ein schnelles, sauberes und gut funktionierendes Fortbewegungsmittel dar. Sie befährt allerdings nur eine 16,5 Kilometer lange Strecke und kann somit das Verkehrschaos nur wenig lindern.

Kalkuttas Straßenbahn, hat sich seit der Elektrifizierung des Streckennetzes im Jahre 1905 – die Inbetriebnahme als Pferdebahn fand am 24. Februar 1873 statt – kaum verändert. Die auf einem 68 Kilometer langen Streckennetz verkehrende Straßenbahn ist die einzige verbliebene in ganz Indien.

Kalkutta ist die einzige Stadt Indiens, in der es von Menschen gezogene Rikschas gibt. Sie stehen jedoch nur in den zentralen Stadtgebieten zur Verfügung, besonders rund um New Market, wo viele Rikschamänner ihr geringes Einkommen im Zuhältermilieu aufbessern. Die Rikschas sind vor allem im Monsun lukrativ, wenn die Straßen hüfthoch überschwemmt sind und die Rikschamänner eine angemessene Geldsumme für ihre Anstrengungen fordern können. Die meisten von ihnen sind obdachlose Bihari, die ein kurzes und hartes Leben führen.

Motor-Rikschas sind im Stadtzentrum selten. Man nutzt sie als Sammeltaxi auf bestimmten Strecken und als Verbindung zu den Metrostationen in Vorstädten wie Rashbehari oder Gariahat. Fahrrad-Rikschas sind aus der Innenstadt verbannt worden und nur in Vorstädten zu finden.

Medien

Printmedien

Die Printmedien spielen neben dem Fernsehen im Alltagsleben Kalkuttas und somit auch bei der Meinungsbildung eine äußerst wichtige Rolle. Zeitungen und Magazine werden insgesamt stärker von Männern gelesen, die formal über eine höhere Bildung und über ein relativ hohes Einkommen verfügen. Wichtige Tageszeitungen in bengalischer Sprache sind Anandabazar Patrika, Aajkaal, Bartaman sowie Sangbad Pratidin and Ganashakti. In englischer Sprache erscheinen in Kalkutta The Telegraph, The Statesman, Asian Age, Hindustan Times und The Times of India.

Rundfunk [Bearbeiten]

Die Stadt besitzt sechs lokale FM-Radiosender: AIR Kolkata, Radio Mirchi (98,3 MHz), Red FM (93,5 MHz), Aamar FM (106,2 MHz), Gyan Vani (105,4 MHz), und Power FM (107,8 MHz). Dazu können noch zahlreiche weitere staatliche und private Radiosender über UKW, Kabel und Satellit empfangen werden. Der Radiomarkt in Kalkutta und ganz Indien befindet sich durch die erst zögerliche Einführung des privaten Rundfunks 1993, dessen Verbot 1998 und Wiedereinführung 1999 zur Zeit im Umbruch. Die Hörfunklandschaft ändert sich nachhaltig, weitere Sender werden hinzu kommen und die Nutzung des Hörfunks wird durch das breitere Angebot steigen.

Fernsehen

Erst 1972 wurde im ehemaligen Kalkutta von All India Radio, dem heutigen Sender Doordarshan, mit der Ausstrahlung von regelmäßigen Fernsehprogrammen begonnen – 13 Jahre nach der Einführung des Fernsehens im Raum Delhi. Farbfernsehen und Satellitenprogramme gibt es seit 1982.

Während in der Gegenwart etwa drei Viertel der Haushalte in Kalkutta über terrestrischen Fernsehempfang verfügen, auf dem Land sind es nur ein Drittel, war Satelliten- und Kabelfernsehen am Anfang nur der Elite vorbehalten. Heute erreicht die Errungenschaft vor allem die wachsende städtische Mittelschicht und damit eine breitere Bevölkerung. Das staatliche indische Fernsehen Doordarshan strahlt in Kalkutta zwei terrestrische Fernsehkanäle aus. Des Weiteren sind zahlreiche Kabel- und Satellitenkanäle in bengali, hindi und englisch zu empfangen.

Bildung

Die Stadt beherbergt zahlreiche Universitäten, Hoch- und Fachschulen, Forschungsinstitute und Bibliotheken. Die Universitäten sind: Bengal Engineering & Science University, Jadavpur University, Netaji Subhas Open University, Rabindra Bharati University, University of Calcutta, West Bengal University of Health Sciences, West Bengal National University of Juridical Sciences, West Bengal University of Animal and Fishery Sciences und West Bengal University of Technology.

Weitere wichtige Bildungs- und Forschungseinrichtungen sind: Asiatic Society, Marine Engineering and Research Institute, Bethune College, Medical College Calcutta, Calcutta National Medical College, Centre for Studies in Social Sciences, Indian Institute of Management, Indian Institute of Social Welfare and Business Management, Indian Statistical Institute, La Martiniere College, Maulana Azad College, National Library of India, Presidency College, Saha Institute of Nuclear Physics, School of Tropical Medicine, Scottish Church College und St. Xavier's College.

Für die Allgemeinbildung der Bevölkerung in Kalkutta sorgen zahlreiche staatliche und eine Anzahl privater Schulen. Der Unterricht erfolgt überwiegend in Englisch oder Bengali, teilweise auch in Hindi und Urdu. Die staatlichen Schulen sind gebührenfrei, wegen der überfüllten Klassenräume und mangelhaft ausgebildeter Lehrer jedoch unattraktiv. Die Privatschulen sind kostenpflichtig und deshalb überwiegend der besser verdienenden Bevölkerung vorbehalten. Letztere können aber auch durch die Erlangung eines Stipendiums besucht werden. Während für die Angehörigen der Mittel- und Oberschicht Kalkuttas eine gute Schulbildung Standard ist, scheitert der Schulbesuch der ärmeren Bewohner oft, da die Kinder Geld verdienen müssen, um das Überleben ihrer Familie zu sichern, und sie sich die vorgeschriebene Uniform und die Schulmaterialien nicht leisten können.

Die Indische Nationalbibliothek befindet sich in der früheren Residenz des Gouverneurleutnants von Bengalen, Belvedere Estate, in Alipore. Der erste Generalgouverneur von Britisch-Indien, Warren Hastings, erhielt das Haus seinerzeit von Mir Jafar, dem Befehlshaber der Truppen Siraj-ud-Daulas. Als die Hauptstadt 1911 nach Delhi verlegt wurde, blieb die Bibliothek in Kalkutta und gewährt heute Einsicht in eine umfangreiche Büchersammlung, zahlreiche Zeitschriften, viele Nachschlagewerke und seltene Dokumente, die in einem klimatisierten Raum geschützt werden.

In Kalkutta befindet sich eines der sechs Goethe-Institute in Indien, die in diesem Land nach dem deutschen Indologen Friedrich Max Müller Max Müller Bhavan heißen und sich als Botschafter der deutschen Sprache und Kultur verstehen.

Textquelle: Seite „Kalkutta“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. Januar 2011, 09:02 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 8. Januar 2011, 22:35 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden