Christo und Jeanne-Claude

Christo und Jeanne-Claude

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Realisierte Projekte

5.600 cubicmeter package (1968)

1968 bekamen Christo und Jeanne-Claude die Möglichkeit zu einer Teilnahme an der documenta IV in Kassel. Ihr Beitrag bestand aus einem länglichen Ballon, im Kasseler Volksmund Wurst genannt, mit einem Volumen von 5.600 Kubikmetern. Der erste Versuch, den großen Ballon, der aus einer weißen, semi-transparenten Hülle bestand, mit Hilfe eines im Inneren des großen Ballons sich befindenden kleineren Ballons, der mit Helium gefüllt war, aufzurichten, schlug fehl: Die Haut aus Polyethylen platzte beim Versuch, den Ballon steigen zu lassen, und zwar infolge einer starken Windböe, die ihn wieder niederdrückte. Nach mehrfachen Reparaturen und schließlich dem vollständigen Austausch der Hülle (die neue bestand aus dickerem Material, und zwar aus grauem Trevira), konnte das Projekt verwirklicht werden. Das "package" stand zwei Monate lang und kostete Christo und Jeanne-Claude 70.000 Dollar, die sie mit viel Mühe selbst aufbrachten. Dokumentiert ist der gesamte Prozess des Aufbaus, des Scheiterns und endgültigen Aufbaus in einem Fotoband. Siehe dazu das Literaturverzeichnis.

Verhüllte Küste (1969)

Ende des Jahres 1969 verhüllten Jeanne-Claude und Christo eine Küste in Australien, mit Hilfe von 130 Helfern, die insgesamt 17.000 Arbeitsstunden investierten. Es wurden 93.000 m² Synthetikgewebe und 56 km Seil verlegt. Nach anfänglichen Widerständen der Behörden und der Öffentlichkeit waren die Reaktionen nach der Fertigstellung des Projekts weitgehend positiv. Christo und Jeanne-Claude waren ein perfektes Team und ergänzten sich hervorragend. Christo hatte große künstlerische Fertigkeiten und Jeanne-Claude ein sehr gutes organisatorisches Talent, trotzdem entschieden sie alles gemeinsam, sowohl im künstlerischen als auch im organisatorischen Bereich.

Valley Curtain (1970-1972)

Ende des Jahres 1970 begannen Christo und Jeanne-Claude mit den Vorbereitungen für das Projekt „Valley Curtain“. Dabei sollte ein Vorhang durch ein 400 m breites Tal der Rocky Mountains in Colorado gespannt werden. Der Vorhang erreichte eine Höhe von bis zu 111 Metern. Es gab einige Probleme mit der Beschaffung der Genehmigung für das Projekt, mit Umweltschützern und der Finanzierung des geplanten Budgets von 230.000 Dollar. Das 13.000 m² große orangefarbene Nylongewebe sollte an einem Stahlseil aufgehängt werden, das mit Hilfe von Betonfundamenten an den Hängen verankert werden sollte.

Jeweils 200 Tonnen Beton mussten manuell in Eimern auf jeden Hang getragen werden. Der Etat erhöhte sich auf 400.000 Dollar und die Christos bekamen wieder einmal Probleme mit der Finanzierung. Sie konnten schließlich genug Kunstwerke verkaufen, um das Geld aufzubringen. Am 10. Oktober 1971 konnte der orange gefärbte Vorhang aufgehängt werden. Doch der Versuch misslang, da der Vorhang von Wind und Felsen zerfetzt wurde (der deutsche Fotograf Wolfgang Volz hatte gerade noch ein Bild machen können). Voller Enttäuschung entschloss sich das Künstlerpaar einen neuen Vorhang herstellen zu lassen und es nochmals zu versuchen. Währenddessen erhielt Christo eine Postkarte eines Berliner Architekten, mit dem Vorschlag, den Berliner Reichstag zu verhüllen. Bereits 1961 hatte Christo die Idee zur Verhüllung eines öffentliches Gebäudes, namentlich eines Parlaments. Christo gefiel die Idee und er setzte sich damit auseinander. Am 10. August 1972 gelang dann der zweite Versuch, den Vorhang zu installieren, doch nur 28 Stunden später musste er aufgrund eines Sturms, der sich mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h näherte, wieder abgebaut werden. Christo und Jeanne-Claude waren dennoch mehr als zufrieden.

Running Fence (1973)

1973 erhielt Christo nach 17-jähriger Staatenlosigkeit die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Außerdem begannen im selben Jahr die Vorbereitungen für „Running Fence“, einem von Stahlpfosten und Stahlseilen getragenen 5,5 m hohen Zaun aus Stoffbahnen, der 39,5 km durch die kalifornische Landschaft verlaufen und schließlich im Meer münden sollte. Für das Projekt mussten die Landarbeiter überzeugt und die Genehmigungen von den Behörden eingeholt werden. Dafür engagierten Christo und Jeanne-Claude neun Anwälte. Ende 1974 steckte Christo den Verlauf des Zauns mit Holzpfählen ab.

Erst am 29. April 1976 begannen die Arbeiten nach einem langen Kampf gegen die Bürokratie. Es wurden 160.000 m² Nylongewebe, 2.050 Stahlpfähle und 145 km Stahlkabel benötigt. Am 10. September war das Werk fertiggestellt. Christo und Jeanne-Claude mussten 60.000 US-Dollar Bußgeld zahlen, da ihnen eine Genehmigung für die Küstenregion fehlte.(?)

