Christian Schad

Christian Schad

*21.08.1894 — †25.02.1982

Leben und Werk

Gedenkmarke Christian Schad 1994
Public-Domain-Bild (Amtliches Werk)

Gedenkmarke Christian Schad 1994

Christian Schad (* 21. August 1894 in Miesbach, Oberbayern; † 25. Februar 1982 in Stuttgart), war ein deutscher Maler der Neuen Sachlichkeit, der neben Otto Dix, George Grosz, Rudolf Schlichter und Karl Hubbuch zu den wichtigsten Vertretern des Verismus gezählt wird.

Kindheit und Jugendjahre

Christian Schad kam am 21. August 1894 im oberbayerischen Miesbach als Sohn des Geheimen Justizrates Carl Schad und dessen Frau Marie, geborene Fohr, zur Welt. Er war ein Urgroßneffe des Malers Carl Philipp Fohr. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie zurück nach München. Gemeinsam mit seiner Schwester wuchs er in behüteten, kultivierten Verhältnissen auf, die Eltern unterstützen früh die musischen Neigungen der Kinder. Durch den Vater bestanden enge Bindungen zum bayerischen Herrscherhaus. Mit 18 verließ Schad das Gymnasium und schrieb sich an der Kunstakademie in München ein. Er studierte bei Heinrich von Zügel und Carl Johann Becker-Gundahl, brach aber nach wenigen Semestern ab, weil er sich „nicht prüfen lassen wollte“. Er mietete sich im Künstlerviertel Schwabing ein Atelier, wo erste expressionistische Holzschnitte entstanden. Unweit seines Ateliers fanden wichtige zeitgenössische Kunstausstellungen statt, und mit der Künstlergruppe Blauer Reiter gründete sich in München ein wichtiger Wegbereiter der Moderne. 1914 reiste Christian Schad zu einem Studienaufenthalt ins holländische Volendam.

Dada in der Schweiz

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges simulierte er mit der Einberufung zur Infanterie einen Herzfehler und floh 1915 in die neutrale Schweiz nach Zürich. Dort wurde er Zeitzeuge der Entstehung der Dada-Bewegung um Hans Arp, Hugo Ball und Emmy Hennings, besuchte deren Veranstaltungen im Cabaret Voltaire. Mit dem Dichter Walter Serner verband ihn eine enge Freundschaft; Schad unterstützte ihn bei der Gründung der Monatszeitschrift Sirius und verschiedenen Dada-Aktionen. Er veröffentlichte Holzschnitte in avantgardistischen Zeitschriften und eine Grafikmappe mit Originalen. Ende 1916 zog er ins französischsprachige Genf, machte Malstudien in der dortigen Irrenanstalt, und begann seine eigentliche Dada-Phase. 1919 führten Materialexperimente zu dem später nach ihm benannten Fotogramm (Schadographie), einem auf lichtempfindlichen Platten erzeugten Konturbild, ähnlich den Rayographien von Man Ray. Zudem arbeitete er an Holzreliefs, kubistisch geprägten Ölbildern und weiteren Holzschnitten.

Neue Sachlichkeit

Nach kurzem Aufenthalt in München, hielt er sich ab 1920 für mehrere Jahre in Rom und, gemeinsam mit Serner, in dem für ihn interessanten „kulturärmeren“ Neapel auf. Dort entstanden erste realistische Porträts. 1923 heiratete er die Römerin Marcella Arcangeli, im Jahr darauf wurde der Sohn Nikolaus geboren. Mit Einwilligung des Vatikans malte er im Winter 1924 ein Porträt von Papst Pius XI. 1925 übersiedelte man nach Wien und die Familie fand schnell Anschluss an das gesellschaftliche Leben. Er beteiligte sich an der Ausstellung Die Neue Sachlichkeit bei Neumann-Nierendorf in Berlin. Für eine siebenbändige Werkausgabe von Serner entwarf er die Umschlagzeichnungen. Nach der Trennung von seiner Frau ging Schad 1928 für die folgenden Jahre in die Hauptstadt, reiste aber auch nach Paris und nach Schweden. Zahlreiche Kontakte aus der Schweizer Zeit erleichterten ihm den Wechsel; das Romanische Café war ein beliebter Treffpunkt für Künstler und Schriftsteller. Schad führte ein Leben als Dandy, bewegte sich zwischen Salons, Tanzbars und kulturellen Kontakten. Er beteiligte sich mit einigen Zeichnungen an einem „Führer durch das lasterhafte Berlin“. Seine Figuren und Motive spiegeln die „goldene“ mondäne Seite der Zwanziger Jahre wider. Seine etwa 30 Porträts dieser Zeit zwischen 1925 und 1930 werden zur Neuen Sachlichkeit gezählt: Lotte, und Sonja, die exemplarisch für den neuen selbstbewussten Frauentyp mit Bubikopf und Zigarette stehen; Graf St.Genois, und Freundinnen, Sinnbilder eines erotisierten Großstadtlebens; Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter; Maika, Schads Freundin zu der Zeit; Agosta, der Flügelmensch, und Rasha, die schwarze Taube, die als Artisten auf einem Jahrmarkt arbeiteten; und die Operation. Schad war ein Meister des kühlen, sachlichen Farbauftrags, er galt als einer der besten Maler der menschlichen Haut. Dafür verwendete er die zeitaufwendige Lasurtechnik. 1931 verunglückte seine Frau Marcella beim Baden im Meer, der Sohn Nikolaus kam zu den Großeltern.

