Kubismus

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Kubismus

Portrait

Unter Kubismus versteht man eine Stilrichtung in der modernen Kunst, vor allem in der Malerei, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre stärkste Ausprägung hatte. Der Kubismus führte zu einem Wendepunkt in der Malerei und bildet den Anfang der abstrakten und nichtsachlichen Kunst.

Der Name „Kubismus“ ist eine Wortschöpfung des Kunstkritikers Louis Vauxcelles, der die Werke Georges Braques 1908 als „bizarreries cubiques“ bezeichnete. Das Wort Kubismus kommt von Kubus, was "Würfel" bedeutet. Der Kubismus beschäftigt sich mit dem Übergang von gegenständlichen zu abstrakten Formen, zum Beispiel Kugel, Kegel, Zylinder oder Pyramide. Unabhängig entstanden 1907 und 1908 die ersten rein kubistischen Werke von Georges Braque und von Pablo Picasso, der Kubismus hatte seinen Höhepunkt im Jahre 1914.

Der Kubismus war ein Aufstand gegen die realistische Malerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sein zentrales Problem war die Überwindung der Perspektive, die die Gegenstände nur von einem Blickwinkel aus zu erfassen vermag. Demgegenüber versuchten sie, den Gegenstand in verschiedene Sichtweisen aufzugliedern (Analytischer Kubismus) und eine Synthese aus verschiedenen Blickwinkeln zu schaffen (Synthetischer Kubismus). Im synthetischen Kubismus (etwa ab 1912) bemühen sich die Maler nach der "Zerlegung" wieder um den "Aufbau" des Gegenstandes, allerdings unter Wahrung der errungenen Freiheit der Bildgestaltung. Sie bauen nun ihre Bilder aus wenigen größeren Flächen auf, mit strengen klaren Umrissen und kräftigen Farben. Durch Überschneidung der Flächen und durch knappe Schattenangaben deuten sie Körperlichkeit an, ohne doch den Eindruck von der Gebundenheit der Gegenstände an die Zweidimensionalität der Fläche zu verwischen.

Daraus ergibt sich, dass die Gegenstände sehr kantig und zersplittert wirken und nur mehr oder weniger Bezug zu den realistischen Formen der Dinge haben. Diese Darstellung ermöglicht es aber, diese gleichzeitig (simultan) aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten (Polyvalente Perspektive). Simultanität ist deswegen ein Leitwort des Kubismus. Oft erscheinen manche Bildteile transparent, wodurch simultan mehrere Ebenen sichtbar sind.

In seinem zentralen Anliegen berührt sich der Kubismus mit dem etwa gleichzeitigen Futurismus, der wiederum verschiedene Stadien der Bewegung gleichzeitig abbilden will. Auch dem Kubismus ist eine dynamische Sichtweise der Wirklichkeit eigen.

Die Vertreter des Kubismus empfanden die starke Betonung von Licht- und Farbwirkungen in den Werken dieser Zeit als sentimental. Im Gegenzug versuchten sie, sich den Gegenständen streng analytisch zu nähern. Besonders die Arbeiten des frühen Kubismus legen mehr Wert auf Formensprache als auf Farbigkeit. Daher sind sie meist in erdigen, schwachen, gräulichen Farbtönen gehalten.

Der Kubismus wird häufig mit einer theoretischen Betrachtung Paul Cézannes in Verbindung gebracht. Dieser schreibt in einem Brief vom 15. April 1904 an Emile Bernard: „Erlauben Sie mir, Ihnen zu wiederholen, was ich Ihnen schon bei Ihrem Besuch sagte: Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Gegenstandes, einer Fläche auf einen zentralen Punkt führt.“ Diese Ausführungen Cézannes stehen aber in einem tiefen und systematischen Zusammenhang zu seinen Aussagen über Harmonie, Raumillusion und der Wiedergabe des Lichts. Ob also der Kubismus das Werk Cézannes fortgeführt oder mißverstanden hat, ist aus einer einzigen Briefstelle nicht zu begründen. Dokumentiert ist, da Cézanne 1906 starb und der Kubismus sich erst nach seinem Tod entwickelte, zumindest die resolut ablehnende Haltung gegen die kubistische Bewegung Renoirs und Monets.

Bedeutung hat der Kubismus auch durch seinen Einfluss auf Design und Architektur. Bedeutende "kubistische" Architektur findet sich vor allem in Prag.

Obwohl die Übertragung von Begriffen der Bildenden Kunst auf andere Künste und insbesondere auf die Musik problematisch und vielfach kritisiert ist, gelten vor allem zwei zeitgenössische Kompositionen ebenfalls als kubistische Werke: Die beiden Ballette Le Sacre du printemps von Igor Strawinsky (1911/13) und Parade von Erik Satie (1917). Abgesehen von der geistigen Nähe der Komponisten zu den Ideen des Kubismus sprechen dafür vor allem das Aufbrechen herkömmlicher Kompositionsmethoden und das Zusammenfügen eines Kunstwerks durch die Anneinanderreihung von sperrigen, weitestgehend unveränderten, nicht selten heterogenen Einzelelementen.

Textquelle: Artikel Kubismus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Oktober 2006, 18:42 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 1. November 2006, 21:24 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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