Alfred Messel

Alfred Messel

*22.07.1853 — †24.03.1909

Bauten

Warenhaus Wertheim, Leipziger Straße

Als Hauptwerk Messels gilt das Warenhaus Wertheim an der Leipziger Straße (bzw. am Leipziger Platz) in Berlin, das er zwischen 1896 bis 1906 in mehreren, unterschiedlich gestalteten Bauabschnitten für die A. Wertheim GmbH ausführte. 1893 kam es zur fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Messel und der Familie Wertheim. Während Messel deren erstes Verkaufshaus an der Oranienstraße in Berlin noch fest an den französischen Bautypus des Warenhauses anlehnte, folgte er beim zweiten an der Leipziger Straße 132/133 anderen Gestaltungsprinzipien. Anstelle einer horizontal gegliederten Hausfront spannte Messel breite Glasbahnen zwischen schmale, gotisierende, vertikale Pfeiler, die vom Sockel bis zum Dach ununterbrochen durchliefen und die eiserne Innenkonstruktion des Hauses sichtbar zum Ausdruck brachten. Darüber erhob sich ein mit grün glasierten Dachpfannen gedecktes mächtiges Mansarddach. Bereits die Baustelle sorgte mit ihrer nächtlichen elektrischen Beleuchtung und ihrem Stahlgerüst für einiges aufsehen, und als das Haus am 15. November 1897 eröffnete, kam es zu einem Verkehrschaos auf der Leipziger Straße. Nachdem man das zweigeschossige Vestibül durchschritten hatte, stand man in einem 22 Meter hohen und 450 m² Grundfläche umfassenden rechteckigen Lichthof. An der gegenüberliegenden Schmalwand führte eine repräsentative Treppe in die oberen Verkaufsetagen. Auf ihrem Absatz stand eine ca. 6 Meter hohe Plastik der „Arbeit“ von Ludwig Manzel. Die oberen Wandflächen der Schmalseiten schmückten monumentale Fresken eines antiken Hafens von Max Koch und eines modernen Hafens von Fritz Gehrke. Die ungeheure Wirkung, die das neue Warenhaus auf die Bevölkerung und Architekturkenner gleichermaßen hatte, lässt sich anhand zahlreicher Zeitungsartikel, Zeitschriftenbeiträge und Äußerungen namhafter Architekten und deren Kritikern belegen (Peter Behrens, Henry van de Velde, August Endell, Bruno Taut, Ludwig Mies van der Rohe, Hermann Muthesius, Karl Scheffler, Walter Curt Behrendt, Fritz Stahl, Alfred Lichtwark, Wiener, Heinrich Schliepmann u.v.a.). Sie alle lobten die vertikale, nüchtern und sachliche Fassadengliederung, die den Zweck der inneren Nutzung auch am Außenbau ablesen lasse. 1899/1900 kam es zur ersten Erweiterung an der Leipziger Straße 134/135 sowie an der Voßstraße 31/32. Während sich Messel an der Leipziger Straße streng an die Vorgaben seiner bereits zuvor erbauten Warenhausfassade hielt und den Eingangsrisalit noch einmal kopierte, hatte er sich an der Voßstraße an die Vorgaben der Baupolizei zu halten. Bei der Voßstraße handelte es sich um eine repräsentativere Wohnstraße mit spätklassizistischen oder neubarocken Palaisbauten. Folglich versteckte Messel hier seine Verkaufsetagen hinter einer gotisierenden Fassade flandrischer Prägung. 1903/1905 erfolgte eine erneute Erweiterung, die in dem berühmten Eckpavillon am Leipziger Platz gipfelte. Die Verblüffung unter den Architekturkennern war perfekt: Anstelle der strengen Pfeiler-Glasfassade war eine sehr viel gotisierendere, kleinteiligere und skulpturengeschmücktere Fassadenstruktur getreten, die sich auch im Baumaterial deutlich vom gelblichen Granit des Ursprungshauses absetzte und stattdessen das erste Mal in Berlin den fleckigen fränkischen Muschelkalk zum Einsatz brachte. Trotz der wesentlich historischeren Erscheinung dieses Bauteils, bei der wieder stärker Anlehnungen an gotische Architektur gemacht wurde, hatte Messel den Pavillon mit einem unvermittelt darauf aufsitzenden schwarz eingefärbten Mansarddach abschließen lassen. Im Inneren war als Hauptraum ein weiterer Lichthof mit einer Grundfläche von 750 m² entstanden (Marmorlichthof). Dieser war mit verschiedenfarbigen Marmorinkrustationen überzogen und von zwei monumentalen Brücken überspannt. In den ersten Stock führten zwei spiegelbildliche Treppen mit vergoldeten Leuchtern und offene, mit Gitterwerk versehene, Aufzüge. In den Jahren 1911 bis 1912 wurde ein Erweiterungsbau auf dem Grundstück Leipziger Straße 126-130 durch Heinrich Schweitzer errichtet. Von 1926 bis 1927 folgten die Erweiterungsbauten Leipziger Platz 13, Voßstraße 24/25 und Leipziger Straße 131 nach Entwürfen von Eugen Schmohl und Paul Kolb. Mit diesen Erweiterungen besaß das gesamte Warenhaus eine Nutzfläche von 106.000 m² bei einer Fassadenlänge an der Leipziger Straße von 243 m. Am 13. Oktober 1930, dem Tag der konstitutionierenden Sitzung des Reichstags, wurde das Haus Ziel von antisemitischen Krawallen in der Leipziger Straße. Nach 1933 wurde das Unternehmen schrittweise arisiert und schließlich 1938 in AWAG (Allgemeine Warenhaus-AG) umbenannt. 

