George Grosz

George Grosz

*26.07.1893 — †06.07.1959
George Grosz

Portrait

Fehler bei Bild 9532!George Grosz (* 26. Juli 1893 in Berlin als Georg Ehrenfried Groß; † 6. Juli 1959 in Berlin) war ein deutsch-amerikanischer Maler, Grafiker und Karikaturist.

Mit George Grosz werden vor allem seine der Neuen Sachlichkeit zugerechneten, sozial- beziehungsweise gesellschaftskritischen Gemälde und Zeichnungen in Verbindung gebracht, die überwiegend in den 1920er Jahren entstanden und die sich durch zum Teil äußerst drastische und provokative Darstellungen und häufig durch politische Aussagen auszeichnen. Typische Sujets sind die Großstadt, ihre Abseitigkeiten (Mord, Perversion, Gewalt) sowie die Klassengegensätze, die sich in ihr zeigen. Im Vergleich zu ähnlichen Bildern von Otto Dix aus dieser Zeit ist Grosz von den beiden meist der aggressivere und politischere. In seinen Werken, oft Karikaturen, verspottet er die herrschenden Kreise der Weimarer Republik, greift soziale Gegensätze auf und kritisiert insbesondere Wirtschaft, Politik, Militär und Klerus.

Kindheit und Jugend

Grosz verlor seinen Vater als er sechs Jahre alt war. Er besuchte die Oberrealschule in Stolp (Pommern), wo er von seinem Kunstlehrer gefördert wurde. Schon als Kind kopierte er Zeichnungen aus Illustrierten und las mit Begeisterung Abenteuer- und Detektivgeschichten. Besonders interessierte er sich für Bilder, die dramatische Szenen wiedergaben. Einen unauslöschlichen Eindruck machten auf mich die Greuelpanoramagemälde auf den Jahrmärkten und Schützenfesten. (Grosz, 1955, S. 18) In seiner Autobiografie schildert er die schikanösen und gewalttätigen Zustände an der Schule. Nachdem er sich bei einem Referendar mit einer Ohrfeige revangiert hatte, musste er die Schule verlassen.

George Grosz, 1930
Public Domain

George Grosz, 1930

An der Königlichen Kunstakademie in Dresden, die er anschließend, nach Auseinandersetzungen mit seiner Mutter, besuchen durfte, lernte er nach eigenen Aussagen nichts Sinnvolles. Unsere Hauptarbeit war die Wiedergabe von Gipsabgüssen in Originalgröße. (Ebenda S. 60) Mit dem Dresdener Diplom ging er 1912 nach Berlin und studierte dort an der Kunstgewerbeschule mit einem Staatsstipendium. Berlin war das Zentrum der fortschrittlichen Kunst und Kultur. In den Kunsthandlungen wurden neben Paul Cezanne und Vincent van Gogh auch die modernen Künstler Pablo Picasso, Henri Matisse, André Derain u. a. gezeigt. Grosz besuchte nicht nur Ausstellungen, sondern auch beispielsweise Rummelplätze und andere Vergnügungsstätten, wo er Skizzen anfertigte. Er zeichnete für Witzblätter aber auch gleichzeitig nach der Natur in der Kunstgewerbeschule. Im Frühjahr 1913 ging er für acht Monate nach Paris. Als wichtigste Einflussquellen gelten japanische Holzschnitte, Karikaturen insbesondere aus dem Simplicissimus sowie die Realisten Honoré Daumier und Henri de Toulouse-Lautrec. 1913 lernte er zum ersten Mal Paris kennen. 1924-25 und 1927 unternahm er weitere Frankreich-Reisen.

Einfluss des Ersten Weltkrieges auf sein Werk

Am Ersten Weltkrieg nahm er als Freiwilliger in der Infanterie teil, wurde aber schon im Mai 1915 als dienstuntauglich entlassen. Er war zwar noch unpolitisch, jedoch im Geist des Humanismus aufgewachsen. Krieg war für mich Grauen, Verstümmelung und Vernichtung. (ebenda S. 101) Nach zwei Jahren politisiert, wollte er als strikter Kriegsgegner wie sein Freund, der Künstler John Heartfield, vormals Helmuth Herzfeld, keinen deutschen Namen mehr tragen. Daher nannte er sich seit 1916 George Grosz; dass die Wahl auf einen englischen Namen fiel, war dabei bezeichnend für seine Amerika-Begeisterung, die sich in zahlreichen Zeichnungen und Fotos sowie in seinen Äußerungen zeigte. Außerdem wollte er ein Zeichen gegen die patriotisch aufgeheizte anti-englische Stimmung im Kaiserreich setzen. Grosz zeichnete in dieser Zeit viele Kriegsszenen. Ich zeichnete Soldaten ohne Nase, Kriegskrüppel mit krebsartigen Stahlarmen ... Einen Obersten, der mit aufgeknöpfter Hose eine dicke Krankenschwester umarmt. Einen Lazarettgehilfen, der aus einem Eimer allerlei menschliche Körperteile in eine Grube schüttet. Ein Skelett in Rekrutenmontur, das auf Militärtauglichkeit untersucht wird ... (ebenda S. 103)

