Spätmittelalter (Geschichte)

Spätmittelalter

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Portrait

Im 14. Jahrhundert führten Überbevölkerung, Missernten und Naturkatastrophen zu Hungersnöten. 1349/50 starb ein Drittel der Bevölkerung an der Pest und ein Großteil der Juden flüchtete aufgrund von Pogromen nach Polen.

Interregnum und beginnendes Hausmachtkönigtum (1254–1313)

Nach dem Ende der Staufermacht verfiel die Königsmacht im Spätmittelalter immer mehr. Der König stützte sich nur noch auf ein geringes Reichsgut und musste versuchen, seine Hausmacht zu erweitern. Als neuer Machtfaktor erwiesen sich inzwischen die Reichsstädte. Die Landesfürsten (die späteren Kurfürsten) wählten in einer verfassungsrechtlich bemerkenswerten Doppelwahl sowohl Richard von Cornwall aus England als auch Alfons von Kastillien zum König. Dies verschaffte den Wählenden, also regionalen Kräften, die Möglichkeit, ihre eigene Macht zuungunsten der Zentralmacht weiter auszubauen. Beide Gewählten waren aber zu schwach sich im Reich durchzusetzen, strebten eher nach der Kaiserkrone. Richard war ganz selten im Reich, Alfons hat es nie betreten. Zeitgenossen sprachen schon damals vom „Interregnum“, der königslosen Zeit.

Das Interregnum wurde 1273 durch die Wahl Rudolf von Habsburg beendet. Rudolf ebnete dem Haus Habsburg den Weg zu einer der mächtigsten Dynastien im Reich, doch gelang es ihm nicht, die Kaiserkrone zu erlangen. Seine beiden Nachfolger, Adolf von Nassau und Albrecht I., standen im Konflikt mit den Kurfürsten. 1308 wurde der Luxemburger Heinrich VII. zum König gewählt. Dieser konnte 1310 seine Hausmacht um Böhmen erweitern und erlangte 1312 die Kaiserkrönung. Im Vertrag von Namslau 1348 erkannte Kasimir der Große von Polen die Zugehörigkeit Schlesiens zu Böhmen, damit zum Heiligen Römischen Reich, an, versuchte später jedoch beim Papst diesen anzufechten.

Ludwig IV. der Bayer und Karl IV. (1314–1378)

Nach dem Tod Heinrichs setzte sich nach einer Doppelwahl 1314 der Wittelsbacher Ludwig der Bayer gegen die Habsburger durch. 1327 zog Ludwig nach Italien und wird im darauffolgendem Jahr in Rom zum Kaiser gekrönt. Im Kampf des Kaisers gegen den Papst, dem letzten des Mittelalters, bestätigten die Kurfürsten im Kurverein von Rhense 1338, dass ein von ihnen gewählter König nicht vom Papst bestätigt werden müsse. Eine von den Luxemburgern geführte Opposition gegen Ludwigs Hausmachtpolitik formierte sich 1346. Der Luxemburger Karl IV. wird von seinen Anhängern mit Unterstützung des Papstes zum Gegenkönig gewählt. Der Tod Ludwigs 1347 verhinderte einen längeren Krieg. Karl IV. verlegte seinen Herrschaftsschwerpunkt nach Böhmen. Er gewann unter anderem die Mark Brandenburg zu seinem Hausmachtkomplex hinzu.

1348 wurde in Prag die erste deutschsprachige Universität gegründet.

1355 wurde Karl zum Kaiser gekrönt. Die Goldene Bulle von 1356 stellte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs eine Art Grundgesetz dar. Ihr Hauptziel war die Verhinderung von Gegenkönigen und Thronkämpfen. Karl glaubte, damit die Machtstellung des Hauses Luxemburg zementiert zu haben.

Beginnender Aufstieg Habsburgs (1378–1493)

Unter dem Nachfolger Karls verfiel die Königsmacht endgültig. Der ältere Sohn Karls IV, Wenzel wird 1400 von den Kurfürsten wegen Untätigkeit abgesetzt. Nach dem Tod des Nachfolgers Ruprecht I. von der Pfalz aus dem Hause Wittelsbach 1410 wird mit Wenzels Bruder Sigismund wieder ein Luxemburger gewählt. Er erreichte zwar 1433 die Kaiserkrönung, war jedoch nicht in der Lage, das Königtum zu stabilisieren. Eine Reichsreform scheiterte an Eigeninteressen der Landesherrscher. Durch die Einberufung des Konzils von Konstanz konnte er allerdings das Abendländische Schisma beenden.

Mit dem Tod Sigismunds erlosch das Haus Luxemburg in männlicher Linie. Die Habsburger traten 1438 mit Albrecht die Nachfolge an. Von 1438 bis 1740 und von 1745 bis zum Ende des Reiches 1806 sollte das Haus Habsburg nun den römischen König stellen.

Unter der langen Regierung von Friedrich III. (1440-1493) wurde der Grundstein für die spätere habsburgische Weltmachtpolitik gelegt.

Frühe Neuzeit

Maximilian I. (1486–1519)

Maximilian I. erwarb durch Heirat das Herzogtum Burgund, zu dem die reichen Niederlanden gehörten, für sein Haus und behauptete es im Krieg gegen Frankreich, sein Enkel Philipp I. der Schöne wurde mit der Erbin des spanischen Weltreiches vermählt. Maximilian war wegen der Türkenkriege auf die Unterstützung der Reichsstände angewiesen. 1495 wurde auf dem Wormser Reichstag eine Reichsreform beschlossen. Maximilian nahm 1508 ohne päpstliche Krönung den Kaisertitel an. Er beendete damit für alle Zeiten die Wallfahrten Deutscher Könige zur Kaiserkrönung nach Rom. Grund waren verschiedene schwelende Konflikte mit Frankreich und Venedig, dessen Truppen viele Alpenpässe versperrt hatten. Durch seine Heiratspolitik kamen neben der spanischen Krone auch Böhmen und Ungarn von den Jagiellonen zum Herrschaftsbereich der Habsburger.

Textquelle: Artikel Geschichte Deutschlands. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Mai 2007, 15:00 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 23. Mai 2007, 20:54 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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