Stadt

Tokio (Tokyo)

Flagge

Portrait

 

Tokio ist eine Metropole in der Kantō-Region im Osten der japanischen Hauptinsel Honshū. Die Stadt selbst ist allerdings keine eigene Verwaltungseinheit, stattdessen bilden ihre 23 Bezirke (jap. 23区 Nijūsan-ku) zusammen mit dem westlich gelegenen Tama-Gebiet und den südlichen Izu- und Ogasawara-Inseln die Präfektur Tokio. Der Name bedeutet "Östliche Hauptstadt". Das Gebiet der 23 Bezirke ist mit 8.483.050 Einwohnern nicht nur die bevölkerungsreichste Stadt Japans, sondern als Sitz der Japanischen Regierung und des Tennō auch de facto die Hauptstadt Japans. Außerdem ist Tokio das Finanz-, Industrie-, Handels-, Bildungs- und Kulturzentrum Japans mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen. Mit den Flughäfen Narita und Haneda und als Ausgangspunkt der meisten Shinkansen-Linien ist es auch das Verkehrszentrum des Landes.

Die Stadtgeschichte beginnt im Jahr 1446, als Ōta Dōkan mit dem Bau der Burg Edo begann, in einem Sumpfgebiet am Nordufer der heutigen Bucht von Tokio, umgeben von einigen Fischerdörfern. 1590 ging diese Burg an Tokugawa Ieyasu, der hier nach seinem Sieg in der Schlacht von Sekigahara sein neues Shogunat und damit die Edo-Zeit begründete. Edo wurde neben Kyōto zum politischen und kulturellen Zentrum des Landes. Mit der Meiji-Restauration 1868 wurde das Shogunat abgeschafft und der Sitz des Tennō nach Edo verlegt, die Burg wurde zum Kaiserpalast. Edo bekam seinen heutigen Namen Tokio. Die Stadt Tokio als Verwaltungseinheit wurde 1943 abgeschafft.

Geographische Lage

Tokio liegt an der Bucht von Tokio auf der Insel Honshū, der größten der vier Hauptinseln des japanischen Archipels, in der Kantō-Ebene (Kantō-heiya) durchschnittlich sechs Meter über dem Meeresspiegel. Kantō ist das Gebiet, das in weitem Bogen um die Tokiobucht liegt. Der Name Kantō bedeutet „östlich der Barriere“ – eine historische Bezeichnung. (Kansai, also „westlich der Barriere“, ist das Gebiet um Ōsaka.) Mit „Barriere“ ist die alte Zollschranke gemeint, die West- und Ostjapan trennte, westlich der Stadt Hakone.

Die Kantō-Ebene ist die größte Ebene in Japan. Durch frühere, gewaltige Vulkanausbrüche des in den letzten Jahrhunderten eher ruhigen Fujisan wurde fast die komplette Ebene mit fruchtbarer, vulkanischer Asche eingedeckt – dem sogenannten kantō rōmu sō. Dazu kommt die große Tokiobucht, die tief genug ist, um als Hafen zu fungieren, und flach genug, um dem Meer größere Flächen abzuringen.

Definition und Größe von Tokio

Im administrativen Sinn existiert keine Stadt Tokio. Stadtgebiet im Sinne dieses Artikels sind die 23 Bezirke Tokios. Die 23 Bezirke Tokios haben eine Fläche von 621,45 Quadratkilometern. Die Bezirke bilden den städtischen Kernbereich des Ballungsraums und befinden sich auf dem Gebiet der ehemaligen „Stadt Tokio“, die als politische Einheit 1943 aufgelöst wurde. Jeder Bezirk (jap. ku) ist administrativ eine eigenständige Kommune. Offiziell bezeichnen sich die Bezirke auf Englisch als City (z.B. Shinjuku City, Shibuya City).

