Christian Friedrich Tieck

Christian Friedrich Tieck

*14.08.1776 — †24.05.1851

Portrait

Christian Friedrich Tieck (* 14. August 1776 in Berlin; † 24. Mai 1851 ebenda (nach anderer Quelle am 12. Mai 1851)) war ein prominenter Vertreter der Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts. Zu seinem umfangreichen, nicht allein auf Berlin beschränkten Gesamtwerk gehören vor allem zahlreiche Porträtplastiken. Er leistete aber auch bedeutende Beiträge für die Ausgestaltung mehrerer Bauten des klassizistischen Architekten Karl Friedrich Schinkel, in erster Linie für dessen Königliches Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, das heutige Konzerthaus Berlin.

Schule und Lehrzeit

Tieck wurde als drittes Kind einer Handwerkerfamilie in der Roßstraße (heute Fischerinsel in Berlin-Mitte) geboren. Der Vater, ein Seilermeister, war ein für seinen Berufsstand ungewöhnlich belesener Mann; er besaß eine kleine Hausbibliothek, in der auch die Schriften der Aufklärer ihren Platz hatten. Die Eltern sorgten dafür, dass ihre Söhne – Christian Friedrich ebenso wie sein älterer Bruder Ludwig, der später berühmte Schriftsteller - das Friedrichswerdersche Gymnasium in Berlin besuchen konnten. Als Schüler war Tieck nicht sonderlich erfolgreich. Dagegen trat seine Begabung für bildnerische Gestaltung früh zutage. Seine Eltern nahmen ihn vorzeitig von der Schule und gaben ihn 1789 für sechs Jahre bei dem Bildhauer Heinrich Bettkober in die Lehre. Dort erhielt er Unterricht im Zeichnen, in der Ausformung dreidimensionaler Bildwerke und im Handwerk der Steinbearbeitung. Daneben zeichnete er schon als Fünfzehnjähriger an der damals von Johann Gottfried Schadow geleiteten Akademie der Künste, gegen Ende seiner Lehrzeit gewann er dort eine Medaille für die Nachbildung einer antiken Skulptur. Nach Abschluss der Lehre arbeitete er als Meisterschüler im Atelier Schadows, der ihn nachhaltig förderte. Aus dem Jahre 1796 sind erste gelungene Porträts bekannt, unter anderen von seinen Geschwistern Sophie und Ludwig sowie von Ludwigs Schulfreund, dem früh verstorbenen Schriftsteller Wilhelm Heinrich Wackenroder.

Reisejahre

Paris, Weimar, Jena

Nach Fürsprache von Schadow und Wilhelm von Humboldt bekam Tieck vom königlichen Hof ein kleines Stipendium für einen Studienaufenthalt in Italien. Mit Humboldt und einem weiteren Begleiter reiste er 1797 über Dresden nach Wien. Das eigentliche Ziel war wegen der napoleonischen Kriegszüge in Ober- und Mittelitalien nicht mehr erreichbar, also fuhren die drei stattdessen über München nach Paris, wo sie im Januar 1798 ankamen. Dort bildete sich Tieck im Atelier des Malers Jacques-Louis David weiter – zeichnete und malte, kopierte griechische und römische Vorbilder und modellierte verschiedene Porträtbüsten. Im Herbst des Jahres 1800 war er mit einem Relief - Priamos bittet Achilleus um die Leiche Hektors - im Wettbewerb um den Großen Preis der École des Beaux-Arts in Paris erfolgreich. Nach der Satzung durfte ein Ausländer den ersten Preis nicht erhalten, so wurde dieser nicht verliehen und Tieck bekam den zweiten. Nach diesem Erfolg war man in kunstinteressierten Kreisen auf ihn aufmerksam geworden.

Durch Vermittlung Humboldts gelangte Tieck im Spätsommer 1801 nach Weimar. Er schuf zunächst eine etwas idealisierende Büste von Goethe - nach dem Urteil von dessen Frau Christiane „die beste, welche wir bis jetzt vom Geheimen Rat besitzen“. Goethe wollte das erwiesene Talent des jungen Bildhauers für die Ausgestaltung des Schlossneubaus in Weimar nutzen und besprach mit ihm das umfangreiche Vorhaben. Im nahen Jena lernte Tieck die Brüder Schlegel kennen, Freunde seines Bruders Ludwig. Caroline, die Frau des älteren von beiden, August Wilhelm Schlegel, beschrieb den Gast in einem Brief vom 16. November 1801: „Von uns weg ging er zu Fuß … in seinem abgeschabten Rock, an dem kein Härchen mehr reibt, wenn man darüber hinfährt (unter uns, ich habe es probirt…), mit einem Stabe, in der Tasche nichts als eine Rolle Papier, die lang herausguckte … ganz dünn, und die blonden Haare ihm in´s Gesicht flatternd.“ Und am 10. Dezember 1801: „Liebenswürdig genug – wenn auch nicht imposant, nicht wahr? Er ist eine leichte, aber wie ich glaube ehrliche Natur, nichts von den Nücken und Tücken des andern (gemeint war: von Friedrich Tieck), mehr sichtbare Eitelkeit, alles unschädlich, weniger Reflexion Gottlob, und fast ein dichteres Talent.“ 

