Jean Dubuffet

Jean Dubuffet

*31.06.1901 — †15.05.1965

Portrait

Skulptur "Jardin d´Email" von Jean Dubuffet im Kröller-Müller Museum (KMM), Otterlo, Niederlande.
Public Domain

Skulptur "Jardin d´Email" von Jean Dubuffet im Kröller-Müller Museum (KMM), Otterlo, Niederlande.

Jean Dubuffet (* 31. Juli 1901 in Le Havre; † 12. Mai 1985 in Paris), eigentlich Jean Philippe Arthur Dubuffet, war ein französischer Maler, Bildhauer, Collage- und Aktionskünstler. Dubuffet war ein Hauptvertreter der Art brut und zählt zu den prominentesten Vertretern der französischen Nachkriegskunst.

Leben

Jean Dubuffet wurde als Sohn einer großbürgerlichen Familie von Wein-Großhändlern in Le Havre geboren. Als Schüler belegte er 1916 Abendkurse im Zeichnen an der École des Beaux-Arts in Le Havre; nach dem Abitur 1918 begab er sich nach Paris, um Literatur, Sprache und Musik an der Académie Julian zu studieren. Hier lernte er 1919 Max Jacob kennen. In den zwanziger Jahren malte er im Umkreis der Pariser Surrealisten gegenständliche Kompositionen, gab die Kunst aber bald auf. Nach langer Schaffenspause, in der er als Weinhändler arbeitete, setzte er 1942 erneut mit naiven Gemälden ein; seine erste Einzelausstellung fand 1944 in der Pariser Galerie René Drouin statt. In der frühen Nachkriegszeit erregte er mit seinen „primitiven“ Materialbildern einen Skandal, erlangte aber bald internationale Bekanntheit, insbesondere in den USA. Dort stellte er in der Galerie Pierre Matisse in New York bereits 1947 aus.

Dubuffet bemühte sich um eine antiintellektuelle Kunst, die er auch in Texten und Vorträgen verteidigte; seine frühen Gemälde sind vom Bildvokabular der Kinder, Naiven oder Geisteskranken inspiriert. In vielen dieser Werke verwendete er Mischtechniken aus Ölmalerei, die er mit Materialien wie Sand, Gips oder Teer versetzte, um eine belebt rauhe Oberfläche zu erzielen. Er experimentierte parallel intensiv mit Druckgrafik: Holzschnitt (Ler dla campane, 1948) und Lithografie (Les murs, 1945). Die Lithografien erarbeitete er zuerst in der Werkstatt Fernand Mourlot in Paris (Matière et mémoire, 1945), richtete sich 1958 eine eigenes Atelier ein; herausragend ist sein umfangreicher Zyklus Les Phénomènes (1958/1959). Nach 1962 entwickelte Dubuffet seine Serie Hourloupe, zellenartige Strukturen, die sich auf die Farben Rot, Weiß, Schwarz und Blau beschränken. Ende der 60er Jahre übertrug er die grafischen Elemente der Hourloupe-Serie in die Skulptur. Es entstanden bemalte felsartige Gebilde aus Polyester, großformatige Freiplastiken, teilweise begehbare Labyrinthe, wie Jardin d'Email (1972/1973) im Kröller-Müller Museum im niederländischen Otterlo. Im Jahr 1959 war Jean Dubuffet Teilnehmer der documenta 2 und auch auf den nächsten documenta- Ausstellungen, der documenta 3 (1964) und der 4. documenta (1968) in Kassel vertreten.

Skulptur "Jardin d´Email" von Jean Dubuffet im Kröller-Müller Museum (KMM), Otterlo, Niederlande.
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Skulptur "Jardin d´Email" von Jean Dubuffet im Kröller-Müller Museum (KMM), Otterlo, Niederlande.

1984 entstand eine Werkreihe auf schwarzem Hintergrund und im letzten Lebensjahr schrieb er seine Biographie.

Nach seinem Tod 1985 sind auch seine musikalischen Experimente – mit Asger Jorn – bekannt geworden, ebenso sein schriftstellerisches Werk. Er unterhielt mit zahlreichen Autoren regelmäßig Korrespondenzen: unter anderem mit Claude Simon, Jean Paulhan und Witold Gombrowicz. Er gehörte seit 1954 dem Collège de Pataphysique an. Seine Werke sind in zahlreichen internationalen Museen vertreten; große Werkkomplexe stiftete Dubuffet zu Lebzeiten dem Musée des Arts décoratifs in Paris und dem Stedelijk Museum in Amsterdam. Sein Nachlass wird von der Fondation Dubuffet in Paris verwaltet, wo man sein ehemaliges Atelier in 137, rue de Sèvres besuchen kann, im zweiten Sitz der Stiftung in Périgny-sur-Yerres ist u.a. Dubuffets begehbare Großskulptur Closerie Falbala (1.610 m²) zu besichtigen.

Neben seiner Kunst war Dubuffet einflussreich wegen seines Engagements für Art Brut: die Schöpfungen von Geisteskranken, gesellschaftlichen Außenseitern und Sonderlingen, die er sammelte und förderte. Vor dem Hintergrund dieses Interesses besuchte er auch die umfangreiche Sammlung Hans Prinzhorns von Bildwerken psychisch Kranker in Heidelberg. Dubuffets Art-Brut-Sammlung wird heute in der Collection de l'Art Brut in Lausanne verwahrt.

Ausstellungen

  • 1944/45 Galerie René Drouin, Paris
  • 1947 Pierre Matisse Galerie, New York
  • 1954 Retrospektive Cercle Volney, Paris
  • 1957 Retrospektive Schloss Morsbroich, Leverkusen
  • 1964 "L´Hourloupe" Palazzo Grassi, Venedig
  • 1973 Retrospektive Guggenheim Museum, New York
  • 1980 Retrospektiven Akademie der Künste, Berlin
  • 1980 Museum Moderner Kunst, Wien
  • 1980 Joseph-Haubrich Kunsthalle, Köln
  • 1981 "Ausstellung zum 80. Geburtstag" Solomon R. Guggenheim Museum, New York
  • 1985 Retrospektive Galerie Beyeler, Basel
  • 1998 Galerie Karsten Greve, Köln
  • 2009 Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München
  • 2009 Galerie Beyeler, Basel

Sammlung Viktor und Marianne Langen

Viktor und Marianne Langen, ein Unternehmerehepaar, hatte in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen, Kunstwerke zu sammeln, mit u. a. auch Arbeiten von Jean Dubuffet. I

Textquelle: Seite „Jean Dubuffet“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. November 2010, 02:34 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 7. Dezember 2010, 15:11 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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