Deepwater Horizon

Deepwater Horizon

Portrait

Deepwater Horizon war eine Ölbohrplattform im Golf von Mexiko. Am 22. April 2010, zwei Tage nach einer Explosion, bei der elf Menschen starben, versank sie im Meer und verursachte eine schwere Ölpest. Die Plattform war 2001 gebaut worden, die Firma Transocean betrieb sie im Auftrag des Leasingnehmers BP für Ölbohrungen in rund 1500 Meter tiefen Gewässern.

Ursprünglich für R&B Falcon entworfen, startete der Bau der Horizon im Dezember 1998 in der Werft von Hyundai Heavy Industries in Ulsan, Südkorea. Ihre Indienststellung erfolgte im Februar 2001, nachdem R&B Falcon bereits von Transocean übernommen worden war. Eigentümer der Deepwater Horizon war Transocean. BP schloss für die Anlage einen Leasing-Vertrag mit einer Laufzeit bis September 2013 ab.

Die Plattform war eine dynamisch positionierte Halbtaucherkonstruktion, sie ruhte also auf teilweise in das Meer eingetauchten Säulen, die von unter Wasser befindlichen Auftriebskörpern getragen wurden.

2002 wurde die Bohreinheit mit einem „e-drill“ genannten Überwachungssystem aufgerüstet, das in Houston, Texas stationierten Technikern die Fernwartung der Plattform ermöglichte.

Der letzte Standort der Plattform war 84 Kilometer südöstlich von Venice, Louisiana um das Macondo Prospect zu erkunden. Von Deepwater Horizon wurde auch am 2. September 2009 im Tiber-Ölfeld in einer Meerestiefe von 1.250 Metern die weltweit bisher tiefste Bohrung ihrer Art bis in 10.685 Meter getrieben.

Unfall und Ölpest 

Am 20. April 2010 um ca. 22:00 Uhr US Central Standard Time ereignete sich auf der Deepwater Horizon eine Explosion, der ein Brand folgte. Die eingesetzten Löschboote konnten die Bohrinsel nicht retten, so dass die Plattform am 22. April 2010 sank. 115 Arbeiter konnten gerettet werden, elf blieben vermisst.

Mögliche Ursache

Ursache des Unglücks war nach bisherigen Erkenntnissen ein starker Druckanstieg im Bohrloch des Mississippi Canyon Block 252. Dieser führte zu einem Versagen des gegen einen Blowout vorgesehenen, mehrfach redundant konzipierten zentralen Abstellventils (Blowout-Preventer, kurz: BOP), was zu einem Erdgas-Blowout führte. Das in großer Menge und unter hohem Druck ausströmende Erdgas entzündete sich und führte zum Brand der Bohrplattform. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Bohrung kurz vor ihrer Fertigstellung.
Eine vom US-Kongress beauftragte Untersuchung führte zu dem Ergebnis, dass eine Vielzahl menschlicher und technischer Fehler zum Untergang der Bohrinsel beitrugen. Beispielsweise enthielt der Blowout-Preventer leere Batterien und ein wichtiges Bauelement war nur in einer nicht funktionierenden Testversion verbaut. Zudem war ein wichtiges Sicherungsventil für die Größe der Ölquelle nicht ausreichend dimensioniert und es gab Lecks in der Hydraulik.
Weiterhin wurde im Verlauf der Öl-Katastrophe bekannt, dass die Nationale Aufsichtsbehörde Minerals Management Service auf die Ausarbeitung eines früher vorgeschriebenen Notfall-Plans für Unfälle bei vielen Plattformen im Golf von Mexiko verzichtet hat.

Auslaufendes Öl und Ölteppich

Unmittelbar nach dem Untergang der Plattform wurde ein etwa 1,5 mal 8 Kilometer großer Ölteppich beobachtet, der sich nach wenigen Tagen auf eine Fläche von über 9.900 Quadratkilometern ausdehnte.

An der Unglücksstelle liefen nach ersten Angaben täglich etwa 1.000 Barrel (160.000 Liter) Rohöl ins Meer. Einige Tage später wurden die Schätzungen durch die Entdeckung eines dritten Lecks auf eine Austrittsmenge von etwa 5.000 Barrel (etwa 800.000 Liter) pro Tag korrigiert. Neuere Berechnungen verschiedener Forscher, die auf Unterwasservideos der Lecks beruhen, liefern eine Austrittsmenge von mindestens 50.000 Barrel (etwa 8 Millionen Liter) täglich.  Admiral Thad Allen, der von Obama zur Bewältigung der Krise eingesetzt wurde, erklärte hierzu, dass es völlig unmöglich sei, eine genaue Schätzung abzugeben.

