Amedeo Modigliani

Amedeo Modigliani

*12.07.1884 — †24.10.1920

Werk und Stil

Das Gesamtwerk Amedeo Modiglianis besteht aus Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen. Das Œuvre umfasst etwa 420 Gemälde, von denen nur 14 datiert sind, und etwa 25 Skulpturen. Mit der Ausnahme von wenigen Landschaftsgemälden liegt der Schwerpunkt der Kunst Modiglianis auf der Darstellung des Menschen. Diese kommt in den Porträts, Akten und Skulpturen menschlicher Köpfe beziehungsweise Figuren zum Ausdruck und zeigt ein intaktes Bild des Menschen. Modigliani lässt sich keiner modernen Kunstströmung zuordnen. Seine Werken vereinen expressionistische, kubistische und symbolistische Elemente, zeigen jedoch ebenso einen Rückbezug zur Antike, zur Renaissance und zum Manierismus, die er aus seiner Studienzeit in Italien kannte. Somit entwarf er seinen ganz individuellen Stil.

Für den Stil Amedeo Modiglianis sind lineare und lang gestreckte Formen charakteristisch. Viele seiner Bilder zeigen für Modigliani typische Elemente, wie lang gezogene Gesichter und blinde Augen. Die Darstellung ist stark reduziert, in den Porträts und Akten ist sie so auf die Person fokussiert, dass der Raum in den Hintergrund tritt und kaum Attribute neben der zentralen Figur zu finden sind. Nur in den späten Werken Modiglianis werden durch einige wenige Objekte im Bild Hinweise auf das soziale Umfeld der dargestellten Person gegeben. Vor 1914 entstanden außerdem wenige Zirkus- und Varietézeichnungen, welche die Personen in einen größeren erzählerischen Zusammenhang stellen.

Da Modigliani nur einen Bruchteil seiner Werke datiert hat, lässt sich die genaue Folge der Bilder nur über stilistische Analysen und Überlieferungen aus zeitgenössischen Berichten rekonstruieren. Dabei lässt sich innerhalb des Œuvres eine stilistische und kompositorische Entwicklung nachweisen, die zu immer weiter der Vollendung entgegenstrebenden Bildern führte.

 

Portraits von Amedeo Modigliani

Akte von Amedeo Modigliani

Landschaften

Unter Amedeo Modiglianis Werken befinden sich nur wenige Landschaftsbilder. Diese entstanden in seinen frühen Jahren in Italien, auf seinen Reisen in seine Heimat und während seines Aufenthaltes in Südfrankreich. Während das 1898 entstandene Bild Landschaft in der Toskana sich noch am Impressionismus orientierte und keine klaren Konturen aufweist, sondern unscharf wirkt, steht im Gegensatz dazu beispielsweise das 1919 gemalte 60 × 45 Zentimeter große Bild Landschaft. Dieses in Südfrankreich entstandene Gemälde wird durch klare Umrisse gegliedert. In den Hügeln im Bildhintergrund bilden die Gebäude klare geometrische Strukturen, die im Kontrast zu den Formen der sie umgebenden Wolken stehen, die jedoch ebenfalls klare Umrisse aufweisen. Im Vordergrund ist eine diagonal durch das Bild verlaufende rote Fläche zu sehen, die entweder einen Weg oder ein Brückengeländer darstellt. Mit dem Rot dieses Bildelementes wird die Farbe der Hausdächer erneut aufgegriffen. Es ist klar von der Umgebung abgegrenzt, was ein Gefühl der Enge und Begrenztheit hervorruft. Die Hügel in der Bildmitte führen terrassenförmig in den Hintergrund und erzeugen einen Eindruck von räumlicher Tiefe. Im Kontrast dazu stehen die Bäume im Vordergrund, die mit ihren langen linearen Strukturen das Bild zusätzlich gliedern.

Auch in den Landschaftsbildern, die Modigliani in Südfrankreich malte, kommt der Fokus von Modigliani auf das Porträt über das Format zum Ausdruck. Anstelle des für Landschaften üblichen Querformats nutzte er auch das Hochformat. Die Bilder Amedeo Modiglianis weisen Ähnlichkeiten zu Landschaften Paul Cézannes auf, der zu Modiglianis künstlerischen Vorbildern zählte, sowie zu Bildern anderer Künstler dieser Zeit. So sind beispielsweise kompositorische Parallelen zu Bildern von Gustav Klimt vorhanden. Daneben gibt es weitere Ähnlichkeiten wie das stilisierte Aussehen der Bäume, sowie die räumliche Anordnung der Bildelemente.

