Sigmund Freud

Sigmund Freud

*06.05.1856 — †23.09.1939

Portrait

Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren) (Příbor); † 23. September 1939 in London; ursprünglich Sigismund Schlomo Freud) war ein bedeutender österreichischer Arzt und Tiefenpsychologe, der als Begründer der Psychoanalyse und als Religionskritiker Bekanntheit erlangte. Seine Theorien und Methoden – so das Freie Assoziieren vor allem im Zusammenhang mit der Traumdeutung – werden noch heute kontrovers diskutiert. Freud gilt als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Er war ein Befürworter der Evolutionstheorie Charles Darwins.

Die Entstehung der Psychoanalyse

Von "Psychoanalyse" spricht Sigmund Freud erstmals im Jahr 1896, als "dem etwas subtilen Ausforschungsverfahren von Josef Breuer"; Breuer war es in der Behandlung von Bertha Pappenheim angeblich gelungen, deren Symptome aufzulösen, indem er Pappenheim die eigentlichen Traumatisierungen, die sich hinter ihren Symptomen verbargen, aufspüren und aussprechen ließ. Es ging um die Benennung dessen, was sie tatsächlich an Verletzung, Kränkung, Ekel, Entwertung, Gewalt u.s.w. erlebt hatte, jedoch aufgrund der `guten Erziehung´ nicht benennen durfte. Breuers Vorgehen entsprach ziemlich exakt demjenigen des `König Ödipus` im Theaterstück von Sophokles: Ödipus durchdringt mit großer Aufrichtigkeit am Ende die wahren Zusammenhänge. Schiller hatte 1797 in einem Brief an Goethe den `König Ödipus´ eine "tragische Analysis" benannt, weil aus der Rückschau die Zusammenhänge aufgelöst werden. Breuer schlägt in einem Brief an Freud vor, zur Betonung dieser Parallele das entwickelte Verfahren "Psychoanalyse" zu benennen. (Der Brief ist, wie viele andere Dokumente über Freud, bis zum Jahr 2113 von der Veröffentlichung ausgeschlossen; die Kenntnis von dessen Inhalt stammt aus einer zuverlässigen Quelle.)

Bis zum September 1897 nennt Freud sein Verfahren mehrfach "Psychoanalyse", hält aber dabei immerhin an dem Prinzip der Breuerschen Behandlung fest, indem er seine Patienten Gewalterfahrungen erforschen und benennen lässt. Jedoch ist er in dieser Zeit sehr einseitig fixiert auf Gewalt sexueller Natur, konkretisiert zuletzt als Vergewaltigung durch den Vater im Alter zwischen 2 und 8 Jahren. Diesen (extrem einseitigen) Ansatz verwirft er dann im September 1897 (Brief an Fließ) und verkehrt ihn quasi in sein Gegenteil: Jetzt behauptet er, die außer Kontrolle geratenen triebhaften Wünsche und Phantasien des Kindes gegen seine Eltern seien der Ursprung psychischer und psychosomatischer Störungen. Einen Monat später formuliert er gegenüber Wilhelm Fließ nach selbstanalytischen Betrachtungen erstmals die These vom „Ödipus-Komplex“: er postuliert das Phänomen libidinöser Bindungen zur eigenen Mutter bei einem gleichzeitigen Rivalitätsverhältnis zum Vater.

Im November 1899 erscheint Freuds frühes Hauptwerk, Die Traumdeutung, vordatiert auf 1900. Es folgen in kurzen Abständen die Schriften Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1901), Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten (1905) und Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905).

Zum 1. April 1902 wird Freud zum außerordentlichen Titular-Professor ernannt. Im gleichen Jahr gründet er die Psychologische Mittwochs-Gesellschaft, aus der 1908 die Wiener Psychoanalytische Vereinigung hervorgehen wird: Alfred Adler, Wilhelm Stekel und andere frühe Schüler versammeln sich jede Woche in seiner Wohnung zur Erlernung der neuen Methode und Diskussion. Im Laufe der nächsten Jahre schliessen sich Paul Federn, Carl Gustav Jung, Otto Rank, Sándor Ferenczi und andere der Gruppe an.

1908 beruft Freud den ersten psychoanalytischen Kongress nach Salzburg ein. Hier kommt es zu einem leisen Eklat: Otto Gross, ein Psychiater, der sich schon seit einigen Jahren öffentlich für Freuds Lehre einsetzt, zieht gesellschaftspolitische Schlussfolgerungen aus ihr. Freud, der sich kurz zuvor in seiner Schrift Die "kulturelle" Sexualmoral und die moderne Nervosität konträr geäussert hatte, setzt dem entgegen, dass dies nicht Aufgabe von Ärzten sei, und sorgt dafür, dass Gross aus der Gruppe gedrängt und in ihren Annalen getilgt wird. 1910 gründet Freud die „Internationale Psychoanalytische Vereinigung“ (IPV), es folgen 1911 die „amerikanische psychoanalytische Vereinigung“ sowie 1919 die „britische psychoanalytische Vereinigung“.

1913 erscheint die Schrift Totem und Tabu, in der sich Freud mit dem kulturgeschichtlichen Phänomen des Inzestverbots auseinandersetzt.

1917 stellt er im 18. Kapitel der „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“ seine Entdeckung der Macht des Unbewussten in eine Reihe mit den Theorien von Kopernikus und Darwin und bezeichnet alle drei Theorien als Kränkungen der Menschheit.

Textquelle: Artikel Sigmund Freud. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Dezember 2006, 12:33 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 27. Dezember 2006, 00:37 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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