Everglades-Nationalpark (Geografie)

Everglades-Nationalpark

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Portrait

Die Everglades [ˈɛvɚgleɪdz] sind ein tropisches Marschland im Süden des US-Bundesstaates Florida. Ein Teil der Everglades ist als Everglades-Nationalpark geschützt.

Allgemein

Die Everglades reichen vom Lake Okeechobee im Norden bis an die äußerste Südspitze der Florida-Halbinsel. Sie werden auch Grasfluss genannt. Dieser Fluss ist auf den ersten Blick nicht als solcher zu erkennen, da er nur selten als offene Wasserfläche zutage tritt. Vielmehr ist diese bis zu 60 km breite Wasserader oft nur einige Zentimeter tief, so dass fast die gesamte Fläche von Gras bewachsen ist, trotzdem fließt er mit 1 Meter pro Stunde. Nur in den etwas erhöhten Gebieten wachsen gelegentlich Bäume, beispielsweise Sumpfzypressen, Gumba-Limbo-Bäume, Königspalmen sowie Mahagonibäume.

Der höchste natürliche Punkt im Nationalpark liegt nur 2,4 Meter über dem Meeresspiegel.

Rund die Hälfte der ursprünglichen Fläche der Everglades wird heute landwirtschaftlich genutzt, die andere Hälfte steht zum größten Teil unter dem Schutz des Nationalparks und angrenzender Naturschutzgebiete. Das Wasser der Everglades wird zum Teil zur Trinkwassergewinnung für die angrenzenden Städte, beispielsweise für Miami, verwendet. Dadurch wird den Everglades die lebensnotwendige Grundlage entzogen.

Der Nationalpark schützt den südlichen Teil der Everglades, aber er erstreckt sich nur auf etwa 20 Prozent der Fläche der ursprünglichen Feuchtgebiete. Die einzige Straßenverbindung in den Park führt von Florida City nahe Homestead über die State Road SR 9336 rund 60 km Richtung Südwesten nach Flamingo. Außer dem Besucherzentrum und einiger anderer kleinerer Parkeinrichtungen ist das Gebiet in seiner Ursprünglichkeit erhalten. In Flamingo und an mehr als 40 weiteren ausgewiesenen Plätzen kann gecampt werden. Jedoch ist Mückenschutz zu jeder Jahreszeit ratsam.

Es gibt eine Reihe ausgebauter Wege im Park, auf denen man die Natur und die Tiere beobachten kann. Besonders berühmt für ihren Tierreichtum sind das Shark Valley - zweigt vom Highway 41 ca. 35 km von Miami nach Süden ab - und der Anhinga Trail, 1 km links nach dem Parkeingang auf der State Road 9336 - benannt nach dem gleichnamigen Vogel Anhinga. Von diesem Trail aus können Alligatoren, Kormorane, Reiher, Anhingas, große Fische und Schildkröten aus nächster Nähe beobachtet werden.

Seit 1979 gehören die Everglades zum Weltnaturerbe der UNESCO. Sie wurden jedoch 1993 wegen der zunehmenden Umweltverschmutzung durch Düngemittel und Quecksilber, der Trockenlegung der Umgebung, sowie der zerstörerischen Auswirkungen des Hurrikan Andrew als gefährdet eingestuft, und werden daher auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes geführt. Zwischen 2007 und 2010 wurde diese Einstufung kurzzeitig auf politische Initiative der damaligen US-Regierung aufgehoben, seit Mitte 2010 sind die Everglades wieder als gefährdet eingestuft.

Durch die starken Zerstörungen der Hurrikansaison 2005, vor allem nahe Flamingo, sind noch nicht wieder alle Einrichtungen im Südwesten des Parks geöffnet. In Flamingo steht nur der Campingplatz für Übernachtungen zur Verfügung. Am 23. Juli 2008 wurde der Management-Plan für den Neubau von Infrastruktur vorgelegt.

Tierwelt

Der Park beherbergt die einzigen wildlebenden Flamingos in den USA. Daneben gibt es an Vögeln noch eine Reihe Watvögel sowie Ibisse, Pelikane, Kormorane und Störche. In den Everglades leben auch Waschbären, Schwarzbären, Schlangen, Alligatoren, Spitzkrokodile, Seekühe, Spinnenarten, Pumas und weitere Tierarten. Die Everglades sind die einzige Region auf der Erde, in der sowohl Alligatoren als auch Krokodile leben.

Insgesamt sind 350 verschiedene Vogel-, 300 Süß- und Salzwasserfisch-, 40 Säugetier- und 50 Reptilarten nachgewiesen.

Wiederherstellung des Wassereinzugsgebietes

Die Strömungsverhältnisse in den Everglades sind seit Wasserbaumaßnahmen des U.S. Army Corps of Engineers zwischen den 1920er und 1960er Jahren stark gestört. Nur noch rund die Hälfte des Wassers aus dem nördlich gelegenen Lake Okeechobee erreicht die Everglades, der Rest wird zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen oder zur Landgewinnung in Kanäle abgeführt. Bereits seit den 1940er Jahren wird der negative Einfluss der Maßnahmen auf die Everglades kritisiert. Seit den 1990er Jahren nahmen Pläne zur Wiederherstellung der Strömungsverhältnisse konkrete Gestalt an, im Juni 2008 kaufte der Staat Florida für 1,75 Milliarden Dollar Flächen südlich des Sees, die wiedervernässt werden und als Wasserrückhaltegebiete dienen sollen.

Gefahren durch den Tigerpython

Biologen sehen das Ökosystem des Everglades-Nationalpark durch den in den 1980er-Jahren aus Asien eingeschleppten Tigerpython bedroht. Vor allem seit dem Jahr 2000 steigt seine Population stark an. Ihre Zahl wird mittlerweile auf über 10 000 geschätzt. Über 90 % der Waschbären, Opossums oder Rotluchse sind bereits verschwunden, was auf den Tigerphyton zurückgeführt wird. Die Folgen des Verschwindens kleinerer Raubtiere sind schwer vorherzusehen, können aber sehr weitreichend sein. So könnten sich Schildkröten stark vermehren, wenn ihre Eier nicht mehr durch Waschbären bedroht sind. Allerdings sind durch den Python auch größere Raubtiere, wie Alligatoren und der einheimische Florida-Panther, bedroht. Parkschützer und Biologen versuchen derzeit, den Tigerpython im Park auszurotten, sind dahingehend aber nicht allzu optimistisch.

Textquelle: Seite „Everglades-Nationalpark“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. August 2012, 08:02 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 2. Oktober 2012, 08:51 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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