Skulpturen und Bilder mit Bezug zur Bildhauerei

Zwischen 1909 und 1914 widmete sich Amedeo Modigliani fast ausschließlich der Bildhauerei. Neben ihm wandten sich zu dieser Zeit auch andere Maler dieser Kunstgattung zu, wie beispielsweise Picasso, Matisse und André Derain. Dies geschah infolge der vor dem Ersten Weltkrieg großen Zuspruch findenden afrikanischen Kunst, deren Skulpturen unter dem Begriff Negerplastik hohe Popularität erreichten. Daneben lernte Amedeo Modigliani den Bildhauer Brancusi kennen, dessen Skulpturen im Herbstsalon neben seinen Bildern ausgestellt waren. Erst nach dem Kontakt mit Brancusi wandte sich Modigliani der Skulptur zu und zog in ein für die Bildhauerei eingerichtetes Atelier am Montparnasse.

Die meisten Skulpturen Amedeo Modiglianis stellen Köpfe dar, die er als Säulen der Zärtlichkeit bezeichnete. Laut dem Kunsthistoriker Gerhard Kolberg schwanken diese Skulpturen „zwischen hohem ideellen und bildhauerischem Anspruch und primitiver bis archaischer skulpturaler Ausführung“. Dabei ist besonders auffällig, dass Modigliani trotz seiner Unerfahrenheit als Bildhauer fähig war, seinen Kopf-Skulpturen ein einheitliches stilistisches Aussehen zu verleihen. Sie haben alle ein einheitliches Grundmaß und sind aus hochrechteckigen Steinblöcken gearbeitet. Die Köpfe sind idolhaft und ikonenartig ausgearbeitet und strahlen aufgrund ihrer Schlichtheit eine majestätische Würde aus. In den gemeinsamen Ausstellungen dieser Skulpturen im Jahre 1911 wurde deutlich, dass sie nur in der Gesamtheit, jedoch nicht im Einzelwerk ihre Bedeutung zeigen. Um die Wirkung der Präsentation noch zu steigern, entwickelte Modigliani ein eigenes Beleuchtungskonzept der Objekte. Mit dieser Art der Ausstellung inszenierte er seine Skulpturen so, dass ein mysteriöser und religiös anmutender Eindruck entstand. Ein Exemplar dieser Serie ist der 70,5 × 23, 5 × 7,6 Zentimeter große Kopf einer Frau, der sich im Besitz des Philadelphia Museum of Art befindet. Er weist die typischen Merkmale der Kopfdarstellungen Modiglianis auf. Das Gesicht ist in die Länge gestreckt, so dass Nase und Ohren unnatürlich lang sind. Das Kinn ist spitz zulaufend, der Abstand zwischen den Augen gering. Der Gesichtsausdruck vermittelt keine Emotion, sondern strahlt allein Ruhe aus.

Neben den Kopfskulpturen schuf Amedeo Modigliani nur zwei weitere, die heute bekannt sind: eine stehende Figur und eine Karyatide. Diese weist einen deutlichen Rückbezug zur griechisch-römischen Antike auf. Karyatiden sind Gewandfiguren in menschlicher Gestalt, die als Stützen ganze Gesimse oder Geschosse tragen und seit der Antike ein fester Bestandteil der Architektur waren. Die Skulptur Karyatide aus dem Jahr 1914 weist nur noch durch ihre Haltung einen Bezug zu dieser Funktion auf. Die Figur kniet auf einem Bein, das andere ist angewinkelt an den Körper gezogen. Die kräftige weibliche Gestalt hält beide Arme über den Kopf erhoben. Die Last, die sie tragen musste, deutet Modigliani nur durch eine Platte an. Das Gewicht der Skulptur konzentriert sich allein auf die Zentralachse der Figur, was ihr Standfestigkeit verleiht. Der verwendete Kalksandstein wurde von Modigliani nur grob bearbeitet, was eine raue Oberfläche erzeugte im Gegensatz zu den glatten Oberflächen der Kopfskulpturen. Es ist kein Gesicht herausgearbeitet, so dass die Figur eine besondere Anonymität aufweist.

