Zürich-DADA (Kunst)

Zürich-DADA

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Portrait

Am 5. Februar 1916 gründete Hugo Ball mit seiner Freundin Emmy Hennings in Zürich in der Spiegelgasse 1, unweit von Lenins Exilwohnung das Cabaret Voltaire. Zuerst führte er mit ihr zu zweit simple aber auch exzentrische Programme auf. Sie sang Chansons und er begleitete sie auf dem Klavier. Nach ein paar Wochen lernte er den rumänischen Dichter Tristan Tzara kennen, der ebenfalls in Zürich lebte. Die beiden sympathisierten miteinander, da beide einen ungewöhnlichen Sinn für Geist und ANTI-Geist besaßen. Menschlich ergänzten sie sich sehr gut, weil Hugo Ball eher ruhig und nachdenklich war, wohin gegen Tristan Tzara ein unglaublich lebhafter, niemals ruhiger Mensch war. Er war also wie geschaffen für Hugo Balls Cabaret Voltaire. Als Tzara dann auch seine Gedichte rezitierte, unterbrach er sie oft selbst durch Schreien oder Schluchzen. Die Vorträge im Cabaret Voltaire wurden jetzt zunehmend durch Trommeln, Schlagen und auch Verwendung zweckentfremdeter Gegenstände, wie zum Beispiel leere Kisten ergänzt. Das Publikum reagierte zunächst sehr verwundert, ja eingeschüchtert. Doch dann wurde es eben aus dieser Verwunderung herausgetrieben und das war genau das, was Hugo Ball und Tristan Tzara wollten.

1916 schlossen sich auch Hans Arp und Richard Huelsenbeck Hugo Ball an, und man begann Papier- und Holzschnitte anzufertigen, die ebenso wie die Vorstellungen im Cabaret den ANTI-Kunst-Charakter besaßen. Zu guter Letzt schloss sich Marcel Janco der Truppe an. Auch er war Rumäne; Tristan Tzara und er bejahten ihre Redeströme des öfteren mit „da, da“ was übersetzt eben „ja, ja“ heißt. Das kann ebenfalls der ausschlaggebende Punkt für Hugo Ball gewesen sein um diese Kunst „Dada“ zu nennen.

1916 gab Tristan Tzara eine Zeitschrift mit dem Namen „Dada“ heraus, und im Kreis der Dadaisten war man froh, dass ein Dichter seines Ranges diese Aufgabe übernahm. Auf diesem Wege versuchte er mit Dichtern aus anderen Ländern Kontakt aufzunehmen. Da er ein für seine Zeit exzellenter Polemiker war, war er natürlich wie geschaffen für Manifeste und ähnliche Verlautbarungen, die die „Dadaisierung“ zur Aufgabe hatten. Er grenzte Dada vom Futurismusab, der ein Programm habe, das seine Werke zu erfüllen suchten, während beim Dadaismus kein Programm vohanden sei, das man erfüllen könnte und dass eben das das Programm sei, keines zu haben.

Hugo Ball war durch Wassily Kandinsky auf die Idee von einem „Gesamt-Kunstwerk“ gestoßen, welches viele der menschlichen Ausdrücksformen zusammenfasst, und er initiierte unter dieser Idee mehrere Dada-Veranstaltungen. Das Cabaret Voltaire musste wegen Beschwerden von Bürgern und Nachbarn aufgelöst werden. Hugo Ball und Tristan Tzara eröffneten also eine Galerie in der Bahnhofsstraße in Zürich, die sie „Dada“ nannten. Sie luden bekannte Maler und Bildhauer ein bei ihnen auszustellen, u.A. Wassily Kandinsky, Paul Klee, Giorgio de Chirico. Hier gab es hin und wieder Streitereien zwischen den Besuchern, den Dichtern und den Künstlern. Man versuchte das "Dadaistische" aus der Galerie zu herauszudrängen; man war Teils eifersüchtig aufeinander, und zum anderen Teil war es den Besuchern meist zu „radikal“. Diese Einstellung bereitete Hugo Ball Sorgen, was auch der Grund für seinen späteren Rückzug vom Dadaismus war.

Am 14. Juli 1916 erblickte eine neue Form von Dadaismus das Licht der Welt: Das Lautgedicht. Es wurde zu einem der wichtigsten Schaffensgebiete der Dadaisten. Hugo Ball veranstaltete einen Dada-Abend in einem Wirtshaus. Er berichtete nur Tristan Tzara von seinem Vorhaben, an diesem Abend ein Lautgedicht in einem ganz besonderen Kostüm vorzutragen. Das Kostüm war ein aus Pappe bestehender Zylinder für den Körper und ein ebenso geformter Hut. An den Händen und Armen hatte er ebenfalls röhrenähnliche Pappe kleben. Man musste ihn in den Saal tragen, da er fast bewegungsunfähig war. Dieses Gedicht wurde am 23. Juni 1916 in der Galerie Dada von Hugo Ball aufgeführt. Er selber begründete die Lautgedichte folgendermaßen: „Mit diesen Tongedichten wollten wir verzichten auf eine Sprache, die verwüstet und unmöglich geworden ist durch den Journalismus. Wir müssen uns in die tiefste Alchemie des Wortes zurückziehen und selbst die Alchemie des Wortes verlassen, um so der Dichtung ihre heiligste Domäne zu bewahren.“ Als er seine Lautgedichte rezitierte, explodierte das Publikum förmlich in Gefühlsexzessen der Verwunderung, des Erstaunens, des Lachens und der Ungläubigkeit.

Nach seinen Erfolgen ging Hugo Ball nach Bern um für die „Freie Zeitung“ zu schreiben, wodurch die dadaistische Leitung in Zürich an Tristan Tzara überging. Man veranstaltete eine große Dada-Veranstaltung, in der viele Künstler auftraten und man Gedichte von bis zu 20 Personen gleichzeitig vortragen ließ, welche immer wieder durch Gelächter, Sprechchöre und Zwischenrufe begleitet wurden. Des Weiteren beschimpfte man das Publikum in jedem für die Verhältnisse erdenklichem Maße. Man wollte provozieren, wie man es noch nie getan hatte um an die „niemals vorhandenen Grenzen“ des Dadaismus anzustoßen. Das Publikum jedoch reagierte zum Teil darauf, indem es zum Beispiel Walter Serner von der Bühne aus dem Gebäude jagte und seine Requisiten zerstörte. Hans Arp hatte einmal höchst anschaulich beschrieben, wie es ablief, wenn sie ihr Programm vollführten: „Tzara lässt sein Hinterteil hüpfen wie den Bauch einer orientalischen Tänzerin, Janco spielt auf einer unsichtbaren Geige und verneigt sich bis zur Erde. Frau Hennings mit einem Madonnengesicht versucht Spagat. Huelsenbeck schlägt unaufhörlich die Kesselpauke, während Ball, kreidebleich wie ein gediegenes Gespenst, ihn am Klavier begleitet. – Man gab uns den Ehrentitel Nihilisten".

Textquelle: Artikel Dadaismus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. März 2007, 06:06 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 6. März 2007, 23:04 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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