George Grosz, Café
Public-Domain-Bild (Amtliches Werk)

George Grosz, Café

Grosz wurde bekannt und bekam Kontakt mit den Kunstmäzen Falk, Harry Graf Kessler und später mit Felix Weil. Er schreibt diesbezüglich, das Kunstwerk sei zur Ware geworden, und er habe die Rolle eines strebsamen Künstlers gegenüber den Mäzen gespielt, sich schmeichlerisch angebiedert, je nachdem, was die jeweilige Person sehen und hören wollte.

1917 wurde Grosz erneut eingezogen. Nach eigener Angabe sollte er als Deserteur erschossen werden und sei nur durch die Intervention von Graf Keßler gerettet worden.

Nach dem Krieg ging er zurück nach Berlin und stürzte sich dort in das wilde Leben. Er war inzwischen politisiert. Seine Kunst stellte er in den Dienst des Proletariats. Künstler hätten die Aufgabe, sich am Kampf für die Freiheit zu beteiligen.

In dieser Zeit schuf er sein großes politisches nach Heinrich Heine benanntes Bild: Deutschland, ein Wintermärchen. In der Mitte befand sich der ewige deutsche Bürger, dick und ängstlich. Unten standen drei Stützen der Gesellschaft: Militär, Kirche, Schule. Die Welt schwankt um den Bürger, ein Matrose dient als Symbol für die Revolution. Hinzu kommt eine Prostituierte, alles ein Abbild der Zeit, in der das gesamte Wertesystem zerfallen war. (Ebenda S. 116)

Dadaismus

Grosz war Teil der Berliner Dada-Szene. Während die Ursprünge des Dadaismus eher modern futuristisch waren, war die Berliner Ausprägung, wie er schreibt, eher anarchistisch-nihilistisch. Gegen Eintrittsgeld wurden Versammlungen veranstaltet, auf denen das Publikum rüde beschimpft wurde. Es gab häufig Schlägereien, Polizei war anwesend. Künstlerische Aktionen wurden teilweise improvisiert. Eines der Schlagworte war: Dada ist sinnlos. Die Mitglieder nahmen Funktionsbezeichnungen an, so wurde Grosz zum Propagandada. Unter anderem organisierte er 1920 die internationale Dada-Kunstmesse mit und stellte dort aus.

Mit John Heartfield veranstaltete er 1920 Marionettentheater und entwickelte das Bühnenbild für George Bernhard Shaws Stück Caesar und Cleopatra.

In dieser Phase sind ebenfalls Einflüsse von Kubismus und Fauvismus zu verzeichnen. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1920 in der Münchener Galerie „Neue Kunst Hans Goltz“. 1921 schuf er die Lithographien zur Illustrierung von Alphonse Daudets Die Abenteuer des Herrn Tatarin aus Tarascon. Auch andere literarische Werke hat er illustriert. Er veröffentlicht seine Zeichnungen in opositionellen, teilweise satirischen, Zeitschriften wie Ulk und Simplicissimus. Gleichzeitig schuf er Kunstwerke wie Portraits und Landschaften.

In die Nachkriegsphase fällt seine entschiedene Hinwendung zum Realismus und seine Politisierung, auf Grund derer er 1919 der KPD beitrat, die er jedoch 1922 nach einem Aufenthalt in der Sowjetunion, bei dem er Lenin und Trotzki kennen lernte, wieder verließ, da er jede Form der Diktatur ablehnte und die ökonomischen Bedingungen für die breiten Massen des Volkes kritisierte.

Konflikte mit der Justiz

Schon 1921 war er auf Grund der 1920 auf der Dada-Kunstmesse ausgestellten Mappe Gott mit uns wegen Beleidigung der Reichswehr zu einer Geldstrafe von 5000 RM verurteilt worden. 1923 wurde ein weiteres Verfahren wegen Angriffs auf die öffentliche Moral eröffnet. Die Zeichnung Maul halten und weiter dienen brachte ihm 1927 eine Anklage wegen Gotteslästerung ein, die erst nach fünf Instanzen mit einem Freispruch endete. Maul halten und weiter dienen war das Bühnenbild (Hintergrundprojektion) für die Inszenierung des Stückes Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk durch Erwin Piscator und Bertolt Brecht 1927 in Berlin.