Den Winter 1801/02 verbrachte Tieck wieder in Berlin, wo er mindestens sechs Aufträge für Porträtbüsten erhielt und erfolgreich ausführte. Die Arbeit an einem Porträt der Königin Luise lehnte er ab, weil er nicht mit seinem Lehrer Schadow in Wettbewerb treten wollte, der schon um 1795 eine Einzelbüste von Luise und 1797 die bekannte Prinzessinnengruppe der Schwestern Luise und Friederike geschaffen hatte. Im April 1802 kehrte Tieck nach Weimar zurück, um das mit Goethe vereinbarte Bildprogramm im Stadtschloss des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach auszuführen, dazu eine ganze Reihe von Porträts. Diese zahlreichen Arbeiten begründeten endgültig Tiecks Ansehen bei seinen Zeitgenossen. Im Februar 1803 begann in Weimar eine kurze, heftige Liebesbeziehung zwischen Tieck und der erfolgreichen, damals noch verheirateten Romanschriftstellerin Charlotte von Ahlefeld.

Rom, München, Carrara

1803 hielt Tieck sich vorübergehend in Berlin auf und erledigte dort verschiedene Porträtaufträge, reiste 1805 über Wien nach München und nun endlich doch nach Italien. Von der Akademie der Künste war ihm ein Stipendium für einen zweijährigen Aufenthalt zugesprochen worden. Er erreichte Rom im August 1805, studierte während dieses ersten Aufenthaltes in der Stadt intensiv die klassischen Vorbilder, nahm aber bald auch Aufträge an und modellierte eine Reihe von Porträts, darunter die Büste Alexander von Humboldts, der gerade aus Amerika zurückgekehrt war. Im Frühjahr 1809 gelangte er über die Schweiz nach München, wo seine Geschwister sich aufhielten, und arbeitete auch dort an verschiedenen Porträtplastiken. Eines seiner Modelle war der Philosoph Friedrich Schelling, dessen Frau Caroline, inzwischen von Schlegel geschieden und mit Schelling verheiratet, nun in einem Brief vom 1. März 1809 mitteilte: „Von dorther erwartet man noch den Bildhauer Tieck, den ich sonst für den leichtfüßigsten von den Geschwistern gehalten, mir nun aber als der solideste vorkommt, denn er lebt doch von dem, was er erwirbt und borgt nur für seine Schwester. Seine erste Arbeit wird Schelling´s Büste sein, die er schon lange auf eigene Hand hat machen wollen, nun wünschte sie aber der Kronprinz für seine Sammlung …“. Ein für Tieck wichtiges Ereignis in München war der Großauftrag über eine Anzahl von Marmorbüsten für die so genannte „Walhalla“, ein zu diesem Zeitpunkt nur geplantes, tempelartiges Bauwerk in der Nähe von Regensburg, in dem herausragende Persönlichkeiten für ihre Verdienste um Deutschland geehrt werden sollten.

1811 kehrte Tieck nach Rom zurück. Dort lernte er den Berliner Bildhauer Christian Daniel Rauch kennen, der einige Jahre nach ihm bei Schadow gelernt hatte. Tieck und Rauch unterhielten eine gemeinsame Werkstatt in Rom und eine zweite bei den Marmorsteinbrüchen von Carrara. In dieser zweiten Werkstatt begann Tieck mit der Arbeit an den Walhalla-Porträts, half aber auch seinem Kollegen Rauch dabei, dessen berühmten Sarkophag für die Königin Luise fertig zu stellen. Rauch verließ Italien im Jahre 1813. Zwei Jahre später setzte er sich dafür ein, dass man Tieck den Posten des Direktors der Bildhauerabteilung an der Kunstakademie im damals preußischen Düsseldorf anbot. Tieck lehnte jedoch ab und schrieb an Rauch: „Sie wissen, wie ich alle Professoren hasse, doppelt die einer Provinzialakademie. Dahin gehen hieße ja, niemals wieder etwas machen wollen“. Der Hauptgrund für die Ablehnung einer so ehrenvollen Anstellung war allerdings, dass Tieck hoffte, er könne in Italien mehr Geld verdienen. Weil er seit 1804 den Lebensunterhalt für seine geschiedene, mittellose Schwester bestritt und sie sein Entgegenkommen bedenkenlos ausnutzte, war er ständig verschuldet. Tieck blieb also in Italien, hielt aber engen brieflichen Kontakt mit Rauch, der in Berlin als Bildhauer sehr gefragt war. Eine konkrete berufliche Perspektive ergab sich im Jahre 1818. Das National-Theater am Gendarmenmarkt in Berlin, erst 1802 eröffnet, war 1817 bis auf die Außenmauern ausgebrannt. Karl Friedrich Schinkel bekam den Auftrag, es auf dem alten Grundriss neu zu errichten und wünschte sich Tieck als Mitarbeiter. Rauch schrieb daraufhin nach Italien: „Schinkel trägt Ihnen auf, schöne Ideen zu sammeln, einen Musiksaal mit mehreren Statuen und vielen unzusammenhängenden Basreliefs zu verzieren …“.

