Alfred Messel

Alfred Messel

*22.07.1853 — †24.03.1909

Leben und Werk

Alfred Messel (* 22. Juli 1853 in Darmstadt; † 24. März 1909 in Berlin) war ein deutscher Architekt, der gleichermaßen mit großbürgerlichen Villen und Kleinwohnungsbauten Beachtung fand; in besonderem Maße vorbildhaft und stilprägend waren jedoch seine Warenhaus-Bauten. Der zeichnerische Büronachlass wird im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin verwahrt.

Alfred Messel wurde als dritter Sohn des Bankiers Simon Messel am 22. Juli 1853 in Darmstadt geboren. Die Familie besaß dort ein angesehenes Bankhaus, das durch Alfreds älteren Bruder Ludwig zunächst in Darmstadt dann aber Ende der 1870er Jahre von Großbritannien aus weitergeführt wurde. Ein Nachfahre des britischen Familienzweiges ist übrigens Lord Snowdon. Bereits seit seiner Kindheit war Alfred Messel mit dem späteren Stadtbaudirektor von Berlin Ludwig Hoffmann befreundet. 1872 legte er am Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt sein Abitur ab, und es folgte darauf sein Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beim 1. Großherzoglich Hessischen Leibgarde-Infanterie-Regiment.

Ab 1873 studierte er zusammen mit seinem Freund Ludwig Hoffmann zunächst an der Kunstakademie in Kassel, bevor er dann 1874 bis 1878 an der Berliner Bauakademie Architektur vor allem bei Heinrich Strack studierte. Danach war er als Regierungsbauführer (Referendar) beim Neubau der Oberpostdirektion an der Spandauer Straße in Berlin von Carl Schwatlo beschäftigt, bevor er sich erfolgreich der zweiten Staatsprüfung zum Regierungsbaumeister (Assessor) unterzog. 1879 wurde Messel Mitglied des Berliner Architektenvereins und 1881 gewann er mit seinen Entwürfen für ein Ausstellungsgelände auf dem Tempelhofer Feld den Schinkelpreis. In den folgenden beiden Jahren unternahm er größere Reisen nach Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien und arbeitete als Dozent an der neu gegründeten Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg. 1886 ließ er sich aus dem Staatsdienst beurlauben und war von nun an vor allen Dingen als Privatarchitekt tätig. Für sein erstes verwirklichtes Gebäude – die Werderhäuser am Werderschen Markt in Berlin – wurden zuvor die Gentzsche Münze als auch das „Fürstenhaus“ abgerissen. Immerhin ließ er zuvor einige bauliche Details abzeichnen und publizierte diese in der Zeitschrift für Bauwesen von 1888. Am 1. Februar 1893 heiratete er Elsa Altmann und im November desselben Jahres kam ihr erstes Kind Ena zur Welt. Im Februar 1894 wurde er an die Berliner Kunstgewerbeschule als Professor berufen und im gleichen Jahr gründete er zusammen mit Martin Altgelt ein Architekturbüro.

Ab 1893 arbeitete er mit der Warenhausdynastie Wertheim zusammen, und 1894 konnte das erste Warenhaus französischen Bautyps auf deutschem Boden an der Oranienstraße in Berlin eröffnet werden. 1896 wurde sein Sohn Ludwig Leonhard geboren, der im Ersten Weltkrieg fiel.

Mit der Eröffnung des ersten Bauabschnitts des Wertheim-Warenhauses am 15. November 1897 begann Messels Aufstieg zu einem der prominentesten deutschen Architekten seiner Zeit. Er verließ die strengen Bahnen historistischer Architektur und fand mit der vertikal gegliederten Pfeilerfassade eine der inneren Nutzung entsprechende Front. Vor allem dadurch wurde das Wertheimhaus zu einer der Inkunabeln moderner Architektur.

1899 konvertierte Messel vom Judentum zum Protestantismus und am 17. Mai desselben Jahres erhielt er den Roten Adler Orden IV. Klasse, was ihn zu der Bemerkung veranlasste, dass er sich von nun an wirklich „viertklassig“ fühlen dürfe. Im gleichen Jahr wurde seine jüngste Tochter Irene geboren, die 1992 in London verstarb. Im Jahr 1900 löste er seine Zusammenarbeit mit Martin Altgelt. Ab 1902 machte sich eine Herzschwäche bei ihm bemerkbar, die ihn in den folgenden Jahren zu längeren Kuraufenthalten zwang. 1903/06 war er mit der zweiten Erweiterung des Wertheimhauses an der Leipziger Straße und am Leipziger Platz beschäftigt. Vor allen Dingen der Eckpavillon erstaunte die Architekturkritik, denn um Unterschied zum ersten Bauabschnitt versuchte Messel an dieser städtebaulich dominanten Stelle den Eingang in die Leipziger Straße durch eine historisierendere Fassadengliederung zu betonen. Freilich waren seiner Gotikauffassung keine historischen Vorbilder zuzurechnen. Kritisiert wurde vor allem der reiche figurative Schmuck, der Messel jedoch selbst befremdete. Einer der größten Kritiker des Eckpavillons war das Ministerium für öffentliche Arbeiten, das Einspruch gegen die – nach seiner Ansicht – überdimensionierte Dachfläche anmeldete. Aus diesem Grund fügte Messel kleinere provisorische Giebelchen ein, die aber schließlich doch abgenommen werden konnten. 1904 wurde Messel Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. 1906 erhielt er die Ehrendoktorwürde (Dr.-Ing. E.h.) der Technischen Hochschule Darmstadt. Als im Februar Julius Carl Raschdorffs Berliner Dom eröffnet wurde, wurde diesem Bau der Wertheimpavillon als positives Beispiel entgegengehalten. In diese Debatte mischte sich angeblich auch Kaiser Wilhelm II. mit einer negativen Bemerkung zu Wertheim ein. Diese entpuppte sich am selben Tag als Pressefinte der Münchener Allgemeinen Nachrichten, aber Messel zweifelte ernsthaft am Fortbestand seines Architekturateliers in Berlin und überlegte einen Umzug in seine alte Heimat Darmstadt. Danach überschlugen sich die Ereignisse, denn Anfang 1907 wurde er offiziell zum Architekten der Königlich Preußischen Museen ernannt und beschäftigte sich überwiegend bis zu seinem Tod mit der Planung eines Neubaus für das Deutsche-, Pergamon- und Vorderasiatische Museum in Berlin. Der Kaiser verließ sich vollkommen auf das Urteil Messels, was dieser aber wegen seiner krankheitsbedingten häufigen Abwesentheit nur selten ausnutzen konnte.

Am 24. März 1909 verstarb Alfred Messel und wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg bestattet. Da er jüdischer Abstammung war, wurden nach ihm benannte Straßen während der Zeit des Nationalsozialismus umbenannt (Beispiel: Siedlung Praunheim, Berlin-Dahlem).

Textquelle: Seite „Alfred Messel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. Dezember 2009, 10:48 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 5. Januar 2010, 12:52 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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