Während seiner bildhauerischen Schaffensphase malte Modigliani nur wenige Bilder. Diese hatten meist ebenfalls einen Bezug zur Skulptur, waren von Statuen inspiriert oder griffen das Motiv der Karyatide auf. Ein Beispiel für diese Bildergruppe ist das 72,5 × 50 Zentimeter große Ölgemälde Karyatide, das etwa 1911/1912 entstand. Von der Haltung her weist die Figur eine große Ähnlichkeit mit der 1914 entstandenen Skulptur auf. Der Körper ist auf eine geometrische Weise aus einzelnen Elementen zusammengesetzt worden. Der gesamte Körper ist in die Länge gestreckt und weist verlängerte, kraftvolle Arme auf. Das Bild zeigt somit keine sinnliche Darstellung einer Frau, sondern die von Kraft und Ruhe. Das Gesicht der Frau ähnelt denen altägyptischer und mykenischer Statuen, was ebenfalls eine Rezeption der von ihm studierten Werke darstellt. Die Beugung der Figur ist bildhauerisch nicht realisierbar, da die Verteilung des Gewichts an der Basis die Figur umstürzen lassen würde. So stellt das Bild für Modigliani eine Möglichkeit dar, in der Behandlung des Themas nicht an die Beschränkungen der Erschaffung einer Skulptur gebunden zu sein.

Zeichnungen

Von Amedeo Modigliani sind viele Zeichnungen erhalten geblieben. Ihre hohe Zahl kann in der Studienzeit des Künstlers begründet liegen. In der Académie Colarossi lernte er im 15-Minuten-Akt das schnelle skizzenhafte Erfassen einer Figur, da das Modell nach 15 Minuten jeweils eine andere Position einnahm. Auch später entstanden seine Zeichnungen in sehr kurzer Zeit und ohne viele Korrekturen. Er legte die Zeichnungen in großen Zügen an, wobei offensichtliche Ungenauigkeiten, die in einigen Ausnahmefällen existieren, einen vom Künstler gewollten Effekt darstellen. Während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn brachte er die Zeichnungen erst auf das Papier, nachdem sie vorher in seinem Kopf bereits Gestalt angenommen hatten. Dabei gab es keine technische Entwicklung in seinem Schaffen. Er nutzte meist Blätter, die er an der Perforierung aus seinen Skizzenblöcken heraustrennte und auf denen er mit Tusche und schwarzer Ölkreide skizzierte. Seltener nutzte er Aquarell, Graphit, Rötel, Kohlestift und blaue bis violette Kreide.

Die meisten Zeichnungen Modiglianis stellen Studien dar, in denen er Motive und Kompositionen testete, und aus dem Moment entstandene Wiedergaben einer Situation beziehungsweise einer Figur. Dabei ragen die Zeichnungen, die vom Theater und Zirkus inspiriert wurden und 1908 entstanden, aus dem übrigen Werk Modiglianis heraus, da sie ein komplett anderes Sujet darstellen. Sie sind nicht allein auf die Figur konzentriert, sondern stellen diese in einem weitergehenden erzählerischen Zusammenhang dar. Zwei der Skizzen zeigen einen Saal des Gaîté-Rochechouart am Montmartre, in dem Modigliani eine Aufführung gesehen hat. Die eine zeigt eine Gruppe von Schauspielern auf der Bühne, die andere eine leere Bühne. In beiden Bildern sind dieselben Zuschauer zu sehen, so dass nachgewiesen ist, dass beide Zeichnungen in derselben Vorstellung vor Ort ausgeführt wurden. Mit den Zeichnungen von Tänzerinnen, Artisten und einer Marionette machen die aus dem Theater die einzigen Werke Modiglianis aus, in denen sein Vergnügen am und seine Neigung zu Theater und Zirkus deutlich werden.

Bei der großen Anzahl von Zeichnungen in den Jahren als Bildhauer wird vermutet, dass es sich größtenteils nicht um Vorlagen für konkrete Einzelstücke handelt, sondern dass Modigliani darin Ideen für nicht realisierte Skulpturen festhielt. Dabei ist keine Zeichnung die Kopie einer anderen, aber aufgrund ihrer stilistischen Ähnlichkeit weisen sie laut Claude Roy eine „wunderbare Monotonie der Besessenheit“ auf. Weiterhin existieren viele Porträt- und Aktzeichnungen.

Textquelle: Seite „Amedeo Modigliani“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. November 2010, 00:13 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 8. November 2010, 21:55 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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