Kunstbegriff

In seinem 1923 entstandenen Aufsatz: Statt einer Biographie setzt sich Grosz kritisch mit dem zeitgenössischen Kunstbegriff und -betrieb auseinander. Die Kunst wird als Banknotenfabrik und Aktienmaschine für ästhetische Fatzke in Abhängigkeit von der bürgerlichen Klasse bezeichnet. Auch dient sie der Flucht ... in ein reineres partei- und bürgerkriegsloses Paradies. Der Künstler kommt meistens aus den unteren Klassen und muss sich den Bonzen anpassen. Entweder bekommt er monatlich Geld von einem Mäzen oder er verfällt dem Kunsthändler, der die neueste Mode bedient. Er vermeint als Schöpfer haushoch über den Banausen zu stehen, die über die Bilder von Picasso und Derain lachen, schafft aber nur vermeintlichen Tiefsinn, weitab von jeder Wirklichkeit. Auch die abstrakte Kunst und den Expressionismus lehnt er ab. Bissig setzt er sich mit den individualistischen Künstlern auseinander: Arbeitet ihr etwa für das Proletariat, das der Träger der kommenden Kultur sein wird? ... Eure Pinsel und Federn, die Waffen sein sollten, sind leere Strohhalme. Er selbst stellt sich auf die Seite der Unterdrückten und will die wahren Gesichter ihrer Herren zeigen ... und zwar in einer jedem verständlichen Bildsprache.

Von Juni bis Oktober 1932 erhielt Grosz einen Lehrauftrag für die New Yorker Art Students League, an der er erfolgreich eine Aktklasse unterrichtete. Er kehrte nach Deutschland zurück, war aber fest entschlossen, für einige Jahre in die USA zu gehen, zumal sein Lehrauftrag verlängert worden war. Er verließ Deutschland im Januar 1933 – unmittelbar vor der nationalsozialistischen Machtübernahme. In Amerika war er weit weniger bekannt als in Deutschland. Seine Werke waren fast unverkäuflich. Er veröffentlichte Blätter in der einzigen satirischen Zeitschrift Americana.

Während in Deutschland seine Werke als Entartete Kunst verbrannt wurden, schuf Grosz in den USA nur noch wenige anerkannte Werke. Abgesehen von einigen apokalyptischen Bildern aus den 40er Jahren, wie beispielsweise Cain, or Hitler in Hell 1944 wurde sein Spätwerk zunehmend dekorativer und unpolitischer. Er malte teilweise zarte harmonische Stillleben, Akte und Landschaften, die nicht mehr die Bekanntheit seines Frühwerks erreichten. Er selbst bezeichnete sein Spätwerk als eher künstlerisch verglichen mit seinen frühen bekannten Arbeiten. Desillionisiert war er vor allem davon, dass sich 1933 die proletarischen Massen nicht gegen Hitler gewehrt hatten.

Seit 1938 war Grosz amerikanischer Staatsbürger. 1946 wurde seine Autobiografie:A little yes, and a big no veröffentlicht, die erst 1955 auf Deutsch erschien. In diesem Buch wird seine tiefe Zerissenheit deutlich. Er bekennt sich nicht mehr unumwunden zu seinen frühen politisch und kulturell aggressiven Arbeiten, sondern beschreibt eher halbherzig, beispielsweise die Dada-Bewegung, der er jede Ästhetik abspricht und die er als Kunst (oder Philosophie) des Müllkastens bezeichnet. In den USA hingegen sind weder seine frühen, noch seine späten unpolitischen Werke gewürdigt worden. Er verdiente sehr wenig Geld und buhlte um Anerkennung. Seine Autobiografie ist im Ton einer halbironischen Bitterkeit geschrieben.

1958 kehrte Grosz mit seiner Frau aus den USA nach Deutschland zurück, wo er wenig später starb.

George Grosz´ Arbeiten haben bis heute großen Einfluss auf politische Karikaturisten.

Sein Sohn, Peter Grosz – international anerkannter Fliegerei-Historiker –, starb im September 2006.

Textquelle: Artikel George Grosz. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. Dezember 2006, 12:34 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 29. Dezember 2006, 23:25 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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