Gegenmaßnahmen

Nach dem Untergang der Plattform wurde mit Hilfe von Tauchrobotern erfolglos versucht, den am 1500 m tiefen Meeresboden befindlichen Blowout-Preventer zu aktivieren. Am 28. April 2010 wurde von den US-Behörden entschieden, den Ölteppich kontrolliert abzubrennen. Die Wirksamkeit der Maßnahme blieb ungewiss. Hoher Wellengang verhinderte zudem die Eingrenzung des Ölteppichs mit schwimmenden Barrieren. Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Wetter- und Ozeanographiebehörde der Vereinigten Staaten, ist maßgeblich an der Bekämpfung der Ölpest beteiligt.

Am 29. April 2010 trafen erste Ausläufer des Ölteppichs auf die Küste Louisianas. Am gleichen Tag wurde das austretende Öl von der US-Regierung zur nationalen Katastrophe erklärt. Somit kann auch die United States Army zur Bekämpfung der Ölpest eingesetzt werden. Zudem bat auch der Konzern BP offiziell die US-amerikanische Armee um Hilfe bei der Bekämpfung des Ölteppichs und übernahm die finanzielle Verantwortung für die Maßnahmen, die notwendig sind, um die Ölpest aufzuhalten, wobei diese Selbstverpflichtung vor der in den USA gesetzlich verankerten Haftungsobergrenze von 75 Mio. US$ rechtlich kaum als bindend angesehen werden kann. In den Bundesstaaten Louisiana, Florida, Mississippi und Alabama wurde der Notstand ausgerufen.

Bis zum 5. Mai 2010 wurden rund eine Million Liter Chemikalien eingesetzt, um das Öl aufzulösen. Das Gemisch namens Corexit 9500 sollte das Öl tief unter Wasser zersetzen, so dass es nicht an die Oberfläche steigt und an Land kommen kann. So bleiben die wirklichen Schäden in der Tiefsee und das wahre Ausmaß der Ölkatastrophe der Öffentlichkeit verborgen. Tatsächlich wurden bereits mehrere Lagen von Öl tief unter der Wasseroberfläche entdeckt, eine hiervon mit einer Fläche von 80 Quadratkilometern und einer Dicke von mehreren hundert Metern.

Corexit wurde von Exxon entwickelt und wird inzwischen vom US-Chemiekonzern Nalco hergestellt. Die Zusammensetzung wird geheim gehalten. Bereits beim Tankerunglück der Exxon Valdez in Alaska 20 Jahre zuvor wurde Corexit eingesetzt. Umweltforscher wie Terry Hazen vom Lawrence Berkeley National Laboratory warnen seitdem vor den toxischen Auswirkungen, die das Gift hat, zumal manche Lösungsmittel schädlicher seien als das Öl selbst. In Großbritannien ist Corexit seit zehn Jahren verboten.

BP scheiterte vorerst, die drei Lecks mit Hilfe von Unterwasserrobotern zu schließen. Am 5. Mai 2010 konnte ein kleines Leck geschlossen werden. 

Versuche, das Öl aus den zwei verbleibenden Lecks mit großen glockenförmigen Stahlkonstruktionen kontrolliert an die Wasseroberfläche zu leiten, waren bis zum 13. Mai 2010 erfolglos. 

Die geplante Erstellung eines weiteren Bohrlochs, um Druck vom Leck geschlagenen Bohrloch zu nehmen, sollte etwa drei Monate in Anspruch nehmen.

Um die Auswirkungen des auslaufenden Öls zu bekämpfen, wurde von der US-Regierung am 14. Mai auch erlaubt, bisher verbotene Öl zersetzende Stoffe einzusetzen. Dies geschah erst, nachdem drei verschiedene Tests durch Wissenschaftler durchgeführt wurden. Die Befürchtung von Umweltorganisationen, dass sich durch den Einsatz eine giftige Mischung ergeben könnte, besteht trotzdem.

