Sammlung des Kröller-Müller Museums  (Museen & Sammlungen)

Sammlung des Kröller-Müller Museums

Portrait

Den Kern der Museumssammlung stellen die durch Helene Kröller-Müller mit Hilfe von H.P. Bremmer zwischen 1908 und 1922 zusammengetragenen Gemälde und Zeichnungen dar, wobei hier die umfangreichen Bestände mit Arbeiten von Vincent van Gogh einen Höhepunkt bilden. Die Sammlung von Frau Kröller-Müller besteht überwiegend aus Kunstwerken, die während ihres eigenen Lebens entstanden und damals noch nicht die allgemeine Anerkennung fanden oder aber von der Kunstkritik negativ beurteilt wurden. Durch den Ankauf eines ersten kubistischen Gemäldes von Juan Gris 1913 entwickelte sich die Sammlung zu einer der ersten bedeutenden, modernen Kunstsammlungen der Welt.

In ihrem 1925 erschienenen Buch Betrachtungen über Probleme in der Entwicklung der modernen Malerei erläuterte die Sammlerin, dass es ihr darum geht, den Gesamteindruck der Entwicklungen in der Malerei darzustellen. Aus diesem Grund erwarb Helene Kröller-Müller auch altägyptische, chinesische, japanische, siamesische, javanische und griechische Skulpturen und Keramiken sowie einzelne Gemälde des 15. bis 17. Jahrhunderts. Beispiele dieser Gemälde sind Die Anbetung der Könige aus dem Umkreis des Giovanni di Paolo, ein Porträt der Frau von Westerbug von Bartholomäus Bruyn der Ältere und Das Frühstück von Floris van Schooten.

Das Museum besitzt eine größere Auswahl von Werken des französischen Realismus. Hierzu zählen von Jean-Baptiste Camille Corot das Landschaftsgemälde Aussicht auf Soissons, von Gustave Courbet das Porträt der Frau Jolicler, von Henri Fantin-Latour ein Stillleben mit Blumentopf, Birnen und Granatäpfeln von Jean-François Millet eine Brotbackende Frau und von Adolphe Joseph Montecelli ein Blumenarrangment. Aus der gleichen Zeit sind die niederländischen Maler Matthijs Maris mit Die Spinnerin und Johan Barthold Jongkind mit Fischerboot am Strand im Museum zu sehen.

Zu Beginn der Sammlung moderner Malerei stehen Werke des Impressionismus. Édouard Manets Frühwerk Porträt eines Mannes aus dem Jahr 1860 bildet hierbei den Anfang. Von Claude Monet zeigt das Museum Das Boot des Maler (Welches sich der Künstler hatte bauen lassen, um vom Wasser aus die Landschaft direkt in der Natur malen zu können). Vom selben Maler ist außerdem ein Porträt der Guurtje Van de Stadt zu sehen. Ebenfalls zwei Werke sind von Pierre-Auguste Renoir zu sehen. Neben einer kleinen Ölskizze Das Café besitzt das Museum mit der lebensgroßen Darstellung des Clown eine der wichtigsten Arbeiten des Künstlers. In der Nachfolge des Impressionismus stehen die Arbeiten Waldrand von Paul Gauguin und Der Weg am See von Paul Cézanne.

Die bedeutende Werkgruppe mit Arbeiten von Vincent van Gogh umfasst alle Schaffensphasen des Künstlers. Noch aus der niederländischen Periode stammen Webstuhl mit Weber, Vogelnester und eine Version von Die Kartoffelesser. Aus der vom Impressionismus geprägten Pariser Zeit des Malers sind Moulin de la Galette, Weideland und Interieur eines Restaurants im Museumsbesitz. Das bekannteste Werk im Kröller-Müller Museum ist sicherlich Caféterrasse bei Abend aus der Zeit des Arles-Aufenthaltes von van Gogh. Aus dieser Zeit besitzt das Museum auch ein Selbstporträt, den Blick auf Saintes-Maries, Heustapel in der Provence, Korbweiden mit untergehender Sonne, eine Version von La Berceuse und das Stillleben mit Zeichenbrett und Zwiebeln. Schon in die Zeit in St. Remy gehören Kornfeld mit Mäher und Sonne und Gras und Baumstämme, während Landschaft mit Bäumen ein Beispiel seiner Arbeiten in Auvers darstellt. Neben zahlreichen weiteren Gemälden besitzt das Museum auch eine umfangreiche Sammlung mit Zeichnungen des Künstlers die immer wieder in Sonderausstellungen gezeigt werden.