Ein Meisterwerk

Im Jahr 1927 malte Christian Schad sein Selbstporträt mit Modell, das heute zu den bekanntesten und am meisten reproduzierten Werken des Künstlers und der Neuen Sachlichkeit allgemein zählt. Schonungslos setzt sich Schad dem eigenen Blick aus; als „Maler mit dem Skalpell“, der seine Modelle und sich selbst mit kühler Sachlichkeit seziert. Sein Blick ist misstrauisch, die Atmosphäre des Bildes unterkühlt, fast eisig. Die dargestellten Personen haben sich nichts zu sagen. Nach vollzogenem Akt ist jeder um sich selbst bemüht, der Mann im Dreiviertelporträt und die Frau im Profil scheinen sich bewusst voneinander abzuwenden. Ein Bezug besteht lediglich im Körperlichen: die Frau ist fast gänzlich unbekleidet, ein angedeuteter roter Strumpf am linken Bildrand und eine Schleife am Handgelenk bilden die einzigen Akzente. Schad selber kleidet sich in ein grünlich-transparentes Hemd, das über der Brust geschnürt ist, - ein stärkerer Eindruck als säße er vollkommen nackt da. Vor einem bühnenhaft verschleierten Hintergrund mit dunklem Himmel und Schornsteinen, steht hell eine einzelne Blüte als Symbol für den Narzissmus der Figuren. Die Frau mit ihrem dunklem Pagenschnitt und Seitenscheitel entspricht einem bestimmten, in den Zwanziger Jahren populär gewordenen Frauentypus: weder besonders schön, noch abstoßend, entspringt ihre Physiognomie jenem Authentizitätsanspruch, mit dem speziell die Veristen in dieser Zeit das Porträt neu auffassen. Schad berichtete, das Gesicht der Frau sei das einer Unbekannten, die er als Kundin in einem Schreibwarengeschäft gesehen habe. Der „sfregio“, die Gesichtsnarbe, sei eine Art „Liebesbeweis“: die Frauen in Neapel hätten voller Stolz solche Narben zur Schau getragen, die ihnen vom eifersüchtigen Ehemann oder Liebhaber beigebracht wurden.

Zeit des Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung des NS-Regimes wurde sein Werk nicht wie das vieler anderer Künstler seiner Generation als „entartete Kunst“ eingestuft, keines seiner Werke wurde konfisziert, und 1934 konnte er Arbeiten zur „Großen deutsche Kunstausstellung“ einreichen. Seine Bilder dieser Zeit besaßen nicht mehr die kühle Schärfe früherer Arbeiten, eine gewisse Leichtigkeit war dem Geschmack seiner Auftraggeber geschuldet. Dennoch musste er aufgrund seiner Dada-Vergangenheit befürchten, mit Berufsverbot belegt zu werden. Angesichts der Situation zog er sich ins innere Exil zurück, reduzierte das Malen auf einige wenige Werke und übernahm ab 1935 die Leitung eines Brauereibetriebs. Schad begann eine intensive Auseinandersetzung mit ostasiatischer Mystik. 1936 zeigte das Museum of Modern Art in New York einige der frühen Schadografien, - ohne sein Wissen. In den Sommern hielt er sich zu Naturstudien in der Jagdhütte seiner Eltern im oberbayerischen Valepp auf. Auf der Suche nach einem Modell lernte er die junge Schauspielerin Bettina Mittelstädt kennen. Nach der Zerstörung seines Berliner Ateliers durch einen Bombentreffer übersiedelte er 1942 nach Aschaffenburg, wo er den Auftrag zur Erstellung einer Kopie der Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald erhalten hatte.

Nachkriegszeit und Spätwerk

1947 war das Jahr der Fertigstellung der Kopie und der Heirat mit Bettina. In den Fünfziger Jahren vollzog Schad eine Rückkehr zur expressiven Malerei und zur Druckgrafik, die Phase des „Magischen Realismus“ setzte ein. Schad begann eine rege Teilnahme an Ausstellungen im In- und Ausland, mehrere Reisen führten ihn und seine Frau nach Tunesien, Frankreich, Italien und in die Schweiz. Ab 1960 entstanden nach mehr als 40jähriger Unterbrechung neue Fotogramme, die er in drei Werkzyklen bis 1977 weiterführte. 1962 zog das Ehepaar Schad in ein neugebautes Atelierhaus nach Keilberg bei Aschaffenburg. In den frühen Siebziger Jahren kehrte Schad zur realistischen Malweise seiner neusachlichen Zeit zurück. Mehrere Grafikmappen erschienen. Etwa zeitgleich begann die „Wiederentdeckung“ Schads mit der wichtigen Ausstellung im Palazzo Reale in Mailand 1972 bis hin zur umfassenden Retrospektive in der Kunsthalle Berlin 1980. Christian Schad starb am 25. Februar 1982 in Stuttgart; sein Grab befindet sich in Keilberg. Im Jahr 2000 schenkte Bettina Schad der Stadt Aschaffenburg den kompletten Nachlass ihres Mannes. Sie selbst starb 2002.

Textquelle: Seite „Christian Schad“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. Mai 2009, 20:37 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 7. August 2009, 23:26 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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