Der gesamte Komplex erlitt im Zweiten Weltkrieg schwerste Schäden. Im März 1943 explodierten drei Sprengbomben, das endgültige Ende brachte ein im Januar 1945 durch Phosporbomben ausgelöster Brand.  Die Ruinen wurden erst um 1955/1956 zur Schaffung eines freien Grenzstreifens an der Sektorengrenze abgeräumt.

Weitere Bauten

vollständig oder teilweise erhalten

  • 1882-1883: Erbbegräbnis Frenkel, Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee
  • 1889: Retorten- und Kesselhaus der „Englischen Gasanstalt“ am heutigen Gasometer in Berlin-Schöneberg
  • 1889–1891: Gebäude der Volkscafé- und Speisehallen-AG, Neue Schönhauser Str., Berlin
  • 1891-1893: Wohnhäuser am Kurfürstendamm (teilweise erhalten)
  • 1891-1892: Gebäude der Volkscafé- und Speisehallen-AG, Chausseestraße, Berlin
  • 1893–1895: Wohnanlage für den Berliner Spar- und Bauverein eGmbH, Berlin-Moabit, Sickingenstraße 7/8
  • 1895-1897: Gewerbehof Alexandrinenstraße, Berlin-Kreuzberg
  • 1897: Schloss Schönrade in der Neumark (Tuczno)
  • 1897–1898: Wohnanlage für den Berliner Spar- und Bauverein eGmbH, Berlin-Friedrichshain, Schreinerstraße 63/64 / Proskauer Straße 15-17 / Bänschstraße 26/28/30 (verändert)
  • 1892–1906: Großherzoglich Hessisches Landesmuseum in Darmstadt, Zeughausstraße 1
  • 1897-1898: Villa Wilhelm Wertheim, Berlin-Grunewald (gemeinsam mit Martin Altgeld, mit Veränderungen erhalten)
  • 1899-1900: Direktionsgebäude in Staßfurt-Leopoldshall (heute Rathaus)
  • 1899–1900: Wohnanlage für den Berliner Spar- und Bauverein eGmbH, Berlin-Prenzlauer Berg, Stargarder Straße 3/3a/4/5 / Greifenhagener Straße 56/57 (verändert)
  • 1897–1900: Bankgebäude der Berliner Handels-Gesellschaft, Berlin-Mitte, Behrenstraße 32/33 (auch Erweiterung bis 1908)
  • 1899–1906 (in mehreren Bauabschnitten): Wohnanlage des Vereins zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin eV, Berlin-Friedrichshain, Weisbachstraße / Kochhannstraße / Ebertystraße / Ebelingstraße (teilweise erhalten)
  • 1901–1902: Gebäude des Lette-Vereins zur Förderung höherer Bildung und Erwerbstätigkeit des weiblichen Geschlechts, Berlin-Schöneberg, Viktoria-Luise-Platz 6
  • 1901–1902: Landhaus für den Verleger Ferdinand Springer, Berlin-Wannsee
  • 1901–1902: Wohnhaus für Friedrich Back, Darmstadt, Jahnstraße 106 (stark verändert)
  • 1903-1904: Grabstätte Louis Simon, Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee, verwahrlost erhalten
  • 1903–1904: Verwaltungsgebäude der Landesversicherungsanstalt, Berlin, Am Köllnischen Park 2a/3 (um 1995 restauriert)
  • 1903–1906: Warenhaus Wertheim, Berlin, Rosenthaler Straße 27–31 / Sophienstraße 12–15 (teilweise erhalten)
  • 1904: Grabmal der Familie Rathenau, Berlin-Oberschöneweide, auf dem Waldfriedhof
  • 1905–1906: Rathaus, Ballenstedt (Harz)
  • 1906: Villa für Wolf Wertheim in Kladow bei Berlin
  • Entwurf 1906/1908, Ausführung 1909–1930: Pergamonmuseum, Berlin, Museumsinsel (ausgeführt durch Ludwig Hoffmann)
  • 1907–1909: Säuglingsklinik „Kaiserin-Auguste-Victoria-Haus“, Berlin-Charlottenburg
  • 1907-1908: Villa für Franz Oppenheim, Berlin-Wannsee
  • 1908: Wohnhaus für Paul Ostermann von Roth, Darmstadt, Eugen-Bracht-Weg 6 (später: Hessen Design e.V.)
  • 1908: Wohnhaus für Franz Wertheim, Berlin-Grunewald