Zurück in Berlin 

Am 29. April 1819 traf Tieck in Berlin ein, vier erfahrene Gehilfen aus Carrara begleiteten ihn. Er teilte mit Rauch dessen Werkstatt im so genannten Lagerhaus und beteiligte sich mehrfach an Aufträgen, an denen Rauch arbeitete. Das Arbeitsverhältnis war nicht immer frei von Spannungen. Rauch war inzwischen nicht nur berühmter als sein Lehrer Schadow („Mein Ruhm ist in Rauch aufgegangen“ soll der geklagt haben), sondern auch als Tieck - dem er aber immer freundschaftlich verbunden blieb. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit der beiden war das Nationaldenkmal für die Siege in den Befreiungskriegen auf dem Berliner Kreuzberg (damals noch Tempelhofer Berg und deutlich vor den Toren der Stadt gelegen) nach einem Entwurf von Schinkel. Ein Gemeinschaftswerk war auch das Grabmal für General Gerhard von Scharnhorst auf dem Berliner Invalidenfriedhof: der Gesamtentwurf war von Schinkel, Rauch modellierte einen ruhenden Löwen und Tieck die Reliefs am Sockel. 1820 wurde Tieck zum Professor an der Preußischen Akademie der Künste, gleichzeitig auch in den akademischen Senat berufen. Sein ganz eigenes, großes Projekt wurde die bildhauerische Ausgestaltung des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt, eine Arbeit, mit der er bald nach seiner Rückkehr aus Italien begann und die sich mit Unterbrechungen über dreißig Jahre hinzog, bis kurz vor seinem Tod.

In der Zwischenzeit entstand außerdem eine beträchtliche Anzahl einzelner Werke von mehr oder weniger großer Bedeutung, darunter zahlreiche Porträts - unter anderen von Friedrich August Wolf, Rauch und Schinkel sowie eine Büste von Friedrich Gottlieb Klopstock für ein Denkmal in dessen Geburtsort Quedlinburg -, eine Bildsäule des Königs Friedrich Wilhelm II. für die Stadt Neuruppin, ein Adler für das Denkmal Kaiser Joseph II. in Brünn und 15 Figuren in halber Lebensgröße für den Teesalon des königlichen Schlosses in Berlin, von denen nur zwei erhalten sind. Spätwerke waren eine Statue von Schinkel, die unvollendet blieb und erst nach dem Tod des Bildhauers fertiggestellt wurde, sowie ein Nicolaus Copernicus-Denkmal für die Stadt Thorn. Dieses trägt zwar den Namen Tiecks, er selbst hat aber kaum daran gearbeitet. Bedeutender waren seine Beiträge für weitere Bauten Schinkels in Berlin. Er gestaltete die 20 Relief-Medaillons für die gusseisernen Flügeltüren der 1830 fertiggestellten Friedrichswerderschen Kirche und lieferte wichtige Bildwerke für den Bau des Alten Museums, das bis 1845 Neues Museum genannt wurde und neben dem Schauspielhaus als Hauptwerk Schinkels betrachtet wird.

Über Tiecks Privatleben ist nicht viel bekannt. Seine späte Eheschließung verlief auf eine Weise, die teils als tragisch, teils als skandalös empfunden wurde: Als prominenter 70jähriger heiratete er eine Zwanzigjährige aus wohlhabender Familie. Das geschah auf Vermittlung eines Gläubigers, bei dem Tieck auf diese Weise seine hohen Schulden abzuzahlen hoffte – zusätzlich war ein Erfolgshonorar von 2000 Talern vereinbart. Die Schwiegereltern erfuhren von der Abmachung und sperrten ihrer Tochter umgehend alle Bezüge, kurz darauf wurde die Ehe wieder geschieden. Vom königlichen Hof wurde Tieck – anders als sein Freund Rauch – kaum noch mit größeren Aufträgen bedacht. Er starb vereinsamt und verbittert am 12. Mai 1851. Rauch notierte dazu in seinem Tagebuch: „Montag Abend ½ 12 Uhr endete an eigenthümlicher Schwäche, die ihn schon seit Jahren zur Arbeit unthätig [= unfähig] machte, der vieljährige Freund und Werkstattgenosse Professor Fr. Tieck … Was seine Trägheit, Arbeitsscheu und die Schuldenlast in den letzten Jahren aus ihm machten, worin er in jeden Begriff übersteigender Erniedrigung, äußerer Noth und Elend seine Tage endet, überlasse ich anderer Nachsicht und Aufklärung.“

Textquelle: Seite „Christian Friedrich Tieck“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 26. Dezember 2009, 07:51 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 9. Januar 2010, 23:39 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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