Neoklassizismus (Kunst) (Kunst)

Neoklassizismus (Kunst)

Portrait

Neoklassizismus (oder Neuklassizismus) wird in der deutschsprachigen Kunstgeschichte der letzte formal einheitliche Kunst- und Architekturstil des Historismus im frühen 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Kulturraum genannt. Der eklektizistische Stil gilt gleichzeitig als Beginn der Moderne. Für den Architekturstil der 1930er Jahre wird auch der Begriff modernistischer Klassizismus verwendet.

In der Malerei und Plastik sind bei Pablo Picasso, Giorgio De Chirico, Aristide Maillol, Carlo Carrà und Adolf von Hildebrand neoklassizistische Einflüsse zu erkennen.

In der Architektur bilden sich mit dem Neoklassizismus die bautechnischen und formalen Prinzipien der klassischen Moderne heraus, während die Ornamentik der Baustile Jugendstil, Art Nouveau und Liberty zurücktritt. Es werden noch einmal Ideen der griechischen und römischen Antike, des Barock und des Klassizismus, und klassizistische Elemente der Renaissance (Andrea Palladio) aufgenommen, die sich im monumentalen Erscheinungsbild, in Säulenanordnungen, in der räumlichen Disposition (rechtwinklige Grundrisse, Symmetrie) und in der tektonischen Struktur zeigen.

Begriff


Der Begriff wird in der deutschen Kunstgeschichte anders verwendet als in anderen europäischen Sprachen und bezeichnet hier den im 20. Jahrhundert entwickelten Stil, der in Abgrenzung zum Klassizismus des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts als Neoklassizismus bezeichnet wird.

Im Unterschied zum deutschen Sprachgebrauch ist der Klassizismusbegriff im Englischen, Französischen und weiteren europäischen Sprachen breiter gefasst und bezeichnet dort Stilphänomene, die bereits zur Zeit der Renaissance (beispielsweise der Palladianismus) und des Barock auftraten und sich dadurch auszeichnen, dass sie sich an der Architektur der griechisch-römischen Antike (der Klassik) orientieren. Die später auf das Rokoko folgende erneute Hinwendung zu antiken Architekturvorbildern (die im Deutschen nun erst unter der Bezeichnung Klassizismus bekannt ist) wird deshalb auf französisch als néoclassicisme, englisch als Neoclassicism und italienisch als neoclassicismo bezeichnet.
Entwicklung in der Architektur

Neoklassizistische Bauten überschreiten ihren maßstäblichen Bezug zum Menschen teils so monumental, dass sie ähnlich der sogenannten Revolutionsarchitektur von Claude-Nicolas Ledoux und Étienne-Louis Boullée psychologisch erhebend oder erdrückend wirken.

Französische wie auch skandinavische Bauten vereinfachten und reduzierten das Dekorum des Neoklassizismus tendenziell soweit, dass sie der klassischen Moderne ähneln (Krematorium in Stockholm, Palais de Tokyo in Paris).

In Deutschland und Österreich prägte sich der Neoklassizismus als klassische Moderne beziehungsweise internationaler Stil aus, bevor Expressionismus und Neue Sachlichkeit folgten. Im Nationalsozialismus verkam Neoklassizismus anschließend zur Herrschaftsarchitektur.

In Italien verhinderte die faschistische Variante der klassischen Moderne bis in die 1930er Jahre ein Wiederaufleben des Neoklassizismus. In den Vereinigten Staaten kann Neoklassizismus als nobilitierende architektonische Würdeformel gewertet werden. Wie in Frankreich wurde er seit den 1920er Jahren bis in die 1940er von Bauten im Stil des Art Deco begleitet.

Für den sowjetischen Einflussbereich blieb der Neoklassizismus bis weit in die 1950er Jahre verbindlich und fand seine Ausgestaltung als sogenannter sozialistischer Neoklassizismus, im Volksmund Zuckerbäckerstil.

Beispiele für neoklassizistische Bauten 

Deutsches Kaiserreich: In Düsseldorf die Mannesmann-Verwaltung; in Köln die Festhalle der Werkbundausstellung 1914; in Serkowitz, heute Stadtteil von Radebeul, das Landhaus Weintraubenstraße 5 von Oskar Menzel, 1912/1913 und in Herne das Rathaus von Architekt Prof. Wilhelm Kreis (Düsseldorf), 1912.

Nationalsozialistischer Neoklassizismus: In München der Ehrentempel für die Gefallenen der Bewegung und das Haus der Kunst; in Berlin die Neue Reichskanzlei und das Olympiastadion; in Weimar das Gauforum.

Griechenland: Alle Bauten des deutsch-griechischen Architekten Ernst Ziller.

Vereinigte Staaten: 30th Street Station in Philadelphia, Pennsylvania; Lincoln Memorial in Washington D.C.; National Gallery of Art in Washington (D.C.).

Skandinavien: Das finnische Parlament, Eduskuntatalo, in Helsinki; in Stockholm die Stadtbücherei und das Krematorium.

Frankreich: In Paris das Palais de Chaillot 1937 und das Palais de Tokyo 1937.

Italienischer Faschismus: In Rom das Hauptgebäude der Universität La Sapienza, das Foro Italico, die Esposizione Universale di Roma.

Sozialistischer Neoklassizismus: In St. Petersburg das Haus der Sowjets; in Kiew der Palast des Zentralkomitees der kommunistischen Partei; in Moskau das Hauptgebäude der Lomonossow-Universität; in Bukarest der Parlamentspalast; in Warschau der Kulturpalast; in Dresden die Bebauung am Altmarkt; in Magdeburg zahlreiche zentrale Innenstadtbauten; in Leipzig die Ringbebauung mit Opernhaus; in Berlin die Karl-Marx-Allee; in Rostock die Lange Straße.

Textquelle: Seite „Neoklassizismus (Kunst)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. September 2010, 09:41 UTC. URL: http://de.wikipedia.org...(Kunst)&oldid=78855611 (Abgerufen: 9. September 2010, 11:06 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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