Schlacht von Annual (1921) (Geschichte)

Schlacht von Annual (1921)

Portrait

Die Schlacht von Annual fand am 22. Juli 1921 bei Annual im nordöstlichen Spanisch-Marokko als Teil des Rifkrieges statt. Es war eine militärische Auseinandersetzung zwischen der spanischen Armee und Aufständischen der Rifregion. In Spanien spricht man im Zusammenhang mit der Schlacht vom Desaster von Annual. Die Niederlage führte in Spanien zu einer innenpolitischen Krise und zu einem Umdenken über die Kolonialpolitik in der Rifregion.

Vorgeschichte

1921 startete Spanien von der bereits besetzten Küste aus eine Offensive ins nord-östliche Marokko. Das Vorrücken fand ohne die Errichtung funktionierender Kommunikationswege statt und die neu besetzten Gebiete waren zu diesem Zeitpunkt nicht unter vollständiger Kontrolle.

Schlacht

Nachdem zuvor bereits die befestigte Stellung bei Igueriben gefallen war, fiel am 22. Juli 1921, nach fünftägiger Belagerung, auch die spanische Garnison von Annual unter dem Kommando von General Manuel Fernández Silvestre. Fernández ordnete den Rückzug nach Melilla an, welcher als Flucht ausgeführt wurde; Verwundete, Kranke, Waffen, Ausrüstung wurden zurückgelassen.

„So flüchten sie, rennen aneinander, stolpern, laufen zurück, eilen wie wahnsinnig vorwärts. Neben der Bahnstrecke, [ ... ] an der Fahrstraße, die parallel zu ihr verläuft, häufen sich die Toten. In der Entfernung mischt sich der Pesthauch, der von ihnen aufsteigt, mit den vollen, langgezogenen Tönen von Pandero und Tschirima (marokkanische Instrumente) [ ... ]. Die Patrouillen der Marokkaner wurden immer zahlreicher und von El Bokete, der Bergenge bei Dar Drius, bis nach Tistutin [Orte zwischen Anual und Melilla] war der Boden buchstäblich mit verstümmelten Leichen übersät. Immer näher kommen verfolgte Soldaten, sie fliehen richtungslos, entsetzt, und fallen unter Huftritten und Schwerthieben. Vier Infanteristen, ohne Munition, scharen sich zusammen und erwarten einen Trupp Lanzenreiter mit dem Bajonett. Als die Verfolger sehen, daß es Widerstand gibt, halten sie an und greifen ohne abzusteigen nach dem Karabiner. Schnellfeuer. Die Soldaten spritzen auseinander, fallen. Über sie hinweg braust die Jagd.“

– Ramón J. Sender, Imán, Editorial Cénit, Madrid 1930. 272 pp. p. 133, p. 137, p. 157.

Die siegreichen Aufständischen standen unter dem Kommando von Mohammed Abd el-Krim. Er war ein ehemaliger Funktionär des spanischen Büros für Eingeborenenfragen in Melilla und einer der Stammesführer der Aith Ouriaghel.

General Silvestres Überreste sind bis heute verschollen.

In der Folge wurden über zwanzig spanische Stützpunkte überrannt und die Besatzungen getötet. Dies führte dazu, dass die überdehnte spanische Militärstruktur in Spanisch-Marokko zusammenbrach. An der Küste von Afrau gelang es spanischen Kriegsschiffen, die Garnison zu evakuieren. In Zoco el Telata de Metalsa im Süden setzten sich die spanischen Truppen und Zivilisten dagegen in die französische Zone ab.

Die überlebenden spanischen Truppen zogen sich unter dem Kommando von General Felipe Navarro 80 km ins Fort Monte Arruit zurück. Dort wurden sie umzingelt und von der Außenwelt abgeschnitten.

General Dámaso Berenguer Fusté, spanischer Hochkommissar des Protektorats, vereinbarte schließlich am 9. August mit der Führung der Aufständischen die Kapitulation. Diese hielten sich jedoch nicht an die Übereinkunft und töteten viele der im Fort Monte Arruit Eingeschlossenen. Weitere 600 wurden gefangen genommen. Zwar war die Stadt Melilla nur 40 km entfernt, aber von dort konnten die Spanier keine Unterstützung erwarten, da Melilla selbst nur von wenigen Verteidigungstruppen geschützt war.

Folgen

Spanien zog nach dem Ereignis rasch seine Truppen der Afrika-Armee zusammen, die fast ausschließlich aus der Spanischen Legion und marokkanischen Regulares bestand. Die Truppen wurden nach Melilla verschifft und halfen dort, die Stadt zu sichern. Ende November konnte Monte Arruit wieder eingenommen werden.

Der Bericht des spanischen Parlaments listet 13.363 Tote und Vermisste auf. Etwa 1.000 Aufständische wurden getötet. Über 20.000 Gewehre, 400 Maschinengewehre und 129 Artilleriegeschütze gingen bei den Auseinandersetzungen verloren.

Der spanische Kriegsminister ordnete daraufhin eine Untersuchung an. Unter Führung von Juan Picasso González kam die Kommission zu dem Schluss, dass viele militärisch-strategische Fehler begangen wurden. Sie sprach König Alfons XIII. jedoch von allen Fehlendscheidungen frei, obwohl verschiedene Quellen darauf hinwiesen, dass der König General Silvester zu dem Vorstoß ermutigt hatte.

Die Niederlage bei Annual trug dazu bei, dass am 13. September 1923 Miguel Primo de Rivera die monarchistische Verfassung brechen und mit Billigung von Alfons XIII. (Spanien) eine Militärdiktatur errichten konnte. De Rivera war von 1924 bis 1925 Hochkommissar des Protektorates Spanisch-Marokko. Nach ihm wurde die Linea Primo de Rivera benannt, die Rückzugslinie, hinter welche sich die spanischen Truppen zurückzogen, als sie Spanisch-Marokko im Rahmen der Verseuchungsstrategie von Hugo Stoltzenberg für den Chemiewaffeneinsatz im Rifkrieg räumten.

Die Krise war eine von vielen, die die Position der Monarchie in den nächsten Jahrzehnten untergruben und zur Gründung der Zweiten Spanischen Republik führten.

Die Katastrophe von Annual wird in zwei berühmten spanischen Novellen beschrieben – Iman von Ramón J. Sender und La Ruta von Arturo Barea.

Textquelle: Seite „Schlacht von Annual“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Dezember 2008, 23:07 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 14. Januar 2009, 21:13 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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