Marco Polo

Marco Polo

*1254 — †1324

Portrait

Marco Polo (* ca. 1254 vermutlich in Venedig; † 8. Januar 1324 in Venedig) war ein venezianischer Händler, dessen Familie wohl ursprünglich aus Dalmatien stammte und der durch die Berichte über seine China-Reise bekannt wurde. Kritische Historiker (China-Forschung) haben an der China-Reise Polos inzwischen berechtigte Zweifel, weil z. B. die Chinesische Mauer nicht erwähnt wird, die nach einem 17-jährigen Aufenthalt beim Großkhan sicher eine Erwähnung wert gewesen wäre.

Vorgeschichte

Bevor die Polos nach Asien zu den Mongolen aufbrachen, hatten vorher schon der Mönch Johannes de Plano Carpini und auch Wilhelm von Rubruk jeweils eine solche Reise in offizieller Mission vor allem des Papstes Innozenz IV. angetreten und später – wieder zurück in Europa – auch ihren Auftraggebern darüber berichtet. Die von diesen Vorgängern mündlich wie schriftlich verfassten Reiseberichte hatten sich nach dem abgebrochenen Mongolensturm im immer noch verängstigten Europa auf Grund ihrer Neuigkeiten schnell verbreitet. So wurden diese Informationen zumindest von all jenen mit großem Interesse aufgenommen, für die aus politischen, religiösen oder geschäftlichen Gründen derartige Nachrichten von besonderem Wert waren. Ob die Polos als Kaufleute mit Orientierung nach der Krim die genannten Reiseberichte kannten, ist unbekannt.

Die Reise seines Vaters und Onkels

Marco Polos Vater Niccolò und sein Onkel Maffeo, beide Juwelenhändler aus Venedig, brachen 1260 zu einer Reise auf, um am Unterlauf der Wolga Edelsteine zu verkaufen. Über Konstantinopel gingen sie nach Sudak (= Soldaia) auf der Krim, wo Marco der Ältere, der dritte der Brüder Polo, ein Kontor betrieb. Somit reisten sie nahezu auf derselben Route, die auch Wilhelm von Rubruk 1253 für seine Mission gen Osten wählte. Nach ihrem Zwischenaufenthalt gelangten sie in das Gebiet, das damals von der Goldenen Horde beherrscht wurde, und haben sich etwa ein Jahr in der Nähe des Dschingis Khan-Enkels Berke Khan an der Wolga aufgehalten. Anschließend wurden sie durch die dort noch herrschenden Kriegswirren immer weiter gen Osten über den Fluss Ural und entlang der Seidenstraße (nördlicher Abzweig nach Südrussland) bis nach Buchara verschlagen. Da sie durch Kriegsfolgen an einer Rückreise gehindert waren, verblieben sie dort drei Jahre und schlossen sich schließlich einer persischen Gesandtschaft an, die auf dem Weg zum Großkhan Kubilai war. In den Wintermonaten 1266 nach einjähriger Reisezeit trafen sie am Hofe des Mongolenherrschers in Peking (= Kambalu) ein, wo sie vom Khan willkommen aufgenommen und empfangen wurden. Dieser gab den Polos mit einer Botschaft an den Papst den Auftrag, ihm gesalbtes Öl aus dem Jesusgrab in Jerusalem und etwa einhundert christliche Gelehrte zum Verbreiten des Evangeliums unter seinen Untertanen zu schicken. Deshalb gingen die Polos wieder nach Venedig zurück, wo sie um 1269 eintrafen. In der Zwischenzeit hatten mehrere Nachfolger den jeweils verstorbenen Papst abgelöst, und auch Marco Polos Mutter war verstorben.

Eigene Reise

Richtung vorderer Orient

1271 brachen Niccolò und Maffeo Polo mit Briefen und Geschenken des Papstes wieder auf und nahmen den siebzehnjährigen Marco mit. Der Weg führte sie zuerst ins Heilige Land nach Akko, doch die Kirche konnte dort für Kublai Khan keine christlichen Gelehrten entbehren. So schlossen sich ihnen nur zwei Mönche an, die jedoch bald wieder umkehrten. Auf der nächsten Station in Jerusalem konnten sie das Öl aus dem Jesusgrab ohne Probleme besorgen und es ging anschließend über die den jungen Polo durch ihre bunten Basare beeindruckende Stadt Täbris weiter nach Saweh. Nach Marco Polo waren hier die heiligen drei Könige begraben. Von dort führte sie ihre Reise in die Oasenstadt Jasd, die mit durch Tunnel aus den Bergen hergeleitetem Wasser gespeist wurde. Marco Polo berichtete aus dieser Stadt, dass die dort hergestellten und Jasdi genannten Seidenstoffe von den ansässigen Kaufleuten mit gutem Gewinn veräußert würden.

