Römische Königszeit und frühe Republik (Geschichte)

Römische Königszeit und frühe Republik

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Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. Chr.; die später als Beginn der römischen Zeitrechnung (ab urbe condita) kanonisch gewordene Angabe 753 v. Chr. geht auf den Gelehrten Varro (116–27) zurück. Obwohl die ältesten Siedlungsspuren auf dem späteren Gebiet der Stadt sogar bis ins 10. Jahrhundert v. Chr. hinaufreichen, stammen die frühsten Hinweise für die Anlage einer Stadt wohl aus dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts v. Chr.

Der neue Stadtstaat befand sich bald unter etruskischer Königsherrschaft; diese Phase seiner Entwicklung wird die Königszeit genannt. Obwohl das Gebiet Roms aus äußerst unfruchtbaren, zum Teil sumpfigen und sandigen Boden bestand und somit eine gewinnbringende Landwirtschaft nahezu ausgeschlossen war, gelangte Rom unter den Etruskern bald zu wirtschaftlicher Bedeutung, kontrollierte es doch zwei bedeutende Handelswege: die Via Latina und die Via Salaria. Auch die Einführung des uralten römischen Hafenzolls für Handelsgüter trug ihren Teil zum wirtschaftlichen Erfolg bei.

Verschiedene Legenden wollen die römische Königszeit mit der Geschichte von Troia verknüpfen. So sollen die überlebenden Troianer durch Aeneas, einen Sohn des Anchises und der Göttin Venus, nach einer langen Seefahrt ähnlich wie der des Griechen Odysseus in das Gebiet Latium geführt worden sein. Diese Sage verfasste jedoch erst der römische Dichter Vergil Jahrhunderte später.

Kulturell wurden die Römer stark von den Etruskern beeinflusst; über diese fanden auch griechische Elemente ihren Weg in die Stadt. Beispiele sind die etruskischen Zahlen, die griechisch-etruskische Schrift, aus der sich das Lateinische Alphabet entwickelte, die etruskische Vogelschau und das Begräbnisritual, das in den Gladiatorenkämpfen eine überzogene Spätblüte fand. Rom gewann in Italien zunehmend an Einfluss, nachdem es sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Der letzte aller römischen bzw. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, laut Überlieferung, weil einer seiner Söhne eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch wahrscheinlich spätere Erfindung, die sich an den Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 v. Chr. anlehnen könnte. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr., zu der sich das ehemalige Königreich auch in die Römische Republik (Republik = res publica, „die öffentliche Sache“) umwandelte.

Es ist gar nicht so leicht, die Eigenart des römischen Staatswesens zu verdeutlichen. Es wuchs über die Jahre und änderte sich laufend. Polybios, ein griechischer Gelehrter, charakterisierte es als Mischung aus Monarchie (Magistratsämter wie Konsul), Adelsherrschaft (Senat) und Demokratie (Comitia). Das oberste Amt im Staat übte zuerst ein Prätor (prae-ire – der dem Heer vorangeht), später bekleideten es alljährlich zwei Konsuln, welche die oberste Regierungsgewalt hatten und auf der obersten Ebene des cursus honorum standen. Die römische Adelsversammlung, der Senat, spielte eine bedeutende Rolle. Daneben gab es mehrere Volksversammlungen, die Comitia, die ebenfalls wichtig waren, besonders in Fragen von Krieg und Frieden und in der Rechtsprechung. Als ersten einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.

Einen zentralen Ort der römischen res publica stellt das Forum Romanum dar, das als politischer, religiöser und sozialer Ort der Zusammenkunft diente.

Damals bildete sich auch die römische Gesellschaftsordnung aus, die sich durch die Jahrhunderte nur langsam änderte. An der Spitze standen die alten Familien Roms, die landbesitzenden Patrizier, die politisch am einflussreichsten waren. Den größten Teil der Bevölkerung machten aber die Plebejer aus, die nur teilweise politische Rechte hatten. Sklaven wurden nicht als autonom handelnde Menschen, sondern als spechende Werkzeuge betrachtet, hatten also keine Rechte, konnten aber die Freiheit erlangen. Die Beziehungen zwischen Patriziern und Plebejern wurden durch das Klientelsystem geregelt.

Zu den höchsten Ämtern des Staates, die den Trägern Ansehen versprachen (etwas, was in Rom entscheidend war), hat man anfangs nur Patrizier zugelassen, während alle freien Bürger Kriegsdienst leisten mussten. Nach den Ständekämpfen (etwa die bekannte secessio plebis), die um die 150 Jahre dauerten, wurden die Plebejer schließlich 367 v. Chr. politisch fast gleichberechtigt, dennoch gelang nur verhältnismäßig wenigen plebejischen Familien der Aufstieg in die Führungsschicht.

Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften. Hier gab es zunächst den Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme. Es folgten die Samnitenkriege (1. 343–341 v. Chr.; 2. 326–304 v. Chr.; 3. 298–290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340–338 v. Chr.). Rom schuf schließlich ein weitverzweigtes Bündnisgeflecht. So wurden an strategisch wichtigen Orten Kolonien angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.

Aus dieser Zeit seiner Geschichte ging Rom als straffes Staatswesen mit schlagkräftiger Armee und starkem Drang zur Ausdehnung hervor. Damit waren die Grundlagen für seinen weiteren Aufstieg gelegt.

Konkurrierende Mächte stellten auf der italischen Halbinsel die Stadtstaaten der Etrusker nördlich von Rom, die Kelten in der Poebene und die griechischen Kolonien in Süditalien dar.

Textquelle: Artikel Römisches Reich. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. Februar 2007, 05:58 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 2. Februar 2007, 16:03 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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