Die Präfektur Tokio (jap. 東京都 Tōkyō-to; engl. Tokyo Metropolis) umfasst neben den 23 Bezirken auch den westlichen Teil des Ballungsraumes, bis zu den Ausläufern der Japanischen Alpen, das sogenannte Tama-Gebiet. Außerdem gehören die südlich im Pazifik gelegenen Izu-Inseln und Ogasawara-Inseln sowie Okinotorishima zur Präfektur. Die Präfektur hat über 13 Millionen Einwohner und erstreckt sich bis zum nördlichen Wendekreis.

Obwohl Tokio (im Sinne der 23 Bezirke) allein bereits über acht Millionen Einwohner beherbergt, ist die Stadt selbst umgeben von Millionenstädten, Saitama im Norden, Chiba im Osten sowie Yokohama und Kawasaki (Präfektur Kanagawa) im Süden. Im Westen schließt sich die Tama-Region mit vier Millionen Einwohnern an.

Zusammen bilden diese Städte mit ihrem Umland die Metropolregion Tokio. In Japan wird das Gebiet als Tokiobereich (東京圏, Tōkyō-ken), Hauptstadtbereich (首都圏, Shuto-ken) oder Südkantō (南関東, Minami-Kantō) bezeichnet. Die unterschiedlichen Namen bezeichnen unterschiedliche Definitionen für die Grenzen der Metropolregion, die im allgemeinen die Präfektur Tokio selbst, allerdings ohne Pazifikinseln, und komplett oder teilweise die Nachbarpräfekturen Chiba, Kanagawa und Saitama umfasst, sowie kleinere Teile von Gunma, Ibaraki und Tochigi, und sogar Yamanashi. Die Einwohnerzahl der Metropolregion liegt nach einer UN-Schätzung aus dem Jahr 2007 bei 35,7 Millionen[1], auf einer bebauten städtischen Fläche von 7835 km².[2] In anderen Definitionen liegt die Einwohnerzahl sogar über 40 Millionen. In jedem Fall ist das Ballungsgebiet um Tokio die größte Metropolregion der Welt.

Die 23 Bezirke Tokios

Das Gebiet der früheren Stadt Tokio mit ihren 35 Stadtbezirken, also den urbanen Kernbereich Tokios, füllen seit 1947 die 23 Bezirke ( -ku) aus, die weitgehend als eigenständige Kommunen fungieren:

  • Adachi (足立区)
  • Arakawa (荒川区)
  • Bunkyō (文京区)
  • Chiyoda (千代田区)
  • Chūō (中央区)
  • Edogawa (江戸川区)
  • Itabashi (板橋区)
  • Katsushika (葛飾区)
  • Kita (北区)
  • Kōtō (江東区)
  • Meguro (目黒区)
  • Minato (港区)
  • Nakano (中野区)
  • Nerima (練馬区)
  • Ōta (大田区)
  • Setagaya (世田谷区)
  • Shibuya (渋谷区)
  • Shinagawa (品川区)
  • Shinjuku (新宿区)
  • Suginami (杉並区)
  • Sumida (墨田区)
  • Toshima (豊島区)
  • Taitō (台東区)

