Christian Friedrich Tieck

Christian Friedrich Tieck

*14.08.1776 — †24.05.1851

Hauptwerke

Weimar

Tieck war seit jeher ein fleißiger, schneller Arbeiter. In Weimar übertraf er sich selbst und lieferte bei mehreren Aufenthalten in kurzer Zeit eine erstaunliche Anzahl von Bildwerken. Für das Stadtschloss - das 1774 weitgehend abgebrannt war und unter Goethes Oberaufsicht neu erbaut wurde – schuf er drei große Reliefs im Treppenhaus, eine Reihe kleiner Reliefs für den dorischen Fries des Treppenhauses, acht weitere für das Zimmer der Erbgroßherzogin, vier Statuen für die Nischen der Treppe und vier lebensgroße Figuren für den Gesellschaftssaal; neben der Verherrlichung des Herrscherhauses zeigen die Arbeiten vorwiegend Szenen aus der Mythologie des griechischen Altertums: Elektra trauert um Orestes, Herakles führt Alkeste aus der Unterwelt, Antigone leitet den Ödipus, Omphale bekränzt den Herakles und ähnliche Motive. Zusätzlich entstanden in Weimar mindestens zwölf Porträtbüsten von prominenten Persönlichkeiten - dem Großherzog, der Großherzogin und den Erbprinzen, von Clemens Brentano, Johann Gottfried Herder, Johann Heinrich Voß und anderen. August Wilhelm Schlegel urteilte 1802 über die Porträtplastiken Tiecks und über dessen Zeichnungen zu Reliefs und Statuen: „Wie in seinen Porträten das Sanfte und Gefällige vorwaltet und keine Größe willkürlich erzwungen wird …, so offenbart sich in den Skizzen hingegen die Neigung des Künstlers zum Gewaltigen und Kühnen; die Zeichnung ist oft von derben Formen, der Ausdruck überall entschieden und eigenthümlich und die Gruppierung selbst möchte ich fest und kernicht nennen.“ 

Walhalla

Schon 1807, als Kronprinz, hatte der spätere König Ludwig I. von Bayern die Ruhmeshalle geplant, die schließlich 1842 fertiggestellt war. Anfangs wurden dort 160 Personen durch 96 Porträtbüsten und, wo das nicht möglich war, durch 64 Gedenktafeln geehrt (2007 waren es 127 Büsten und 65 Gedenktafeln). 23 der Porträts fertigte Tieck an, den größten Teil in den Jahren 1812/13, einige erst 1832, eine einzelne 1835. Zu den von ihm Dargestellten gehören unter anderen Moritz von Sachsen, Wallenstein, Bernhard von Sachsen-Weimar, Johann Philipp Franz von Schönborn, Kurfürst von Mainz, Amalie von Hessen-Darmstadt, Moritz von Oranien, Ernst der Fromme von Sachsen, Karl Alexander von Lothringen, Gotthold Ephraim Lessing, Gottfried August Bürger, Herder, Goethe (mit einer Replik der Weimarer Büste von 1801), Friedrich Barbarossa, Ludwig Schwanthaler, August Neidhardt von Gneisenau, Rudolf I. von Habsburg und Jan van Eyck. Tiecks Freund und Kollege Rauch, der die Arbeiten verfolgte, war überzeugt, dass Tiecks Büsten die schönsten in „Walhalla“ sein würden.

Schauspielhaus

Aus der ursprünglichen Idee Schinkels, Tieck die Ausgestaltung eines Musiksaals zu übertragen, wurde ein sehr viel umfangreicherer Auftrag. Architekt und Bildhauer entwickelten in intensiver Zusammenarbeit ein Bildprogramm, das sich auf die Vorstellungswelt der klassischen Antike bezog – die Hauptquelle für die Bildsprache des Klassizismus und Tieck von vielen früheren Arbeiten her vertraut. Im einzelnen entstanden: Darstellungen der neun Musen aus Sandstein für die Vorderseite sowie die Süd- und die Nordfront des Theaters; vier große Reliefs für die Giebelflächen – zwei vorne und je eines auf den Seiten; eine Figur des Apollo in einem von Greifen gezogenen Wagen, in Kupfer getrieben, als krönende Dachfigur auf der Vorderseite; ein ebenfalls in Kupfer gearbeiteter Pegasus auf der Rückseite; 16 Karyatiden aus Marmor, die den Konzertsaal schmückten und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. In einem Brief an August Wilhelm Schlegel beschrieb Tieck eingehend die mythologischen Szenen eines der Reliefs und schloss: „Bis auf Orpheus und den Amor sind die Modelle vollendet und der größte Teil des sehr kolossalen Reliefs in Stuck. Da ich sehr geschickte Leute habe, so werden die Sachen sehr gut ausgeführt.“ Mit den „sehr geschickten Leuten“ war vor allem der Bildhauer Johann Balthasar Jacob Ratgeber gemeint, der die Stuckmodelle Tiecks in Sandstein umsetzte.

