Solon

Solon

*-640 — †-560

Portrait

Solon, griech. Σόλων (* wohl um 640 v. Chr. in Athen; † vermutlich um 560 v. Chr.), war ein griechischer Lyriker und athenischer Staatsmann. Mit seinem Namen verbinden sich vor allem die Reformen, die er in Athen durchführte. Er wird zu den sieben Weisen Griechenlands gezählt.

Quellenlage

Die herkömmliche, im folgenden vorgestellte Rekonstruktion der Ereignisse ist in der jüngeren Forschung sehr umstritten. Dies gilt besonders für die Chronologie - viele Althistoriker meinen heute, Solon habe bedeutend später gelebt und amtiert, als die antike Überlieferung nahelegt. Diese entstand lange nach den Ereignissen und beruhte auf mündlichen Traditionen, die gerade in Hinblick auf zeitliche Einordnungen oft ungenaue oder falsche Elemente zu enthalten pflegen. Um Solon rankten sich früh Legenden, obwohl man in Gestalt seiner fragmentarisch überlieferten Gedichte auch über Quellen verfügt, wird in der Forschung intensiv diskutiert, welche Maßnahmen ihm tatsächlich zugeschrieben werden können.

Vorpolitischer Werdegang 

Solon wurde nach traditioneller Datierung um 640 v. Chr. in Athen geboren. Er war Sohn des Exekestides und stammte aus einer adligen Familie, welche Kodros (den letzten König von Athen) unter ihre Ahnen zählte. Solon widmete sich zunächst dem Handel und ging frühzeitig auf Reisen.

Erstes politisches Wirken

Für das frühe Leben Solons ist der fast 750 Jahre später schreibende Biograph Plutarch die einzige Quelle. Zum ersten Mal trat Solon angeblich 604 v. Chr. öffentlich auf. Die Athener, eines langen ergebnislosen Kampfes mit Megara um Salamis müde, hatten ein Gesetz erlassen. Es bedrohte jeden mit dem Tod, der eine Erneuerung des Kampfes beantragte. Solon erschien hierauf in der Rolle eines Wahnsinnigen auf dem Markt, sang vom Stein des Herolds herab eine von ihm verfertigte Elegie „Salamis“ und vermittelte dadurch die Botschaft: "Wir holen uns Salamis zurück! Wer nicht dafür ist, ist kein Athener!" Schließlich wurde Salamis durch Verträge mit Megara Athen wieder einverleibt.

Später (590 v. Chr.?) wurde auf Solons Rat hin, der zu dieser Zeit als Vertreter Athens den Amphiktyonen beiwohnte, der erste Heilige Krieg gegen Krissa zum Schutz des Heiligtums Delphi beschlossen.

Versöhner und Gesetzgeber

Athen selbst aber befand sich um diese Zeit in einer bedenklichen Lage. Die Zerrüttung war allgemein, und der Zwiespalt der Parteien drohte die Polis zu untergraben. Da trat Solon im entscheidenden Augenblick abermals als Retter seiner Vaterstadt auf, bewirkte eine allgemeine Sühnung des Volkes durch Epimenides und stiftete Frieden. Hierauf machte er, um der wachsenden Not und Verarmung des niederen Volkes entgegen zu steuern, durch die Seisachtheia ("Lastenabschüttelung") dem Wucher ein Ende und ermöglichte die Abwälzung der Schulden, so dass sich die Kleinbauern nicht mehr schuldenhalber selber in die Sklaverei verkaufen mussten.

594 v. Chr. - so das traditionelle, umstrittene Datum - zum ersten Archon und Diallaktes („Wieder-ins-Lot-Bringer“) gewählt, gab er dem Staat eine neue Verfassung. Seine Absicht ging hierbei vornehmlich dahin, die bisher zwischen Adel und gemeinem Volk bestehende Kluft aufzufüllen, die Anmaßung des ersteren zu brechen, die Entwürdigung der letzteren zu beseitigen, Standesvorrechte und Beamtenwillkür abzuschaffen und eine nach den Leistungen abgestufte Beteiligung aller Staatsbürger an der Staatsregierung einzuführen. Seine Verfassung war also eine Timokratie. Ihren Charakter und Zweck hat Solon selbst am schönsten in den Versen bezeichnet (nach der Übersetzung von Geibel):

„So viel Teil an der Macht, als genug ist, gab ich dem Volke,
nahm an Berechtigung ihm nichts, noch gewährt' ich zu viel.
Für die Gewaltigen auch und die reicher Begüterten sorgt' ich,
dass man ihr Ansehen nicht schädige wider Gebühr.
Also stand ich mit mächtigem Schild und schützte sie beide,
doch vor beiden zugleich schützt' ich das heilige Recht.“

Außerdem gab er dem Volk eine dessen ganzes Leben und ganze Tätigkeit umfassende Gesetzgebung, deren segensreiche Wirkungen seine Verfassung überdauert haben; sie gewöhnte das Volk an lebendige, selbständige Teilnahme am öffentlichen Leben, hob die geistige Bildung und erzeugte bewusste Sittlichkeit und Humanität in ihm.

