Amedeo Modigliani

Amedeo Modigliani

*12.07.1884 — †24.10.1920

Bedeutung, Beurteilung und Erfolg

Den Großteil seines Lebens hatte Amedeo Modigliani mit seiner Kunst nur wenig Erfolg. Seine Werke waren wenig gefragt, da sie nicht den großen neuen Strömungen in der Kunst angehörten, sondern einen persönlichen Stil zeigten. Ab 1914, nach dem Ende der Phase als Bildhauer, entwickelte Modigliani einen neuen dekorativeren Stil, der mit seinen langen Hälsen und mandelförmigen Augen allmählich steigenden Erfolg brachte. Zu dieser Zeit kam die Bewegung der Neuen Sachlichkeit auf, in der die Darstellung eines intakten Menschenbildes gefragt war. Daneben ging Modigliani stärker Kompromisse ein infolge der Beziehung zu Jeanne Hébuterne und der Geburt seiner Tochter. So wurden seine Bilder gefälliger und damit verkaufsträchtiger. Erst nach seinem Tod wurde ihm die erste Einzelausstellung gewidmet. Die Preise für seine Bilder stiegen in der Folge rasch an. Einer der bedeutendsten Sammler von Werken Modiglianis war dabei Roger Dutilleul, ein französischer Industrieller und Kunstsammler, der von 1918 bis 1925 etwa ein Zehntel des Gesamtwerkes Modiglianis erwarb.

Modigliani selbst hat sich nur selten zu seiner Kunst geäußert. Laut Berichten seiner Zeitgenossen pflegte er das Bild eines jüdischen Außenseiters und Ausländers. Dabei war er nach seinem Selbstverständnis als Künstler ein „superuomo“ (deutsch: „Übermensch“) und Auserwählter der Gesellschaft. Auffällig ist die strikte Trennung des Privatlebens von der Kunst. Er malte nur ein Selbstbildnis und griff in seinen Kunstwerken nicht den unsteten Lebensstil auf, sondern entwickelte einen klaren und einfachen Stil. Seine Bilder verbinden die Tradition mit der Moderne. Dabei war Modigliani kein Wegbereiter oder Vorreiter einer künstlerischen Entwicklung. Vielmehr blieb er ein stilistischer Außenseiter und Einzelgänger. Mit dem Brückenschlag zwischen moderner Kunst und vergangenen Kunstepochen leistete Modigliani einen herausragenden individuellen Beitrag in der Kunst des 20. Jahrhunderts.

In der Rezeptionsgeschichte stellen die Aktgemälde Modiglianis den am meisten besprochenen und gerühmten Teil seines Gesamtwerkes dar, obwohl sie nur etwa ein Zehntel an diesem ausmachen. Die Stellung dieser Bilder wurde durch die Zensur, die noch nach Modiglianis Tod bestehen blieb, und die Wirkung auf den Betrachter begründet. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg lösten die Akte Diskussionen über ihren pornografischen Gehalt aus. So musste sich das Solomon R. Guggenheim Museum in New York rechtfertigen, als es Reproduktionen des in seinem Besitz befindlichen Gemäldes Akt mit Halskette drucken lassen wollte. Die Akte Modiglianis wurden mit verschiedenen, widersprüchlichen Urteilen belegt. Auf der einen Seite wurden sie positiv als „faszinierend-sinnlich“ bezeichnet, während andere Kritiker sie als „kalt-abstoßend“ empfanden. Amedeo Modigliani entwickelte in den Akten einen eigenen Stil. Während andere Maler dieser Zeit wie Picasso, Matisse, Tsuguharu Foujita oder Kees van Dongen den nackten weiblichen Körper in einem weitergehenden Sujet darstellten, konzentrierte sich Modigliani allein auf die Darstellung des weiblichen Körpers, gab im Bild keine Handlung und auch keine weitergehenden Informationen über das Modell wieder.

Im Jahr 1955 wurden Arbeiten von ihm auf der documenta I in Kassel und 1964 auch auf der documenta III in der berühmten Abteilung Handzeichnungen gezeigt. Eine ähnliche Kopfskulptur aus dem Besitz der Erben des französischen Kaufhausgründers Gaston Lévy erzielte bei Christie's in Paris im Juni 2010 einschließlich des Aufgeldes einen Preis von 43,2 Millionen Euro. Den bislang höchsten Verkaufslerlös für ein Werk von Modigliani zahlte ein anonymer Käufer am 2. November 2010 bei einer Auktion in der New Yorker Filiale von Sotheby’s, als das Gemälde Nu assis sur un divan (La Belle Romaine) für 68.962.500 US-Dollar dem Besitzer wechselte.

Textquelle: Seite „Amedeo Modigliani“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. November 2010, 00:13 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 8. November 2010, 21:55 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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