nicht erhalten

  • 1886–1888: Geschäftshaus „Werderhaus“, Berlin, Werderscher Markt 10
  • 1891-1893: Wohnhäuser Lessingstraße, Berlin-Tiergarten
  • 1892-1893: Wohnhaus Paul Meyerheim, Berlin-Tiergarten
  • 1892-1893: Wohnhaus Valentin Weisbach, Berlin-Tiergarten
  • 1892-1895(?): Landhaus Ludwig Messel, Nymans in England
  • 1892-1893: Wohn- und Atelierhaus, Kürfürstenstraße, Berlin Schöneberg
  • 1893-1894: Wohn- und Geschäftshaus, Krausenstraße, Berlin
  • 1894: Warenhaus Wertheim, Oranienstraße
  • 1894-1895: Wohnhaus, Tauentzienstraße 14, 2005 abgerissen
  • 1894-1899: Thronsaal der Deutschen Botschaft in Rom, Palazzo Cafarelli
  • 1895-1897: Wohnanlage Eschenallee, Berlin-Charlottenburg, 1967 abgerissen
  • 1896-1897: Warenhaus Wertheim Leipziger Straße, 1. Erweiterung 1899-1900, 2. Erweiterung 1903-1906 (3. Erweiterung von Heinrich Schweitzer 1911-1912, 4. Erweiterung von Eugen Schmohl und Paul Kolb 1926-1927, vgl. Artikeltext)
  • 1898-1899: Landhaus Braun (Harden), Berlin-Grunewald
  • 1898-1899: Landhaus Dotti, Berlin-Grunewald
  • 1898-1899: Wohnhaus Arons, Behrenstraße 6, Berlin
  • 1900: Wohnhaus Felix Simon, Matthäikirchstraße 31 in Berlin (zerstört)
  • 1901–1902: Palais Cohn-Oppenheim, Dessau (ab 1910 Landesmuseum, zerstört)
  • 1902–1904: Wohnhaus für Dr. Eduard Simon, Berlin-Tiergarten (zerstört)
  • 1904-1905: Landhaus Hasenheide, Bernau
  • 1905–1906: Verwaltungsgebäude der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft AG (AEG), Berlin (zerstört)
  • 1905-1906: Kunsthaus Schulte, Unter den Linden, Berlin
  • 1906-1907: Wohnhaus Kretzer, Bendlerstraße, Berlin-Tiergarten
  • 1906–1907: Gebäude der Nationalbank für Deutschland KGaA, Berlin, Behrenstraße 68/69 (zerstört)
  • 1907-1908: Villa Schöne, Wangenheimstraße, Berlin-Grunewald, 1971 abgerissen
  • 1907-1909: Brommybrücke in Berlin
Textquelle: Seite „Alfred Messel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. Dezember 2009, 10:48 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 5. Januar 2010, 13:08 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden