Elizabeth Taylor

Elizabeth Taylor

Portrait

Studio publicity portrait of the American actress Elizabeth Taylor
Public Domain

Studio publicity portrait of the American actress Elizabeth Taylor

Dame Elizabeth Rosemond Taylor, DBE (häufig auch: „Liz“ Taylor; * 27. Februar 1932 in Hampstead, London; † 23. März 2011 in Los Angeles, Kalifornien) war eine US-amerikanisch-britische Filmschauspielerin. Sie erlangte Starruhm als Kinderdarstellerin und Leading Lady des marktführenden Hollywood-Studios MGM, bei dem sie von 1942 bis 1958 unter Vertrag war. Taylor wirkte in vielen der rentabelsten Filme der Zeit mit und wurde als Charakterdarstellerin zweimal mit dem Oscar ausgezeichnet. Durch ihre Auftritte in Filmen wie Die Katze auf dem heißen Blechdach und Plötzlich im letzten Sommer ist ihr Name eng mit der Popularisierung des dramatischen Werkes von Tennessee Williams verknüpft. Ihre Prominenz hat Elizabeth Taylor wiederholt genutzt, um auf politische und gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen; die größte Resonanz erzielte sie mit ihren Fundraising-Aktivitäten für die AIDS-Aufklärung. Im Mai 2000 wurde sie von der britischen Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben.

Leben und Filmkarriere 

Kindheit in London und Beverly Hills (1932–1942) 

Elizabeth Rosemond Taylor wurde am 27. Februar 1932 im Londoner Stadtteil Hampstead geboren. Sie war die Tochter des Kunsthändlers Francis Lenn Taylor (1897–1968) und von Sara Viola Taylor, geb. Warmbrodt (1895–1994), einer Schauspielerin, die bis 1927 unter ihrem Künstlernamen Sara Sothern auf verschiedenen US-amerikanischen und Londoner Bühnen aufgetreten war. Da ihre Eltern US-Staatsbürger waren, besaß Taylor seit ihrer Geburt sowohl die US-amerikanische als auch die britische Staatsangehörigkeit. Ihr Bruder Howard Taylor (* 1929) hatte, obwohl er eigentlich Meereskundler war, in den 1960er Jahren gelegentlich kleine Film- und Fernsehrollen.

Die Familie gehörte der wohlhabenden oberen Mittelschicht an. Von früher Kindheit an hatte Elizabeth Reitunterricht und nahm Ballettstunden. Von 1937 an besuchte sie die private Byron House School in Highgate.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges verließ die Familie das von deutschen Luftangriffen bedrohte London und übersiedelte nach Kalifornien: zunächst nach Pasadena, dann Pacific Palisades und schließlich Beverly Hills, wo Francis Taylor in der Filmszene Kunden für seinen Kunsthandel zu finden hoffte. Elizabeth Taylor besuchte dort die Hawthorne Elementary School, nahm weiterhin Reit-, Ballett- und zusätzlich Gesangsunterricht. Wirklich gut getanzt oder gesungen hat sie jedoch nie; im Film ist sie darum kaum entsprechend eingesetzt worden.

Die Taylors kamen nach Kalifornien in einer Zeit, in der man sich dort für niedliche Kinderstars wie Freddie Bartholomew und Shirley Temple begeisterte. Nach vergeblichen Anläufen, einflussreiche Hollywood-Persönlichkeiten wie Hedda Hopper oder Louis B. Mayer auf die Tochter aufmerksam zu machen, die sie mit der ebenfalls dunkelhaarigen Vivien Leigh verglich, konnte die Mutter schließlich den Universal-Chairman John Cheever Cowdin bewegen, Taylor in einer kleinen Filmrolle einzusetzen. So wirkte die Neunjährige im Spätsommer 1941 einige Tage lang bei den Dreharbeiten für eine kurze Filmkomödie mit, die 1942 unter dem Titel There’s One Born Every Minute in die Kinos kam. Der Film hatte keinen Erfolg und Taylors Vertrag wurde nicht verlängert.

Vertragsdarstellerin bei MGM 

Kinderdarstellerin (1942–1946) 

1942 gewannen die Eltern den MGM-Produzenten Samuel Marx dafür, Taylor in dem „Lassie“-Film Heimweh einzusetzen. Nachdem dieser aufwändig in Technicolor produzierte Film sich in den Kinos bezahlt gemacht hatte, erhielt Taylor einen siebenjährigen Studiovertrag, unter dem sie 1944 zunächst zwei winzige Rollen in Die Waise von Lowood und in dem sehr profitablen patriotischen Drama The White Cliffs of Dover spielte. Handlungsort aller drei Filme war England, und einer der Gründe, warum Taylor für diese Rollen ausgewählt wurde, war ihr britischer Akzent, den sie noch nicht abgelegt hatte.

Da sie gut ritt und genau den Vorstellungen entsprach, die die Produzenten von diesem Charakter hatten, wurde Taylor Anfang 1944 für die Titelrolle in der aufwändigen Prestigeproduktion Kleines Mädchen, großes Herz ausgewählt. Es war Taylors erste Titelrolle und der erste Film, in dem die inzwischen Zwölfjährige in fast jeder Szene auftrat. Regisseur Clarence Brown, der sieben Filme mit Greta Garbo inszeniert hatte, wusste genau, wie Taylors Schönheit gefilmt werden musste. Da der Film sich nach seinem Kinostart im Dezember 1944 als äußerst profitabel erwies, begann die mächtige MGM-Werbeabteilung, Taylor als Star herauszubringen. Das Image, das für sie geschaffen wurde, war das eines tiernärrischen „Mädchens von nebenan“; Taylor entsprach dem unter anderem, indem sie 1946 eine Erzählung über ihre Erlebnisse mit einem zahmen Eichhörnchen (Nibbles and Me) veröffentlichte.

Teenagerrollen (1946–1949) 

In Lassie – Held auf vier Pfoten (1946) setzte MGM Taylor ein letztes Mal als Kind ein. Mit ihren nächsten Filmen – Unser Leben mit Vater (1947), Cynthia (1947), Wirbel um Judy (1948), Die unvollkommene Dame (1948) und Kleine tapfere Jo (1949) – wechselte sie ins Jungmädchenfach. Wie Brenda Maddox ausgeführt hat, fiel Taylors Heranwachsen in die Zeit, in der in der westlichen Welt der Teenager „erfunden“ wurde, das heißt das gesellschaftliche Konzept einer Altersstufe zwischen Kindheit und Erwachsenensein, deren US-amerikanische Vertreter als „Bobby Soxers“ eine markante eigene Kultur besaßen, zu der, wie Maddox schreibt, „bezaubernde Gebräuche wie Miteinander-Gehen [und] stundenlanges Telefonieren“ gehörten. Durch die beiden Filme Cynthia und Wirbel um Judy erlangte Elizabeth Taylor in den USA den Rang einer Teen Queen, deren stilistischem Vorbild viele ihrer Altersgenossinnen nachzueifern begannen. So erschien sie nach dem Kinostart von Cynthia zum ersten Mal auch auf dem Titelblatt des einflussreichen Life-Magazins; in den folgenden Jahrzehnten wurde sie dort häufiger abgebildet als irgendein anderer Filmstar. In Cynthia verkörperte Taylor ein überbehütetes und unglückliches junges Mädchen, das gegen die Bevormundung durch ihre Eltern rebelliert, und entsprach damit einem Bild, das die Presse inzwischen auch von der realen Elizabeth Taylor hatte.

Leading Lady (1949–1955)

Die Talententwickler der großen Hollywoodstudios haben häufig versucht, ihre teuer aufgebauten Kinderstars ins Teenagerfach wechseln zu lassen, hatten damit aber selten so großes Glück wie mit Elizabeth Taylor. Shirley Temple z. B. verlor ihre Popularität Anfang der 1940er Jahre, und die ebenfalls bei MGM beschäftigte Margaret O’Brien scheiterte 1951 mit dem Film Her First Romance. Mit Taylors Karriere war bei MGM besonders Vice President Benjamin Thau befasst. Der wusste in den späten 1940er Jahren jedoch nicht recht, wie er ihr Image fortentwickeln und in welchem Rollentyp er sie einsetzen sollte. Wie Brenda Maddox hervorgehoben hat, hatte Taylor bereits seit ihrem sechzehnten Lebensjahr einen rohen Sex-Appeal entwickelt, durch den sie ähnlich zum Sexsymbol hätte aufgebaut werden können wie Marilyn Monroe bei 20th Century Fox. In dieser Nische arbeitete MGM jedoch bereits mit Ava Gardner. Weiter behindert wurde Taylors Karriereplanung durch interne Machtkämpfe der Firma, die 1951 in der Ablösung des allmächtigen Studiochefs Louis B. Mayer durch Dore Schary gipfelten. Das Unternehmen erreichte danach nie wieder seine frühere Effizienz, und Taylor blieb – neben Grace Kelly, Debbie Reynolds und Leslie Caron – eine der letzten Vertragsschauspielerinnen, die von MGM als Stars aufgebaut wurden.

Viele der Filme, in denen Taylor ihre ersten Erwachsenenrollen spielte, gelten heute als filmhistorische Kuriosa, die gelegentlich in Arthousekinos und in Fernseh-Nachtprogrammen zu sehen sind. Ihr Debüt als Leading Lady hatte sie als Siebzehnjährige in dem Spionagethriller Verschwörer, der 1949 in den englischen MGM-Studios in London gedreht wurde. Der Film, dessen Stimmung aus dem Kalten Krieg geboren war, zeigte Taylor in der Rolle einer jungen US-Amerikanerin, die entdecken muss, dass ihr schneidiger Ehemann, gespielt vom 38-jährigen Robert Taylor, ein russischer Spion ist. Weder dieser Film noch ihr nächster – die Komödie Von Katzen und Katern – machten bei Publikum oder Kritik viel Eindruck.

Nicht bei MGM, sondern bei Paramount, die sie im Herbst 1949 „auslieh“, fand Taylor ihre erste gute Rolle als Leading Lady. MGM erhielt als Gegenleistung für diesen Loan-Out 35.000 US-Dollar. Paramount arbeitete an der Adaptation eines Romans von Theodore Dreiser. In diesem Film, Ein Platz an der Sonne, spielte Montgomery Clift einen ambitionierten jungen Arbeiter, der seine schwangere Freundin (Shelley Winters) tötet, um mit einer jungen Dame der feinen Gesellschaft (Taylor) zusammen sein zu können. Unter der Regie von George Stevens, der angesichts des Hays Code alle gesellschaftskritischen Implikationen des Stoffes vertuschen und die persönlichen Motive der Figuren in den Vordergrund rücken musste, stellte Taylor die junge Verführerin nicht als leichtlebige Frau, sondern so sympathisch dar, dass das Publikum mit dem Mörder mitfühlte. Der Film spielte, als er nach langen Schnittarbeiten im August 1951 in die Kinos kam, 3,5 Mio Dollar ein und war einer der zehn erfolgreichsten des Jahres. Der einflussreiche Kritiker Andrew Sarris urteilte damals, Clift und Taylor seien „das schönste Paar in der Geschichte des Kinos“.

Die einzigen wirtschaftlich herausragenden Filme, die MGM mit Taylor um 1950 produzierte, waren Vater der Braut, Ein Geschenk des Himmels und Ivanhoe – Der schwarze Ritter. Vater der Braut (1950) und das Sequel Ein Geschenk des Himmels (1951) waren zwei vollständig auf das Talent von Spencer Tracy zugeschnittene Filme über die heiteren Erlebnisse eines Vaters, dessen Tochter (Taylor) heiratet und ihr erstes Kind bekommt. Nach dem Drehschluss des ersten Films erwarb Taylor, die ihre Schulzeit seit 1942 an der firmeneigenen MGM Studio School verbracht hatte, ihr High-School-Diplom, und heiratete im Mai 1950 den Hotel-Erben Nicky Hilton. MGM inszenierte die Hochzeit als Reklame-Event für die beiden Spencer-Tracy-Filme. Als Taylor im Sommer 1951 nach England reiste, um dort in Ivanhoe – Der schwarze Ritter (1952) mitzuwirken, war die Ehe allerdings schon wieder geschieden. In diesem Kostümfilm spielte sie wieder nur eine Nebenrolle, Ivanhoe erzielte in den US-amerikanischen Kinos aber das vierthöchste Einspielergebnis aller Filme des Jahres, und MGM gab Taylor erneut einen siebenjährigen Studiovertrag.

Trotz ihres Erfolges in Ein Platz an der Sonne wurde Taylor von MGM in den frühen 1950er Jahren nicht – wie z. B. Grace Kelly – als Spitzenaktivum betrachtet. Wäre dies der Fall gewesen, so hätte die Klatschpresse unter dem Druck des Studios über ihre Scheidung und ihre darauf folgenden Liebesaffären diskret hinweggesehen; ohne diesen Schutz bekam Taylor nun aber zum ersten Mal eine schlechte Presse. Zwar war sie wiederholt für interessante Hauptrollen im Gespräch – z. B. in Die Thronfolgerin, Ein Herz und eine Krone und Die barfüßige Gräfin –, musste diese jedoch stets anderen Darstellerinnen überlassen. Gelegentlich hatte sie mit ihren Filmen auch einfach Pech, wie mit der Komödie Die süße Falle, deren Kinostart sich bis 1952 verschleppte, weil ihr Leinwandpartner Larry Parks vom Komitee für unamerikanische Umtriebe auf die schwarze Liste gesetzt worden war.

Eine Lehre, die MGM aus Taylors Erfolg in Ein Platz an der Sonne zog, war die, sie von da an immer wieder als verwöhnte junge Dame der glamourösen High Society einzusetzen, z. B. in Ein verwöhntes Biest (1953), Elefantenpfad (1954) und Beau Brummell (1954). Andere Filmstudios setzten diese Gewohnheit später fort, etwa in Giganten (1956), Cleopatra (1963), Brandung (1968), Die Nacht der tausend Augen (1973) und Die Rivalin (1973). Seit ihrer Heirat mit dem reichen Nicky Hilton präsentierte Taylor sich der Öffentlichkeit auch privat als Liebhaberin von ausschweifendem Luxus; Richard Burton erwarb für sie später z. B. eine der wertvollsten Juwelensammlungen der Welt. Kein Hehl machte Taylor auch aus ihren häufig wechselnden sexuellen Beziehungen – einem Verhalten, das am Vorabend der „sexuellen Revolution“ immer noch stark schambesetzt war. Wie Donald Spoto aufgewiesen hat, waren Taylors Image und die Faszination, die dieses Image auf die Zeitgenossen ausübte, eng verzahnt mit der naiven Begeisterung, die den wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er Jahre begleitete. Taylor habe, so Spoto, für die Öffentlichkeit eine Art „Miss Libertine“ dargestellt, die „eine Fackel für die absolute Autonomie trägt und damit dem Weg zum Genuss weist – aber sie war auch eine Frau aus Fleisch und Blut in immerwährenden Ferien, und diese Rolle spielte sie in Vollendung.“

1953 lieh MGM sie an Paramount für den Exotikfilm Elefantenpfad aus, in dem Taylor Vivien Leigh ersetzte, die während der Dreharbeiten ausgefallen war. Taylor verkörperte darin eine attraktive junge Frau, die durch eine etwas überstürzte Heirat in märchenhaften Luxus gelangt – ihr Mann ist der steinreiche Erbe einer ceylonesischen Teeplantage –, aber entdecken muss, dass in diesem Paradies für sie eigentlich gar kein Platz vorgesehen ist. Der Film Elefantenpfad ist deshalb bemerkenswert, weil Taylor darin nicht nur ein glamouröses Luxusgeschöpf spielte, sondern erstmals auch als „armes reiches Mädchen“ zu sehen war – als eine Frau, der es materiell zwar an nichts fehlt, die Liebeserfüllung aber erst findet, nachdem sie sich langwieriger und schmerzhafter Selbstverleugnung unterzieht. Taylor hat die Rollen solcher eigentlich starken, gleichzeitig aber nach Unterwerfung sich sehnenden Frauen auf unterschiedliche Weise später immer wieder gespielt, etwa in ihrem folgenden Film, Symphonie des Herzens (1954), aber auch in Die Katze auf dem heißen Blechdach (1958), Cleopatra (1963) und zugespitzt in Der Widerspenstigen Zähmung (1967).

Eine andere Variante des Luxusgeschöpfes war der Typus der charmanten, aber oberflächlichen, selbst- und vergnügungssüchtigen jungen Frau, die Taylor bereits in Tapfere kleine Jo (1949) und Ein verwöhntes Biest (1953) verkörpert hatte. Voll entfaltet hat sie einen solchen Charakter aber erst in der F.-Scott-Fitzgerald-Adaption Damals in Paris (1954), in dem sie eine lebenslustige junge US-Amerikanerin darstellt, die sich in Paris in einen jungen Schriftsteller (Publikumsliebling Van Johnson) verliebt. Dessen künstlerische Ambitionen respektiert sie so wenig, dass die Ehe scheitert.

Komplexe Charaktere (1955–1960)

Taylor besaß, wie viele ihrer Biografen festgestellt haben, weder ein gutes Urteilsvermögen für Drehbücher noch Sinn dafür, welche Filmrollen ihre Karriere voranbringen würden. Auch MGM traf in diesem Punkt viele Fehlentscheidungen. Ihre nächste interessante Rolle fand Taylor tatsächlich nicht bei MGM, sondern in der Warner-Produktion Giganten, für die Regisseur George Stevens zunächst eigentlich Grace Kelly vorgesehen hatte. Die Rolle in dem Film war ihre bisher anspruchsvollste. Taylor verkörperte die Rolle der Leslie darin über eine große Altersspanne hinweg (21–45 Jahre) und zeigte sie in ihrer ganzen Komplexität, mit geistreichen, emanzipierten, schüchternen und fürsorglichen Zügen. Der Film, in dem in weiteren Hauptrollen Rock Hudson und James Dean erschienen, spielte in den US-amerikanischen Kinos 14 Mio Dollar ein und war damit der profitabelste, den Warner 1956 herausbrachte.

Nachdem Taylor sich für Warner als so wertvoll erwiesen hatte, setzte nun auch MGM sie in einer Prestigeproduktion ein. Die Bestsellerverfilmung Das Land des Regenbaums (1957) zeigte Taylor als eine Südstaaten-Schönheit, die in der komplizierten Ehe mit einem ungleichen Partner (Montgomery Clift) den Verstand verliert. Sie spielte darin ihre erste Wahnsinnsszene. Mit Hilfe einer Sprachtrainerin eignete Taylor sich für diese Rolle einen makellosen Südstaatenakzent an. Der von Edward Dmytryk inszenierte und im hauseigenen MGM Camera 65-Verfahren sehr teuer produzierte Film war MGMs erster Breitwandfilm und sollte an den Erfolg des Kassenschlagers Vom Winde verweht anknüpfen.

Obwohl der Film an sein Vorbild nicht heranreichte, war Das Land des Regenbaums der erste MGM-Film mit Taylor als Leading Lady, der Spitzeneinnahmen erzielte. Der zweite folgte unmittelbar darauf. In der Tennessee-Williams-Verfilmung Die Katze auf dem heißen Blechdach (1958) spielte Taylor eine junge Ehefrau, Maggie, die ihren Mann Brick (Paul Newman), der an einem unaussprechlichen Problem leidet, vor dessen selbstzerstörerischen Tendenzen zu retten versucht. In Williams’ Stück ist Brick homosexuell, ein Thema, das Regisseur Richard Brooks wegen des Hays Code in den Film nicht übernehmen durfte. Brooks beschäftigte sich darum besonders intensiv mit der Darstellung Maggies, und unter seiner Regie interpretierte Taylor die Figur als vielschichtige Frau mit ebenso vielen menschlichen Schwächen wie liebenswerten Zügen, die einerseits an das Erbe möchte, sich andererseits aber wirklich danach sehnt, die Liebe ihres Mannes zu erringen. Die Katze auf dem heißen Blechdach wurde der kommerziell erfolgreichste MGM-Film des Jahres und brachte Taylor nicht nur die besten Kritiken ihrer bisherigen Karriere, sondern erstmals auch einen Platz unter den zehn kassenträchtigsten Stars in Quigley’s Annual List of Box-Office Champions ein, in der sie bis 1968 insgesamt neunmal vertreten war.

Während der Dreharbeiten zu diesem Film kam Taylors dritter Ehemann, der Filmproduzent Michael Todd, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Dass sie schon kurz darauf eine Romanze mit dem populären Sänger Eddie Fisher begann, der ihretwegen seine Frau, die Schauspielerin Debbie Reynolds verließ, brachte ihr vorübergehend sehr schlechte Presse ein. Mit Rücksicht auf Fisher, der jüdisch war und den sie im Frühjahr 1959 heiratete, bekannte Taylor, die von ihren Eltern im Glauben der Christian Science erzogen worden war, sich von diesem Zeitpunkt an zum Reformjudentum.

1958 lief Taylors Studiovertrag mit MGM aus. Ihre erste Arbeit als Freiberuflerin fand sie im Sommer 1959 bei Columbia. In Plötzlich im letzten Sommer, einer weiteren Tennessee-Williams-Verfilmung, spielte sie die Rolle einer verführerischen jungen Frau, die einen jungen Mann liebt. Der missbraucht sie aber als Köder für die Männer, die er eigentlich begehrt. Als er ein bestialisches Ende findet, dessen Umstände seine Mutter (Katharine Hepburn) mit allen Mitteln zu vertuschen sucht, ist die junge Frau traumatisiert und entkommt dem Wahnsinn nur dank eines verständnisvollen Nervenarztes (Montgomery Clift). Obwohl der Film mit seiner Schilderung von Gewalt, Inzest, Kannibalismus und Prostitution eine starke Herausforderung an den Hays Code bildete, wurde er der kommerziell erfolgreichste, den Columbia in diesem Jahr herausbrachte.

Obwohl Taylor keine Vertragsschauspielerin von MGM mehr war, schuldete sie dem Studio noch einen letzten Film. Die Rolle, die MGM für sie vorgesehen hatte – die der Gloria in Telefon Butterfield 8 –, nahm sie nur an, weil sie die Gage brauchte und sich einen Rechtsstreit nicht erlauben konnte. Wie unter anderem Donald Spoto bemerkte, haben die Figuren in diesem Film keine Tiefe, und sein Thema – die unglückliche Liebe eines Callgirls zu einem verheirateten Mann – ist lediglich deprimierend, erreicht aber keine echte Tragik. Trotz des schwachen Drehbuchs gelang es Taylor in dem Film, ihr schauspielerisches Repertoire noch einmal zu erweitern und anstelle einer süßen, unschuldigen jungen Frau erstmals einen Charakter mit dunklen, sinnlichen und bösen Seiten darzustellen. Telefon Butterfield 8 war der kommerziell erfolgreichste Film, den MGM 1960 in die Kinos brachte, und bescherte Elizabeth Taylor, die 1958, 1959 und 1960 jedes Mal nominiert worden war, den Preis aber nie erhalten hatte, ihren ersten Oscar.

Cleopatra >> Mehr über den Filma

Nach Telefon Butterfield 8 war Taylor an MGM nicht mehr gebunden und schloss, wie es inzwischen branchenüblich war, Verträge nur noch für individuelle Filmprojekte ab. Mit der Wahrnehmung ihrer Interessen hatte sie bereits um 1958 den einflussreichen Agenten Kurt Frings beauftragt, der auch Audrey Hepburn betreute. Frings verhandelte für Taylor mit 20th Century Fox über die Titelrolle in dem Monumentalfilm Cleopatra, einer Prestigeproduktion, mit der das unter Druck befindliche Unternehmen sich zu sanieren hoffte. Da Filme mit Taylor bisher sichere Investitionen gewesen waren, war Fox auch mit ihrer Forderung nach einer Gage von einer Million Dollar einverstanden – einer Summe, die bis dahin noch nie einem Filmstar gezahlt worden war. Da Taylor später auch als Koproduzentin am Gewinn beteiligt wurde, beliefen sich ihre Gesamteinnahmen aus dem Film schließlich auf mehr als sieben Millionen Dollar. Taylor mochte die Rolle, weil sie die Kleopatra nicht einfach als eine berechnende Verführerin, sondern auch als Idealistin spielen durfte, die sich für den Weltfrieden einsetzte und dafür sogar auf einen Teil ihrer Macht zu verzichten bereit war. Die Dreharbeiten begannen nach sehr langen und komplizierten Produktionsvorbereitungen im Sommer 1960 in London. Da weder das Drehbuch noch die Dekorationen termingerecht fertig wurden und Taylor zweimal schwer erkrankte, kam es erneut zu langen Unterbrechungen, sodass die Produktionskosten von den ursprünglich veranschlagten zwei Millionen Dollar am Ende auf mehr als 37 Millionen Dollar anstiegen.

Endgültiger Produktionsstandort wurde Rom. Stephen Boyd, der in Cleopatra zunächst die Rolle des Marcus Antonius spielen sollte, wurde im September 1961 durch Richard Burton ersetzt, den Taylor bereits seit den frühen 1950er Jahren flüchtig kannte. Da sowohl Taylor als auch Burton verheiratet waren und Studios wie die Fox mit der Presse mittlerweile keine Diskretionsübereinkünfte mehr hatten, erregte die Liebesbeziehung, die sich zwischen den beiden Schauspielern während der Dreharbeiten in Rom entwickelte, in der Öffentlichkeit mehr Anstoß als irgendeine von Taylors früheren Affären. So wurde sie nicht nur vom Vatikan – von Papst Johannes XXIII., von Radio Vatikan und besonders scharf vom Osservatore della Domenica – öffentlich kritisiert, sondern auch von Iris Blitch, einer Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses, die sich im Frühjahr 1962 – freilich ohne Erfolg – dafür einsetzte, dass Taylor und Burton nach Abschluss der Dreharbeiten die Wiedereinreise in die USA verwehrt werden solle. Die Beziehung von Taylor und Burton wurde, wie Donald Spoto es formuliert, zu der „am beharrlichsten veröffentlichten Privatangelegenheit der 1960er Jahre“. Seit dem Bekanntwerden ihrer Romanze im April 1962 wurden Taylor und Burton beständig von Paparazzi und neugierigen Menschenmassen belagert. Ihre ostentativ zur Schau getragene Gleichgültigkeit gegenüber der moralischen Entrüstung, die ihnen entgegenschlug, und ihre offene Verachtung gesellschaftlicher Konventionen spielten, wie Taylors Biografen wiederholt herausgearbeitet haben, eine Rolle in dem Liberalisierungsprozess, der dazu führte, dass „unerlaubter Sex“ allmählich von Scham befreit wurde. Die Beziehung von Taylor und Burton galt als prominenter Musterfall, der im gesellschaftlichen Diskurs, der damals rund um dieses Thema entstand, immer wieder angeführt wurde. Randy Taraborrelli schrieb: „Sie haben in der Tat eine sexuelle Revolution angeführt.“

Weder Taylor noch Burton errangen durch ihre Auftritte in Cleopatra irgendeinen Schauspielerpreis, der Film amortisierte sich 1966 jedoch und zählt heute als der wirtschaftlich erfolgreichste seines Kinojahrgangs.

Elizabeth Taylor und Richard Burton (1962–1972)

Als Taylor und Burton 1964 schließlich heirateten, waren sie in der Boulevardpresse so präsent und das Bedürfnis des Publikums, das Paar auf der Leinwand zu erleben, so groß, dass bis 1967 alle Filme, in denen Taylor und Burton gemeinsam auftraten, ihre Herstellungskosten problemlos eingespielt haben, und zwar selbst in Fällen, in denen die Kritik das Produkt verriss. Taylors Gagen betrugen bis 1969 fast immer 1 Mio Dollar pro Film; Burton erhielt meist weniger. Von 1963 bis 1973 wirkte das Paar in zehn weiteren Kinofilmen gemeinsam mit, wobei Taylor in dreien allerdings nur sehr kleine Rollen hatte (Doktor Faustus, 1967; Königin für tausend Tage, 1969; Unter dem Milchwald, 1972). In den übrigen Filmen – besonders in Hotel International (1963), … die alles begehren (1965), Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (1966), Der Widerspenstigen Zähmung (1967) und Seine Scheidung, ihre Scheidung (1973) – bedienten sie bewusst die Erwartungen des Publikums, das von ihrem turbulenten Liebes- und Eheleben nicht genug bekommen konnte.

Burton, der bis dahin „nur“ den Rang eines erstklassigen Shakespeare-Darstellers besessen hatte, erlangte durch diese Filme internationalen Starruhm. Künstlerisch war die Zusammenheit mit Taylor für ihn allerdings wenig produktiv. Obwohl Burton von Taylor manches über Filmschauspielerei gelernt hat, zeigte er seine besten Leistungen in Filmen wie Becket (1963), Die Nacht des Leguan (1964) und Der Spion, der aus der Kälte kam (1965), in denen Taylor nicht mitwirkte.

Alle Filme, in denen Taylor in den folgenden Jahren auftrat, wurden in Europa produziert; aus steuerlichen Gründen gab sie Mitte der 1960er Jahre auch ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft auf und nahm formal Wohnsitz in der Schweiz. Auf die Liebesfilme Hotel International und … die alles begehren folgte 1965/66 die von den Warner Bros. produzierte Edward-Albee-Verfilmung Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, ein von gewagten Dialogen getragenes Kammerspiel über die Illusionen, die alle menschlichen Beziehungen, besonders aber eine Ehe bedrohen. Taylor spielte in diesem Film erneut einen äußerst komplexen Charakter und zum ersten Mal eine hässliche Frau, die noch dazu 12 oder 15 Jahre älter war als sie selbst. Der Film wurde der kommerziell erfolgreichste, den Warner 1966 herausbrachte, und ihre Rolle brachte Taylor 1967 neben einigen bedeutenden Kritikerpreisen auch ihren zweiten Oscar ein.

Ellis Auburn beklagt, dass dieser Oscar allerdings der „Todeskuss“ für Taylors Karriere als ernsthafte Schauspielerin gewesen sei, weil es zu einem Type-Casting als Xanthippe führte, dem sie sich in den folgenden Jahren kaum noch entziehen konnte. Als keifende oder stichelnde Megäre trat sie nämlich auch in ihren nächsten größeren Rollen auf: als Katharina in Franco Zeffirellis Shakespeare-Adaption Der Widerspenstigen Zähmung (1967; mit Burton) und als Leonora in John Hustons künstlerisch und thematisch ungewöhnlichem, kommerziell aber erfolglosem Kammerspiel Spiegelbild im goldenen Auge (1967). 1967 gründeten Taylor und Burton ein Unternehmen, Taybur, mit dem sie eigene Filme produzieren wollten, das dann jedoch nie aktiv wurde. Der Avantgardefilm Brandung (1968), in dem Taylor sich wieder laut und vulgär gab, ist der erste in einer ganzen Serie von Filmen – Die Frau aus dem Nichts (1969), Das einzige Spiel in der Stadt (1970), X, Y und Zee (1972), Unter dem Milchwald (1972; mit Burton), Hammersmith is out (1972; mit Burton), Die Nacht der tausend Augen (1973) und Die Rivalin (1973) – für die Taylor immer noch Millionengagen erhielt, die zumindest in den USA von Publikum und Kritik aber nicht mehr besonders beachtet wurden. In Europa dagegen erhielt Taylor jetzt bedeutende Filmpreise, und einige Kritiker und Autoren sind sogar der Auffassung, dass sie ihre besten schauspielerischen Leistungen erst in dieser Zeit gezeigt hat, in der sie dick geworden ist und mehr und mehr gewagt hat, unattraktive Frauen darzustellen.

Rückzug aus dem Filmgeschäft und Tod 

Das Fernsehen hatte bereits in den 1950er Jahren begonnen, das Kino zu verdrängen, und gewann in den folgenden beiden Jahrzehnten immer größere Bedeutung. Auch Elizabeth Taylor trat 1972 erstmals in einer Fernsehrolle auf, nämlich in dem für ABC produzierten Fernsehfilm Seine Scheidung, ihre Scheidung. Es war ihr letzter gemeinsamer Filmauftritt mit Richard Burton. Ihre Ehe wurde 1974 geschieden; 1975 heirateten sie erneut, ließen sich aber schon 1976 wieder scheiden.

Taylors letzte Kinofilmauftritte – in Identikit (1974), Der blaue Vogel (1976), Das Lächeln einer Sommernacht (1977), Mord im Spiegel (1980), Il giovane Toscanini (1988) und Flintstones – Die Familie Feuerstein (1994) – wurden von Publikum und Kritik kaum beachtet. Taylor wurde 1972 vierzig Jahre alt und war damit nach den Maßstäben Hollywoods für eine Leading Lady zu alt; die Suche nach guten Rollen wurde auch durch ihre zunehmende Körperfülle erschwert. Weiter beschleunigt wurde das Ende ihrer Filmkarriere durch ihre Heirat mit dem republikanischen Politiker John Warner, mit dem sie von 1978 an, nach seiner Wahl zum US-Senator, in Washington D.C. lebte. 1981 trat Taylor, obwohl sie als Schauspielerin über keine entsprechende Technik verfügte, erstmals als Bühnendarstellerin auf, und zwar zunächst in Lillian Hellmans Familiendrama Die kleinen Füchse, das Zev Bufman für den Broadway produzierte. Das Stück kam beim Publikum gut an und brachte Taylor in neun Monaten 1,5 Mio Dollar ein. 1983 folgte Noël Cowards Scheidungslustspiel Private Lives, in dem Taylor ein letztes Mal neben Richard Burton auftrat, der 1984 starb. Obwohl es von der Kritik verrissen wurde, war Private Lives, bei dem Taylor diesmal auch als Koproduzentin mitverdiente, ein weiterer Publikumserfolg.

Im Dezember 1983 begann Taylor, die seit der Partnerschaft mit Burton Alkohol und später auch Medikamente missbrauchte, eine siebenwöchige stationäre Entzugstherapie im kalifornischen Betty Ford Center. Im Oktober 1988 suchte sie diese Klinik erneut stationär auf. Taylor war neben Liza Minnelli die erste sehr prominente Persönlichkeit, die offen über diese Behandlung sprach und damit auch um Akzeptanz und die Anerkennung von Alkoholismus als Krankheit warb.

Während ihre Kinofilmarbeit nachließ, erschien Taylor bis 2001 immer wieder in Fernsehfilmen – wie Between Friends (1983), Malice in Wonderland (1985), There Must Be a Pony (1986) und Poker Alice (1987) – und einzelnen Episoden von Fernsehserien (General Hospital, All My Children, Hotel und Fackeln im Sturm). Von 1992 bis 2003 trat sie gelegentlich auch als Synchronsprecherin für Animationsfilme und -serien in Erscheinung.

Elizabeth Taylor lebte zuletzt in Bel Air, Kalifornien. Seit 2003 war sie schauspielerisch nicht mehr aktiv, trat in Talkshows und ähnlichen Fernsehgenres aber weiterhin auf. Sie starb am 23. März 2011 um 1.28 Uhr Ortszeit im Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles an Herzinsuffizienz, nachdem sie dort bereits seit Februar 2011 wegen Herzbeschwerden stationär behandelt worden war. Die Beerdigung fand einen Tag nach ihrem Tode, am 24. März 2011, am Forest Lawn Memorial Park (Glendale) in Kalifornien statt.

Textquelle: Seite „Elizabeth Taylor“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 10. Mai 2011, 16:16 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 19. Mai 2011, 21:58 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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