Verhüllte Parkwege (1977)

1977 beschäftigten sich Christo und Jeanne-Claude mit der Rückfinanzierung der Kredite und dem Sparen von Geld. Außerdem planten sie zukünftige Projekte, wie die Verhüllung des Reichstags, die Verhüllung des Pont Neufs in Paris, sowie das Projekt „Wrapped Walk Ways“, eine Verhüllung von Fußwegen im Loose Park in Kansas City.

Im November traf Christo seine Eltern und damit seine Mutter zum ersten Mal seit 20 Jahren. Bei „Wrapped Walk Ways“ verhüllen Christo und Jeanne-Claude 4,5 km der Fußwege des Parks. Insgesamt wurden dafür 12.500 m² safrangelb schimmerndes Nylongewebe benötigt. Die Fußgänger erfreuten sich zwei Wochen im Oktober an dem Kunstwerk. Die Kosten beliefen sich auf 130.000 Dollar.

Surrounded Islands (1982)

Am 27. April 1982 starb Christos Mutter. Seit 1980 planten die Christos ein Projekt nach Jeanne-Claudes Idee, bei dem 11 Inseln in Miami Beach von schwimmendem, pinkfarbenem Polypropylengewebe umsäumt werden sollten. Es wurden dafür 603.850 m² Polypropylen benötigt, welches mit Ankern befestigt wurde. Während der Arbeiten 1983 starb auch Christos Vater. Das Kunstwerk wurde am 7. Mai mit Hilfe von 500 Helfern fertiggestellt und war zwei Wochen lang zu bewundern.

Verhüllter Pont Neuf (1984)

Am 14. März 1984 erhielt auch Jeanne-Claude die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, durfte ihren französischen Pass aber behalten. Im August erhielt das Künstlerpaar die Genehmigung für die Verhüllung des Pont Neuf nach neunjährigen Verhandlungen mit dem Bürgermeister von Paris, Jacques Chirac. Im Dezember starb Jeanne-Claudes Stiefvater Jacques de Guillebon. Für die Verhüllung der ältesten Brücke in Paris wurden 40.000 m² sandfarbenes Polyamidgewebe benötigt. Die Verhüllung begann am 25. August 1985 und wurde am 22. September beendet. In den nächsten zwei Wochen besuchten rund drei Millionen Menschen das Projekt.

The Umbrellas (1990)

Christo und Jeanne-Claude bereiteten sich 1986 auf das Projekt „Umbrellas“ vor, bei dem zeitgleich in Kalifornien und Japan gelbe und blaue Schirme aufgestellt werden sollten.

Im Dezember 1990 wurden nach langer Vorbereitungszeit die ersten Sockel für die Schirme verlegt. An den Sockeln waren 80 cm lange Anker befestigt, die im Boden verankert wurden und Zugkräften von 1.500 kg standhalten sollten. Die Sockel wurden mit Helikoptern transportiert, um das Land nicht zu zerstören. Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf 26 Millionen Dollar. Im September 1991 wurden die Schirme von insgesamt 1.880 Helfern auf ihre Plätze gebracht.

Am 7. September wurden 1.340 blaue Schirme in Ibaraki und die 1.760 gelben Schirme in Kalifornien aufgestellt und am 9. September geöffnet. Insgesamt besichtigten drei Millionen Besucher die 6 m hohen und im Durchmesser 8,66 m fassenden Schirme. Während des Projekts kamen zwei Menschen ums Leben. Eine Frau wurde nach einem Windstoß von einem Schirm erschlagen und ein Mann kam bei den Arbeiten mit einem Hochspannungsdraht in Berührung.

Verhüllter Reichstag (1995) >> Zum Hauptartikel

23 Jahre lang mussten Jeanne-Claude und Christo beharrlich arbeiten, bis es zur Verhüllung des Reichstags in Berlin kam. Mit der Unterstützung der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth leisteten die Christos Überzeugungsarbeit bei den Mitgliedern des Deutschen Bundestages, gingen von Büro zu Büro und schrieben an alle 662 Abgeordneten briefliche Erläuterungen. Außerdem führten sie unzählige Telefonate und Verhandlungen. Prominenteste Gegner der Verhüllung waren Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble. Sie waren der Überzeugung, dass der deutsche Reichstag keiner Aufwertung durch eine Verhüllung bedürfe und empfanden das Angebot als Kränkung.

Am 25. Februar 1994 stimmte der Deutsche Bundestag nach längerer und teils sehr emotional geführter Debatte in namentlicher Abstimmung über das Projekt ab und befürwortete es mit 292 Ja-Stimmen (bei 223 Nein-Stimmen, 9 Enthaltungen und einer ungültigen Stimme). Das Künstlerpaar begann nun mit der Arbeit. Es wurden über 100.000 m² feuerfestes Polypropylengewebe, das mit einer Aluminiumschicht überzogen wurde, und 15.600 m Seil benötigt. Das Gewebe wurde, wie auch später für die Verhüllten Bäume und The Gates, von der Firma Schilgen im münsterländischen Emsdetten hergestellt. Ein Großteil der Stoffbahnen wurden in der Firma „Bieri-Zeltaplan“ in Taucha bei Leipzig zusammengenäht. Die Verhüllung begann am 17. Juni 1995 und wurde am 24. Juni abgeschlossen. Bei der Montage beteiligen sich 90 professionelle Kletterer und viele weitere Helfer. Der Abbau fand am 7. Juli statt. Während der Aktion wohnten fünf Millionen Besucher dem Spektakel bei.

Textquelle: Seite „Christo und Jeanne-Claude“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. November 2009, 19:07 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 19. November 2009, 22:27 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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