Das Schauspielhaus wurde im Mai 1821 eingeweiht, Tiecks Arbeit war damit noch lange nicht abgeschlossen. In den Jahren 1824 bis 1827 entstand seine Statue des Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland. Von theaterbegeisterten Berlinern, die Iffland noch gekannt hatten, wurde sie bei ihrer Enthüllung außerordentlich gelobt. Die „Haude- und Spenersche Zeitung“ schrieb am 28. Januar 1828: „Ifflands Marmorstatue, von der Hand unseres trefflichen Künstlers Professor Tieck, ist jetzt in der Vorhalle des Concertsaales aufgestellt und ein Werk, das seinem Verfertiger Ehre macht. Der Künstler ist in antikem Kostüm, auf einem antiken Sessel sitzend dargestellt, mit leichter Bewegung des sprechend ähnlichen Kopfes nach oben. Die Statue nimmt sich mit einer zweckmäßig dahinter angebrachten Draperie …gut aus und ist eine Zierde des Raumes“. Schließlich arbeitete Tieck noch während acht Jahren an den beiden markanten Bronze-Skulpturen, die zu beiden Seiten der großen Freitreppe vor der Hauptfassade stehen. Sein Thema war hier die Macht der Musik, die selbst wilde Tiere zähmen kann: Löwe und Panther tragen musizierende Genien auf ihren Rücken. Die erste öffentliche Präsentation dieser Skulpturen am 31. Mai 1851 hat der Bildhauer nicht mehr erlebt.

Altes Museum

Skulpturen von Christian Friedrich Tieck auf dem Alten Museum
Manfred Brückels CC|by|3.0|deed.de

Skulpturen von Christian Friedrich Tieck auf dem Alten Museum

Schinkel plante schon in den ersten Entwürfen von 1822/23 mehrere Figurengruppen auf dem Dach des Museums. Für die nach Süden, also zum Lustgarten und zum Berliner Stadtschloss der Hohenzollern gerichtete Hauptfront sah er „in Übereinstimmung mit dem Stil des Ganzen“ zwei Darstellungen der Dioskuren Kastor und Polydeukes vor (im antiken Rom Castor und Pollux), die ihre Rosse bändigen und goldene Sterne auf ihren Häuptern tragen. Das Brüderpaar, in der Mythologie stets als edel und ritterlich beschrieben, stand als Sinnbild für die Geisteshaltung der Antike an einem Ort, der laut Inschrift „dem Studium jeder Art Altertümer und der freien Künste“ gewidmet war.

Das Museum wurde zwischen 1825 und 1828 erbaut. Tieck erhielt den Auftrag für die Dioskuren 1826. Das Modell der ersten Gruppe sollte im Oktober 1827 fertig sein, das zweite im darauf folgenden März. Weil die Zeit drängte, durfte Tieck das Modell des ersten Pferdes wieder verwenden, er veränderte nur die Kopfhaltung und die Form eines Hufes. Die weit über 3 m hohen Skulpturen wurden in der Königlichen Eisengießerei Berlin gegossen, hier war ein Hohlgussverfahren entwickelt worden, das auch für große Werkstücke geeignet war. Im Oktober 1828 wurden die Statuen auf dem kubischen Dachaufsatz des Alten Museums zusammengefügt und befestigt. Ein mehrschichtiger, lasierender Farbauftrag auf der gusseisernen Oberfläche imitierte das Aussehen antiker Bronzefiguren. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Dioskuren – anders als der Museumsbau insgesamt – nur leicht beschädigt und 1962 vor Ort auf dem Dach repariert, im Oktober 2005 mussten sie wegen schwerer Korrosionsschäden vorübergehend entfernt und in einer Spezialwerkstatt gründlich restauriert werden. - Für die einstige Beliebtheit der Dioskurengruppen spricht, dass ab etwa 1830 verkleinerte Wiedergaben als Briefbeschwerer in Umlauf waren.

Von Tieck stammen außerdem die Adler aus Sandstein, die auf dem Gebälk über jeder der 18 ionischen Säulen angebracht sind, denen die Hauptfassade des Museums ihr eindrucksvolles Aussehen verdankt. - Nach Eröffnung des Hauses im Jahre 1830 wurde Tieck zum Direktor der Skulpturensammlung ernannt, die hier untergebracht war. Er stellte den ersten Katalog der Sammlung zusammen und restaurierte bzw. ergänzte mehrere der antiken Bildwerke. Wegen dieser Tätigkeiten wurde er von Freunden zuweilen als „antiquarisch gelehrter Bildhauer“ bezeichnet.

Die Porträtkunst

Besonders die Porträtbüsten waren der Grund für Tiecks weit verbreitetes Ansehen und verschafften ihm zeitweilig mehr Aufträge, als er bewältigen konnte. Zeitgenossen rühmten die charakteristische Darstellung des jeweiligen Individuums, dazu kam die Fähigkeit, den Porträtierten allgemeinere Züge von Schönheit und Würde zu verleihen. Christian Daniel Rauch gestand, dass er sich immer bemühe, bei den eigenen Arbeiten jene "Anmut und Idealität" zu erreichen, die Tieck seinen Porträts mitgab.

Eine seiner bekanntesten Porträtbüsten ist die für Friedrich Gottlieb Klopstock in dem unter maßgeblicher Beteiligung von Karl Friedrich Schinkel 1831 eingeweihten Denkmalensemble im Quedlinburger Brühl.

Textquelle: Seite „Christian Friedrich Tieck“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 26. Dezember 2009, 07:51 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 9. Januar 2010, 23:39 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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