Japanische Kunst (Geschichte)

Japanische Kunst

Edo-Zeit (1603-1868)

Edo, das heutige Tōkyō, wurde durch die Verlegung des Regierungssitzes zur neuen Hauptstadt und somit rasch zum militärischen und ökonomischen Zentrum Japans. Daher heißt die Periode von 1603 bis 1868 Edo-Zeit. In dieser recht langen Zeit des Friedens und der Isolation unter der strikten Regierung des Tokugawa-Shōgunats gewann das Bürgertum an Reichtum, Einfluss und Macht. So stellten die Bürger zunehmend eine wohlhabende Schicht dar, die neben dem Schwertadel zu Förderern von Kunst und Kultur wurden. Da das öffentliche Leben stark reglementiert war, wich man in der Kunst gern in Bereiche aus, die davon weitestgehend verschont blieben. So entwickelten sich in Edo einige neue Kunstformen, wie die zur Perfektion gesteigerte, neue Holzschnittkunst des Ukiyo-e, die Kunst der fließenden, vergänglichen Welt. Dies wurde möglich, da es dem Künstler Suzuki Harunobu 1764 gelang, den ersten Farbdruck herzustellen. So konnten spätere Künstler wie Torii Kiyonaga und Kitagawa Utamaro die Meisterwerke herstellen, für die das Ukiyo-e bezeichnend ist: Bilder der Halbwelt, der Prostitution (bis hin zu verbotenen, aber beliebten Shunga-Bildern), des Kabuki-Theaters oder der in der japanischen Kunst allgegenwärtigen Pflanzenwelt und Landschaften. Im 19. Jahrhundert taten sich vor allem Katsushika Hokusai und Andō Hiroshige als Holzschnittkünstler hervor.

In der alten Hauptstadt Kyōto aber fand ein Aufschwung der traditionellen Künste statt. So haben der Lackkünstler und Kalligraph Hon'ami Kōetsu und der Maler Tawaraya Sōtatsu zu Beginn des 17. Jahrhunderts die eigenständige japanische Malerei des Yamato-e, die zum Beispiel durch die Tosa-Schule praktiziert wurde, wiederbelebt. Es entsteht auch ein neuer Malstil, Rinpa genannt, bei dem nicht nur, wie sonst typisch, die Konturen, sondern auch die Formen betont werden. Dadurch entfaltet der Stil eine große dekorative Wirkung. Vor allem Ogata Kōrin gelang es, in der Verbindung von suiboku-Tuschtechnik und der Malerei des Yamato-e diesen Stil zu vollenden. Rinpa findet vor allem bei der Dekoration von Stellschirmen Anwendung.

Der Rinpa-Stil, auch als Fortführung des Yamato-e bezeichnet, widmet sich wichtigen Themen des höfischen Japan. So findet man häufig die Gestaltung des Romans Genji monogatari von Murasaki Shikibu oder Motive aus dem Ise Monogatari. Das zeigt sich auch in der Architektur anhand des Katsura Palastes, der eine Nachbildung des Palastes des Prinzen Genji ist. Aber auch die Natur wird in vielen Arbeiten als Thema aufgegriffen. Hierbei versuchte Kōrin, Tiere und Pflanzen naturalistisch darzustellen, was einen wissenschaftlich genaueren Stil hervorbrachte, in dem später vor allem Itō Jakuchu und Nagasawa Rosetsu brillierten.

Während der Rinpa-Stil also das Prädikat japanisch erhält, gab es auch Vertreter von Stilen, die nach wie vor chinesisch beeinflusst waren. Die Tuschemalerei, die von China übernommen und auch in ihrer weiteren Entwicklung immer wieder von chinesischen Vorbildern beeinflusst wurde, wird in der Edo-Zeit weiterhin als solche praktiziert, es gibt sogar einen Kreis von Verehrern, bunjin genannt, die zu den alten Formen der Tuschemalerei zurückfinden wollten. Nach ihnen heißt auch der Stil Bunjinga. Vertreter dieser Schule waren Ike no Taiga, Yosa Buson, Tanomura Chikuden und Yamamoto Baiitsu. Anders ging Maruyama Ōkyo vor, der den Maruyama-Shijō-Stil entwickelte, indem er westlichen und chinesischen Naturalismus mit dem japanischem dekorativen Stil verband.

Textquelle: Seite „Japanische Kunst“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Dezember 2010, 01:19 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 16. Januar 2011, 16:51 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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