Seine Reformen waren aber auch sozialer und wirtschaftlicher Natur. So bewirkte er in seinem Amt als Diallaktes eine allgemeine Schuldentilgung und eine Entfernung der Hypothekensteine von den Grundstücken der verarmten Kleinbauernschaft. Er verbot die Schuldknechtschaft und kaufte die bereits versklavten attischen Bauern zurück. Ferner sprach er ein Ausfuhrverbot des knapp werdenden Getreides aus und importierte es aus Ägypten, aus Gebieten am Schwarzen Meer und vom Hellespont. Er sorgte außerdem für eine handwerkliche Ausbildung der unteren Klassen.

Solon betrieb die Entschuldung der Kleinbauern; dies geschah zunächst mit der freiwilligen Aufgabe von Besitz der Eupatriden. Doch bis auf wenige betrieben sie dies nicht freiwillig, und so wurden sie dazu verpflichtet. Kern seiner Reform war die Lastenabschüttelung („Seisachtheia“): Aufkündigung aller Schulden, welche Grund und Boden belasteten. Der Hektemoroi, die Pacht wurde gestrichen.

Im antiken Griechenland, zumindest und hauptsächlich wohl in Attika, standen Schuldsteine auf den Feldern, die zur Kennzeichnung von Verpfändung der Äcker zeugten. Diese wurden umgestürzt und somit war nicht mehr sichtbar, zu wem die Parzellen gehörten. Für die Eupatriden bedeutete dies einen erheblichen Verlust an Land und Besitz, was zur Folge hatte, dass ihnen politische Macht und deren Grundlage verloren gingen.

Weiterhin wurde die Schuldsklaverei verboten, und darüber hinaus auf Staatskosten Athens der Rückkauf Versklavter in Gang gesetzt. Nicht mehr Athener, sondern Menschen aus anderen Städten und Ländern wurden versklavt (Fremdsklaven). Für die Athener wurde auch ein anderer Schritt in der Neugestaltung der sozialen Ordnung interessant: nicht Geburt, soziale Herkunft oder Zugehörigkeit zu einer reichen Familie wurden wichtig, sondern privates Eigentum. Wer viel besaß und erwirtschaftete, hatte mehr Mitspracherecht im Staat.

Solon erließ angeblich auch Verordnungen zur Imkerei. 

Reisen

Laut einer Vermutung von Plutarch, der wie gesagt erst gut 700 Jahre nach Solon über diese Ereignisse berichtete, geschahen seine Reisen nicht aus Fernweh, sondern aus dem Umstand, dass man ihm nach dem Leben trachtete. Denn mit der Neuordnung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse wurden viele in ihrer Stellung beschnitten. Die Eupatriden, also die vorher mächtigen Adligen, hatten einen großen vermögens-, land- und machtpolitischen Einbruch erlitten. Der Demos hingegen wollte weiterreichende Reformen, was aber mit der Stillstandsklausel nicht mehr möglich war. So wünschten unterschiedliche Parteien seinen Tod und die Umkehrung oder Fortsetzung der Reformen. Dies ist aber in keiner weiteren Quelle belegt und daher fraglich.

Laut Herodot soll Solon die Athener durch Schwüre verpflichtet haben, während eines zehnjährigen Zeitraums an seiner Gesetzgebung nichts zu ändern; er habe eine Reise ins Ausland deshalb unternommen, um nicht selbst Hand an die Abänderung seiner Gesetze legen zu müssen. Nach anderer Lesart schworen die Athener, nichts zu ändern, bis Solon zurück sei; daher sei er nie wieder heimgekehrt.

Er ging angeblich zunächst nach Ägypten, wo er mit den Priestern von Heliopolis und Sais Umgang hatte; in Sais fand er laut Platon einen Bericht über Atlantis in alten Schriften, die ihm Priester übersetzten.

Dann ging er nach Zypern und nach Sardes zu Kroisos, mit dem er angeblich die bekannte Unterredung über die Nichtigkeit menschlicher Glückseligkeit hatte. Diese Begegnung wird in der Wissenschaft diskutiert und gilt zumeist als unhistorisch. Sollte sie aber doch einen wahren Kern enthalten, wäre sie ein Beleg dafür, Solon später zu datieren, denn Kroisos herrschte nachweislich erst zu einem Zeitpunkt, zu dem Solon nach traditioneller Datierung bereits tot war.