Die Reise führte die Polos danach nach Kerman, wo die Juwelenhändler ihre Pferde wahrscheinlich gegen robustere Kamele eintauschten. Nächste Reisestationen waren Rajen, eine Stadt der Schmiede und Herstellungsort kunstvoller Stahlerzeugnisse, und Qamadin, die Endstation einer Route, auf der Pfeffer und andere Gewürze aus Indien herbeigeschafft wurden. Über diese heute zerstörte Stadt schrieb Marco Polo, dass sie öfters von den aus Zentralasien eindringenden Tataren verwüstet worden sei. Der anschließende Besuch der Stadt Hormus, dem heutigen Minab mit seinem mittlerweile versandeten Hafen, hinterließ bei Marco Polo einen starken Eindruck, denn dort wurden Gewürzsorten, Edelsteine, Perlen, Seidenstoffe, Goldtücher und Elfenbein umgeschlagen.

Über Umwege nach Asien

Von hier aus wollten die Handelsreisenden eigentlich über den Seeweg nach China aufbrechen, doch ließ sie der schlechte Zustand der Schiffe in Hormus von ihren Plänen Abstand nehmen. Durch die jetzt notwendigen erheblichen Umwege gelangte Marco Polo 1273 bis vor die Ruinen der Stadt Balch. Die Stadt soll durch die Truppen Dschingis Khans zerstört worden sein. Marco Polo schrieb dazu: „Es standen hier herrliche Paläste und prächtige Marmorvillen, aber heute sind es Ruinen“. Auch in der Stadt Taluquan machten sie halt – Marco Polo beschreibt die Umgebung der Stadt als „sehr schön“. Ihm gefallen besonders die goldgelben Reisfelder, die Pappelalleen und die Bewässerungskanäle. Die Stadt Faisabad war damals berühmt für ihre blaugrünen Lapislazuli-Edelsteine, angeblich die feinsten Lapislazuli der Welt.

Die weitere Reise führte über die Städte Eschkaschem, Qala-e Pandscha, 1274 über Kaschgar am Westrand der Sandwüste Taklamakan und dann über die Oasenstadt Nanhu. Marco Polo berichtet hier von „Geistern, die einen Nachzügler fortlocken konnten, indem sie ihn mit Stimmen riefen, die denen seiner Gefährten täuschend ähnelten. Und nicht selten meinte man, verschiedene Musikinstrumente, besonders Trommeln, zu vernehmen“. Heute wird als Ursache für solche Sinnestäuschungen der durch die Dünen wehende Sand oder pfeifender Wüstenwind angenommen.

In China

Die Stadt Shazhou, heute Dunhuang, war ein Knotenpunkt der damaligen Handelsstraßen. Marco Polo sah in Shazhou erstmals eine große Zahl von Chinesen, die sich damals in einem der größten buddhistischen Zentren Chinas angesiedelt hatten. Marco Polo hatte nun endgültig chinesisches Land erreicht. Die Reisegruppe durchquerte die Städte Anxi, Yumen, Zhangye und kam 1275 in Schangdu an, dem eigentlichen Ziel ihrer Reise. Hier traf Marco Polo angeblich Kublai Khan, den großen Herrscher der Mongolen und Enkel von Dschingis Khan. Kublais Reich erstreckte sich damals von China bis in das Gebiet des heutigen Irak und im Norden bis nach Russland. Die drei Handelsreisenden ließen sich unter der Obhut des Herrschers hier bis 1291 nieder.

Als Präfekt des Kublai Khan

Über China erzählte Marco Polo später viele Geschichten, deren Herkunft und Wahrheitsgehalt schon damals in Frage gestellt wurden und bis heute nicht eindeutig geklärt sind. So soll der Großkhan Gefallen an dem jungen Europäer gefunden und ihn zu seinem Präfekten ernannt haben. Als solcher durchstreifte Marco Polo angeblich China über mehrere Jahre nach allen Himmelsrichtungen. Dabei soll er über die Städte Daidu und Xi’an in die Stadt Dali gekommen sein, wo die Leute, damals wie heute, rohes Schweinefleisch mit Knoblauch und Sojasoße essen. Seinem Bericht zufolge kam Marco Polo das offenbar ziemlich "barbarisch" vor, da er selbst ja aus einer Kultur stammte, die solche Essgewohnheiten nicht kannte. Über die Stadt Kunming gelangte er weiter nach Yangzhou, dem damaligen Sitz der Regionalregierung. In den zahlreichen Handwerksbetrieben dieser Stadt wurden Harnische für die Armee des Khan hergestellt. Anschließend berichtet Marco Polo von der Ankunft in seiner Lieblingsstadt Quinsai, dem heutigen Hangzhou. Er schwärmt von prächtigen Palästen und öffentlichen Warmbädern sowie vom Hafen, in dem Schiffe aus ganz Asien einliefen und Gewürze, Perlen und Edelsteine ausluden.

Als unruhige Zeiten auszubrechen drohten, wollten die Polos zurück nach Venedig reisen. Trotz ihrer Bittgesuche ließ der Großkhan sie nicht ziehen, da sie ihm inzwischen eine wertvolle Stütze geworden waren. Als eine siebzehnjährige Prinzessin zur Vermählung nach Persien geführt werden sollte und der Landweg zu gefährlich war, ergriffen die Kaufleute diese Gelegenheit. Sie schlugen dem Großkhan vor, die Prinzessin über den Seeweg sicher nach Persien zu geleiten. Widerstrebend nahm dieser schließlich das einzig aussichtsreiche Angebot an und erlaubte ihnen damit letztlich die Heimreise.

Rückkehr

Die Rückreise nach Venedig auf dem Seeweg begann 1291 im Hafen von Quanzhou, einer kosmopolitischen Stadt mit Niederlassungen aller wichtigen Religionen. Sie erfolgte auf 14 Dschunken mit insgesamt 600 Passagieren, von denen am Ende nur 17 überlebten. Auf den Zwischenstationen in Sumatra und Ceylon (heute Sri Lanka) beschrieb Marco Polo die dortigen Kulturen. Nach 18 Monaten der Weiterfahrt erreichte das Schiff den persischen Hafen Hormus. Später am Schwarzen Meer im Kaiserreich Trapezunt, dem heutigen Trabzon konfiszierten die dortigen Beamten von den Seefahrern etwa 500 Kilogramm Rohseide, welche die Polos mit nach Hause bringen wollten..

Nach der Reise

1295 erreichten die Reisenden schließlich Venedig und wurden zunächst von ihren Verwandten nicht erkannt. Nachdem sie sich zu erkennen gaben, schnitten sie die Säume ihrer Kleidung auf und holten die mitgebrachten Edelsteine hervor.

Einige Zeit später nahm Marco Polo an einem Seekrieg teil, in den Venedig schon seit Jahren mit seinem Erzrivalen Genua verstrickt war. In der Seeschlacht bei Curzola führte er 1298 eine venezianische Galeere und geriet dabei in genuesische Gefangenschaft, in der er bis Mai 1299 festgehalten wurde. Hier wurde er von einem Mitgefangenen, dem auch als Autor anderer Werke bekannten Rustichello da Pisa, gedrängt, ihm den Bericht seiner Fernost-Reise zu diktieren. Als geeignetste Sprache wählten die beiden das ihnen ausreichend vertraute Französische (das allerdings mit Italianismen durchsetzt ist).

Das Ergebnis ging in die französische Literaturgeschichte ein als Le Livre des merveilles du monde („Das Buch von den Wundern der Welt“, 1298). Es ist der erste weitgehend realistische Bericht über die in Westeuropa bis dahin praktisch unbekannten Länder und Völker in Fernost, u. a. wird darin unter dem Namen Cipangu erstmals Japan erwähnt.

Der "Marco Polo" wurde in den nachfolgenden zwei Jahrhunderten sehr viel gelesen, denn mehr als 80 Handschriften sind erhalten, darunter auch von Übersetzungen in andere Sprachen, z. B. ins Italienische bzw. Toscanische als Libro delle meravigilie del mondo und später unter dem Titel Il Milione. Darüberhinaus wurde das Buch von Gelehrten aller Art ausgewertet, vor allem Geographen, die Polos sehr exakt wirkenden Entfernungsangaben für ihre Karten übernahmen. Noch Christoph Kolumbus benutzte diese Angaben zur Errechnung der Länge einer Seefahrt nach Indien, wobei er aber zu optimistisch kalkulierte.

Als bereits schwer kranker Mann schrieb Marco Polo kurz vor seinem Tode Anfang Januar 1324 sein Testament, das erhalten geblieben ist. Hieraus geht hervor, dass er bald nach seiner Freilassung im Jahre 1299 und seiner Rückkehr aus Genua in Venedig Donat Badoer, die Tochter des Kaufmanns Vidal Badoer, heiratete und später Vater von drei Töchtern mit Namen Fantina, Bellela und Moreta wurde. Die beiden ersten waren im Jahre 1324 schon verheiratet, und Marco Polo hinterließ allen ein Erbe im Wert von mehr als 70 kg Gold.

Von seinem Vater Niccolò Polo ist nur bekannt, dass er um 1300 verstarb, und von seinem Onkel Maffeo kennt man nur ein 1310 angefertigtes Testament.

Tod

1324 starb Marco Polo. Da Kritiker seine Erzählungen für unwahr hielten, wurde er zuletzt von Priestern, Freunden und Verwandten aufgefordert, um seines Seelenheiles willen den Lügengeschichten doch endlich abzuschwören. Dem Bericht seines Zeitgenossen und ersten Biographen Fra Jacopo d´Acupui zufolge soll Marco Polo jedoch auf dem Sterbebett erwidert haben: "Ich habe nicht die Hälfte dessen erzählt, was ich gesehen habe!"

Nach seinem Tode wurde Marco Polo in der Benediktinerkirche von San Lorenzo (Venedig) beigesetzt, in der sein Vater ebenfalls begraben war. Diese Kirche wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts dem Erdboden gleichgemacht.

Marco Polos Haus, welches sich am rechtwinkligen Zusammentreffen des Rio di San Giovanni Crisòstomo und des Rio di San Lio befand, ist 1596 abgebrannt.

Textquelle: Artikel Marco Polo. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Dezember 2006, 10:03 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 3. Januar 2007, 22:48 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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