Klima

Die Stadt befindet sich im Bereich des subtropischen Ostseitenklimas (nach Neef). Laut Köppenscher Klimaklassifikation ist die Stadt der warmgemäßigten Klimazone zuzurechnen. Die Sommer sind heiß und feucht (30 °C tagsüber und 20 °C nachts), die Winter trocken und sonnig (10 °C tagsüber und um 0 °C nachts); manchmal fällt auch Schnee. Die Regenzeit (Tsuyu) mit täglichen Regenschauern dauert von Ende Juni bis Mitte Juli. Sie wird von feuchten Passatwinden aus dem Westpazifik hervorgerufen. Anschließend – von Mitte Juli bis Ende August – ist es anhaltend heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Taifune drohen im September oder Oktober, dauern aber selten länger als einen Tag. Sie entstehen meist im Sommer oder Frühherbst im Nordpazifik westlich der Datumsgrenze und nördlich des 5. nördlichen Breitengrades am Rand des Kalmengürtels und wandern dann meistens zuerst nordwestlich in Richtung Vietnam, Philippinen und China. Wenn sie das Festland nicht erreichen, drehen sie in nordöstliche Richtung ab und suchen Korea und Japan heim. In Tokio bringen Taifune starke Windböen und Regenfälle, schwächen sich dann aber allmählich ab, je weiter sie ins Inland vordringen, da sie kein Wasser mehr aufnehmen.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Tokio beträgt 15,6 °C, die jährliche Niederschlagsmenge im Mittel 1466,8 Millimeter. Der wärmste Monat ist der August mit durchschnittlich 27,1 °C, der kälteste der Januar mit 5,2 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im September mit durchschnittlich 208,5 Millimeter, der wenigste im Dezember mit 39,6 Millimeter im Mittel.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tokio
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 9,8 10 12,9 18,4 22,7 25,2 29 30,8 26,8 21,6 16,7 12,3 Ø 19,7
Min. Temperatur (°C) 2,1 2,4 5,1 10,5 15,1 18,9 22,5 24,2 20,7 15 9,5 4,6 Ø 12,5
Niederschlag (mm) 48,6 60,2 114,5 130,3 128 164,9 161,5 155,1 208,5 163,1 92,5 39,6 Σ 1.466,8
Regentage (d) 4,6 5,8 9,5 10,1 9,6 11,9 10,4 8,2 11,3 9,1 6,2 3,8 Σ 100,5
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
9,8
2,1
10
2,4
12,9
5,1
18,4
10,5
22,7
15,1
25,2
18,9
29
22,5
30,8
24,2
26,8
20,7
21,6
15
16,7
9,5
12,3
4,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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48,6 60,2 114,5 130,3 128 164,9 161,5 155,1 208,5 163,1 92,5 39,6
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

 

Quelle: WMO: World Weather Information Service

Erdbeben

Tokio liegt in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Welt. Kleine Erdbeben sind in der Stadt nichts Außergewöhnliches. Während der sehr aktiven Phasen können kleine, bemerkbare Erdbeben fast täglich auftreten. Trotz aller Anstrengungen ist den Wissenschaftlern eine wirksame Erdbebenvorhersage bisher noch nicht gelungen.

Eine der bekanntesten Theorien stammt von Kawasumi Hiroshi, Präsident des Instituts für Erdbebenforschung der Universität von Tokio. Er hat alle Erdbeben in Tokio seit dem Jahre 818 mit einer Magnitude von über 5 auf der Richter-Skala analysiert und festgestellt, dass sich durchschnittlich alle 69 Jahre ein größeres Erdbeben ereignet. Demnach hätte das nächste große Beben im Jahre 1992 stattfinden müssen. Allerdings ist dies eine rein statistische Berechnung, die keine geologischen Gegebenheiten berücksichtigt und deshalb zur Vorhersage völlig ungeeignet ist. Eine erheblich differenziertere Betrachtung nahm Professor Ishibashi Katsuhiko von der Universität in Kōbe vor. Nach seiner Feststellung ereignen sich die Erdbeben immer in einem gewissen Zyklus. Am Anfang kommen mehrere kleinere Beben; ein großes Beben bildet dann immer den Abschluss dieses Zyklus'.

Eines der schwersten Erdbeben war das Große Kantō-Erdbeben am 1. September 1923. Weitere schwere Beben ereigneten sich in den Jahren 1615 (Magnitude 6,4), 1649 (7,1), 1703 (8,2), 1855 (6,9) und 1894 (7,0). Bei dem Genroku-Erdbeben am 31. Dezember 1703 wurden Tokio (damals: Edo) und andere Städte in der Umgebung zerstört. Etwa 200.000 Menschen kamen in der Region ums Leben.

Textquelle: Seite „Tokio“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. Februar 2011, 16:50 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 15. Februar 2011, 09:55 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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