Der sich parallel entwickelnde Pointillismus ist mit den wichtigsten Künstlern ebenfalls im Museum zu sehen. Von Georges Seurat befinden sich Der Hafen von Honfleur, Der Chahut, Der Kanal von Gravelines und Sonntag in Port-en-Bessin im Museum. Zu sehen sind weiterhin Familie in einem Obstgarten von Théo van Rysselberghe und Das Frühstück von Paul Signac. Beispiele der Malerei des Symbolismus sind April von Maurice Denis, Der Zyklop von Odilon Redon oder Die Rache des Narren Hop-Frog von James Ensor. Gemälde niederländischer Künstler der Jahrhundertwende im Museum sind Madonna im Tulpenland von Johan Thorn-Prikker und Das Meer von Jan Toorop.

Pablo Picassos Bild Die Madriderin aus dem Jahr 1901 bildet den Auftakt zu Arbeiten des 20. Jahrhunderts. Dieses noch von den vorigen Malstilen geprägte Bild steht im Gegensatz zu der von afrikanischer Kunst beeinflussten Gouache Stehender Akt, welches den Kubismus erahnen lässt. Der von Helene Kröller-Müller besonders geschätzte Kubismus ist mit Werken aller wichtigen Vertreter dieser Stilrichtung im Museum zu sehen. Von Pablo Picasso gibt es das Gemälde Die Geige, von Juan Gris ein Stillleben mit Petroliumlampe, Kollage mit Obstschale und Karaffe und Stillleben mit Karaffe und Zitrone sowie von Fernand Léger Drei Nackte in einem Wald und Der Typograph. Zunächst ebenso begeistert war Frau Kröller-Müller von Piet Mondriaan, dessen Werke Komposition XI, Komposition in Linie und Farbe, Komposition Nr. 10 und Komposition in Karoform in der Sammlung sind. Mondriaans Hinwendung zur Abstraktion hingegen hat die Sammlerin nicht nachvollzogen und auch Werke anderer Künstler dieser Kunstrichtung, wie beispielsweise Wassily Kandinsky nicht in die Sammlung aufgenommen. Andere Entwicklungen wie der Expressionismus und der Surrealismus fanden ebenfalls keine Gnade bei der Sammlerin und fehlen heute im Museum. Hingegen war Helene Kröller-Müller eine große Förderin von Bart van der Leck, von dem das Museum 42 Gemälden und rund 400 Zeichnungen besitzt.

Die Schenkung der Sammlung von Helene Kröller-Müller an den niederländischen Staat war an zahlreiche Bedingungen geknüpft, die nicht nur die Errichtung eines Museums beinhalteten, sondern auch zur permanenten Ausstellung der Werke verpflichteten und Regelungen für die Betreuung und den Ankauf weiterer Werke betrafen. Nach dem Tod der Sammlerin kamen daher nur noch vereinzelt Gemälde neu in das Museum. Die Sammlung hat nicht den Anspruch einen umfassenden Überblick über die Kunstgeschichte zu geben, sondern ist auf bestimmte Epochen spezialisiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein neuer Schwerpunkt mit der Sammlung von zeitgenössischen Skulpturen und Objektkunst. Aufbauend auf einzelnen außereuropäischen Skulpturen aus der Sammlung Kröller-Müller zeigt das Museum Kleinplastiken, Skulpturen, Installationen und Objekte der verschiedensten Strömungen seit dem Beginn des 20. Jahrhundert. Zu sehen sind Forme uniche della continuità nello spazio von Umberto Boccioni, EOS IX von Jean Tinguely, Matrose mit Gitarre von Jacques Lipchitz, Das Gebet von Julio González, fünf kleinere Skulpturen von Hans Arp, Raumkomposition 4 von Katarzyna Korbo und Structurist Relief von Charles Biederman. Weiterhin sind zu sehen Torso:Clementius von Ossip Zadkine und mehrere Arbeiten von Barbara Hepworth. Louise Nevelson ist im Museum mit der Arbeit Himmelskathedrale III zu sehen und von Carl Andre besitzt das Museum die Arbeit Henge on Threshold (Meditation on the year 1960). Die Sammlung zeigt darüber hinaus Relief R 71-4 von Jan Schoonhoven, Relief: Klare Relationen von Jesús Rafael Soto, Spère-trame von François Morellet sowie eine Messingarbeit ohne Titel von Donald Judd. Weitere bekannte Künstler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind Christo mit einer Empaquetage genannten Arbeit, Mario Merz mit dem Werk Prähistorischer Wind aus vereisten Bergen, Richard Long mit der Installation Stone Line und Dan Flavin mit der Lichtskulptur Quietly to the Memory of Mia Visser.

Bereichert wird diese Abteilung des Museums durch eine Vielzahl von Zeichnungen, die die Bildhauer teils als Vorarbeiten für die Skulpturen anfertigten oder aber Entwürfe für nicht ausgeführte Werke darstellen. Hierzu zählen Arbeiten von Alberto Giacometti, Claes Oldenburg, Richard Serra, Christo und Panamarenko.

Textquelle: Seite „Kröller-Müller Museum“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. Juni 2008, 15:45 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 14. Dezember 2008, 20:00 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
  • Kommentar
  • Versenden