Paul Cézanne

Paul Cézanne

*19.01.1839 — †22.10.1906
Paul Cézanne

Portrait

Paul Cézanne (* 19. Januar 1839 in Aix-en-Provence; † 22. Oktober 1906 ebenda) war ein französischer Maler.

Entwicklung

Zola hat als Literat sehr früh die „Gefahr“ Cézannes erkannt und dessen wesentliche Entwicklungsrichtung. Im April 1860 schreibt er: „Du hast begriffen, wie schwer es ist, der Eingebung folgend, Farben auf die Leinwand zu setzen, und ich verstehe, daß Du Dich vor einem Bild (…) für diesen oder jenen Pinselstrich begeisterst usw. Hüte Dich aber (...) ein Bild darf nicht nur aus Farben auf einer Leinwand bestehen.“ Cézanne kam umgekehrt immer mehr von einer literarischen Malerei ab. Seine Werke der frühen Jahre sind, neben einfachen realistischen Studien, noch voll von einer schweren, rauschhaften, vielfach düsteren Sinnlichkeit und Schicksalsverhängtheit. Symbolik, Psychologie und Atmosphäre ordnet er aber einer allein auf Auge und Komposition beruhenden Malerei immer mehr unter. Er legt das Licht den Dingen immer weniger als Reflex auf, sondern gewinnt es aus der harmonischen Farbgebung selbst, um die Gegenstände mit Licht „einzuhüllen“ und wie aus einer „geheimen Sonne“ zu speisen. Genauso entfernt sowohl von der erstarrten „Klassik“ des Akademismus, wie von der puren Unmittelbarkeit ohne „Logik“ des Impressionismus, macht dieses reine Studium Cézanne zu einem Maler wie er ihn selbst preist: „Und vor allem liebe ich an den Bildern von Veronese, daß man nicht darüber quatschen kann. Man liebt sie, wenn man die Malerei liebt.“ Nach Effekten und Aussagen, welche den Zugang zu anderen Künstlern so erleichtern, wird man darum im Werk Cézannes mit seinem Fortschritt immer vergeblicher suchen und sich statt dessen an ein Wort Delacroixs erinnern: „Würde man hundertzwanzig Jahre alt, würde man Tizian schließlich allen Malern vorziehen, weil er der am wenigsten manierierte ist.“

Methode

Wie für die Antike und die alten Meister ist für Cézanne die Grundlage der Malerei das Zeichnen, die Voraussetzung aller Arbeit aber die Unterordnung unter den Gegenstand, bzw. das Auge oder das reine Schauen: „Das ganze Wollen des Malers muss schweigen. Er soll in sich verstummen lassen alle Stimmen der Voreingenommenheit. Vergessen! Vergessen! Stille schaffen! Ein vollkommenes Echo sein. Die Landschaft spiegelt sich, vermenschlicht sich, denkt sich in mir. Ich steige mit ihr zu den Wurzeln der Welt. Wir keimen. Eine zärtliche Erregung ergreift mich und aus den Wurzeln dieser Erregung steigt dann der Saft, die Farbe. Ich bin der wirklichen Welt geboren. Ich sehe! (...) Um das zu malen muss dann das Handwerk einsetzen, aber ein demütiges Handwerk, das gehorcht und bereit ist unbewusst zu übertragen.“ Mit einem Wort: „Meine Methode ist der Hass gegen das Phantasiegebilde.“ Dies war für Cézanne die enge aber notwendige Basis dafür: „Jeden Tag Fortschritte zu machen, worauf es ankommt.“ Emile Bernard, der den Maler in dessen letzten Jahren kennen lernt, schreibt später: „Seine Arbeitsmethode war eigenartig und vollkommen abweichend von den gebräuchlichen. Er begann mit den Schattenteilen und mit einem Fleck, auf den er einen zweiten, größeren setzte, dann einen dritten, bis alle diese Farbtöne, zueinander geordnet, die Gegenstände hervorbrachten. Da begriff ich, dass ein Harmoniegesetz seine Arbeit leitete und dass diese Modulationen eine im voraus festgesetzte Richtung hatten.“ In dieser vorherbestimmten Richtung liegt für Cézanne das eigentliche Geheimnis der Malerei, nämlich der Zusammenhang von Harmonie und der Illusion der Tiefe: „Die Farbe muss diesen Sprung in die Tiefe ausdrücken. Daran erkennt man das Können des Malers. (…) Aus der genauen Beziehung der Farbtöne geht die Modellierung hervor. Wenn die Töne harmonisch nebeneinander stehen, modelliert sich das Bild von selbst.“ Einem Besucher erklärt er nacheinander auf zwei Teile seines Bildes deutend und ohne überhaupt Zeichnung und Tiefe zu unterscheiden: „Sehen Sie, hier, das ist gezeichnet, das ist gut, aber hier, das ist schlecht, hier ist die Farbe Farbe geblieben und nicht Ausdruck der Tiefe.“

Bedeutung

Die Widersprüchlichkeit der Bedeutung Cézannes liegt in der außerordentlichen Anerkennung seines Werkes im Gegensatz zur Anerkennung der Grundlagen und Ziele seiner Arbeit. So sagt beispielhaft etwa Picasso: „Cézanne, c´est notre père à tous“ (Cézanne ist unser aller Vater.) - lehnt aber sowohl die Unterwerfung unter das Motiv als auch die Weiterentwicklung der Alten Meister ab: „Ich bin überhaupt nicht einverstanden mit Cézannes Idee, Poussin neu zu schaffen, nach der Natur, wie er es wollte.“ Heute stehen im wesentlichen diese Auffassungen gegeneinander: Die einen sehen in Cézanne einen Vorgänger der Moderne, die anderen, umgekehrt, eine Art Siegel der klassischen Malerei.

Neben die Urteile über sich selbst, die keinen Zweifel daran lassen, dass Cézanne sich, nach dem Tod von Courbet, für den bedeutendsten lebenden Maler hielt, lassen sich andere Bekenntnisse stellen: „Ich habe noch nichts gemacht, was sich neben den Alten Meistern halten könnte. (…) Es wird vielleicht die Erinnerung an einen tüchtigen Mann bleiben, der die Malerei von einer falschen Tradition befreit hat; einer falschen unabhängigen, wie einer falschen akademischen. Und der den unbestimmten Traum einer Wiedergeburt seiner Kunst gehabt hat.“

Textquelle: Artikel Paul Cezanne. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 17. Januar 2003, 09:35 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 6. November 2006, 14:14 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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