Schloss Bellevue

Schloss Bellevue

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Portrait

Schloss Bellevue in Berlin ist der erste Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten. Es liegt am Westrand des Tiergartens, direkt am Spreeufer, unweit der Siegessäule, des Reichstagsgebäudes und des Brandenburger Tores, im Zentrum der deutschen Hauptstadt Berlin. Seinen Namen erhielt es wegen des schönen Ausblicks auf die Spree.

Architektur

Das Schloss wurde im Auftrag des jüngsten Bruders von Friedrich II., Ferdinand von Preußen, nach Plänen von Michael Philipp Boumann errichtet und 1786 fertiggestellt. Dabei wurden ältere schon vorhandene Gebäudeteile einbezogen. Sein Grundriss ist eine langgestreckte zweigeschossige Dreiflügelanlage bestehend aus dem langgestreckten Hauptbau und den beiden Seitenflügeln (links „Damenflügel“, rechts „Spreeflügel“) im frühklassizistischen Stil. Die insgesamt 19 Fensterachsen des mittleren Flügels gliedert ein dreiachsiger Mittelrisalit mit einem figurenbekrönten Dreiecksgiebel, der auf vier Pilastern im korinthischen Stil ruht. Dort befindet sich heute auch der Haupteingang des Schlosses, der sich früher in den durch einen Fries optisch abgesetzten Ecken der Schlossanlage befand.

Das Innere des Schlosses wurde im Zuge zahlreicher Umnutzungen wiederholt umgestaltet. Die Renovierung im Stil der 1950er Jahre wurde wegen ihrer ahistorischen Zufügungen und Umbauten als „Mischung aus Filmstar-Sanatorium und Eisdiele“ verspottet und ist ihrerseits großenteils zahlreichen weiteren Renovierungen gewichen. Aus Denkmalschutzgründen werden zwei Salons mit dem dunkelgetäfelten 1950er-Interieur erhalten.

Aus der Entstehungszeit ist lediglich der 1791 von dem Architekten Carl Gotthard Langhans entworfene Ballsaal im Obergeschoss des Schlosses erhalten. Die Repräsentationsräume präsentieren sich auch nach der jüngsten Renovierung (2004/2005) im Stil der 1980er Jahre, in denen eine behutsame Annäherung an alte Dekorationsformen mit teilweise neuen Materialien versucht wurde.

Nutzung

Ferdinand nutzte es bis zu seinem Tod 1813 als prinzliches Lustschloss und königlichen Landsitz. Danach wohnte sein Sohn August dort, bis das Schloss 1843 von Friedrich Wilhelm IV. erworben wurde, der 1844 in einem Flügel des Erdgeschosses das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Preußen einrichten ließ – diese „Vaterländische Galerie“ war der Vorgänger der Nationalgalerie. Nach deren Auszug 1865 wurde das Schloss bis 1918 wieder vom Hof genutzt.

Im Ersten Weltkrieg diente es der Obersten Heeresleitung und der Regierung mit den Alliierten als Besprechungsort. Anschließend stand das Schloss zunächst leer. Von 1929 an nutzte man es als Bürogebäude, Volksküche und Ausstellungshalle. Die Seitenflügel dienten als Mietwohnungen, bis 1935 das „Staatliche Museum für Deutsche Volkskunde“ dort untergebracht wurde. Schon 1938 wurde das Schloss jedoch durch den Architekten Paul Baumgarten zum Gästehaus der Reichsregierung umgebaut. Diese Funktion erfüllte es nach einem Umbau, bei dem auch der jetzige Mitteleingang neu gestaltet wurde bis zum Kriegsausbruch jedoch nur ein Mal. 1939 bezog der Reichminister und Leiter der Präsidialkanzlei, Otto Meissner, das Schloss als neue Residenz und Wohnung, nachdem er seine bisherigen Räumlichkeiten im Reichspräsidentenpalais an Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop hatte abgeben müssen.

Bereits im April 1941 von Brandbomben getroffen und ausgebrannt, wurde das Schloss nach Kriegsende zunächst notdürftig gesichert, ab 1954 wieder aufgebaut und 1958 als provisorischer Amtssitz des Bundespräsidenten hergerichtet. Ab 1957 diente es neben der Villa Hammerschmidt in Bonn als zweiter – Berliner – Amtssitz des Bundespräsidenten, der es jedoch nur gelegentlich, beispielsweise für Konzertveranstaltungen, nutzte. Am 18. Juni 1959 übernahm Theodor Heuss die Baulichkeiten offiziell. 1986/1987 wurde das Schloss renoviert und nach Plänen aus der Zeit vor der Zerstörung wiederhergestellt.

1991 wurde die Bewachung des Schlosses von der Berliner Polizei an den damaligen Bundesgrenzschutz – die heutige Bundespolizei – abgegeben.

1994 verlegte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker den ersten Amtssitz hierher. Von 1996 bis 1998 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft nach Plänen der Architekten Martin Gruber und Helmut Kleine-Kraneburg das Bundespräsidialamt errichtet. Roman Herzog war der einzige Bundespräsident, der von 1994 bis 1998 auch selbst im Schloss wohnte. Er soll das Schloss wegen seines schlechten technischen Zustandes und häufiger Pannen von Heizung, sanitären und elektrischen Anlagen bitter-ironisch als „Bruchbude“ bezeichnet haben.

Nachdem sich die technischen Pannen häuften, wurde eine Sanierung und grundlegende Erneuerung der technischen Ausstattung in den Jahren 2004/2005 durchgeführt. Während der Renovierung hatte der Bundespräsident sein Büro in das Bundespräsidialamt verlegt. Anfang Januar 2006 wurde Bellevue dem Bundespräsidenten wieder als Amtssitz übergeben. Wie sein Vorgänger Johannes Rau wohnte auch Horst Köhler nicht im Schloss Bellevue, sondern in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Diese wurde 1984 als Gästehaus des Bundes in Berlin erworben und diente Gerhard Schröder bis zu seinem Einzug ins Kanzlerappartement des neuen Bundeskanzleramtes als Kanzlerresidenz. Die früheren Wohnräume im Schloss Bellevue wurden deshalb zu einem Bürotrakt für die Präsidentengattin umgebaut, sodass auch künftige Präsidenten nicht mehr im Schloss wohnen können.

Sonstiges

Meist weht die Standarte des Bundespräsidenten auf dem Dach des Schlosses - auch wenn der Hausherr gar nicht im Schloss ist und sogar dann wenn er sich in anderen Teilen des Landes aufhält. Sie wird nur in zwei Fällen eingeholt: Einmal wenn der Bundespräsident in einem anderen Land (zum Beispiel während eines Staatsbesuchs) eine offizielle Residenz errichtet und wenn der Präsident in seinem Bonner Amtssitz, der Villa Hammerschmidt Termine wahrnimmt.

Textquelle: Seite „Schloss Bellevue“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Juni 2010, 08:14 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 1. Juli 2010, 12:43 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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