Lebensende

Nach seiner Rückkehr nach Athen, die einige Quellen behaupten, suchte Solon vergeblich den von neuem ausbrechenden Zerwürfnissen in der Stadt entgegenzuwirken und musste noch sehen, wie sich Peisistratos zum Tyrannen aufwarf.

Er starb um 560 v. Chr.; seine Gebeine sollen auf eigenes Verlangen nach Salamis gebracht und dort verbrannt, die Asche aber auf der ganzen Insel verstreut worden sein. Er galt später mitunter als Gründer der attischen Demokratie und als einer der Sieben Weisen. Als Gnome (Sinnspruch) wurde ihm beigelegt: "Nichts im Übermaß" (μηδὲν άγαν).

Schriftstellerisches Wirken

Als Dichter war Solon nicht minder ausgezeichnet denn als Gesetzgeber. Seine in Teilen erhaltenen Gedichte sind größtenteils aus dem Bedürfnis hervorgegangen, seinen Mitbürgern die Notwendigkeit der von ihm getroffenen Staatseinrichtungen darzulegen.

Die Solon von Diogenes Laertios zugeschriebenen Briefe an Peisistratos und einige der sieben Weisen sind dagegen untergeschoben.

Nachleben

Solons Leben beschrieb Plutarch.

Demetrios von Phaleron schreibt ihm folgende Aussprüche zu. Solon, Sohn des Exekestides, aus Athen sagte Σόλων ᾿Εξηκεστίδου Ἀθηναῖος ἔφη:

  1. Nichts zu sehr. Μηδὲν ἄγαν.
  2. Sitze nicht zu Gericht, sonst wirst du dem Verurteilten ein Feind sein. Κριτὴς μὴ κάθησο•εἰ δὲ μή, τῷ ληφθέντι ἐχθρὸς ἔσῃ.
  3. Fliehe die Lust, die Unlust gebiert. Ἠδονὴν φεῦγε, ἥτις λύπην τίκτει.
  4. Wahre deine Anständigkeit treuer als deinen Eid. Φύλασσε τρόπου καλοκαγαθίαν ὅρκου πιστοτέραν.
  5. Siegle deine Worte mit Schweigen, dein Schweigen mit dem rechten Augenblick. Σφραγίζου τοὺς μὲν λόγους σιγῇ, τὴν δὲ σιγὴν καιρῷ.
  6. Lüge nicht, sondern sprich die Wahrheit. Μὴ ψεύδου, ἀλλ᾿ ἀλήθευε.
  7. Um Ernstes bemüh dich. Τὰ σπουδαῖα μελέτα.
  8. Hab nicht mehr Recht als deine Eltern. Τῶν γονέων μὴ λέγε δικαιότερα.
  9. Freunde erwirb nicht rasch; die du aber hast, verwirf nicht rasch. Φίλους μὴ ταχὺ κτῶ, οὓς δ᾿ ἂν κτήσῃ, μὴ ταχὺ ἀποδοκίμαζε.
  10. Lerne zu gehorchen und du wirst zu herrschen wissen. Ἄρχεσθαι μαθών, ἄρχειν ἐπιστήσῃ.
  11. Wenn du von anderen Rechenschaft forderst, gib sie auch selbst. Εὐθύνας ἑτέρους ἀξιῶν διδόναι, καὶ αὐτὸς ὕπεχε.
  12. Rate nicht das Angenehme, sondern das Beste den Bürgern. Συμβούλευε μὴ τὰ ἥδιστα, ἀλλὰ τὰ βέλτιστα.
  13. Meide schlechte Gesellschaft. Μὴ κακοῖς ὁμίλει.
  14. Den Deinen sei milde. Φίλους εὐσέβει. 
  15. Die Gerechtigkeit ist wie ein Spinnennetz. Es hält die kleinen Insekten gefangen, die großen aber zerreißen es und kommen frei.

Kritik

In der älteren Forschung wurde gemutmaßt, die ökonomischen Reformen des Solon seien weitgehend durch "Insiderhandel" vereitelt worden. Diese Annahme beruht auf einer Passage in der Athenaion Politeia (6,2): Einige Adlige hätten vorzeitig von der Durchsetzung des Schuldenerlasses erfahren und deswegen hoch besicherte Ländereien und Gebäude von armen Bauern für einen scheinbar großzügigen Preis erworben, wodurch sie mit dem Schuldenerlass einen märchenhaften Gewinn realisieren konnten. Die Verkäufer hingegen verloren ihr letztes Gut und konnten auch nach den Reformen kein Land erwerben, da nach Abschaffung des Zinswuchers die Kapitalbeschaffung am Geldmarkt vereitelt war. Diese Ansätze, denen eine zu naive Sicht auf die problematische Quellenlage zugrunde liegt, sind von der Forschung inzwischen verworfen worden.

Textquelle: Seite „Solon“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 6. März 2010, 19:45 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 11. März 2010, 22:56 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden