Tizian

Tizian

*1485 — †1576
Tizian

Portrait

Tizian (* um 1477 oder um 1488 in Pieve di Cadore bei Belluno; † 27. August 1576 in Venedig), eigentlich Tiziano Vecellio, war der Hauptmeister der venezianischen Malerschule und Vollender einer neuen koloristischen Richtung.

Leben und Schaffen

Tizian kam schon als zehnjähriger Knabe nach Venedig, um sich dort der Malerei zu widmen. Als seine Lehrer werden der Mosaikmaler Sebastiano Zuccato, dann Gentile Bellini genannt; doch muss er später auch bei Giovanni Bellini gelernt und sich nach Giorgione weitergebildet haben. Man erfährt zuerst von seiner Tätigkeit um 1508-09, wo er neben Giorgione die jetzt verschwundenen Fresken am Fondaco dei Tedeschi in Venedig ausführte (die Fresken waren bereits im 17. Jahrhundert stark beschädigt, Fragmente haben sich im Palazzo Ducale und in den Gallerie dell´Accademia in Venedig erhalten). 1511 malte er Fresken in der Scuola del Santo in Padua. 1512 kehrte er nach Venedig zurück. Es entstanden einige Gemälde mit religiösen Inhalten.

Nachdem er einen Antrag, in die Dienste Leos X. zu treten, zurückgewiesen hatte, nahm ihn der Rat gegen Verleihung eines einträglichen Maklerpatents in seinen Dienst. In der Folge kam Tizian in intime Beziehungen zu Alfons I. von Ferrara (1516 reiste er das erste Mal dahin), für den er dessen Porträt (Verbleib unbekannt, ein Porträt von 1523? befindet sich heute in Metropolitan Museum in New York), ferner das Venusfest (1518-19) und das Bacchanal (1518-19, beide im Prado in Madrid) und Ariadne auf Naxos (in der Nationalgalerie zu London) malte. In Ferrara schloss er auch Freundschaft mit Ariost, den er mehrfach porträtierte. Auch zu Federigo von Mantua trat er um 1523 in nahe Beziehungen; er malte für ihn die Grablegung (Paris, Louvre).

1516-1518 entstand eines seiner Hauptwerke, die Himmelfahrt Mariä (so genannte Assunta) in Santa Maria Gloriosa dei Frari (Venedig), die von 1818 bis 1919 in der Akademie von Venedig ausgestellt war, 1523 das Altarbild für die Kirche San Niccolò (Madonna mit sechs männlichen Heiligen, jetzt im Vatikan) und 1519-1526 ein anderes Meisterwerk dieser Periode, die Madonna des Hauses Pesaro (Santa Maria Gloriosa dei Frari, Venedig). In das Jahr 1527 fällt seine Bekanntschaft mit Pietro Aretino, dessen Porträt er für Federigo Gonzaga malte. 1530 schuf er den Tod des Petrus Martyr für Santi Giovanni e Paolo (1867 durch Feuersbrunst zerstört).

1532 begab er sich im Auftrag Federigo Gonzagas nach Bologna, wo gerade Kaiser Karl V. weilte; ihn malte er zweimal. Tizian wurde hierauf am 10. Mai 1533 zum Hofmaler Karls und zum Grafen des lateranischen Palastes sowie zum Ritter vom Goldenen Sporn ernannt. Der darauf folgenden Zeit entstammen die Bildnisse Franz´ I. und Isabellas d´Este; etwas später folgten die der Geliebten Tizians (Wien, Schloss Belvedere), dann die von Eleonore Gonzaga und ihrem Gatten Francesco Maria (Florenz, Uffizien). Nachdem er 1537 seiner Fahrlässigkeit wegen bezüglich des versprochenen Bildes sein Maklerpatent zu Gunsten Pordenones verloren hatte, malte er in Fresko die dem Rat schon lange versprochene, nur noch in Fontanas Stich erhaltene Schlacht bei Cadore (im großen Ratssaal). 1539 nach Pordenones Tod erhielt er sein Maklerpatent zurück, 1541 wurde er nach Mailand zu Karl V. berufen.

Seit 1542 bemühte sich Papst Paul III. Tizian nach Rom zu ziehen; 1545 endlich folgte der Künstler dem Ruf; er wurde in Rom glänzend aufgenommen. Damals malte er das Porträt des Papstes, dann 1545/46 die berühmte Danae (Nationalmuseum zu Neapel, ursprünglich für den Palazzo del Giardino in Parma bestimmt), von der es sehr viele Repliken und Kopien gibt. Auf der Rückreise nach Venedig besuchte er Florenz.

1548 wurde er nach Augsburg zu Karl V. berufen und malte dort Porträts (das Karls V. in Madrid, das zu München etc.). Er kehrte bald wieder nach Venedig zurück, wurde aber 1550 abermals nach Augsburg berufen, um das Porträt Philipps II. von Spanien zu malen. Für diesen war er auch nach seiner Rückkehr nach Venedig 1551 außerordentlich viel beschäftigt. 1566 wurde er in die florentinische Akademie aufgenommen. Er starb am 27. August 1576 in Venedig in hohem Alter an der Pest und wurde in der Kirche Santa Maria de´ Frari beigesetzt.

Zu Tizians Malweise

Der durch die flandrische Schulen beeinflusste koloristische Realismus der Venezianer gelangte durch Tizian auf seine Höhe. In seiner Auffassung weniger idealistisch als Raffael oder Michelangelo, hat er vor den Römern und Toscanern die malerische Kraft voraus und kommt Raffael in der Schönheitsfülle gleich, Michelangelo in der dramatischen Lebendigkeit der Komposition nahe. Tizian ist der größte Kolorist der Italiener - so geht etwa die Bezeichnung tizianrot auf ihn zurück - und versteht seinen Figuren zugleich den vornehmen Charakter zu geben, der seine eignen Lebensgewohnheiten und die seiner Stadtgenossen kennzeichnet.

Obwohl er sich nicht an die Antike anschloss, so ist er doch zu einer verhältnismäßig ähnlichen Wirkung gelangt, indem sich die Ruhe des Daseins, die edle, in sich befriedigte Existenz in seinen Werken ebenso spiegelt. Ganz vermochte er sich übrigens nicht den Einwirkungen der anderen italienischen Schulen zu entziehen, und zwischen seinen spätesten Arbeiten, worunter die Dornenkrönung Christi in München hervorragt, und seinen früheren, deren edelstes Erzeugnis der Zinsgroschen in Dresden ist, besteht ein beträchtlicher Unterschied. Er wurde später bewegter in der Haltung der Figuren, leidenschaftlicher im Ausdruck der Köpfe, energischer im Vortrag. Seine Historienbilder tragen mehr oder weniger etwas Porträtmäßiges, freilich in großartiger Auffassung, an sich; es gibt darunter einige, die zu den edelsten und unvergänglichsten Erzeugnissen der Kunst gehören, während andere sich mit einer mehr äußerlichen Wirkung begnügen.

Die höchste Befriedigung gewähren seine Bildnisse, die die vornehme Erscheinung der venezianischen Welt mit vollster Treue widerspiegeln und den vollkommensten Ausdruck des venezianischen, von höchster Prachtliebe und sinnlicher Glut erfüllten Lebens darstellen. Zugleich war er als Landschaftsmaler sehr bedeutend, die Landschaft spielt in vielen seiner Gemälde in ihrer großartig-poetischen Auffassung eine Hauptrolle. Poussin und Claude Lorrain haben sich nach seinem Vorbild entwickelt.

Die Zahl seiner Schöpfungen ist außerordentlich groß, besonders aus den letzten 40 Jahren seines Lebens, wo er zahlreiche Schüler zu Hilfe nahm. Aus der ersten Periode seines Schaffens, die etwa bis 1511 reicht und seine Jugendentwickelung umfasst, sind noch zu nennen: die Kirschenmadonna in der kaiserlichen Galerie zu Wien, nebst zwei anderen Madonnen, und die irdische und himmlische Liebe, in der Galleria Borghese in Rom, Tizians schönstes allegorisches Bild, ausgezeichnet in der Behandlung des Nackten. Von hervorragenden Schöpfungen der zweiten, etwa bis 1530 reichenden Periode muss noch die Auferstehung, in der Kirche San Nazaroe Celso in Brescia (1522) erwähnt werden, die Ruhe auf der Flucht und die Madonna mit dem Kaninchen, im Louvre in Paris; das Bildnis der Isabella d´Este im Kunsthistorischen Museum in Wien; das Bildnis der Eleonora Gonzaga von Urbino im Palazzo Pitti in Florenz, weltberühmt unter dem Namen La Bella di Tiziano, das herrlichste Frauenporträt des Meisters; die so genannte Venus von Urbino, in den Uffizien in Florenz, und die so genannte Geliebte Tizians bei der Toilette, im Louvre in Paris.

Zu den Hauptwerken der letzten Periode seines Schaffens zählen noch das Martyrium des heilige Laurentius, in der Jesuitenkirche in Venedig; der Tempelgang Mariä, in der dortigen Akademie; die Ausstellung Christi, in der kaiserlichen Galerie in Wien; die Dornenkrönung, im Louvre; das Abendmahl, im Escorial; Venus mit Amor, in den Uffizien in Florenz; die so genannte Madrider Venus (eine ruhende Schöne mit ihrem Geliebten); die Danae, im Museum in Neapel; Jupiter und Antiope, im Louvre; das Reiterbildnis Karls V., in der Galerie in Madrid (1548 in Augsburg begonnen); Papst Paul III. (1545, im Museum in Neapel); der Admiral Giovanni Moro, im Berliner Museum. Von Tizians Selbstbildnissen sind diejenigen in den Staatlichen Museen in Berlin (1562? ) und im Prado in Madrid (1567 ) sehr schön. Die Bildnisse seiner Tochter Lavinia sind nicht sicher auszumachen; eines hat sich möglicherweise in der Dresdener Galerie (1565) erhalten. Die "Junge Frau mit Fruchtschüssel" (um 1555, Staatliche Museen in Berlin) wurde lange Zeit für Lavinia gehalten.1553 wurde ihm der Auftrag erteilt,den Bildteppich:Noahs Geschichte-Gespräch mit Gott- zu fertigen.Außerdem malte er als Dank für die Adelsernennung ein Familienwappen des Schloßes Wawel in Krakau mit den Initialen:A-S, stehend für Sigismund August, König von Polen.

Textquelle: Artikel Tizian. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. Januar 2007, 12:53 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 31. Januar 2007, 15:05 UTC) Artikel Tizian. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. Januar 2007, 12:53 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 31. Januar 2007, 15:05 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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