Ökologische Folgen

Vom Öl gefährdet sind das Flussdelta des Mississippi und insbesondere das dort liegende Wildschutzgebiet Pass á Loutre. Experten nehmen an, dass diese Katastrophe das Ausmaß des Tankerunglücks der Exxon Valdez übertreffen wird.[36]

Durch den Versuch des kontrollierten Abbrennens des Ölteppichs kam es zu einer erheblichen Luftverschmutzung. Zudem verbleiben bei dieser Vorgehensweise die Schadstoffe aus dem Öl (beispielsweise toxische polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) als Rückstände im Meer und gelangen weiterhin in die Nahrungskette. Die Methode wurde bereits nach einem Unglück vor Neufundland im Jahr 1993 angewandt und hatte dort unterschiedliche Auswirkungen. 50 bis 99 Prozent des entzündeten Öls wurden vernichtet. Die NOAA erklärte, Vögel und Säugetiere könnten eher einem Feuer als einem Ölteppich entkommen. Die Auswirkungen auf Fische und andere Meerestiere sind der NOAA zufolge aber unklar.

Im Verlauf der Katastrophe musste BP einräumen, dass nicht alle Küstenabschnitte geschützt werden können und errichtete Öl-Barrieren teilweise wirkungslos waren, weshalb unter anderem Seevögelkolonien sowie Fisch- und Austernbestände in der Region erhebliche Schäden erleiden werden. Nachdem der Ölteppich Inseln und Küstenabschnitte erreicht hat, sind nach Angaben des NABU verheerende Auswirkungen für Zehntausende in der Region brütende Küstenvögel wie Braunpelikane und Rötelreiher unvermeidlich. In der Brutsaision sind viele Strandbrüter wie Seeregenpfeifer und Scherenschnäbel dem Öl schutzlos ausgeliefert. Auch Delfine, Meeresschildkröten und Fische, für die das weit verzweigte Mississippi-Delta eine besonders wichtige Kinderstube darstellt, sind von der Ölkatastrophe bedroht.

Am 16. Mai 2010 wurden Berichte über den Sauerstoffgehalt des Wassers in der Nähe dieses Ölteppichs bekannt. Er hat bereits um 30 Prozent abgenommen, so das Ergebnis von Laboruntersuchungen an der University of Georgia. Ein deutlich abgesenkter Sauerstoffgehalt bedeutet eine erhebliche Schädigung des Planktons und kleiner Meeresorganismen. Durch diesen Eingriff wird das Nahrungsnetz und damit der Lebensgrundlage von Meerestieren (Fische, Weichtiere) im Golf von Mexiko langfristig stark gestört. 

Hintergrund von Tiefseebohrungen

Die Ölmenge, die man mittels konventioneller Ölbohrungen an Land und im Flachwasser fördern kann, ist begrenzt. Sie lässt sich mit technischen Mitteln steigern (beispielsweise indem man bis zu 340 Grad Celsius heißen Dampf in den Boden pumpt, um zähflüssige Rohöle zu verflüssigen), was sich bei hinreichend hohen Ölpreisen lohnt. Seit Anfang der achtziger Jahre ist die Menge neu entdeckter Ölvorkommen im Gegensatz zum kontinuierlich steigenden Verbrauch rückläufig, weshalb viele Experten mit einem Rückgang der Ölförderung (Globales Ölfördermaximum) innerhalb der nächsten Jahre rechnen.

Diese Faktoren machen es zusammen mit steigenden Ölpreisen und der hohen Importabhängigkeit der meisten Industriestaaten für die Ölunternehmen interessant, unter vergleichsweise hohem Aufwand und technischen Risiken Erdöl aus großen Wassertiefen (Tiefbohrungen) zu fördern und unkonventionelle Ölquellen (zum Beispiel die Athabasca-Ölsande) zu erschließen.

Die Offshore-Förderung in der Nähe ökologisch sensibler Küstenregionen ist in den USA Gegenstand heftiger politischer Diskussionen. Um einen Konsens für das Klimaschutzgesetz zu erreichen, hatte US-Präsident Obama noch im Februar 2010 acht Milliarden US-Dollar für den Bau eines Atomkraftwerkes zugestanden und im März 2010 die Genehmigung bislang ausgesetzter Ölbohrungen vor den Küsten in Aussicht gestellt. Die Menge des in Offshore-Bohrungen vor der Küste in den nächsten Jahren zusätzlich geförderten Öls würde mit 0,2 Millionen Barrel pro Tag (mbpd) jedoch gerade ausreichen, um den Zuwachs des Verbrauchs der USA auszugleichen, welcher insgesamt 16 mbpd beträgt, nicht hingegen den fortlaufenden Rückgang der inländischen konventionellen Ölförderung, der durch steigende Importe ausgeglichen werden muss.

Textquelle: Seite „Deepwater Horizon“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Mai 2010, 13:54 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 20. Mai 2010, 07:54 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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